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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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io Vorrede.

commando von der armer quittiren 'müssen; »ach eini-gen seilen aber sagt man ferner : solches commando wäreihm nach erhaltener erlaubnis zu trmmphlren von demvolcke verstattet worden. Wen sollte hier nicht verlangen,etwas genauer zu verstehen, ,.) warum doch die klugen Rö-mer dergleichen umwege gebraucht, ihren Generalen, welchezu triumphiren begehrten, das commando anfänglich zu neh-men , und denn wieder zu geben; und 2.) was insonderheit dieWiedererstattung des commando für eine absicht gehabt, nach-dem einmal der krieg geendet, und solcher Feld - Oberster fer-nerweil nichts mehr damit sollte zu thun haben; so dann 3.)wozu und für wie lange selbige gemalt neuerdings also sey ge-geben worden ? Die hierinn steckende antiquität, und der be-sondere griff der Römischen politic, zu Versicherung der freyheit,hatte ,a wohl verdienet, daß dem Leser Mit etlichen seilen dergründ und die Ursachen davon angedeutet würden. Im arti-ckul Versoris wirb von diesem Parisischen Advocalcn gemel-det: Er führte den Jesuiten an. 1364. den bccuffenenproceß wider die Universität, und erhielte in der thatdie fache. Nun hat gleichwol der Haupt-proceß Zwilchen derhohen schule zu Paris , und der Societät der lP. Je,uiiennach an. »364. so vielfältige Händel verursachet, und ist ja bisauf die heutige stunde für die letztere noch nicht gewonnen.Der dunckele ort hätte ohne besondere weitläuftigkeit mögenerläutert werden, wenn man nur gemeldet, daß auf die Vor-stellungen des Versoris den PP. damals vergönnet worden, inihren zu Paris habenden Collegiis zu lehren; jedoch so , daßman sie darum der dortigen hohen schule, worinnen das vor-nehmste begehren bestünde, nicht hat einverleiben wollen:Massen die Societät dieses letztere bis auf die gegernvartige stun-de noch nicht erlanget hat. t

