Vorrede.
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bemie revoltirend , oder in eine emporung ausbrechende, son-dern vielmehr derseldigen demüthigst supplicirend eingeführet,wiewol er freylich durch crwehlung der letzter» art sich um diedamaligen Academico8 nicht mehr verdient gemacht/ als wanner seine stachlichte und jatyrische gedancken unter der gestalt einerempörung der oiclionnaires vorgetragen hätte. Wer ander Spam,He» spräche Inst hat, wird dey dem artickul Mo-ralcs nicht ohne Vergnügung sehen , wie artig allda das l)-rn-bolum oder der wahi-spruch dieses gelehrten vpanters ausge-drücket iverde.
Im artickul Nicephorus I. Kayfer zu Lonstantinopel/wird dieser Herr ein grosser freund der bilder genennet.Es ist aber gerade das widersptel. Nicephorus war em abge-sagter feind von den bildern. Der druck-fehler ( denn hiefürwill mans gerne hallen) ist um so viel wichtiger , als wüsten indem qansen bericht kein Wort stehet , welches dem Leser einigemuthinassung von der wahren beschaffenheit der fache gebenkonnte. Im artickul Nouelon > welcher zu ende des Xll. undansang des XIII. se-culi floriret, auch »«gleich Bischoff zu Sois-sons in Franckreich und Ertz-Blschoff von Thessalonica gewe-sen i stehet in beyden vorigen ausgaben: Nachmals that ereine creutzfahrt / da er denn nach Rom und Lonstanti-nopel mir unter denjenigen ernennet wurde / welcheeinen Heerführer wehlen sollten. Je öfter und aufmerck-samer man die worte liefet; desto weniger wird man darinneneinen tauglichen verstand antreffen, oder selbige mit der histori-schen Wahrheit vergleichen mögen. Es hat aber an statt: nachRom und Lonstantinopel, sollen gesetzt werden: nach ero-dcrung Lonstantinopel, weil Rom da gar nichts zu schaf-fen hat. Also hanget der verstand erst zusammen, und bleibetnur noch ei» anderer fehler übrig , so aber nicht von den dru-ckern herrühret: daß nemlich Lmpereur, so bey Moreri stehet/ein Heerführer ist gedollmetschet worden; an statt solches wortallda in dem vollkommensten verstände einen Kayfer zu Lon-stantinopel anzeiget; als zu welcher würde in der angeführtengeschichte di»Lateiner oderOccidentalische Christenden Flandri-schen Grafen Balduinum nach einnähme Constantinopel würck-lich erhöhet haben.
Wie in diesem letzter« artickul Rom zur ungebuhr eingerückt/und hingegen Constantinopel mit recht ist gesetzet worden ; alsohat sich auch.hinwiederum diese letzte stadt anderswo einge-drungen/ wo sie nicht hin gehörete, und in der that gar eineschlechte figur machet , nemlich in Ulefeld (Cornificius. )Da wird uns von dresem Dänischen Staats-Minister gemeldet:Er hätte an. 164^ den Bromsebroischen frieden schlies-sen/ auch zu Constantinopel den vereiniqungs-lractatmit den Niederländern zu stände bringen helffen.Der erste Herr Verfasser wird ausser zweifel den rechten nah-men Lhristianopel gesetzet haben. Aber wie wäre es möglichgewesen , daß man den handgreiflichen fehler nicht sollte gefun-den haben / wann nur jemand mit geringster aufmercksamkeitdie artickul der ersten ausgab« vor dem zweyten druck durchgese-hen hätte ? Das passet schön mit dem versprechen der kleinenvorrede zu der andern Leipziger edition. Nach solcher auffüh-rung stehets jetzt fein wider diejenige grossen grimm beweisen/welche endlich dem guten kexico an den orten / wo es am mei-sten preshafft war / die nöthige hülffe noch in ernst zu bietengetrachtet haben.
