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die privat-Information des berühmten Murrst, lernte nebst derGriechischen und Hebräischen , die Teutsche, Englische, Spam«sche und Italiänische sprachen, und dabey ließ er sich nicht wenigerdie mathematische wisscnschafflen, ingleichen das reiten, fechten,tantzen und die music angelegen seyn. Ungefähr in dem iy >ahreseines alters that er eine reise nach Italien , und von dar nachTeutschland. Nach seiner zurückkunfft wohnte er unter dem Lon-ne-able ste Mvntmorency der belagerung von Amiens Mit bey.Hiernächst als sein unverwandter, klonst steMsk cle Berzeau,in der gualitäl eines ^mbastssteurz exlraorstiu»,re an die KöniginElisabeth abgeschicket warb, begleitete er denselben mit nach En«gestand. Nachdem er von bannen wieder nach Franckreich gekom-men, wolle man ihn an ein vornehmes fräulein, die er altbereitin seinem iü jähre zu lieben angefangen, verheyrathen. Allein erhatte schon eine geraume zeit den vorsah gefastet, ein Capucinerzu werden,welches er auch endlichswiewol anfangs mit grossem Wi-derwille» seiner Mutter und andern «»gehörig?) bewerckstestigte,undzwar nahm er als tsoviriur den 2 febr. an. i;yy zu Orkans den Ha-bit nebst dem namen Joseph an, das folgende jähr aber ward er zuBaris den ; febr. völlig eingekleidet, und legte in die Hände desksrers Angeli, ehemaligen Hertzogs von Joyeuse, seine gelübbeab. Hierauf studirte er zu ChartreS 2 jähr die theologie, undnachdem er zum Priester geweihet worden, gab man ihm gleichhernach das amt eines Vroteildeiz VKüosoplst« in dem Capuciner«kloster zu Paris , ferner die stelle eines K-tsMri dioviriarum zuMeudon und zugleich erlaubniß zu predigen, wie auch beichte zu hd«ren; da er denn bald einen uugemeüien -ipplaukum bekam. Zuausgauge des lahrs e6o; ward er als (-usrstiLn »ach Bourges , undvon dannen nach Maus, nach Angers , nach Reimes, nach Chi-non, und nach Samnur geschickt. An die,em ietzkcrn orte brach«te er stillem orden em kioster zu wege, dergleichen er auch nach»niahls zu Postlers und zu 8. cl'Angely that. Seine gröstesorgfalt war, alsöstiKon-miu-, so wohl mündlich als schrifftlich,die Rcsormirke lehre zu bestreiken, auch in unterschiedenen klöste»ren eine ordentlichere und strengere lebend-art einzuführen, in wei«chem letztern er insonderheit die gute mlention der Aebtißin vonFontevraull nachdrücklich secunbirte. An. eüio wohnte er demGeneral-capicul seines orbcns zu Paris bey, und nachdem man ihn
den ;jan. an. iSe i in die provmtz Touraiiie verletzt, begab er stehzu ausgange desselben jahrs nach Tours, allwo man ihn alSbalvzum Oestnicore, und nicht lange hernach zum Vi-ovMcis! erwehlte.An. i 6 i; fand er gelegenheit, bey dem KönigeLudovico Xltl sichbekannt und beliebt zu machen, indem er bey gelegeuheit der vist»ten, so er als Proviucial m Poitou ansiellen mvste, den Priutzenvon Cvndö. welcher nebst andern Grossen die wassen ergrissen hak«te, unvermerckt dahin disponirle, daß er zu Loudlui einen vergleichcingieng, wie es der Hof verlangte. An. eüis that er eine reisenach Rom , und zwar unter andern in der absteht, dem Pabftein project zu einem allgemeinen feldzuge der Christen wi«der die Türcken zu offeiibahrcn. Dieses gefiel nicht nur den,Pabst, sondern auch dem König von Frankreich , welcher gerngesehen hätte (um die macht des Hauses Oesterreich zu schwächen,oder doch von sich und seinen Mieten zu entfernen ) wenn der Kö-rnig von Spanien wäre zu bewegen gewesen, sich in dieses projcctir«te'bündmß wider die ungläubigen cmjulassen. Man sthickle ihnalso mit dieser commission aus Franckreich nach Spanien . Densojul an. iüi 8 trat er diese reift an, kam den folgenden 14 aug.nach Madrid , und brachte im jan. <m. 1619 eine gute erklärungvon dannen nach Paris . In diesem letztgemeldeten wie auch indem folgenden jähre halffer so wohl zu Angouleme als zu Angers ,nebst dem ?. Berulle an einem vergleich zwischen dem Könige undder Königlichen frau mutier arbeiten, wobey er gelegeuheit bekam,es zu vermitteln, daß der Bischofs von Lu?on, welcher sich hernachunter dem namen des Cardinalö