Eine fernere Ursache der zugaben zu sehr vielen artickuln ha-ben gegeben die gantz widerwärtige und falsche ausdrückungcn,aufweiche die Herren Verfasser, allem ansehen nach, eben so-wol als in die vorhergehende art der fehlerhafflen erzehlungennur darum verfalle», sind, weil sie zur »»gebühr eine allzu grossekürtze affectiret haben. Im artickul papirius Masson lau.len die worte also: Da dieses Nassons guter freund, An-loniuS Challcn, der mit ihm zugleich in den Iesuiter-orden getreten, denselben verletzten hatte, und Groß-Vicarius dreyer Ertz - Bischöffe zu Lyon worden war; sohabe Masson desgleichen gethan, rc. Wer wurde nichtaus den also gesetzten wollen scyliessen , Papirius Massen hattedenn erst tust bekommen, den Iesuiter-orden zu verlassen, nach-dem er seinen freund nicht nur »hm mit seinem exenipel vorge-hen , sondern auch dadurch zu grosser beforderung steigen,und nahmentlich den geistlichen V-carial unter drey Ertz - Bi-schöffe» von Lvon erlangen gesehen? Gleichwol ist dieses nichtallem falsch, sondern auch in ansehunader zeit, welche ver-flossen , ehe Cyallon nach abgelegtem Iestiiter - ordcn dreyerLyomscher Ertz-. Bischöffe Vicarius hat werden können, fastlächerlich. Drey oder vier worte halten aller dreier dunckel-heic nnd Verwirrung abhelffen mögen , und börste ja nur dasMuster von Morer, genommen, oder dessen worte genau über-setzet werden, als. welcher einmal hier die fache zugleich deut-lich und kurtz gefaßt hatte: II sorcit de la Societe, auüi-bien,que fön ami v Challon) qui a ete Grand - Vicaire de troisArcheveques de Lyon . Im artickul von der stadt Verdun wird uns folgender nette bericht mitgetheilet: vor Zeiten wares eine Rctchs-stadt zu dem Ober-Rheinischen kreise ge.hörig ; Massen daselbst die Reichs - theilung Lothar»und seiner beyden brüder pudliciret, auch sonsten zuverschiedenen Zeiten viele Reichs-fachen abgehandeltworden. Der verstand der worte, und die gantze folgerungsind offenbar irrig ; nemlich: daß Verdutt eine Reichs - stadt,weil allda über die Reichs - theilung zwischen den drey söhnenLudovici gehandelt, oder selbige allda zuletzt beschlossenworden. Wer weiß nicht, daß zu selbiger zeit das TeutscheReich noch keineswegs eingerichtet, sondern schlechterdings einanhang des Fränckljche» Reichs, dessen sitz in Gallien war,gewesen ist 1 Jedoch begehret man dergleichen nahmhafften feh-ler dem Verfasser des artickuls eben nicht zuzuschreiben , undglaubet gerne, solcher sey nur darum auf dergleichen unrichti-ge ausdrückung verfallen , weil er viele der zeit nach von einan-der entfernte fachen in einen allzu engen räum hat einschränckenwolle». Indessen lässet sichs eben hiebey aufs klarcste sehen, wieetwan mehrere weitläuftigkeit und ausführlicherer bericht auchin den Leipziger ausgaben oft so gut gethan hätte. Im artickulpierius (Urbanns) stunde es: Dieser Theolog»« hätte zuWtttenberg wegen des Exorcifmi und anderer neuen leh-ren , deren einführung man ihm schuld geben wollen,grosse strertigkeiten gehabt. Wie 1 hat denn Pienus denExorcismum neu einführen, und nicht vielmehr, da solcher ge-brauch bis dahin annoch war behalten worden, abschaffenwollen ? Dre lediglich wegen kürtze also gesetzte und zusammengefügte worte bringen das erste mit sich , so doch offenbar falschist ; ob gleich im übrigen kein zweifel, daß nicht der Verfasserdas letzte habe andeuten wollen. Im artickul vom berühmtenTurenne , unterm titul Tour (Henricus de la) meldete manunter andern,: die schlacht bey Lleneau hätte diesem Ge-neral grossen rühm Zlrwege gebracht. Wer würde hier-aus verstehen , daß Turcnne gleichwol den Bleneau gar keintreffen gehalten , viel weniger eine feindliche armer in dir

flucht gejagt habe ? Nur, als Hocquincourt, so neben ihmein besonderes corpo führte, durch den Printzen von Condein seinen quartieren, die er an besagtem orte und da herum hat-te , unversehens überfallen und gäntzlich geschlagen worden,hat Turenne vermittelst einnehmung und behauptung eines be-quemen postens, ohne Haupt - gemenge , sowol den Überrest derHocquincourlischen gerettet, als seine eigene trouppen vordem siegenden feinde unbeschädigt erhalten. Jsts denn jetzt eineunnöthlge weitläuftigkeit , wann dergleichen falsche deutuugder worte abgewendet, und jede fache recht, wie sie sich bege-ben , erzehlet wird?

Oftmals ist auch einige zertheilung der periodorum, oder wü-sten mehrere worte erfordert worden, weil die ersten HerrenVerfasser solche dinge, welche gar nicht zusammen gehörten, ineinen periodum haben einschräncken wollen, aus eine solcheweise, welche nicht anders als lächerlich hat mögen herauskommen: Als wie, wann es von Theodeberto I. dem Austra-sischen Könige heissen muß: Ein ochse hätte demselbigen,da er auf der jagd war, einen äst auf den köpf geschmis-sen ; oder vom Cantzler du Prat: solcher hätte gern esels-fleisth geessen, und wäre ein grosser feind der Reformir-ten gewesen ; und was der netten und zierlichen aufsätze undzusammenhänge mehr sind.