Eine andere ziemlich artige Verwechselung hat sich ereignetin den deynahmen zweyer Könige in Franckreich. CarvlusCalvus , welcher schon im IX. seculo regieret hat , wird imartickul pistres oder pistes in Teutsch genennet Larolus derkühne / an statt es der kahle heissen sollte. Ader an einemandern orte , im artickul Toulouse / wird Philippus Audaxwürcklich Philippus der kahle zugenahmt/ an stall allda derkühne Hingehöret hätte. In Petrus de Lorberia / so einGegen - Papst wider Johannem XXII. gewesen , werden vondenen zur zeit dieser Papste gleichfalls aufgekommenen zwey Ge-gen-Kaysern Ludovico Bavaro unb ftribenco Austriaco folgendeWorte in beyden vorigen ausgaben angetroffen: Man glaubet/daß der erste mehr nicht als der andere gehabt; alleinder Papst Johannes XXII . war ihm nicht günstig. Dieerstere Worte geben nicht nur einen undeutlichen , sondern auchgar einen falschen verstand. Doch wo man genaue achtunggiebt / unb die geschichte etwas inne hat / findet sichs endlich/der erste Verfasser müsse geschrieben haben: Der eine hattemehr recht gehabt , als der andere. Allein warum hatsdoch die zweyte ausgäbe so schlechterdings dabey bleiben gelas-sen ? In polystratus / welches eben der Macedonische soldatist/ so in Verfolgung des flüchtige» feindes ohngefehr auf denin Hinzügen liegenden Darinm gestossen , heisset es anietzo : sel-biger wäre dem sterbenden Könige bis auf den letztenmann beygestanden. Wem die begedenheit nicht fonsten be-kannt / der muß sich da einbilden : Polystratus habe dem un-glücklichen Dario wider dessen mörder annoch einigen beystandgethan / und neben mehr andern/ weiß nicht wie tapfer/ fürdenselbigen gefochten. Aber alles ist irrig / und hat der ersteVerfasser ohne zweifel gesetzet: bis auf den letzten athem.Dvch ist vielleicht dieses eine besondere Zierlichkeit , daß man in"tteder-Teutschland sprechen kan , bis auf den letzten mann/wo auch kein gefccht sich ereignet / um lediglich anzudeuten , bistu den tod. Anderer orten wirds einmal nicht auf solche weisegenommen, und wann insonderheit von einer geschichte / wie
des sterbenden Darii war , die rede ist , kan dergleichen ausdrü-ckung nicht anders als zweydeutig seyn.
In Rabutin (Roger de) stehet nun: die soldaten diese»manns hätten unterschleifmit Gully gemacht , und wärediß eine ursach gewesen , daß Rabutin selbst nach der Bastillegemüßt. Was heißt da: unterschleif mrt Sully machen?und wird nicht mancher Leser aus diesen Worten schliessen. WeilSully fonsten ein bekannter geschlechts - »ahme in Franckreich/das regimcnt des Rabutin mochte sich in einige meuterey/ die einSully erreget/ gemenget haben? Es sollte aber nach allen muth,massungen heißen: die kerls hätten unterschleifmit saly ge-macht / weil Rabutin würcklich in seinen Ailemoires die anzei-gling giebet: que ses soldats avoient seit le seuX seulnage.Doch ist der druck-fehler nicht von der gemeinen art / aus demTeutschen Worte saltz den Französischen nahmenSully machen.
In Raimundus II. Graf von Tripoli , stehet jetzodie wunderbare erzehlnng. “ Er vermählte sich mit Hodierna,„ des Königs von Jerusalem schwester söhn / und seine gemah«„ lin war der Königin Melizinä / des Fulconis gemahlin / wie„ auch AlifdeS Fürsten von Antiochia schwester.,, Also hat erst-lich eine manns-person sich mit einem andern manne , nemlichGraf Raimundus mir des Königs von Jerusalem schwester söhn , verhcurathet; aber ledennoch auch eine ge-mahlin zur ehe gehabt: und ist noch ferner die gemahlin diesesRaimundi unter anderm eine schwester von Alis dem Für-sten zu Antiochia gewesen; an statt es Alix die Fürstin vonAntiochia heissen sollte. Summa/ der gantze ort ist aufs erbärm,lichfte verwirret / und kan darüber die gegenwärtige Baselischeausgäbe nachgesehen werden , in welcher man jedoch gut befun-den hat - die an dem orte aantz unnöthige Meldung von derPrintzeßin Alir auszulasscn. Im übrigen stellt man es dahin/obAlts der Fürst von Antiochia , aus dem Französischen AlixPrinceffe d’Andochie , wie es bey Moreri stehet/ so garfaisth,lich verteutschet worden / oder ob solches gleichfalls von einemblossen druck-fehler herrühre; wie , wann Hodierna , die ge-mahlt» Renati , des Königs von Jerusalems schwestersöhn geheißen wird. Nur dtß kan man schier nicht begreif-fen / daß auch dieser letzte so gar schändliche druck - fehleraus der ersten edition in die zweyte so getreulich eingetra-gen ist.
