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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Vorrede.

weiter, und nahmentlich bis auf an. sgj. hinaus geführte werckdes Jsidori Nercatoris lediglich für eine zu erlauterung derLaodicenifchen fchlüsse verfertigte, oder sonst diesen weiß nichtwie für einen anhang dienende schnft ausgegeben werden. Unddoch war der verstand des Franzostfchen überaus klar, und sa-get es Nichts anders, als daß man die Canones Laodicenosvon drey unterschiedlichen ausgaben hätte. Das wort Interpre-tation , und das relativum celle , sind unschuldiger weist ander nicht kleinen Verwirrung ursach geworden ; obschon daserste für einen, der die spräche verstehet, nicht gar dunckel,das andere hingegen eine besondere klarhcit und anmuth in

stch halt. _ , ,.. , ..

In dem artickul LessevrUe hat ein gleicher verstoß widerein Französisches Pronomen noch einen artigern fehler verursa-chet. Weil eben Lesseville in feinem Rectorat bey der hohenschule zu Paris die gewvhnheit eingeführet, daß die glieder der-selben , wann sie sammenthaffl, oder, wie man da redet, encorps einen ziemlichen weg durch die stadt machen musten, sichder kutschen bedienen möchten; so hatte Bayle dabey anlas ge-nommen , den sonst genug bekannten schertz des Königs Hen-rici IV. zu erzehlen, welcher deswegen einst gesagt: Seineälteste tochter, (denn also nennen die Französischen Könige ihrehohe schule zu Paris ) wäre sehr kothig, Wann jemandauch vorher nichts von der gantzen fache gehöret; io sind ja dieWorte des Bayle hierüber volltommlich klar : aupamvantrÜniverfite alloit toüjours ä pied : ce qui avoit feit dire ä Hen­ ri IV. ; que se fille ainee etoit bien crotee. Doch hat der Über-setzer des artickuls das kleine ce qui nicht verstehen können, wel-ches immer die krafft des Lateinischen generis neutrius t)at, son-dern ein pronomen masculinum daraus gemacht. Da mustedenn der gantz verkehrte sinn heraus gebracht werden: die ge-dachte schertz-rede wäre ein einfall des Lesseville, welcher die-selbe dem Könige also zuentdoten hatte. Je öfter dergleichenPronomina und andere kleine particu!« IN allen reden ohneunterscheid vorkommen ; desto mehr ist für einen Übersetzer^u besorgen, welchem dieselbige einmal gar fatal zu seyn an-

Jm 'artickul Levi oder Levis, sagt Moreri von Gilberto I.cle Levi: selbiger hätte gewisse prätcnsionen seines hausts ge-trieben contre le Duc de Montpensier & contre le Procureur duRoi. Das muste heissen: Wider den Heryoa von Mont-pensier und wider dessen Roniczlichen Prokuratoren.Der Herr Verfasser muß qemeynet haben, man könne alleFranzösische Proeureurs, weil sie vielleicht öffentlich bestellt,Rönigliche Proeureurs nennen, und also auch denjenigen,der dem Hertzoge von Montpensier im proceß gedient. Allein,ohne zu melden, wie wenig solcher gemeine Procureur an der-gleichen vrt verdiente angezogen zu werden ; so hätte man auchnur aus der Französischen Wiederholung der Präposition contre,sowol als aus dem pronomine , le Procureur , welches ja an-ders lautet als ion Procureur (contre le Duc de M. & contrele Piocureur du Roi ) schon genug wissen können, daß der letz-tere sich da gar nicht von Montpensier habe dingen lassen , umihm im proceß zu dienen, noch auch sonsten eine gemeine fa-che mit demselben gemacht. Letztlich stünde auch einem Gelehr-ten , der da artickul von Französischen Händeln aus dieser sprä-che übersetzen will, vor allen dingen wohl an, neben andernwichtigen gewohnheiren dieser nation, auch deren vornehmsteamter zu kennen, unter welche denn insonderheit dieser Königli-che Procureur zu zehlen. Dieser ist nemlich in den Parlemenkenvon Franckreich, wie man allda redet, der mann des Rönigs,mifdeffen hohe Vorrechte er immerzu ein wachsames äuge habensoll; daher auch, der solches amt zur zeit Gilberti l. de Levigetragen , an dem proceß, warum es in dem gedachten artickulzu thun, nothwendig einen besondern antheil hatnchmen müssen.

