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Neue Mittheilungen.
Nehmen Sie mir meine Äußerungen nicht übel, meinverehrungswürdigfter Gönner. Es ift das kurze Resultatmeiner Überzeugungen. Man muß die Franzosen kennen;Daß die Franzosen selbft in der deutschen Fitteratur augen-blicklich [?] von den guten Ärzten gebraucht wurden, verstehich sehr gut, wenn Schiller es auch nicht so schön inseinem Gedicht an Ihnen gesagt hätte. Mit Bösen mußman Böses vertreiben, das war eigentlich eine umgekehrtemedicinische Cour. Die Fitteratur hatte zu viel Mercurius(Quiksilber) im Feib, das mufte man also mit den Fran-zosen wieder austreiben. Aber wer die alte südliche undnördliche Litteratur kennt Wer Shakespeare Goethe Schillerund Ewald kennt, lernt nicht viel von den Franzosen.Etwas? ä la bonheur !
Wie freut es mich daran zu denken mit dem Frühlingewieder in Weimar zu seyn; meinen vielgeliebten Meifterwieder zu sehen, Ihnen von Italien zu erzählen und —vielleicht — meinen Flakon auf dem einzigen deutschenTheater wo Harmonie und edler Ton herscht aufgeführtzu sehn. Ich werde Sie gewiß wieder sehen — das dritte,vielleicht das letze Mal. Ach wenn Sie wuften wie ichSie liebe. Sie sind der einzige Jezt lebende vor dem ichmein Knie beuge und zu dem ich sage, Fiebe, lehremich. Ich bitte die Frau Gemahlin und Riemer innigilzu grüßen. Erfreuen Sie mich mit einigen Zeilen voneigner Hand. A Oehlenschläger.
V. Briefe Herders und der Herderschen Familie.
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Rom den 3. Dec. 88.
Endlich ifts wohl Zeit an Dich zu schreiben, mein gün-ftiger H. und Freund, und Du haft es, wie durch deinevielfache Güte und Theilnehmung an mir, so auch da-durch verdient, daß Du mein Stillschweigen so wohl er-klärt haft, und nicht müde geworden bift, mir einige ftär-kende Worte, die nie verlohren gewesen ift, zu sagen.