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Sie wandeln bald in einem lichten WaldeVon großen Eichen an der sanften Halde;
Wie steht so fest und frei der edle Hain,
Und überall blaut noch der Himmel d'rein!
Hoch oben kreist der Falk im Sonnenlicht,
Das durch das Gitterwerk der Zweige bricht,
Und Uhland, schreitend im geweihten Raume,
Tritt unversehns zum nächsten Eichenbaume.
Rasch hängt er auf den Kranz, und schweigend wendetDen Schritt er weiter, nur Frau Emma sendetReuig den Blick zurück; doch strahlend lichtWird d'raus ihr Aug', sieht sie den Mann so schlicht.
Tief schaut sie dieses reinen Goldes HortIn seinem Herzen; — doch mit keinem WortWird sie benennen ihr beglückend WissenVon einem Schatz, den tausend Frauen missen.
Im Waldesdämmer an dem grauen StammeVerlassen glimmt des Lorbeers grüne Flamme;
Vorüber zog das Wanderpaar schon lang,
Und laut erschallt im Hain der Vogelfang.
Gottfried Keller.
tz