vonRichestcu st> berühmt gemacht,und mit welchem er schon seit an. 1610 eine vertrauliche freund«schafft aufgerichtet hatte, aus seinem exilio zu Avigno» zurück be.ruffen ward, und die qualilät eines vornehmsten Staals-Mmisiersbey der gedachten Königin anzunehmen ftcyheit erhielt- Mit sei«nem project eines neue» creutz-zugs wider dkLüreke» kam es so weit,daß aufsein zureden, CaroluS, Hcrtzog von NevcrS und nachmahlsvon Mantua , zu solchem ende einen neuen Rstter.orden aufrichte»te, worüber er, »ebst vielen, so denselben angcilommc», au. ,619den 1 nov. in der cathedral-kirche zu Revers in des P. Joseph, alsPäbstlichen LomMillani, Hände den eid ablegte. Auch in andernländern traten unterschiedene vornehme Herren in diesen orden,und der Pabst ertheilte demselben seine confirmation nebst ansetzn«lichen Privilegien. Allein der gleich darauf i» Europa unter denChristen entstandene krieg machte alle diese anschlage zunichte. In2 andern proiccteil war der Vscer Joseph glücklicher, erstlich daßer einen neuen juiigfraueir-orden, unter dem titiil eiiier conZregL.rion ste Mrre Dame stu (lalvaire, vermittelst einer hülle des PabstsGregorii XV, den ri marl. au. 1621, nach vielen hindernüssen, zustände brachte, wovon bey seinem leben ein kloster zu Postlers, eineszu Angers und 2 andere zu PariS gestifflec wurden; hiernächst daß eran. 16,7 einvoükoiilmcne gemalt erhielt, zu auübreitung des Ca«tholischen glaubens Million« in der provmtz Pvitou zu stabiliren,welche hernach immer weiter stch ausbreiteten, biß ihn endlich an.1625 der Pabst Urbanus Vlll zum 8upecioee einer auf die länderder ungläubigen gerichteten grossen Mission ernenncle; da er denndurch beyhülffe der frcygebigkeit, so der König bisfalls sehen ließ,sehr viel xsststonariar nach Griechenland , Armenien , Naivsten,Palästinam, EgMen, Pcrsicn, der Barbarey und andern ab»gelegenen landjchafften sendete, von deren guten progressen die con«gregation cle propaZansta üste zum öffcern Nachricht bekam; erselbst aber empfleug durch dieses Mittel unterschiedene dem staat zu«
traglicke kundschafften. Wider die Rrformlrtc in Franckreich gaberzden rath, die waffen zu gebrauchen, und halff nicht nur den Her»tzog von Luynes, rngleichen den Konig stlbit, darzu anfrischen,sondern befand sich auch in eigener Person bey denen an. 1620, ,621,und lö22 dißfaUs vorgenommenen erpeditivnen, wobey er lvwoldurch predigten, als durch allerhand nexorisnon«, das beste sei»ner religion nach vermögen beförderte. Als den ; ftpt. an. 1622Richelieu die Cardinals-würde erhielt < trug derselbe kein beben»cken, den Vmer Joseph als denjenigen anzusehen, dem er dievorher gegangene nomination darzu vornemlich zu dancken hätte.Hernach da dieser neue Cardinal den 29 apr. an. 1624 zum Pre-mier-itstimker erklärt ward, ließ er alsbald den P. Joseph zu sichkommen, und weil derselbe ohnedem als Provincial stmcs ordensauf das zu Rom ausgeschriebene General-Capitul reisen muste, sotrug er «hm an den Pabst und an den Hertzog von Savoven un«terschiedene wichtige commilston« auf, mit welchen er an. i ür;im martio von Paris reiscte, und den i z desselben monats nachTurin , den io apr. aber nach Rom kam. Nach seiner zurück«knufft beschloß der Cardinal von Richelieu , ihn in staats-sachen be«ständig zu gebrauchen.Z» solchem ende legte er an. 162? stinProvm»cialat nieder, und nahm von derstlben zeit an niemals wieder eint«ges amt in seinem orden über sich. In dem may-monatdes letzt»gedachten jahrs ward er wegen dcrValtelimschcn streicigkeiten aber«mal nach Rom geschickt, von dannen er im lulio zurück nach Fon«tainebleau kam. An. 1626, als Richelieu schon im begriffstund,sich von dem Hofe hinweg zu begeben, und dardurch seinen feindendie öberhand zu lassen, brachte er ihn auf einen andern schluß, wo»durch hernach dessen öberstes und unumschränckles mmilierium voll»kommen befestiget ward. Und ist von einigen in acht genommenworden, daß bey denen vielmahl entstandenen grossen wiederwär«tigkeiten Richelieu sich offt ziemlich zaghafft erwiesen, und deswe»gen solcher leuthen, wieder P. Joseph war, nöthig gehabt, umihne