Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

22

Vorrede.

ländlichen Supplemento. Die vorige Teutsche ausgaben Ha-bens nur da nachgeschrieben.

Allein die allerwichtigste probe von der so gar grossen Verwir-rung , welche dergleichen schreib-oder druck - fehler, wo sie vonandern allzuleicht für gut angWen werden, verursachen kön-nen , giebet uns der artickul S'cyon an die Hand. Da fin-den wir gar ein grosses stück von der Historie der stadl Sidon inPhönicien , schlechterdings dem weit davon über meer in Pelo-ponneso gelegenen Sicyvn zugeeignet; nur weil jemand an-fänglich das Haupt - wort verschrieben, oder verdrucken las-sen , und also aus Sidon , Sicyvn gcmachel hatte. Da mü-sse alsofort Nebucadnezar, der Assyrische König, Sicyvn ein-nehmen , welcher mehr als hundert meilen davon, schon andem ufer des Phönicischen meers das ziel seiner siege gesunden,und aus Mangel der schiffe auch nur die auf eine nächst andem dastgen vesten lande gelegene insul mit allem ihrem gutyentflohene einwohner des alten Tyrus nicht hat bezwingen mö-gen. Da wird uns ferner Stcyon bald von Alexandra M. ero-bert ; bald als unter der gemalt des Egyptischen Königs Ptole-niäi stehend; bald als von Antiocho Itt. belagert; bald als vonden Saracenen überwältiget; bald als diesen durch Baldui-num, den König zu Jerusalem , entrissen; bald endlich als von 'Ludovico IX. dem Französischen Könige, bevestiget vorgewäh-let : Welches doch alles von der Peloponnesischen stadt Sicyvnaus dem gründe falsch ist, hingegen von Sidon in Phöni­ cien billich und mit Wahrheit gesagt wird. Und ist bey demallem das schlimmste , das, auch dieser so schändliche fehlermit gleichen werten in der ersten und andern Leipziger aus-gäbe angetroffen wird.

Nun mag man endlich verhoffen, dem Herr» Gegner durchgenügsame proben, vielleicht durch mehrere, als er gewünscht,erwiesen zu haben, daß gleichwol in-Basel auch bey der andernart von fehlern, darüber er einen vorwurf zu thun unterstan-den, annoch ein ziemliches gethan worden sey. Denn, daman allhier auch von dieser gartung nur solche fehler angebracht,welche etwas besonders an sich haben , mag ein jeder vernünf-tiger leichtlich schlieffen, und kans nicht minder der klare au-genschein bey zusammenhaltung beyder auflagen jeden augen-blick anzeigen, wie vieles in diesem stück überhaupt durch dasgantze Merck sey ausgebessert worden. Doch, wie schon mehrals genug angedeutet ist, man begehret deswegen noch bey wei-tem nicht alle mängel der vorigen ausgaben, auch von dieser art,erschöpfet zu haben; und thut vielmehr davon die nochmaligeheitere erklärung: Wann schon der gelehrte Herr Gegner nachso vieler angewandter mühe dißfalls nichts als den einigenLanyaras habe ausfinben können, welcher zu Basel wäreübersehen worden; so bilde man sich deswegen nicht ein, daßsolches der einzige fehler von dieser art sey, welcher annoch zu-rück geblieben.

Jetzt gelangen wir denn einmal völlig zu denjenigen fehlern,die unser gelehrte Herr Gegner selbst in den Baselischen zuga-ben will angetroffen haben. Nachdem die fache schon drobenp, 12. & i;. überhaupt genugsam ist eingesehen worden, blei-bet für dißmal nichts mehr übrig, als daß wir denn einen vor-wurfnach dem andern für uns nehmen , um zu urtheilen, obman denn nach dem gemachten grossen aufheben zuletzt noch ei-nige würckliche fehler sowol in den Baselischen'neuen artickuln,als in den Vermehrungen des alten schon in dem Merck befindli-chen berichts entdecket habe, und von welcher Wichtigkeit allen-falls dasjenige sey , so derselbe entdecket zu haben meynet. Diegantze Untersuchung soll mit größer billigkeit geschehen, unddem gegentheil immerzu recht gegeben werden, wo es nur jerecht haben mag. So daß es zuletzt allein dessen schuld seynmuß, wann sich nach der genausten prufung nicht ein einigerwürcklicher historischer fehler finden wird, welchen der gelehrteHerr Lenlor den Baselischen hat erweisen können. Der geneigteLeser wirds jetzt von einem artickul zu dem andern nicht ohneVergnügung sehen; und wann je diese discußionen an sich selb-sten nicht von gröster annehmlichkeit scheinen; so werden dochsowol die fehler, welche der Herr Gegner selbst neuerdings bege-het , eben indem er ander» fehler zeigen will; als insonderheitdie entgegcnhaltung vieler nahmhaffter verstbsse der vorigenausgaben , welche man nicht versäumen soll , bey jedem ge-gebenen anlas, vorzubringen, noch wol bequem seyn, diematerie etwas zu erlustigen, lind den geist der curiösen Leseraufzuwecken.