Im artickul Lepidus (M. Aemtl .) sagt man uns in Teutschetwas gantz neues von diesem Triumviro , als hatte er diepartey Serti Pompeji gegen Augustum gehalten. Dasmeynte der Herr Verfasser abermals in den Worten des Morerigefunden zn haben °. Lepidus vouloit se rendre maitre de la Si-cile, qui favorisoit Pompee . War es denn so schwer zu sehen,daß hier qui auf das nächstehende subifentivum ©teilten gien-ge? Vielleicht glaubte unser Gelehrter, die Franzosen hattenein besonderes Pronomen relativum keemininum, und müstequi bey denselbigen eben fowol masculini generis seyn, als beyden Lateinern.

Im artickul Morgues , welches der geschlechts - nähme desunter Ludovico XIII. berühmten Abbe de S. Germain ist , hat-te Bayle von diesem manne gesagt: II etoit ne dans le Velloiau Languedoc. Die blosse Präposition und Manier, solche mitdem folgenden Worte zusammen zn setzen, könnte schon anzei-gen , oder doch starcke muthmassungen geben, daß le Velar( denn also sollte man eigentlich das wort schreiben ) gar keinestadt oder ort, sondern ein land bedeute, wo solches gleich son-sten aus der Geographie nicht bekannt wäre. Doch ist uns dasländgen ohne dedcncken zur stadt gemacht worden, und heißt es :Er war gcbohren zu Velloi in Eanguedoc.

Im artickul Dlier, eines eifrigen Pfarrherrn von St. Sul-pice in Paris stunde : il appliqua les uns au service de la Parois-se. Diese Worte sind übersetzet worden: Er gab etlichen pre,digt-dienste zu versehen; als wann die zwey zusammen ge-setzte numeri lingulares einen pluralem ausmachen, und also(e service de la Parodie, verschiedene Predigt-dienste bedeu-

ten müste. Was war leichter zu verstehen, als die Worte imartickul pacistcus : il publia divers Poemes de Lucrece ,Virginie, des guerres de Cyrus , de Sylla & de Marius? Dochhat mans uns gcdollmetschet: Er hat verschiedene getichtedes Lucretii von der Virginia, von den kriegen des Ly-rus, dem Sylla und Mario heraus gegebeit. Hier wirdalso ein getichte des Pacifici über die so bekannte degebenhcil derLucretiä, zum Poeten Lucretio geinachet, diesem hingegen an-dere wercke, an welche er gewißlich nie gedacht hat, von Cyro,Syüa, Mario zugeschrieben.

Im artickul Regale sind die Worte des Moreri folgende: LeCbapitre de la Sainte Chapelle en a joiii ( c. a. d. de la Regale )jusques enxö4i. que le RoL Louis XIII. lui donna lAbbaie deS. Nicaise de Rheims, & laiffa tous les protits de la Regaleaux nouveaux Eveques & Archeveques. Nichts kan klarerseyn. Man hat die einkünfte der Regalen, weiche das Capiculder heiligen Capeüe einige zeit genössen, den Bischöffen undErtz-Bischöffeu, so nack) der vacanz zu jeder dieser geistlichenwürden erwehlet werden sollten, zugelegt, und hingegen denDom-Herren der heiligen Cavelle, zu einiger ersetzung des da-bey leidenden schadens, die Abtey von St. Nicaise zu Rheims überlassen. Doch ist dieses letztere im Teutschen also verkehretworden , daß es nun heißt: Ludovicus XIII. hatte die em-künfte der Regale, als er solche der heiligen Lapelle ge-nommen , der Abtey St. Nicaise gegeben. Es sind nochmehrere Verwirrungen an diesem orte, und möchte man gerneglauben, daß ein druck-fehler mit untcrgelauffen, wo nicht derunterscheid gar zu groß wäre zwischen den Worten : der Röniggab sie (die einkünfte der Regale) der Abley St. Nicaise,welche nun in dem Leipziger artickul stehen, und diesen andern,welche an deren statt hatten gesetzt werden sollen : Er gab thro( der heiligen Capclle) dafür die Abtey St. Nicaise.

