finde die Jugend selbst nach vollendeter Arbeit noch bis in die Nacht aufder Gasse — sie geht von der Gasse in die Ruhe . . . Seitdem jeneGewissenhaftigkeit bei den Uebungen der Religion in Kälte und Gleich-gültigkeit übergegangen ist, da sich auf dem Lande ein Witzeln und Spöt-teln über viele Wahrheiten der Religion hören läßt, da ein falsches Gefühlvon Freiheit im Denken und Handeln sich in den Köpfen und Herzender Landleute festgesetzt hat, so ist auch jene ehrwürdige Rechtlichkeit imganzen moralischen Betragen, jene strenge Gewissenhaftigkeit im Handelund Wandel sehr gesunken. Revolution und falsche Aufklärung sind daranschuld. Auf den Höfen ist's noch besser."
In Beziehung aus öffentliche und häusliche Sitten wird zunächst„das sehr eingerissene Uebel des Saufens" beklagt. „Gerade jetzt, woAlles auf den Ausgang des großen, wichtigen Kampfes in Frankreich ge-spannt ist, sind die Wirthshäuser von Morgen bis Abend fleißig besucht.Es wird beim Branntwein, beim Schöpli Eilfer und, wer's nicht ver-mag, beim Schöpli Dreizehner an der Verfassung tüchtig gearbeitet, undder Donner und Hagel läßt sich hören, wenn es je den „Konsistutions-Herren" — so sagen sie — in den Sinn kommen sollte, eine für's Landungünstige Verfassung zu entwerfen. Ebenso ungewohnt war mir dasschreckliche Fluchen, das schon von den kleinsten Kindern gehört wird.Ueber das Betreten der Schweiz durch die Alliirten war ein gewisserLandrathsherr so aufgebracht, daß er ganz neue Flüche daherschüttete unddamit großen Beifall errang . . . Unsere Bauern sind im Winter zuwenig beschäftigt. Wie manches Gläschen Branntwein, der in der Thatzu übermäßig, besonders auch vorn Weibervolk, genossen wird, wie manche„Halbe" Wein würde weniger im Wirthshaus genossen, wenn mehrWinterbeschästigung wäre! Vom Frühling bis Herbst dagegen herrschteine ungemeine Thätigkeit, ein außerordentlicher Fleiß, der vom frühenMorgen an bis in die späte Nacht dauert und bei Groß und Klein,Mann und Weib sehr lobenswürdig ist.
„Ob auch unser Volk noch wie vormals hochherzig, biedersinnig,ohne List und Falschheit sei? Mich dünkt es wenigstens nicht so."