Vorrede.
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eben dieses ist eine Ursache, warum sich wenigst nicht sowohlschicken sollte, solche ausdrückung auch von denjenigen anzu-wenden , welche im gegentheil etwas lediglich durch gemalt derWaffen zu gewinnen suchen, wie es mit den Persern, und alsoauch mit dem Abrocomes und seinem druder, in Ansehung desicichnamS Leonida, ist beschaffen gewesen. Über dtß haben auchdie Griechen eine gar nahmhaffte anzahl anderer Präpositionen,welche diese letztere bcdeurung anzeigen, nemlich um eine suchekämpfen, in dem sinn, sich davon meister zu machen. Siesagen zu selbigem ende: , a/*f i , tw»,
t m( TcgiyiMTot , und dergleichen; aber daruin nicht gleichim^. Im Übrigen , da wir in den annoch vorhandenenschriften der alten Griechen eben nicht viele exempel antref-fen won dergleichen kämpfen um den leichnam eines todren,welcher gerade in der schlacht gefallen war; so sind dennochdieieuige, welche noch vorkominen, dem Herrn Gegner keines-Weges günstig. Er mag nur das geftchte über den leib Patro-cli bey Homers durchlestn , als weicher da insonderheit denTrojaner» eine sehr groffe degierde zuschreibet, selbigen tew inihre gcwalt zu dringen; unter so vielen altda angebrachten re,dens-arten wird sich gewißlich keine /■*«£» üm% r*antreffe» lassen.
4 .) Über dieses hätte man auch die Lateinische Übersetzung He-rodvri, sonderlich da solche Henricus Stephanus mit so gros-sem flerffe gegen das Griechische gehalten» und was ihm im ge-ringsten bedünckte von der rechten krafft der grund-sprache abzu-gehen , gar sorgfältig angemerckel hat, nicht eben so leichtlichverachten sollen. Nun hat Stephanus über den zusamnieii-hang der Lateinischen Worte: occubuere luoer eadaver Leoni-da: , nicht den gcringsten zweifel getragen, da er auf gleichemdlat sonst mehreres zu erinnern fände. Wann alfo gleich demHerrn Gegner unsere vorher angezogene beweise nicht bekanntgewesen, wie solche doch ein kenner in der Griechischen sprächewissen muß, so hätte er sich gleichwol nicht jo geschwind wagensollen, die von Stcphano gut befundene Übersetzung, alleinaus vertrauen auf seine virgulas, zu verwerffen; obschvn imübrigen die virgula:, als welches man jetzt gerne zugiedt, undin der that ohne einiges Nachtheil zugeben kan, in einer oder an-derer Griechischen ausgäbe Herodoti , von den dcuckecn oderEditoribus würcklich also sind gesttzet worden.
) Doch wann wir jetzt endlich, obschon ohne einigengründ , setzen wollte» : die Worte Herodoti sagen in der thatmehr nicht, als daß Abrocomes und Hyperanlhes in dem ge-ftchte, so sich um den leichnam Leonida ereignet, umkommenseyen; hätte man darum gleich so grosse Ursache über den Bast-lisckicn bencht zu triumphrren ? Müste es nicht allezeit gleichwahrscheinlich bleiben , daß die gemeidte Persische bruder auf,oder doch wenigst gar nahe an den reib Leonida gefallen,um welchen allda ,0 heftig ist gekämpfet worden ? Nun ist jadiß schon genug, die bey der Bastlischci, zugäbe gebrauchte re-dens-art zu rechtfertigen; Massen man da gar nicht hat ver-melden wollen: die zween wären gerade also auf dem Leonidaliegend gefunden worden, wie sich der Prophet Etisäus auf dastodte kind der Sunamilin gelegt; oder wie Mezentius beymVirqilio lebende menschen mit todten zusammen zu binden sollgepflegt haben: Componens manibusque manus, atque oribusora. Unser geschickte Herr Gegner wird ja nicht etwan in dermeyiiung stehen, es wäre da der todte ftib gleich den preisen inden öffentlichen kampf-spielcn auf eine stanze gesteckt, oder fon«sten ausgehänget worden. Wann denn, um dergleichen aufder erde liegende cörper zu behaupten, zwischen zweyen feindli-chen Parteyen heftig gestritten wird; so bringet die Vernunft mitstch, daß, die in solchem streit fallen, jeweilen nicht gar fernevon denstlbigcn zu liegen kommen. Homerus erzehlets gar nettauf diese weise , wann er von dem geftchte über den leib Palro-cli Meldung thut. Erstlich sagte er dergleichen von vielen Tro-janern überhaupt: sie ivären durch Ajaccm über dem todten er-schlagen worden: »rt (7r aiura 8v/ucy a.7i»uqa.
