Jahrgang 
10 (1889)
Seite
279
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Bibliographie. '

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Hier handelte es sich darum, dasselbe zusammenzustellen, denndas Vorliegende beschränkte sich auf den Inhalt der Kalender,welche erst in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre voll-ständig werden; es galt also das Zugehörige an andern Stellenzu ermitteln, den Umfang, in welchem diese unterschiedlichenBestandtheile aufzunehmen waren, zu bestimmen und ein ihrerÜberlieferung entsprechendes Verfahren für die Herausgabezu ermitteln. Zu dem, was in dieser Beziehung der Vor-bericht der Lesarten sagt, sollen hier einige erläuternde Be-lege gegeben werden.

Den beträchtlichsten Zuwachs zu den Kalendern lieferndie sogenannten Reise-Acten. Die Einrichtung dieses buntenAllerlei ist S. 355 an einem Stück kleineren Umfangs (Reisezur Leipziger Ostermesse 1800) illustrirt worden. Von dendrei »Heften« (richtiger: Bänden) der Schweizer Reise von1797 hat Goethe selbst eine Beschreibung gegeben in »ÜberKunst und Alterthum« IV, 3, 154. Nach Goethes Verfügungist die Schweizer Reise im dritten Bande der NachgelassenenWerke in Eckermanns Bearbeitung herausgegeben. DieserRedaction gegenüber bekommt man freie Hand erst jetzt,nachdem sich aus Schriftstücken des Kanzler von MüllerschenArchivs erweisen Hess, dass sie nach Goethes Tode, vom11. Oktober bis 11. Dezember 1832 ausgeführt worden. AllesTagebuchartige wurde demgemäß in der Fassung der erstenDictate aufgenommen, und Eckermann kam nur in Betracht,insofern er Hör- oder Schreibfehler berichtigt hat. Esfanden sich Vorstufen zu einigen Partien der Reise-Akten:Notizen, nach denen Goethe sie dem Diener oder »Reise-schreiber« dictirt hat. Mit Bleistift auf unsicherer Unterlageim rüttelnden Wagen gekritzelt, überzogen sodann, oder eil-fertig von neuem zu Papier gebracht im Gasthofe, waren sienach Verlauf etlicher Tage für Goethe selbst schon schwerzu »dechiffriren«. In einzelnen Fällen lässt sich das Dictatdaraus berichtigen (340,10 zu 76,15). Die Genesis der Actenzu veranschaulichen, sind diese Aufzeichnungen an gehörigerStelle unter die Lesarten aufgenommen worden. Auch in dieTagebücher selbst ist öfters nach Merkblättern dictirt, odervon solchen übertragen worden, die späteren Tagebüchersind nach dictirten und durchgesehenen Concepten geschrieben.(Vgl. G.-J. VII, 277.)

Zu einigen Jahrgängen fanden sich blos Ansätze; nichtsbesseres sind die Wochen-Entwürfe für die Theateraufführungen,die man mit aufnehmen musste, weil sie in Kalender- wie Tage-

Tinte: »Speranza daff die fremden Hunde die sich hier verlauffenein Küflen finden«. Danach ist »Käff« a. a. O. zu corrigiren. ImReisebüchlein sind die drei Zeilen mit Tinte durchstrichen.