Jahrgang 
10 (1889)
Seite
183
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Streitigkeiten der Frankfurter Geistlichkeit etc. 183

Momente. Zunächst die briefliche Äusserung des Dichtersan Kestner vom 2. Oktober: »Unsere Spektakels mit denPfaffen werden immer grösser. .Sie prostituiren sich immermehr und wir rencheriren darauf« (wir setzen ihnen immermehr zu). Ferner ist darauf hinzuweisen, dass Goethe in derNachrede zur letzten Nummer des Jahrgangs 1772, in derer besonders auf den Streit mit der Geistlichkeit Bezugnimmt, die Erklärung abgibt, dass »mit Ende dieses Jahresdiejenigen Recensenten, über deren Arbeit die meiste Klagegewesen, ein Ende ihres kritischen Lebens machen wollen« eine Erklärung, die zu der Vermuthung berechtigt, dasswenigstens eine jener missliebigen Recensionen von ihmherrührt. Geradezu entscheidend dürfte der Umstand sein,dass Goethe selbst als Anwalt in diesem Processe mit-gewirkt hat, woraus sich entnehmen lässt, dass ihm derUrsprung der Recension von Struensees Bekehrungsge-schichte genau bekannt sein musste. Ein Widerspruchgegen Goethes eigne Angabe müsste wenigstens sehr ge-wichtige Gründe aufzuweisen haben, was nicht der Fall ist.

Die Geistlichkeit hatte in ihrer Eingabe vom 9. Septemberfolgende Forderung gestellt: »dass dem Directori dieserAnzeigen befohlen werde, sich der recension theologischerSchrillten entweder gänzlich, oder doch wenigstens allengegen die Religion anstosenden Ausdrücken die demchristlich gesinnten Leser zum Argernüß gereichen, undworüber wir schon viele Klagen von Fremden und Ein-heimischen gehöret haben zu enthalten«. Der Rath fasstedarauf am 15. September wirklich den Beschluss, Deinetsolle bei 100 Rth. Strafe keine theologischen Artikel mehrdrucken, die nicht durch einen auf seine Kosten obrig-keitlich bestellten Censor eingesehen und genehmigt wordenseien. Dieser Beschluss wurde dem Ministerium mitge-theilt mit dem Ansinnen, einen aus ihrem Gremium zubestimmen, welcher diese Revision zu übernehmen habe.Es scheint jedoch diese Wendung der Sache den Geistlichenselbst nicht zugesagt zu haben, denn sie beschlosssen am16. September die Bitte an den Rath zu richten, dass mitRücksicht auf die zu erwartenden Verdriesslichkeiten dasganze Ministerium mit dieser Arbeit, die man unentgeltlichübernehmen werde, betraut werden möge, welches Ersuchendenn auch genehmigt wurde. Senior Plitt predigte damalswieder gegen die Gelehrten Anzeigen und erklärte, 1 erwolle lieber aus der Stadt Frankfurt gejagt werden, alsdass er leiden wolle, dass man ihm Christum nehme«,worüber Deinet in gewohnter Weise spöttelt.

1 Brief von Deinet an Bahrdt vom 26. Sept. (II, 135).