Jahrgang 
10 (1889)
Seite
254
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Miscellen.

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eine mit aller Zuversicht gemachte, trotzdem falsche Kirchen-buchsangabe abgeschnitten, auf die er sich wie alle ihmnachfolgenden Forscher verlassen zu dürfen glaubte.

Die Sache klärt sich folgendermaßen auf: die, den30. Januar 1701 getaufte Anna Maria Textor, die dritteSchwester des Stadtschultheissen, ist nicht, wie noch kürzlichDüntzer angegeben hat, den 5. Januar 1740 zu Frankfurt amMain begraben worden an diesem Tag hat man eine zuAlzei geborene Wilhelmine Maria Textor, die Tochter einesStadtkornschreibers Andreas Textor, beerdigt sondern er-reichte ein Alter von 65 Jahren und war seit den ersten Tagendes Novembers 1743 mit dem um vierthalb Jahre jüngernGeneral Friedrich Christian von Floffmann, dem bedeutendstenhessen-darmstädtischen Offizier seiner Zeit verheirathet.

Friedrich Christian Hoffmann war am 30. Juni 1704 zuUlrichstein, einer kleinen hessen-darmstädtischen Amtsstadtim Vogelsgebirg, getauft worden.

Als vierjähriges Kind verlor er beide Eltern und wirder alsdann in dem Hause seines Oheims, des RentmeistersJohann Erasmus Hoffmann zu Ulrichstein, erzogen wordensein. Er widmete sich dem Soldatenstand und trat angeblicham 15. Januar 1722 als Junker bei dem hessen-darmstädtischenKreisregiment zu Giessen ein, verliess aber bald sein Vaterland.

Nachdem er in würtembergischen und sardinischen Kriegs-diensten sich ausgezeichnet, wurde er von seinem Landes-herrn, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, 1. August1737 zum Capitaine-Lieutenant bei seinem Leibregiment:Garde des Dragons, 1738 zum Hauptmann ernannt, nahm abererst die letztere Stellung an.

Seine Verheirathung mit der 42jährigen Anna Maria Textorfällt in die ersten Tage des Novembers 1743. Zwar ist dasKopulationsprotokoll weder in Frankfurt noch in Darmstadtzu finden, wohl aber ist dieser Zeitpunkt für die Hochzeitdurch die Frankfurter Steuerbücher ausser Frage gestellt.

1746 wurde er Major und Kriegsrath, 1747 Oberkriegs-commissar, 1748 Oberstlieutenant, 1754 Oberst. Im 7jährigenKrieg that er sich als Quartiermeister hervor, wurde 1762Brigadier der Cavallerie und 1764 geadelt, 1766 General-major. Bei dem folgenden Fürsten Ludwig IX. erlangte er nochgrössere Gunst; am 10. Juni 1769 wurde er in Anbetracht derdem fürstlichen Hause viele Jahre hindurch geleisteten treuenDienste zum Generallieutenant erhoben. Als solcher behielter sowohl die Inspection über die vier Landbataillone bei,als auch konnte er nach Belieben nach wie vor das Präsidiumim Kriegsdepartement fuhren.

Er starb zwei Tage nach seinem Schwager, dem Stadt-schultheissen Textor, den 8. Februar 1771 zu Darmstadt in