Jahrgang 
8 (1887)
Seite
179
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G.v.Loeper: Zu Goethes Gedichten »Trilogie der Leidenschaft«. 179

Szymanowska und Schwester überraschte mich«. »An-geschaffte Trinkgläser. Für Graf Taufkirchen Flandel vonGlaswaaren und Toiletten beschäftigte Frau von Levetzow.Zu Tische Scherz mit den Gläsern. Wiederholung der Ge-burtstagsgeschichte. Auf den Hammer gefahren. AbendsTaufkirchen und Erfolg seines Handels. Grosse Toilettevorgezeigt. Abends mit der Familie. Jugend. Einzelnheitender Töchter. Amelie erschien dabei sehr verständig. DieMängel ihrer Pensions-Lehrerin hervorhebend«.

j. September, Freitag.

»Früh alles gepackt. Kam Rath Grüners Wagen, demdie sämmtlichen Steine aufgeladen wurden; auch meinWagen fuhr ab«. »Graf Taufkirchen. Als sich der ent-fernt hatte, allgemeiner, etwas tumultuarischer Abschied.Ich ging bis zum goldnen Löw T en, wo ich den Wagen traf.Abgefahren nach neun Uhr«.

Goethe und Ulrike haben sich seitdem nicht wieder-gesehen. Es war das letzte Lebewohl. Es klingt noch nachin dem Gedicht »An Werther«, dem ersten der Trilogie,aus dem folgenden Frühjahr:

»Und wir verschlungen wiederholter Noth,

Dem Scheiden endlich Scheiden ist der Tod!

Wie klingt es rührend, wenn der Dichter singt,

Den Tod zu meiden, den das Scheiden bringt!Verstrickt in solche Qualen halbverschuldet,

Geb ihm ein Gott, zu sagen was er duldet«.

Die Muse versagte sich dem Dichter nicht. Die Elegieerklang unmittelbar nach dem Scheiden. Schon auf der erstenStation »halb ein Uhr in Chotau« notirte Goethe »Abschrifteines Gedichtes«, das heisst, er kopirte aus seiner Schreib-tafel einen unterwegs entworfenen Theil der Elegie. Um5 Uhr traf er in Hartenberg zum Besuche beim GrafenAuersberg ein und blieb hier bis zum Vormittag des 7. Sep-teniber. Dort ist vom 6. bemerkt: »An dem Gedichte redigirt«

und vom 7. (Morgens) »Sonntag das Gedicht fortgesetzt«.

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