Vorrede.
II
oft die reihe zu dergleichen Materien gelangte , an welchennichts, als etwa» einige kleinigleiten , z« ändern seyn sollten.Doch hat sich hin und wieder mchreres gezeigt, bey welchem esnothwendig schiene, die fcder anzujetzen , wo man anders dernicht unbefugten klage sich nicht blos stellen wollte, daß manviele handgreifliche fehler wider die allgemeine Historie hatte ste-hen gelassen. Es geschiehet nemltch nur zu oft, daß in derglei-chen geschlecht - registern, ohne einigen vorsah der adelichenPersonen, so daraus herstammen, gewisse wichtige weit - qe-schichte ziemlich unrichtig und falsch angeführet werden, anwelchen einer oder der andere Herr aus dem geschlechte theil ge-habt. Man will aus vielen exempeln, womit die fache könntedesiärckec und erläutert werden,, anjetzv nur eines auslesen.Solches findet sich im artickul Rötteritz. Da wird von jemanddieses adelichen Hauses, als eine gewisse fache, gemeldet: Alsan. i;;r. von der armee Henrici II. Röntgs in Franck«reich, Metz erstiegen worden , sey er der erste auf dermauer gewesen, und hätte deswegen von dem Rönt-ge eine coionain muralem , beneben der Ritterlichenwürde, empfangen. Weil nun Meh von Henrico II. sicher-lich nie bestürmet, und ohne einiges würckliches Handgemenge,vielmehr mit list , als gemalt, ist eingenommen worden ; manauch in Franckreich sich weder damals, noch zu anderer zeit, niehat in den sinn kommen lassen , die alte Römische gewohnheit,mit den coronis muralibus , einzuführen ; wird es in Leipzig dennoch müssen für eine schwatzhafftigkeit paßiren, wannman die alte erzehlung zwar dem vornehmen geschlechte zu ge-fallen stehen gelassen , aber dabey die nothwendige erinnerungaus der wahren Historie beygefüget hat? Im gegentheil findauch oftmals gewisse rühmliche thaten eines und des andern ausden vor die Hand gekommenen geschlechtern beygefallen, welchein der allgemeinen Historie sehr angepriesen werden, und den-noch in den Leipziger gcschlechts - beschreidungen ausgeblieben;da es denn schade zu seyn geschienen, selbiger bey so guter gele-genheit zu vergessen. Aus mehr andern können die artickulHohen-Ems und Schlabcrndorff zum Muster dienen.
Endlich haben auch wol einige vorher schon weitläuftige ar-tickut dennoch gewisse zugaben empfangen, wann bey solcherwettläustigkeit dennoch sehr wichtige umstände waren verschwie-gen tvorden, als welches ja eben in dergleichen fällen sich amübelsten schicken will. Der artickul Tenocrates ist in derLeipziger ausgäbe, weil man da den Bayie zum Vorgänger ge-habt, ausführlich genug dargeliefert. Doch glaubet man nicht,daß der Herr Gegner Ursache habe, ein grosses geschrey zumachen, wann man noch fernerhin die Ursache, warum Te-nocrates das bürger-rechc ;u Athen nicht hat annehmen wollen,genau und deutlich ausgeführet hat. Denn einmal zeiget selbi-ge eme sonderbare großmüthigkeit an dem manne; sie giebet denAtheniensischen geschichten derselben zeit ein grosses licht; ist auchvon Amyot, der solche aus Plutarchv hat übersetzen wollen, unddarüber von Bayle angeführet wird, nicht verstanden; vonBayle selbst eben so wemg erkläret; und deswegen, wie es schei-net , in den vorigen ausgaben des Teutschen Lexici gar ausge-lassen worden.