i.) Der erste vorwurf von den zu Basel neu begangenen feh-ler» soll denn den artickul Abronomes treffen. Man hatte danach Verbesserung des unrecht gesetzten nahmens, annoch denumstand aus Herodoto beygefüget: Abronomes wäre nebstseinem bruder Hyperanthes in dem harten treffen bey Thermo-pylis , auf dem leichnam Leonidä todt gefunden worden. Un-ser Herr Gegner will, man hätte sich da durch die LateinischeÜbersetzung Herodoti verführen lassen, und den Griechischentert nicht angesehen. Allein er irret sich hiebey gewißlich;und soll jetzt gleich in der that sehe» , daß man zu Basel ge-nügsame Ursachen gehabt habe, die Griechische ausdrückungenHerodoti schlechterdings in dem verstände zu nehmen, der sol-chen ist gegeben worden. Nur bedaurct man zum voraus,und wird schier schamroth, daß eine kleinigkeit, wie die gegen-wärtige ist, einige zeit wegnehinen müsse, welche viel besser könn-te angewendet werden. Doch ist allein der Herr Gegner hieranursach, als welcher diesen fehler gleichsam an die spitze seiner

vorwürffe gesetzet hat, und auf selbigen mehr, denn auf alleandere, zu pochen scheinet.

Um den gantzen streit zu wissen, dienet kurtz , daß Herodo-tus in genauer beschreibung des berühmten gesechts bey Ther-mopylä , unter anderm gemeldet: als darinnen Leonidas end-lich todt niedergesuncken, halte sich zwischen den noch übrigenLacedämvniern , und dem Persischen Heere gar ein heftiges ge-fechte über den leichnam dieses manns erhoben, indem jeder theildavon meister seyn wollen; und in selbigem streite wäre auchvon feiten der Perser Abrocomes neben seinem bruder Hyperan-the ums leben kommen ? Die weise, oder der ort, wie oder wodie beyde im streite gefallen , wirb mit folgenden GriechischenWorten ausgedrücket: 7-/7,-r»»-, tb

vea^K tb MuviiTiu. Der Herr Gegner hat sich vielleicht einge-bildet , es wäre schon genug, um alle Leser , so kein Griechischverstunden, auf einmal zu gewinnen, wann er nur diese Griechi-sche Worte in sein blat drucken liesse. Es mag demselben auch beyeinigen anfänglich noch ziemlicher Massen gelungen seyn. Je-doch eben diese werden ihm bald schlechten danck wissen, undfürs künftige gegen seine anzüge aus fremden sprachen wohl aufihrer Hut stehen, wann sie jetzt sehen werden, wie so schlechtergründ und Nachdruck sich dabey finde.

