Jahrgang 
8 (1887)
Seite
18
JPEG-Download
 

i8

Neue Mittheilungen.

nicht schaden, wenn Sie Cotta einige Worte von mirsagten; denn er glaubt an Ihnen, wie billig, als auf einOrakel. Cotta wird die Antwort und die Emphelungs-schreiben zu mir gütig besorgen.

Von meinem Aufenthalt in Paris (ich war da 19 Monath)habe ich Ihnen nicht viel zu sagen. Ich habe in Parismeinen Palnatoke und meinen Axel und Walburg gedichtet;den ganzen neuen deutschen Aladdin gemacht den irrendenRitter und viele kleine und grössere deutsche und dänischeGedichte geschrieben. Hakon und Palnatoke im Deutschenübersetzt etc. Jeden Abend bin ich beinahe doch imTheater gewesen, von daher kenne ich die Franzosen ammeiften, und ich glaube man lernt sie am heften und amangenehmften zu kennen da. Die Franzosen sind vor-trefliche Soldaten, Schauspieler, Tänzer, Geschäftsleute,Umgangsleute; der Staat ift frisch und bewegt sich gelenk;was Oben seyn muß, ift Oben; ein Jeder ift Bürger; dasift alles gut. Aber von wahrer Wissenschaft und wahrerKunft weiß der jezige Franzos gar nichts. Er weis nichteinmahl daß er unwissend ift; er betrachtet den Deutschenund den Nordländer als Barbaren und das macht ihn ekelund verächtlich. Ihre Alten waren gelehrt und haben vielgethan in der Zeit worin sie lebten. Aber wenn ich Rousseauhöchft ausnehme, schnüren sie mir alle (und selbft er)das Her% ein, ftatt es zu erweitern. Die rechte genialischeGröße hat kein Franzose gehabt, die Edlen -wie Fenelon,Rousseau Buffon, haben sie geahnet und anerkannt. Selbftihr Witz gefällt mir nicht er ift immer so verflucht nüchternund gescheut und spielt immer mit den zeitlichen Ver-hälltnissen. Weil sie verständig, artig, geschickt sind, undsich leicht und angenehm bewegen, auch augenblicklicheGutmiithigkeit haben, sind mir ihre Luftspiele am liebstenworin sich diese Verheltnisse zeigen, und worin die ge-fällige Sprache heiter und spielend alles belebt. Ihre Trauer-spiele habe ich mich immer zwingen müssen zu lesen, siesind für mich eigentlich wahre Luftspiele gewesen weil