Wann nun jetzt, damit wir diese antwort wegen der gemach-ten zugaben kurtz zusammen fassen ; wann die alten 'artickul deshexici aus einer der vvrerwehnten, oder andern nicht gerin-gern Ursachen an so viel hundert orten haben müssen vermehretwerden, bekümmert man sich dabey gar wenig über die vor-her angeführte klage der schwatzhafftigkeit und wasser-süchttqrn artickul. Der Herr Gegner hatte, ehe er mitsolchen Worten um sich gemorsten, ein wenig an die worte desBayle gcdencken sollen , dessen urtheilen vielleicht mehrere, alsden seinigen, beypflichten werben. Wie oft aber nennet jenerdergleichen weglassung wichtiger, oder doch merckwürdigcr um-stände an Carolo Stephans, Lloydio, Hofmanno, Morcri,und andern Verfassern der Historischen Lexicorum , wie oft nen-net er solche des fautes d’otniffion inexcusables ? Auf diß hinwird es noch wohl erlaubt seyn, unserm gelehrten Herrn Geg-ner , wann der mit so grossem Nachdruck den Leser versichernwill, die Baseler wüsten nicht gewußt haben, wie ein artickulin crn solches Lericon zu verfertigen sey , hinwiederum aus be-ster wohlmeyncnhett den rath zu geben: Er solle gleichwol nichtso geschwinde die bisherige Leipziger artickul für das wahre undeinige Muster aufstellen, nach welchem alle dergleichen arbeitmüste eingerichtet, und, so zu reden, abgemessen werden.Vielleicht sollte er dabey zu besorgen haben, daß ihm unparteyi-sche leuthe den schcrtz des Ciceronis zueignen möchten : Nofterille tantum laiidat, quantum se sperat poffe consequi. Ebenkvas derselbige noch zuletzt von der sympathie mit Brantöme inansehung des styl! und der art eine fache mit Vergnügung des Le-sers zu erzehlen, ( denn diß ists allein, was in der Baselischenausgäbe von Brantöme gerühmet worden ) als einen gar arti-gen und sinnreichen stich anzubringen vermevnet; das zeiget ge-nugsam , wie weit der geschmack des Herrn Gegners von demurtheil aller kcnner abgehe. Wo es lhm bisher noch unbekanntgewesen < so hat man allhier die ehre selbigen zu berichten, daßnur ewige veraltete redens-arten beyseit gesetzt, die ausdrückun-gen des Brantöme, und seine gantze Manier, eine fache zu er-zehlen, bey den geschicktesten leuthe», sowol in Franckreich,als unter andern nationen in weit grösserer achtung stehen , alskeines andern fcribcntcn von gleichem alter, auch daß daherodessen fchrifccn noch m den neuern zettelt , ohne einige Verände-
rung in der schreib-art, zum öfter« sind aufgelegt worden, wel-ches , wenigst bey solchen büchern, die in alter und Französi scher spräche verfasset sind, für kein geringes zeichen der gutezu achten ist. Wie man also in Basel die ehre für sich zu großschätzen muß , dem Brantöme in der schrcib-ark zu gleichen;also mag auch der gelehrte Herr Gegner hinwiederum versichertseyn , daß in den bisherigen Leipziger ausgaben des HistorischenLexici gar zu viele artickul befindlich gewesen, ivelchc niemandso leicht einiger sympathie mit Brantöme anklagen wtrd.
Auf solche art und nach den obigen erläuterungen hat mansich anzetzo kein bcdencken zu machen, wie sehr auch die vonandern etwas weitläuftiger ausgeführte artickul den zorn undeifer unsers gelehrten Manns entzündet haben, dem begehrenmehrerer Leser statt zu thun, und, wie schon in der erstemvorrede geschehen ist , auch diejenige artickul aus den zwey letz,ten bänden nahmhafft zu machen , welche anjetzo mit ziemlichstarcken zugaben vermehret worden sind. Die in gegenwärtigereilfertigkeit zuerst unter äugen fallen, sind Landuo, einigeLatull, unter deren nomine gentili Luctatius, Lucullus,Lysander , Lysimachus , Lysias der Syrische Regent, undwiederum Lysias der Redner, Lysippus, beyde Marii, Mil-Hades, Milo, Mummius, rljurena, Nabis, peri-cles, Pcloptdas , philopoemen» phocion, Pompezus,alle Ptoleimei, welche ln Egypten, gleichwie auch die beleu-ri , so in Surien regiert, Ruyter, zwey Salluitii, Galo-mon, Hertzvg und nachmals zzömg in Bretagne , Gaturni-nus, die Scdpiones, Sertorius , Sylla, Themtstocles,Thrasybulus , Timoleon; so dann die stadte und Republi-cken Lucca , Megalopoliö, Messene, Mcgara, pifa,Rhodos , Samos , Scio, sonst Lhio genannt, Sicyon,Ehedä, und noch gar viele andere. Die gantz neu eingebrachrle weitläuftigere historische artickul , sonderlich Miriwets,Marlborough und Petrus , der letzt verstorbene grosse Rußi-sche Kavser, und aus gewisser fremide jeder geflossen, weiche hiereben nicht wollen genennet werden, und sollen verhoffentlich demgeneigten Leser nicht zuwider seyn; obschon, insonderheit diezwey letztere, bis auf mehrere coiumnen und blätter angewach-sen sind.
