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Neue Mittheilungen.
»Als nun ihre natürliche Gestalt in zwei Hälften getheilt war,sehnte sich jede nach ihrer Hälfte und so kamen sie zu-sammen,« von Schopenhauer nach der Zweibrückener Ausgabe(Bipont.) citirt steht (Gwinner S. 578) Sympos. C. 15 und istvon Sch. in der Schrift: »Über das Sehen und die Farben«2. Cap. § 6 (3. Aufl. Lpz. 1870, S. 36) benutzt worden.
No. 23. »Dieser Brief und die beiden vom 7. Februarund 4. Mai 1816 (No. 25) befanden sich in einem Fascikel»zur Farbenlehre«, die übrigen in den Quartalheften. DieAbschrift des erstgenannten, dessen Original nicht mehr vor-handen ist, hat Goethe bald nach dem Empfang anfertigenlassen; die Zahlung für eine sechs Bogen lange Kopie einesBriefes an den Schreiber Schuply ist, wie Burkhardt freund-lich mittheilt, unter dem 22. December 1815 im Rechnungs-buche angesetzt. Offenbare Versehen des Abschreibers habeich ohne weiteres im Texte berichtigt, im ganzen ist dieKopie zuverlässig«. B. S.
Die am Anfänge dieses Riesenbriefes erwähnte AntwortGoethes ist vom 23. Oktober 1815 (Gwinner S. 147 fg.). Goetherühmt des jungen Forschers Treue und Redlichkeit, fühlt sichaber dem behandelten Gegenstand zu entfremdet, um einspecielles Urtheil abzugeben. Er verspricht nur ein Blättchenüber das Violette, das aber erst als Beilage des Briefes vom16. November 1815 (a. a. O. S. 150 fg.) folgte. Er schlägtvor, Schopenhauers Aufsatz und Briefe dem Dr. Seebeck zuschicken und wünscht, dass beide Männer sich vereinigten.Da Sch. eine solche Vereinigung ablehnt und eine kategorischeErklärung darüber verlangt, ob Jemand seine Schrift gesehenhabe, so beruhigt ihn Goethe in dem Briefe vom 16. Nov.
1815 (a. a. O. S. 149 fg.), weigert sich aber, Schopenhauers
Wunsch zu erfüllen, dessen Schrift herauszugeben. Späterveranlasste er Seebeck, das im Druck erschienene BuchSchopenhauers zu lesen, vgl. G.-J. VII, 331. — »Der Lehr-brief sagt: »Das Urtheil ist schwierig« (S. 56), genauer: »DieKunst ist lang, das Leben kurz, das Urtheil schwierig«, so
lautet der Anfang des Lehrbriefes in »Wilhelm Meisters Lehr-
jahre«, Buch VII, Cap. 9. Der lat. Spruch (S. 57) deutsch »undKnaben, welche jetzt spielen, werden unsere Richter sein«.
Die drei Differenzpunkte Schopenhauers gegen Goethebetreffen 1. die Herstellung des Weissen, 2. den Satz: derphysiologische Gegensatz, nicht der physische ist ein polarer,3. die Entstehung des Violetten. Vgl. darüber Schopenhauer»Über das Sehen und die Farben« S. 28 fg., 35, 42 ff., be-sonders S. 45, 52 fg., S. 74 fg. Daselbst S. 80 ff. § 14 »EinigeZugaben zu Goethes Lehre von der Entstehung der »physischenFarben«; eine eingehendere Darlegung und Würdigung der