So denn noch absonderlich von Hlppothoo: » «Vr#*#
CTiVe rr^viic im rixtzw. Wann auch unstr Gelehrter die ge-schichte des Teutschen krieges etwas ausführlich gelesen hat,wird er sich wissen zu erinnern, wie, als in der schlachtbey Lützen um den leichnam des preiswürdigen Königs GustaviAdolph» qantz ein gleiches geftcht entstanden , zuletzt grosse Haus-sen der erschlagenen, sowol von freunden als feinden, auf den-selben < und an denselben zu liegen kommen sind. Allein es istnur zu viel von diesem vorwurf gesagt, als welcher immer eineelende kleinigkeit bleiben wird; wie sehr auch der Herr Gegnersich bemühet, denselben aufzumutzen.
Indessen ist es jetzt billig, daß wir hinwiederum sehen, wiedenn die Herren Verfasier der vorigen Leipziger artickul dasGriechische verstanden , und etwan, wo es noth gewesen, dieGriechischen texte aufgesuchet haben; da sie einmal zu dieserzeit mit wohl virqulirten Passagen Herodoti so gerne um sichwerffen. Im artickul Zopftzesellsthaffl wird uns der von Al-berto III. dem Heryoge aus Oesterreich , im XIV. hxeulo ge-stiftete Ritter -orden gcnennet: Societas Phlegmatica. Das istGriechisch; kan aber in qut Teutsch nichts anders heissen, alsdie schleimichte GeseUschafft. Man kan gewiß versichert seyn,daß Phlegmaticus , und alle diesem verwandte Wörter immerzueine solche bedeutung bey den Griechischen str,heute» haben,
welche auf schleim und schleimichte kranckheiten zielet. Denndaß die wurtzel $*£>«, wie auch die von seidiger hergeleitete sob-stamiva 4>Ae>,u!x, und andere , auch aufs brennenund brand deute», hat zwar an sich selbst seine richtigkeit;mag aber der so artigen benennung von der phlegmatischenSocietät wenig heissen. Um es ku'rtz zu niachen, ,0 muß dergelehrre Herr Verfasser des arltcknls etwa» irgendwo den nah,men Societas Fiegmatica gefunden haben, als welches von demsaubern Phlegmatica t» der Griechischen spräche gar sehr unter-schiedene worr jowot, als Societas Piectica, noch gantz deutlicheine ZopfgeseUschastl ausdrücken mag. Die urfach rst, weilimGnechnchen nMnut (so aber wiederum von gar
sehr differiert) eben so viel heißr, als unser Teutsches Wortflechten; da denn gar muthmaßlich , daß beyde Wörter, wienicht minder das Lateinische fledo in seinem ersten verstände,schlechterdings von emer nemlichen wurtzel entsprossen, odervielmehr in uralten zeitei, ein gleiches Wort gewesen seyen, so sichin die drey Haupt-sprachen ausgebreitet. Indessen weil Plegma-ticus in Latein eben nichl kickn vorkommt, und also dem Ver-fasser nicht zum besten mag bekannt gewesen seyn, hingegen aberPhlegmaticus und Phicginalnch, wenigstens durch die HerrenMedicos, schon längst mehr als genug unter die leulhe sind ae,bracht worden; so hat es ,etzr die chrliche ZopfqcftUschassddurch bcylegung des schleimichten tiruts eutgeieen müssen.