Allein zu den alleröftesten und grösten Vermehrungen hat mansich veranlasset, oder vielmehr gezwungen befunden, weil ei-ne gar nahmhaffte anzahl der vornehmsten Personen, sonder-lich, welche unter freyen Ständen gelebt, und denselbigennützliche dienste geleistet haben, auch nicht minder viele alteund neue stadtc und Republicken bisher gar zu schlecht undmager waren traclirct worden. Man kan schier unter allengar nahmhafft vermehrten artickuln die wähl geben. Schwer-lich soll einer mögen angezeigt werden, von welchem nicht je-der kenner alsobald diese zwey anmercknnqen machen wird;1.) daß solcher wohl verdiene etwas ausführlicher vorgestellt zuwerden: und 2.) daß selbiges in den bisherigen ausgabeneben schlecht genug beschehen sey. Nur ein einiges Muster all-hier anzuführen, weil der geneigte Leser die übrige aus denalso gar nahmhafft vermehrten artickuln selbst herholen kan,als wovon sogleich eine kleine Verzeichnis folgen wird; so kanhier der artickul von dem unvergleichlichen Niederländischen See-Helden Ruyter schon genug seyn. Es ist ja recht seltsam,daß dieses manns erste kriegs-züge, da er nur als Schiff-Hauptmann , Contre-und Vice-Admiral gebienet, hiemit nochunter anderer commando gestanden, auch anbey nur geringenoder mittelmäßigen see-gefechten beygcwohnet, uns zu Leipzig fast weitläuftiger, als es vonnöthen war, erzehlet worden ;hingegen aber, da man auf seine ernennnng zum Admiral-Lieutenant , und auf die zeiten der zwey grossen see - kriegezwischen Engelland , Franckreich und Holland gekommen, der-gleichen in allen, so alten , als neuen welt-geschichten / keinezu finden, und durch welche allein sich Ruyters rühm durchdie gantze weit ausgebreitet hat; daß eben bey der zeit urplötz-lich abgebrochen wird , von keiner that noch gefecht des Admi-ral-Lieutenants Meldung geschiehet; und man das leben diesesgrossen manns mit dem selbst auch gar zu magern bericht schlieftset: selbiger wäre im treffen wider die Franzosen beyAgosta mrt einer stück-kugel tödtlich verwundet worden.Dergleichen Manier zu erzehlen, da eben alsdenn, wo diewichtigste stücke vorkommen, wider des Lesers wünsch nndvermuthen also plötzlich ein ende gemacht, und auf den lodder Personen der absprung genommen wird; sollte unSschier den lustigen einfall jenes Französischen Edelmanns zu sinnebringen. Dieser war in Persien gereisel, und wartete einstnach seiner Wiederkunft dem grossen Prrntzen von Conde aus,gerieth auch nach andern gesvrächen auf eine wcitläuftige crzeh-lung von den fürtreflichcn thaten eines gewissen PeruanischenPrintzen. Da war nun der rühm sehr groß, und sollte son-derlich der Printz schon in zarter jugend solche dinge verrichtethaben, welche von dessen erwachsenem alter etwas gar unge-meines versprachen. Der Edelmann selbst ließ auch verschiede-ne reden in die geschichte einfliessen , welche den anwesenden inder that hiezu Hoffnung machten. Indessen aber ward zu allemUnglück die gesellschafft, und darunter auch unser neu angekom-mener aus Persien , zur tafel geruffen, und fielen die gäste nachFranzösischer gewohnheit mit grosser degierde auf die vorgesetzteniedliche potages. Der Printz von Conde, voller curiosiral,den fernern erfolg zu vernehmen , bat den Edelmann, er möch-te doch immer mit erzehlen fortfahren , und wollte eine frage indie andere an denselben thun. Allein jener, dem es nun unge-legen war, seinen theil an den potagen zu verlieren, machtean seiner geschichte ein gantz unvermuthetes ende, welches ihmaber mehr sein bauch, als die Wahrheit der fachen gelchret halte,und sprach nur, indem er gleich den andern zur schüssel fuhr:Helas! Monseigneur, il inourutsubicement. Ach ! ihre Ho-heit , dieser furtrefliche printz ist nachdem eines unverft-henen todes gestorben.

Eine andere probe, daß man zu Basel oft wider willen hab«Zusätze zu gewissen artickuln machen müsse» , können die artickul.von verschiedenen Teutschen adelichcn geschlechtern geben. Manhatte sich aus wichtigen Ursachen, wie schon in der ersten vor-rede gedacht, gewiß vorgenommen, wo die gestblechtcr selbstnichts einschickten , selbige artickul nur nicht zu berühren, undhoffte also rn dnkchschung des Wercks gleichsam auszuruhen, s»