Jahrgang 
8 (1887)
Seite
185
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G.v.Loeper: Zu Goethes Gedichten »Trilogie derLeidenschaft«. 185

laubniss, Ihnen einige Nachricht von mir und den Meinenzu geben; dass diess für Sie Interesse hat, macht mir dieinnigste Freude!

Amelie ist so wohl, wie es möglich ist, sie ist schonviel ausser dem Bett, ihr Kind ist ein hübscher kleinerMensch, ihr ältester Sohn Franz ist ein grosser Knabe fürsein Alter, der jetzt zu sprechen anfängt, was Eltern, Tantenund Grossmutter sehr unterhält; sie ist mit ihrem Mannesehr glücklich, Rauch ist aber auch ein vortrefflicher Mensch,und aus der lebhaften Amelie ist eine sehr stille Hausfraugeworden, die nur für ihren Mann und ihre Kinder lebt.

Ulrike ist, wie sie war, gut, sanft, häuslich, sorgt fürdie Schwester und deren Kinder, dabei heiter ohne lustigzu sein. Ihre immer gleich bleibende Laune, ihr gefälligesanspruchsloses Wesen macht ihr fast aus allen BekanntenFreunde, was ja als ein Glück anzusehen ist.

Bertha ist sehr gross, und ich darf es ja zu Ihnensagen, sehr hübsch geworden; hat eine sehr hübsche Stimme,und ist lieb und gut, nur ein sehr reizbares Nervensystem,daher etwas empfindlich; aber Ulrike und Bertha liebensich so unaussprechlich, dass sie beide von der Möglichkeiteiner Trennung nichts hören wollen.

Nun sagen Sie, habe ich als Mutter es wagen dürfenso offen zu sprechen, ohne für eitel, oder Gott weiss was,gehalten zu .werden? doch Ihre Güte und Freundschaft,dabei die Überzeugung dass Sie mich genau kennen, bürgtmir für die richtige Beurtheilung.

Meine Eltern sind in Marienbad, doch da' Mutter oftunwohl ist und ihr das Geschäft zu beschwerlich wird,ist die Ausspielung des Hauses nun bestimmt; da wir esnur für die Summe, die es zu bauen kostete, verkaufenwürden, ward dieser Ausweg gewählt.

Graf Klebeisberg kam als Regierungs-Präsident nachWien, et verliess sehr ungern sein Vaterland, obgleich ihndie Gnade des Kaisers auszeichnend ehrte. Ich war diesenWinter theils in Trziblitz, theils in Prag; Amelie war mit