Jahrgang 
8 (1887)
Seite
197
JPEG-Download
 

Victor Hehn: Goethe und die Sprache der Bibel.

197

Liebetraut: »ein Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande«(Matth. 13, 51, Parall.); Bischof: »und das Reich ist eineMördergrube« (Matth. 21,13, Parall.); Götz: »dass ich nichtsehen soll, wo Alles hinaus will« (Matth. 26, 58 : auf dasser sähe, wo es hinaus wolle); derselbe: »die mein Fleischden Vögeln unter dem Himmel und den Thieren auf demFelde zu fressen vorschneiden soll« (1 Sam. 17, 44: ichwill dein Fleisch geben den Vögeln unter dem Himmelund den Thieren auf dem Felde); Adelheid: »o ihr Un-gläubigen, immer Zeichen und Wunder!« (häufige biblischeFormel); Elisabeth: »die grossen goldnen Ketten stehenihnen zu Gesicht« Götz (unterbricht sie): »wie demSchwein das Halsband« (Spr. Sal. 11, 22: wie eine Saumit einem goldenen Haarband; wegen der Ketten musstedas Haarband in ein Halsband verwandelt werden und,weil es sich um Rathsherrn, also um Männer handelt, dieSau in ein Schwein).

Faust: Allbekannt ist, dass der Prolog im Himmel denersten Kapiteln des Buches Hiob nachgebildet ist, selbstbis auf einzelne Worte hinaus. Faust: »ob mir durchGeistes Kraft und Mund« (Röm. 13, 19: durch Kraft desGeistes Gottes); derselbe zu Wagner: »sei er kein schellen-lauter Thor« (d. h. kein Narr? oder vielmehr nach 1 Kor.13, 1: ein tönend Erz oder eine klingende Schelle); der-selbe zu Gretchen: »als alle Weisheit dieser Welt (1 Kor.3, 19); der Bürger vor dem Thor: »als ein Gespräch vonKrieg und Kriegsgeschrei« (Matth. 24, 6: Ihr werdet hörenKriege und Geschrei von Kriegen, Marc. 13, 7); Mephi-stopheles zu Frau Marthe:

Ja, gute Frau, durch zweier Zeugen Mund

Wird allerwegs die Wahrheit kund

(schon im mosaischen Gesetz, danach auch im NeuenTestament, z. B. Joh. 8, 17: auch stehet in eurem Gesetzgeschrieben, dass zweier Menschen Zeugniss wahr seie);derselbe: »habe noch gar einen feinen Gesellen« (Tob. 5, 5:und fand einen feinen jungen Gesellen stehen); derselbe: