Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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In Beziehung auf Zanksucht und böse Geschwätze, Leichtfertigkeit undVerschwendungssucht, unsittliches und auflüpfisches Betragen der Fabrik-arbeiter, Mangel an Gemeiusinn wiederholt der Pfarrer von Afsolterndie uns bereits bekannten Klagen. Dagegen will er dieFabrikler" auchnicht zum alleinigen Sündenbock machen. Erstens sind sie aufgeweckter,leichter zu behandeln, Verbesserungen geneigter, wie denn z. B. die Ein-führung des neuen Gesangbuches nur ihnen zu danken war. Zudembeobachtet die Mehrzahl im Ganzen doch ein ordentliches Betragen undverdient nicht, von der landwirtschaftlichen Bevölkerung, der es eben ambaaren Geld und damit an Gelegenheit zur Ausschweifung mangelt, soscheel angesehen zu werden.Man beobachte die Bauernbuben zur Herbst-zeit, wenn sie in Gesellschaft zur Weioe sind, und man sieht und hörtDinge und Gespräche, daß die Fabrikler, die doch immer die Sünden-böcke sein müssen, es nichr ärger treiben könnten. Wo Viele beieinandersind, da ist gewöhnlich auch viel Sünde."

Als gefrenteste von allen Bevölkerungsklassen der Gemeinde bezeichnetdenn auch der Berichterstatter diejenige, die Feld- und Fabrikarbeit mit-einander verbinde.

Auch aus der (56 Quartseiten umfassenden) Reflexion von PfarrerMeier in Laufen, früher Pfarrer von Afsoltern, verdient noch Einigeshervorgehoben zu werden, was er aus seinen Erfahrungen heraus hinzu-fügt. Traurig und lehrreich zugleich ist es, von ihm zu vernehmen, wiedemoralisirend manchmal ein einziger einflußreicher Mann auf die Ge-meinde wirken kann.Das Uebel der Trunksucht ist sehr alt und magauch in andern Gemeinden angetroffen werden, aber in höherem Gradnirgends wie dort. Am meisten aber erhielt es Zuwachs und Nahrungvon der Zeit an, als ein aus dem Staub der Armuth Emporgekommenersich nicht blos zum Wirth, sondern zum Herrscher über die Gemeindeerhob, und dem kein Mittel zu unwürdig war, sich zu bereichern. Ge-meiniglich war das immerwährende Handeln und Verhandeln für denWirth die beste Ausbeute; es setzte Kauftrünke und Renkauftrünke ab,der schlaue Wirth, ein wahrer Wolf im Schafskleid, machte den Ver-