Jahrgang 
9 (1888)
Seite
41
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Acta betr. d. Gesellschaft für deutsche Sprache. 41

durch die immer vermehrten Arbeiten und verringertenArbeiter, so sehr beschäftigt, betäubt oder abgeftumpft sind,daß ihnen für das Wißenschaftliche keine Zeit übrig bleibt,oder eine im höchften Grad lebendige Luft daran in ihnen vor-handen seyn muß, die sich durch zehn und zwanzigjährige Stö-rungen erhält. Hier wird ein Mitglied für die Gesellschaftnur durch glückliche Zufälle ausnahmsweise gewonnenwerden. (In früheren Zeiten wäre auch der Vorzug ge-wesen, daß gewiße Arbeiten mehr hiftorisch betriebenwurden, z. B. die Regulirung der Steuern, also mit jenenwißenschaftl. Beschäftigungen näher verwandt waren.) Da-gegen bleibt ein Stand, der an der Gesellschaft großenAntheil nehmen könnte, nämlich der Geiftliche. Von Pfarrernift auch noch immer für Special Geschichte, Idiotikon auseigenem Antrieb manches geschehen, so ift z. B. von Steinenin seiner weftphäl. Gesch. manche Urkunde gesammelt undbekannt gemacht. In den katholischen Ländern könntenaußerdem die Domherrn angeregt werden, bei denen, wennsie bisher aufs Sammlen verfielen, es meift auf eine bizarreoder lächerliche, manchmal auch sinnlose völlig unfruchtbareWeise eingerichtet wurde. Hier in Heßen und auch wohlin andern Orten haben die Landgeiftlichen häufig den Cha-rakter von Berathern in weltlichen Angelegenheiten undNöthen erhalten, das hat eine schöne und nützliche Seite;daß sie aber zugleich auch Landwirthe größtentheils seynnnißen, sollte abgeschafft werden und dadurch möglichgemacht, sich wüßenschaftlichen Arbeiten zu widmen. Hiermüßten also einerseits die Regierungen wirksam seyn, aufder andern Seite aber Mitglieder der Gesellschaft auf denUniversitäten Neigung dazu bei den Candidaten erwecken.Wo der geiftliche Stand noch in guten und würdigen Ver-hältnißen befteht, wüe in Altwürtemberg wird er die Ge-sellschaft gewdß fördern können und leicht dafür zu ge-winnen seyn.

Überall müßten wirkliche Archivare angeftellt unddieses Amt nicht als ein Nebenamt ertheilt werden, wo