1. ) Fürs erste ist gar artig, daß der Herr Gegner den leichtenweg zu siegen ergriffen hat; indem er die Griechische worle sol-cher Massen durch virgulas theils absondert, theils zusammen fü-get, daß nothwendig sein verstand heraus kommen muß. Alleinhat ein solcher kenner in der Crttic nicht gewußt, daß die virgulX,oder einlhctlungen der rede, von was art solche iinmer seyn mö-gen , ererst viele hundert jähre nach den zeiten Hcrodoti aufkom-men sind; daß folglich dieser geschieht - schreiber seinen text ohneeinige virgulab gegeben, und solche lediglich den Lesern, je nach-dem es der verstand erfordern würde, in ihrem sinne zu setzen,und also die sowol gantze als halbe leriodosäu sormircn überiastsen habe; daß auch nach würcklicher ersindung der virgularumund anderer dergleichen distinctionen, dieselbige dennoch eine lan-ge zeit sonderlich bey grossen büchern gar wenig im gebrauche ge-wesen sind; und daß endlich unter den noch heut zu tage vorhan-denen alten manuscripten iinmer die allerälteste sich ohne derglei-chen ablheilungen finden? keinem , der nur etwas in den schö-nern studien gethan hat, mag dieses unbekannt seyn, und wers >ezu läugnen unterstünde, müste dadurch lediglich feine Unwissen-heit verrathen: welche es denn gar leicht seyn würde, mit einermenge unwidertreiblicher beweisthümmer, aber zu des läug-nenden geringer ehre, zu beleuchten. Nun ist diß unserm gelehr-ten Gegner entweder unbekannt, oder bekannt gewesen. Wares demselben unbekannt; so mischet er sich etwas zu früh in dieCritic, und sollte die beurtheilung dergleichen strcils über den ge-nauen verstand und zuAunmcnhang dieses oder icnes orts alterscribenten annoch ferne von sich seyn lassen. Hat er aber davongewußt; so zeiget er fürwahr schlechte aufrichtigkeit, durch «ei-ne punctirung oder virgulation, wann die schon im übrigen auseiner Griechischen ausgäbe Herodoti entlehnet ist. Denn weil ein-mal dieselbige jetzt nimmermehr von dem authore sechsten herrüh-ren kan ; so ist schon ausser zweifel, daß, sobald über den verstandgewisser worle ein streit entstehet, alle virgula: und Puncteschlechterdings ausgelassen werden müssen; um ohne daS gering-ste vorurtheil, aus dem gründe der fachen selbst, erwegcn zukönnen, wie der alte scribent selbsten feine Worte möchte habenzusammen fügen oder von einander trennen wollen.

2. ) Nach diesem also gelegten gründe mag schon jeder, so nurdie anfange der Griechischen spräche verstehet, von selbsten se-hen, daß die streitige ausdrnckung Herodoti bey einen verstandnrcht minder, als den andern haben könne; oder, nach derGrammatic zu reden, daß t^ttt«»·;, eben sowol als

/utvc,, mit den Worten üniq tb i-txgB sich construiren lasse.Der verstand fliesset gleich gut in der Griechischen, eben wieauch in unserer Teutschen svrache, wo man sagt: Sie fallenda iin gefcchte ^ oder fechtende auf den leib Leonida todtnieder; oder: sie fallen da oder kommen um, indcn, sieum den leib des Leonida fechten.

;.) Doch bleibet es bey diesem nicht. Man hat dem HerrnGegner noch ferner zu sirgen, baß die ausdrückungen vi-mw,viri^ ntk, auf einen fallen, stehen,liegen , bey den Griechischen scribenten gantz gemein seyen:da hingegen ihm schwer fallen soll, nur mrl wenigen öricrnguter autkorum zu erweisen , daß üvch T,p-c

7 r%) uetTöf, in dem verstände , welchen er Herodoto auf-dringen will, (nemlich um eine fache kämpfen, mit dem vor-haben , daß man sich deren bemcistere) viel sey gebraucht wor-den. Dergleichen redens-arl wird freylich von den Griechischenscribenten beliebt, wann sie wollen zu verstehen geben, einefache werde mit Waffen beschützet und verfochten, damit sieher fcind nicht hinweg nehme. Also sprechen freylich dieGriechen oft genug , v-rch -rsi: mtn^i<soc t tmc moMof,

xaqctt, tb tun &c. für sein vatterland, für die stadt,für das land, für fein haus und Hof fechten. Und indiesem verstände hatte Herodoius an dem angedeuten ortedergleichen Worte noch gar wohl von den Lacedämoniern ge-brauchen mögen, in so fern dieselbige sich in dem «rreite bemü-het haben, ihres Feldherrn leichnam zu reuen, und benielden,so lange sie noch athem holelen, unter sich zu behalten. Allein

eben