Eine andere probe der erfahrenheil in der Griechischen sprä-che , ja noch ins besondere der fleißigen nachschlagung Herodoti giebt uns der artickul Oneiilus an die Hand. Da wird voudiesem mächtigen Cypnec gemeldet: die Perser hätten rhmden köpf vor die susse gelegt. Nun ist freylich die redcns-art gar nett und fern , ioo ein nrensch durch cmyauplung sterbenmuß. Ader pajsel selbige eben ,'ö wohl und so artig, wann ei.nem erst nach fernem rode der topf abgehauen wird; nur um den-selben zur schau herum zu tragen, und »achmaiS öffentlich aufzu-stecken ? Nun ist dieses letztere die wahre und eigentliche beged-nis Oncsili, dessen todter leichnam, als der mann in emerschlacht umkommen, ererst den bedeutcten schimpf von den Per,fern hat ausstehen müssen. Unser gelehrte Gegner will de» Ba.selischen, vdwol gewißlich zur ungebühr, vvrwerffe», undweiß nicht wie hoch aufmutzen, daß sie an einem orte sich in demGriechischen Herodoto nicht umgesehen. Hier zeigt man ihm,wie er, oder jemand seiner gelehrten initarbeiter , nur die La-teinische Übersetzung Herodoti nicht zu rath gezogen , und sich le,dialich durch die zweybeutige redens-art des Moreri verführenlassen. Ees Perses gagnerent uns bataille concre OnefiJus , &lui couperent la tete.
Im artickul ©,uemo zeiget sich klar, daß man auch die ge-meinesie tormas der Griechischen nominum nur nicht zu declini,ren geivußt habe. Denn was ist anders zu schliessen aus denWorten : ©uerno sey nach Rom kommen mit einempoetischen getichte, Llexiada genannt ? Wäre es recht ge-redt, wo jemand spräche: Homerus sey in einer Versammlungder Griechen ausgetreten, mrt seinem getichte, lliada genannt'?Oder Virgilius sey zu Augusts kommen, mit seinem getichtejEneida ; Stativs zu Domitiano mit den getichten Thebaidaund Achilleida genannt, und so fortan 1 Nun ist ja die fachegantz gleich, und mag vißfalls nur an keine ausflucht gedachtwerden. Die Ursache des fthlers machet denselben noch grösser.Denn solcher ist offenbar daher entstanden , weil Moreri nachder eigenschafft seiner spräche gesttzet hatte: avec un Poeme,intitule Alexiade. Allein wann die Franzosen , als welche oh-nedem wegen unterscheid der casuum ihre nomina niemals zuverändern pflegen, durch alle casus Alexiade , eben wie auchIliade , iEneide , Thebai'de , Achilleide , mit gutem fug sa-gen mögen; ist es dämm auch erlaubt, im Griechisthen undLateinischen für alle calus , und nahmentlich für den nominati-vum Alexiada, iEneida, lliada , &c. zu setzen? Man kan denHerrn Gegner versichern, wie dieses gleichen verstösse noch an-derwärts lind gefunden und verbessert worden. Weils aber vorcinlangung seines gelehrten blats geschehen ist, hak man diesel«bige, als kleinigkeiten, aufzuzeichnen verachtet.
Im artickul pefpasianus wird die zu ehren Flavii Sabini,der dieses Kaysers vatter geivestn, von den Asiatischen städtengesetzte aufschrift: TtKavi<r<tfTt , in Teutsch gegeben ;
dem den zoU wohlverwaltenden Sadino. Da wird derGriechische Aoriltus primus gar unrecht für ein prajsens genom-men , und ist der fehler im übrigen noch deswegen von einigerWichtigkeit zu achten , weil dadurch die gewohnheit der Alten infetzung dergleichm ausschrtften gantz falsch vorgestellet wird; alswelche niemals gepflegt haben, jemand nnter währender Ver-waltung , und, ehe die noch geendiget war, dergleichen ehrei» beweisen; dahero es auch bey selbigen gar auf eine ungewöhn.iche.art hätte klingen müssen, wo man sich in einer infcriptionder gegenwärtigen zeit oder des temporis praescntis bedienet.
j.) Der zweyte vorwurf des Herrn Gegners gehet auf dirblosse art, nach welcher das buch von dem leben Pythagvrä, s»aber wl'irckllch mehr von der stete dieses Wcltwctstn handelt,unter dem artickul Abaris ist angezogen worden: Malcbu« devita Pythagorae. Unser gelehrte Gegner will, man hätte kurtz-um sollen flamblickus schreiben, an statt JVlalclu,« , und ma-chet sich dabey gar groß, mit vermelden: kenner nenne,ten den Verfasser des kleinen werckgens anietzo Jambli-cLiuttt. Run ist zwar freylich schon seil geraumer zeit ausge-macht,
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