Bibliographie.
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Richard Weltlich: Goethes Faust in der GöchhausenschenAbschrift. (Magazin für Literatur des ln- und Auslands,Dresden, 57. Jahrgang. No. 14, 17, 19, 21, 31, 35, 36,38, 39. S. 216—219, 253 — 256, 291—295, 327—331,479—483, 541 — 546, 560—566, 589—582, 608 —611.)
Betrachtung der sämmtlichen neuaufgefundenen Scenen, haupt-sächlich vom ästhetischen Gesichtspunkt. Vertheidigt den Vers (derFassung des Fragments) nach dem Verschwinden des Erdgeists »Es■wird mein schönstes Glück zu nichte«. Mittheilung vieler einzelnerStellen, Beurtheilung der von Goethe später vorgenommenen Verän-derungen. Im Allgemeinen vertritt Weltrich die Ansicht, dass diespätere Fassung (1790 bez. 1808) dem »Urfaust« vorzuziehen sei (aus-führliche Abschweifung über Vers oder Prosa und Drama überhaupt),bezeichnet daher die Kerkerscene als »halbfertig, eine nicht völlig aus-getragene Frucht«. Sie enthalte übrigens häufig nur Scheinprosa, dieohne 'Weiteres in Verse umgesetzt werden könne. — Nimmt an, dassum 1775 keine der in der Göchhausenschen Abschrift nicht enthaltenenScenen auch nur halbwegs fertig gewesen sei. Prüfung der Ansichtder bisherigen Faustherausgeber und Kritiker über Entstehung der ein-zelnen Scenen. Nimmt 3 Perioden der Dichtung von Faust 1. Theil anund versucht bei jeder einzelnen Scene die Entstehungszeit anzugeben.Zum Schluss Polemik gegen Scherers Fauststudien in ein,em durch nichtsgerechtfertigten wegwerfendem Tone.
Rudolf Kögel: Kleinigkeiten zu Goethe. (Vierteljs. f. Literatur-gesch. I. Bd., 1. Heft, S. 52—64.)
1. Zum ältesten Faust (mit Berichtigungen und Nachträgen ErichSchmidts zum ersten Druck des »Urfaust« V. 88. Die würkende (statt»winkende«) Natur. 1175 »Es ist ein Kauz, wies mehr noch (nicht»mag«) geben« und Ähnliches. — Anführung vieler Parallelstellen ausden Jugendschriften Goethes. — Erklärung mancher Ausdrücke z. B.202 »Schnizzel kräuseln«. — S. 52ff. »König in Thule«. — V. 1027,1282. Vertheidigung der Lesarten »keinen Strauss; tauben Schmerzen«.— 2. Zu der Weimarischen Ausgabe der Gedichte. Nachweis einzelnerLesarten aus den ältesten Drucken.
Gmethliacon Gottingense. Miscellanea philologica in honoremseminarii regii philologici Gottingensis scripseruntphilologi Gottingenses XXIV.
S. 145—161: G. Wentzel, Analecta Faustiana. Ausgiebige Ver-werthung einiger Stellen des Goethe-Schillerschen Briefwechsels zumnähern Verständniss des »Vorspiels auf dem Theater«; ferner Auszügeaus dem in derselben Correspondenz erwähnten »Neupolirten Geschieht-,Kunst- und Sittenspiegel« des Erasmus Francisci als einer Quelle fürdie Walpurgisnacht, wobei jedoch zu bedenken ist, dass solche krauseGeschichten vom Hexenwesen durch viele Sammelsurien des 17. Jahr-hunderts mit grossen Übereinstimmungen laufen und dass Goethe nach-weislich manche andre Werke zu diesem Behufe gelesen hat. Ichwerde auf die schwer ganz zu entwirrende Frage, die mich beimStudium der Paralipomena beschäftigte, zurückkommen. Jedenfalls istWentzels Hinweis dankenswerth. Wentzel verbessert S. 153 meinenIrrthum, die »Prologen« des Tagebuchs 9. August 1799 auf die Faust-prologe statt auf die Theaterreden (Neue Schriften Bd. 7) zu beziehen.