Jahrgang 
8 (1887)
Seite
V
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Vorwort.

V

Conrad Ferdinand Meyer schickte mir seine schönenVerse auf meine Bitte, in Poesie oder Prosa den Einflusszu characterisiren, den Goethe auf ihn und seine schrift-stellerische Entwickelung geübt habe. Ich bin überzeugt,dass die Leser meinem Urtheile beipflichten werden, dasshier ein Poet in congenialem Sinne und vollendetem Aus-drucke Goethes Dichtergrösse darzustellen bestrebt ist. Indem Beifalle der Leser würde ich gern eine Ermunterungerblicken, ähnliche Zeugnisse zeitgenössischer Dichter zusammeln und durch eine solche Zusammenstellung dieinnige Verknüpfung auch unserer Dichter mit unsermgrössten Meister darzuthun.

Die Aufnahme von Ernst von Wildenbruchs tiefem-pfundenen Versen, die eines nachhaltigen Eindrucks beiallen Lesern ebenso sicher sind, wie sie ihn bei dem kleinernKreise der Hörer gefunden haben, hat eine eigenartige Veran-lassung. Durch eine seltsame Verkettung unvorhergesehenerZwischenfälle war es unmöglich, in diesem Bande einenNekrolog Wilhelm Scherers zu veröffentlichen. ErichSchmidts ausführlicher biographischer Aufsatz wird erst imnächsten Jahrgange erscheinen. Da eine wissenschaftlicheWürdigung unmöglich war, so versuchte ich eine dichte-rische mitzutheilen, und ich bin Herrn Ernst von Wildenbruchaufs Tiefste verpflichtet, dass er mir gestattete, seinen nurin wenigen Tagesblättern veröffentlichten Prolog an dieserStelle Wiederabdrucken und dadurch zum Eigenthum derGoethe-Gemeinde machen zu können.

Ich selbst traute mir nicht zu, einen Nekrolog Wil-helm Scherers in der Weise zu schreiben, wie er für dasGoethe-Jahrbuch geschrieben werden musste. Ich bin wederScherers Schüler, noch darf ich mich rühmen, sein Freundgewesen zu sein, dergestalt, dass ich im Stande gewesenwäre, ein Bild seines gesammten wissenschaftlichen Wirkens,