Jahrgang 
10 (1889)
Seite
280
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'Bibliographie.

buchnotizen eingetragen sind. Für die zweite italienischeReise habe ich aus zum Theil schwer lesbaren in vier Notiz-heften zerstreuten Aufzeichnungen Goethes und seines DienersPaul Götze zusammengeordnet, was S. x12 als Tagebuchauftritt. Das Tagebuch des Dieners ist S. 1319 anhangs-weise aufgenommen. Die Niederschrift ist von Goethe ver-anlasst, als Anhalt für die eigene Erinnerung, ist mehr oderminder von ihm beeinflusst (eine Stelle unzweifelhaft dictirt),und nebenbei ist sie ein Zeugniss dafür, wie er einen Jedennach seinem Geist und Gaben zu nutzen und heranzuziehenbedacht war. Für die schlesische Reise hat sich ein zweitesNotizbuch gefunden, zu spät leider, um in diesem Bande nochbenutzt werden zu können. Carl Ruland, der es bei denArbeiten zur Ordnung der Bibliothek Goethes entdeckte, hates im Flerbst vorigen Jahres dem Archiv überwiesen. DieEinrichtung entspricht dem einen der in Italien benutztenBüchlein : vorn die Stationen, tabellarisch, nur einige Wortevon Goethe, das Übrige von Götze; die «Einnahme« eigen-händig eingetragen (eine Seite), dann, nach dem Datumgeordnet, die Ausgaben, sämmtlich wieder von Götze, zwölfBlätter, theils in der Mitte, theils am Ende. Es bleibt demHerausgeber des ersten Notizbüchleins Vorbehalten, was vonBelang ist, auch aus diesem zweiten zu eruiren. VomJahre 1792 ist kein Tagebuch erhalten; zu einigem Ersatzfanden sich in Abschriften zwei Tagebuch-Excerpte, für die»Campagne in Frankreich« angelegt. Nur der kürzere istaus einem eigenen Tagebuch gezogen (in dem längern er-kannte ich einen Auszug aus Kämmerier Wagners Tagebuch),und dieser ist aufgenommen worden.

Nur zum kleinsten Theil also sind die Vorlagen, auswelchen sich der Text des Bandes zusammensetzt, eigenhändig.Meist sind es Dictate, selten ganz genau durchgesehen, seltensind es Abschriften von eigenhändigen Notizen. Je nach denUmständen, wie sie zustande gekommen, und nach den hier-durch bedingten Fehlerquellen mussten diese Vorlagen einerRevision unterzogen werden, welche die Mängel der Schreiber-hand, die Unbilden des Zufalls beseitigte. Wie weit sich indieser Beziehung zu festen Regeln, die auch für die folgendenBände gelten, gelangen liess, ist im Vorbericht gesagt. DasVerhörte und Verschriebene findet man, soweit es irgend fürdie Textkritik oder für die Frage, wie Goethe gesprochenhat, in Betracht kommt, in den Lesarten verzeichnet.

Für manche Partieen war es schlechterdings unmöglich,die Textbearbeitung von den beschriebenen grundlegendenVorarbeiten zu trennen. Zunächst gilt dies für die Jahre 1790(ausser S. 2024) und 1792; um die aus der Arbeit gewonnenenRegeln in der Ausübung selbst zu prüfen, habe ich 1795 und