bey der erforderlichen standhafftigkeit zu erhalten; wobey banndiestr sich so gar der schärffeste« Worten nicht solle enthalten, undden Cardinal in solchen Fällen gemeiniglich unepoule momüee,eine mir waffer begossene Henne,genennei hadcn.An. 1627 halff er beKönig überreden,die be lagerung vonRochelle vorzunehmcssam auchselbst im ocl.zu der armee,allwo er denHertzog ste laTrcmouille zu an«nehmung des Cath. glaubens bewog, auch tag und nacht beschäfftigtwar, etwas auszusinneii,wodurch die erobcrung des gedachten orlsbefördert werden möchte.Nachdem dlejelbe den zo oct.an. 1628 er«folgt, wolle ihm der König das daselbst neu aufgerichtete Bißlhumgeben; allein er schlug es aus, gleichwie er schon vorher mildemvonAlbi gethan. An. 1629 begleitete er den König beydem selb«zuge wider den Hertzog von Savoyen, negotiirre mit demselben,wie auch mit dem Hertzoge von Mantua , befand sich hernach beyder erpedilion wider die Resormirten in Languedoc , und brachtezu ausgange des ecmcldelen jahrs Edmundum Nichcr zu einer re«traclalwN wegen seines blichs ste eccküawca 8c pol,rics polestme,wobey ihn einige beschuldigt, daß er demselben gemalt angeihan,Nachgehende! folgte er zum andern mal dem Könige, da er unterden Hcrtzog von Savoyen zog, und wagte dabey in unterschiedenengefährlichen accioneii sei» leben. An. iS;o warb er dem an denKaystr und an die Teutschen ReichS-Slände abgefertigtenlasteur exrraorstinrire, Leon Brulart, als Mitgesandtcr beygefügt,und hatte den vornehmsten antheil bey diestr schweren negotlatlon;»ach deren glücklicher endlgung er den ;o bec. wieder nach Paris kam. Awangs zwar schien es, als ob er bey Hofe in Ungnade gefal-len wäre, indem er i» stm kloster sich zu reunren beseht erhielt; al-lein man sahe bald das gegentheil. , Denn nach wenig tage» fiengRichelieu an, fast alle staats-geschäfite mit ihm zu theilen, undgab ihm zu solchem ende ein zumner zunächst dem seinige» nicht nurzu Rucl, sonder» auch in dem Louvre, zu 8. Germain, zu Fontaine-blcau, inib überall wo er herum reiscte. Zu gleicher zeit aßignirkihm der König, welcher ihn sehr werth hielt, eine jährliche pensionvor stch und 4 andere Capuciner, die als 8ecrersni unter ihm ar-deileten, ließ ihm auch dabey eine carope unterhalleii.Von dieser ;iita» biß an seine» lod sind fast alle wichtige staals> sgchcn durch seineHände gegangen, und man konle ihn mit recht cmcn Premier - VI,-nittre des Caiidiiials von Richelkii neiiiieu, gleichwie hiligcge»dieser es bey dem Könige war. Daher kam es auch, daß fast alle,die dem Cardinal feint waren oder wider denselben schriebe», sichglcichfäls wider ihn erklärten. An. r6; i that er wegen der Italiä-nischen anqeleqcnheiten eine reise an den Päbstlichen dos Au.i6;rtrug er viel bey, baß Julius Mazarini a» dem Frantzöftscheii Hofeden ansang seines glucks machte. In eben dennelben jähr folgte erdem Könige nach Languedoc , als der durch den Hertzog von Or-kans und den Marschall von Monlmorency erregte ausstand gelin-kt ward, auch coutribuirte er um diese zeit ein grosses zu der alliantzmil der cron Schweden , und zu deren nachmaliger vcrnenernng.In der ast-stre mit denen vor besessen gehaltene» Nonnen zu Lvubun,welche sich an. 16,2 cmfieng, uizd etliche >ahre währte, lolltcrPater Joseph einen sonderbaren antheil gehabt haben, insofern,daß er, nachdem? die erste guten theils durch die Capuciner ili Lou-dun angestellte besitzung übel ansgefchlagen, und Grundier selbigesowol als noch einige andere anstiffter solches auf ihne gemmitztenärgerlichen belrugä im rechten scharffverfolgk, um seine V.?. zuceretten , dem Cardinal weiß gcniachcll, als ob Grautier Urheberwäre von einem gewissen sehr anzüglichen buch, so vor kurtzemunter dem Ntul der Lourstonmere ste Laustem,wider selbigen ausge-gangen wäre. Da»» hierdurch liesse sich Richelieu leichtlich zurrachgier bewegen, und weil man doch unter selbigem vorwand demGrundier entweder nicht wolle, ober auch in ermanglung des nö-thigen deweises, nicht tonte beykommen, solle sobald der tst-Wgefastet worden seyn, die besitzung zu erneueren, und sodann die «acb