Nun schreiten wir zu der vierten Haupt-klage unserer gelehrtenLeipziger schrift. Selbige bestehet darin», daß gleichwolnoch nicht alle fehler aus dem alten Lexico ausgemustert oderverbessert worden seyen. Und ist recht angenehm zu sehen, wieunser geschickte Herr Gegner, es sey nun gleich in ernst , odernur zum schein, sich so ungehalten darauf erzeiget. Dieantwort ist hier kurtz und leicht, i.) Hat man sich auf keineweise etwas dergleichen vermessen, sondern vielmehr mir denausdrücklichsten werten das gegentheil erkläret. Der HerrGegner hat ia die erste vorrede nur zu fleißig durchlescn; undmuß dahero nothwendig auch die Worte p. ;i. 32. Indessenist auch gar ferne rc. gefunden haben. Wann er also nichtsdestoweniger in seiner gelehrten censur dieses gleichsam zum ve-sten und gewissen gründ setzet: man hatte sich in Basel kurtznmverbunben; das Historische Lericon von allen fehler» vollkonim-lich zu saubern; vergehet er sich gar gewaltig, und giebet zu sei-nem schaden zu erkennen, wie wenig er der Baselischen ausgäbeanzugewinnen gctrauete, so bald die fache, oder die vorschwe-bende streit-ftage, also gesetzet wurde, wie solche in der that zusetzen ist. Nein : Man hat sich Baselischer seits wohl gehütet,und wird sich auch fernerhin immer vorsehen , dergleichen Ver-sprechungen zu thun, wie in der kleinen vorrede der zweytenLeipziger ausgäbe geschehen ist. was vor fehler, spricht manda, etwa» bey der ersten ausfertigunq könnten began-gen seyn, was vor Mangel etwan damals übersehen wor-den , die hat man alle bey gegenwärtiger handanlegungsorgfältig untersuchet, auch treulich gebessert und erse-tzet. Diß lautet ja anders , als die Baseiische vorangczogeneprotestation. Der unpartcvische Leser wird jetzt ohnschwer ur-theilen , von welcher erklarnng sich die Worte unsers geschicktenHerrn Gegners mit meisiem recht gebrauchen lassen: man hät-te grosses aufheben und aussehen gemacht , sich vielvermessen, rc.
2.) Fürs andere ists jetzt auch eine pure Unmöglichkeit, nichtnur in einer fo grossen eil, als man zu Basel hat gebrauchenmüssen, sondern auch bey langer und vollkominener gcniessen-der ruhe, aus einem solchen werckc, welches die denckwürdlgegefchichte und Personen aller zeiten, beneben der alten und neuenwelt-beschrcibung in sich enthalten, und ein kurtzcr begriff sovieler raufend dücher seyn soll, aber gleichwol vordem in soschlechtem stände gewesen ist, aus einem solchen wcrcke nun aufeinmal alle fehler ohne ausnahme zu heben, und selbiges in dergegebenen sehr kurtzen zeit dennoch in einen vollkonimeneii standzu setzen. Ohne ,ctzt wiederum von le Clerc, Bayle, Vaul-tier und andern Gelehrten zu reden, welche nach so grosser an-gewandter mühe gleichwol noch gar vieles bey Morcri zu verän-dern und auszubessern hinterlassen ; so hätte >a unser Herr Geg-ner nur seine äugen auf die zwey vorhergegangene Leipzigerausgaben werffen sollen, an denen gleichwol so viele grund-gelehrte männer gearbeitet, und solche dennoch in dem stände,wie icderman stehet, gelassen haben. Auch wäre vielleicht nichtunweislich gethan gewesen, die äugen in zeiten auf die ver-heissene neue und dritte Leipziger aufläge zu wenden, undwenigst deswegen mit grösserer modcstie von den dingen zu re-den , damit man doch derselbige» m zeiten geneigtere Rtctiter
h a möchte