Im artickul Lancia Sophia, wird von der nicke oder demloch in der maucr des tempels , worinn die Türcken ihren Alco-ran zu verwahren pflegen , gemeldet: Dieses loch gehet nachder kehle oder Moschee in Mechazu. Solche kehle / alsoin Teutsch gesetzet , hat ohne zweifel schon manchen Leser vcr.wirret. Doch glaubet man gerne , der Verfasser habe hebtegeschrieben / so der eigentliche nähme der angedeuteten / undbey den Türcken immer für gar heilig geachteten nicke ist , undsich jeweilen gegen Mecha wenden muß.
Ehe wir gantzlich aufhören von druck-fehlern zu reden / sollsich wegen gleichheil der materie nicht übel schicken , annoch eini-ge muster darzulegen von denjenigen nahmhafften fehlern undVerwirrungen / welche durch solche druck-fehler mögen verursa-chet werden; wo je diese einer aus dem andern gar zu sicherund unsorgsam ausschreibet oder übersetzet. Unter den fürlref-lichen wercken des berühmten dildhauers Lysippi zehlet PliniuSauch absonderlich ein bildnis Alexandri M. und seiner vor-nehmsten freunde : Alexandri amicorumque ejus imaginessumma omnium similitudine expreslit. Hier muß der Ver-fasser des Leipziger artickuls irgendwo an statt amicorurn gefun-den haben arnicarum. Einmal hat man sich von der letztenlection so sicher geachtet , daß die Übersetzung noch zu mehrermzierrath mit einem netten bcyworte ist begleitet worden , so daßes heissen muste: Gleicher gestalt hatte er auch Aleran-drum M. und dessen angenehmste maitreffen abge-bildet.
In pisa war anfänglich durch einen blossen druck-fehler beyMoreri eingerücket worden: diese stadt sey an. 1609. unterder Florentiner gewalt kommen; an statt solches in derthat an. 1509. geschehen ist. Allein in den Leipziger ausgabenhat man aus übel ärger gcmachet / und nicht allein den offen,baren fehler für bekannt angenommen , sondern noch fernerdarauf gcbauet. Denn weil der Verfasser einmal wußte , daßim jähr 1609. Florentz und gantz Toscana unter Groß-Hertzogengestanden , ist auch ohne weiteres bedencken gesetzet worden:der Groß-Heryog von Toscana hätte sich an. ,609. derstadt pisa vemerstert. Und doch ist nur zu gewiß/ daß in derwürcklichen zeit , da sich Pisa unter das Florentinische joch beque-me» müssen / bey weitem keine Hertzoge , noch Groß - Hertzogein Toscana geherrschet haben.
Im artickul Pleiades", wo unter andern auch von sieben be-rühmten Lateinischen Poeten Meldung beschiehet , welche zu ei-ner zeit in Italien floriret haben / (obgleich nicht alle aus die-sem lande gebürtig waren) und die man zusammen eine Pleia.dem genennet / stehet jetzt gleichfalls ein Apollonius FlorenS.Nun ist der nähme ohnstreitig falsch / die so seltsame nahmens-verderbunq aber lediglich daher kommen; weil der erste Urheberdes fthlers irgendwo die abgekürtzte nahmen der Person , welchein der that wohl verdienet hätte / recht bekannt gemacht zu wer-den / nicht verstanden / und also vermuthlich aus A. PollinusFlorent. das ist Alexander Pollinus Floreminua, der gelehrtenWelt den abentheurlichen Apollonius Florens ausgehecket hat.Doch findet sich freylich der verstoß schon dey Moreri in dem Hol«
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