Jahrgang 
9 (1888)
Seite
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Neue Mittheilungen.

Schon im Laufe des gegenwärtigen Jahres vernahmich von Berlin dass man die Absicht habe von dorther diedeutsche Nation anzuregen, dass sie gemeinsam für Ge-schichte und Literatur zweckmäßige Bemühungen unter-nehmen möge. Staatsrath von Niebuhr empfahl bey seinerDurchreise dieselbe Angelegenheit.

Nun aber bringt Canzler von Müller einen weitläufigenAufsatz, den Plan umftändlicher vorlegend, aber auch ebendadurch die Schwierigkeit ja Unmöglichkeit desselben anden Tag bringend. Er erhielt ihn aus den Händen desHerrn Staats-Minifters von Stein.

Da ich in diesen Regionen mich nur als Galt undWanderer aufgehalten; so ersucht ich die Gebrüder Grimm,in Cassel, als Männer vom Handwerk, mir hierüber einfreyes Gutachten zu erftatten, welches sie, sehr genügendwie mir scheint erfüllt, und ich ftand im Begriff diese Papieredem Minifter von Stein, als ein Zeichen der Aufmerksam-keit zu weitern Gebrauch zu übersenden. Ehe aber diesesgeschieht wünsche vorher Ew Königl. Hoheit gnädigfteBeyftimmung, in wiefern ich hier blos als Privatmann han-deln soll, oder vielleicht einige Hoffnung zu HöchftderoTheilnahme erregen dürfe.

Es kann und wird immer etwas Gutes daraus entliehen,sobald sich irgendwo ein. thätiger Mittelpunkt feftsetzt,andere zur Nachfolge reizt und mehrere solche Lebens-punkte sich in Rapport setzen. Und so würde sich nachund nach eine Gesellschaft organisiren, welche jetzt ausvielen, aber zerftreuten Mitgliedern beftehend, nur eine un-sichtbare Kirche macht.

Bey Rückkehr des Herrn Staatsminifters von Voigt derdiesen Gegenftand nach allen Seiten übersieht, würde sichdas Weitere ergeben.

unterthänigfU

Weimar d. 2" n Oclbr. 1S16. Goethe.

»unterthänigst Goethe« eigenhändig.