Im aruckul Rhescuporis wird erzehlel: Der Rayser Ti-berius hätte unter wahrender Minderjährigkeit der kin-der des Thracischen Rönigs Lotys, selbigen den Trebel ,ltum Rufum zum Statthalter und Goiiverneur gege-ben; gleichwie er zu anderer zeit M. Lepidum den km-dern des Egyptischen Rönigs ptolemäi zum Vormundgeseyet hätte. Nun sind zwischen dem Lepido, von dem hierdie Meldung, bis auf die regierung Tiderii in die zweyhun-dert jähr verflossen; es waren auch bey dieses letztern zeit keine»Ptolemsei noch Könige in Egypten mehr zu finden. Wie hatdenn Tiberius einem prolemao icmand zum Vormund se-tzen können 1 Ein kleines Französisches wörtlein von zwey buch-staben , dessen rechte krafft dem gelehrten Herrn Verfasser nichtgenug muß bekannt gewesen seyn , hat die gantze Verwirrunggemachet: Tibere fit Treb. Rufus Lieutenant & Regent duRo'iaume, comme autrefois on avoit donne M. Lepidus pourtuteur des enfens de Ptolemee. Eine andere solche particula,das Y, ist nicht besser verstanden worden. Der artickul Soli«mann» III. des Türckischen Kaysers, so sich in der alleriicuc«sten ausgäbe des Moreri befindet, gebraucht folgende worlevon dem Verlust, den die Türcken an. 1688. gelitten : Ilsper-dirent Albe Roiale ... & Iäelgrade, quon leur emporta cPas-saut. Pres de 9000. hommes de leurs troupes y furent pasteaau fil de lepee le 6. sept. Wer siehet nicht gleich, daß die hierangedeutete 9000. mann eben in Belgrad müssen umkommenseyn, von welcher stadt man ja auch sonsten weiß, daß sie den 6.sept. des gedachten jahrs mit stürm eingenommen worden?Doch haben uns diese Türcken müssen in einem besondern treffenniedergehauen werden. Denn so lautet die Leipziger Übersetzung:Sie verlohren Stul-weissenburg - - - - und Bclczrad.Den 6. sept. desselbiuenjahrs blieben ihrer beynahe 9000»

Alle bisherige muster von falschen dollmctschungen aus demFranzösischen sind nur von einer gattung gewesen, da man nem-lich an den so gemeinen und fast in jeden periodum einlauffen-dcn particulis sich gestossen hat. Unserm gelehrten Herrn Gegnermöchte indessen zeit und weile zu lange werden, wann wir auchdie übrigen arten von fehlern wider gleiche spräche in so nahm,hafficr anzahl beyzubringen, und in mehrere classen einzutheilenfottfuhren. Also kurtzet man denn für dieses mal ab, und ver,anuget sich aus der noch übrigen menge nur einige besonderestucke vorzutragen , ohne sich mehr um einige eintheilung der-selben zu bekümmern.

Was ist doch leichter zu wissen, als daß bey den Franzosengibier , alles so man auf der jagd sänget, es sey gleich von vc.geln oder vierfüßigen thieren; garenne hingegen einen ort, woman caninichen aufziehet, bedeute? In Leipzig hat man uns da»erste wort fcder-wildprct, und das letztere einen vociel-heerdverteulschet. Da beyde Worte im artickul Nladera zusammenkommen, machet solches einen gar besonders angenehmen cf-fect. Moreri hatte gesetzt: On la nomme la garenne de Me.dere , ä causc de la quantite de gibier, quon y trouve. Dißsoll heissen: Sie wird wegen des darinnen befindlichenvielen feder, wildprets Maderas vogel - heerd genennet.Les Livres Saints , wo die Worte in dieser ordnung stehen , dcu.ten den Franzosen richtig die heilige Schrift an. Aber giebtman auch bey uns Teutschen ein gleiches zu verstehen, wo manschlechterdings geistliche büchcr ,'etzet ? Diß geichiehct im arl.Maitre i Antonius le) ? 5 e meler de gouverncr laRepublique,soll heissen : fich mit gewalt ins Regiment eindringen, imart. Phtlippidas. Der Französische vornähme lofle i Iodo.rus)muß eins seyn Mlk Iojua,uiid also der berühmte alte Pari,?.

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