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Bibliographie.
Moralisches, allgemein Religiöses, specielle Betrachtungen überChristenthum, Katholicismus, Protestantismus, Naturwissenschaft-liches. Bekennntnisse über Empfindungen und Erlebnisse. Lite-rarisches : antike Poesie, besonders Tragödie und deren Ver-treter Shakespeare, Jean Paul, Wieland, Lessing. Politisches:Zusammenhang demokratischer Gesinnung mit der Comödie,Pressfreiheit. »Die ganze Pressfreiheit der Deutschen beruhtebloss darauf, dass jeder vom andern soviel Böses und Schlechtessagen konnte als er Lust hatte«. Viele der von Keil mitge-theilten Sprüche waren schon von Riemer abgedruckt, Einzelneswar von Goethe in den Sprüchen benutzt oder ähnlich gesagt.
Bilder aus vergangener Zeit nach Mittheilungen aus grossen-theils ungedruckten Familienpapieren. Als Manuscriptgedruckt. Zweiter Theil. Bilder aus Carl SievekingsLeben. Hamburg, Agentur des Rauhen Hauses 1887.
2 Abtheilungen. XI, 250, VI, 367 SS.
I, 87 fg.: Meldet einen Besuch bei Goethe (20. Apr. 1809):»Am Sonntag Mittag war ich bei Goethe und fand ihn imGarten. Du glaubst nicht, wie weit der Mann hervorragt vorallen, die in Deutschland geschrieben haben; solch ein mensch-licher Adel in dem ganzen Wesen, solch ein Feuer in dengrossen braunen Augen, so gediegen und unmittelbar aus demLeben gegriffen jedes Wort, auch das unbedeutendste, das er•sagt. Nach Tisch fand ich mich am Fenster mit ihm alleinund hatte Gelegenheit, ein Gespräch anzuknüpfen, dessen Fadennicht nach jeder Antwort von meiner oder seiner Seite riss.Nun sprach er von seiner glücklichen Jugend; damals hätteman Jahre verlieren dürfen, jetzt keinen Tag; die Welt seiernsthafter geworden: wie der Schiffbrüchige müssten wir unsan der Planke halten, die uns rettete und die verlorenen Kistenund Kasten uns aus dem Sinne schlagen. Ich habe nie eineso angenehme halbe Stunde verlebt. Gestern war ich wiederdort und heute werde ich den ganzen Tag da zubringen, dennzum Abend hat die (die Parenthese magst Du Dir selbst füllen)Geheimrätbin mich zu einem Schauspielerthee eingeladen. . . .Es waren mir noch ein paar vergnügte Stunden in GoethesHause beschieden. Einmal fand ich sämmtliche Schauspielerdort, die er gewöhnlich bei sich sieht, das andere Mal warich ganz allein. Am ersten Abend waren wir über die Maßenlustig. Ich sass bei der Schauspielerin, die am Abend meinerAnkunft in »Emilia Galotti« spielen sollte, ein charmantesKind, wie Goethe sagt; mir schien sie ziemlich unbedeutend.Er kam erst später vom Hofe zurück. Eben hatte man be-merkt, dass er wohl wie Karl Moor unter seine Kinder aufeinmal auftreten könnte, als er die Thür öffnete, hinter den