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Bullinger: Laßt mir das erste Wort, sonst möcht' er bös
erschrecken.
Weil keine Scheid' Ihr habt, das Schwert darein zu stecken.Allein was seh' ich hier, auch der Mann ist bewehrt . . .Halt! Werda! Wißt Ihr nicht, daß es hier ist verwehrt,Zu tragen auf der Straß derlei gefährlich Waffen?
K. Karl: Was hab' mit dem Verbot als Kaiser ich zu schaffen?Ich denk' wahrhaftig doch, daß eine MajestätNoch etlich gute Zoll ob einem Stadtrat steht.
Und überdies, erlaubt, der da hat auch ein Schwert,
Und was dem Herrn erlaubt, ist mir auch nicht verwehrt.(Er sieht Zwingli.)
Ha, seh' ich recht, Ihr seid's, Herr Zwingli! Große FreudeMacht mir's, daß auch einmal wir treffen uns zwei beide.Ich seh' Euch zwar recht oft, Ihr aber seht mich nicht,Dieweil gen Süden Ihr dreht Euer Angesicht.
Zwingli: Ja wer denn, mit Verlaub, seid Ihr? Ihr tragt
die Krön,
Und doch gibts in der Schweiz ja nirgends einen Thron.K. Karl: Jetzt freilich längst nicht mehr, doch einstens war es so;Wir beide sind ja nicht erst heut' des Lebens froh.
Es war die Schweiz ein Theil des Reichs zu meiner Zeit:Ich bin der Kaiser Karl . . .
Zwingli: Natürlich, Herr! verzeiht,
Daß ich Euch nicht erkannt, ich war grad etwas stürm.Wie oft hab' ich gesehn Euch droben an dem Thurm,Wenn's Mittag läutete und unten an der GassenDas lose Bubenvolk nicht müde ward, zu passen,
Ob Ihr nicht Wecken werft herab von Eurem Sitz.
Ihr kennt ihn ja gewiß, den alten Zürcher Witz.
Wie haben Eurer wir im Stift am KarlitagIn Rede und Gesang, bei fröhlichem Gelag