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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Vorrede.

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aufsuchen werde. Der Herr Verfasser des artickuls antwor-kek wegen des erstem, daß dieses eben der beste ort sey , vondem unterscheid der zwey PvcoKiorum zu erinnern, wen derjüngere sich in der gelehrten weit durch kerne andere schuft, alsdie herausgebung des Jaafars, bekannt gemacht, und daherauch diese letztere arbeit, da noch die gleichhcit der nahmen da-zu kam, von mehrern Gelehrten ohne bedencken dem ältern Po-cokio ist zugeeignet worden. Wann unser gelehrte Herr Geg-ner den umstand gewußt, sollte ihm der ort gar nicht unrechtoder unbequem gedüncket haben. Was die anstosse Hottingeriin der Orientalischen chronologie betrift, so war erstlich dieWarnung für sich selbst nöthig. Denn einer seiks hatte dieseshochgelehrten manns ansehen und nähme, sonderlich da dessenschritten von den liebhabern der Orientalischen geschicklichkeitam meisten gebraucht werden, gar leicht auf die gcdancken brin-gen mögen, diejenige zeit-ansetzung, deren man sich bediente,als von' der seinigeii abgehend, wäre falsch. Andern theilsauch lasset sich dieses chronologische versehen in den schriften desabgedachten grundgelehrten Polyhistor« durchgehcnds mercken ;so daß freylich der Leser glauben muß, er wäre seiner zeit-aus-rechnung vest versichert gewesen. Man darf nur die Appendi-cem zu dessen Bibliothecario anschauen, wann er da die lebender gelehrten Araber aus Leone Akricano vorträgt, aber dasjähr ihres lvdes allezeit falsch ausrechnet. Die ursach ist, weiler die sonnen - und mond - iahre mit einander vermischet; dadoch die letztere bekannter Massen um eilf tage kürtzer sind , alsjene, welches in hundert jähren mehr als drey jähr austrägt,und also in X. feculis über dreißig gantze jähr abweicht.Wann aber jetzt der Herr Gegner fragen will, warum maneben diese anmerckung in den artickul Abu-Iaasar ge-setzt ; so ist gewißlich seine frage lächerlicher, als er vielleichtim anfange mennen möchte. Denn weil einmal der verstoß injedes gelehrten OrientalerS leben neuerdings bey Hottingero vor-kommt , so könnte man die wichtige frage thun, in welchen ar«lickul auch der an sich selbsten so nöthige bericht wäre gesetzetworden. Doch sind ja die achtzehen gantze jähr, um welchedie zeit-rechnung des artickuls Abu-Iaasar von deS gelehrtenHottingers seiner unterschieden ist, schon ursach genug, daßsolches auch alldort mit einem Worte erinnert werde.

Man kan hier den Herrn Gegner überhaupt berichten, wieviele dem gegenwärtigen Lexico gar nöthige anmerckungen voneiner solchen deschaffenheit sind, daß der eigentliche ort, wosolche hingehören , nicht so gewiß zu bestimmen ist, und alsodieselbige nicht anders, als bey dergleichen ereignenden gelegen-heiten anzubringen sind. Selbiger wird vielleicht die gantze fa-che besser begreiffen, wo man ihm dieselbige noch mit einemexempel aus dem artickul Fourbin kürtzlich erläutert. Dawird vermeldet: der noch bey unsern Zeiten so sehr be-rühmte Französische Geistliche und Gesandte, in ver-schiedenen landern, Toussatn äe Fourbin, hatte endlichnach seiner erhöhuna zu dem Cardinalat den beynah,men Jenson an statt dessen von Fourbin, vornemlichaus der Ursache angenommen, weil Fourbin beydes inder Französischen und Italiänischen spräche die bedeu-tung eines betriegers mir sich führete. Nun ist diesergründ ohnstreilig falsch; und hätte ja der kluge mann allmlange gewartet, oder an die ungleiche deutung, welche manseinem nahmen geben könnte, zu spät gedacht, wo er denjeni-gen nahmen, welchen er zuvor als ein vornehmer GesandterAbbe und Bischofs, immerzu behalten, letztlich erst, da erCardinal geworden, zu ändern nöthig erachtet. Verständigeleulhe pflegen jeweilen solche kleinigkeiten zu verachten, undwerden wegen einer albern allusion ober turlupinade, wie esdes Cardinal Fourbins lanbs-leuthe nennen , nicht so leichtlich«inen alten geschlechts-nahmen ablegen wollen. Da nun also,was in diesem stücke der besagte Cardinal gethan, aus einergantz andern Ursache, und nach einer in solchen fällen bey denFranzosen schon vorlängst üblichen gewohnheit geschehen ist ;fraget man jetzt den Herrn Gegner: ob er sichs dergestalt miß-fallen liesse, daß man bey dem sich also fügenden, oder vielmehrvon dem fehlerhafften orte des Leipziger artickuls unvermuthetgegebenen anlas, denselbigen gebrauch der Französischen na.tion ein für allemal erläutert hat; ob man gleich im übrigenwohl erkannte, wie sich diese erläuterung eben so wohl auch anandere örter schicken mochte?

16. ) Von dem artickul Accoltt bringet der Herr Gegner diewichtige klage vor, folgende Worte seyen dunckcl: DenedictusAccoltt war ein söhn oberwehnten Lardinals Accolti;weil zuvor von zweyen Lardinälen dieses nahmens gere-det worden. Man stehet es demselben gerne zu, und daß esbesser gewesen, an statt des oben ermeldten den letztermeld-len zu setzen. Aber wie elende ist doch die kleinigkeit? und wiewenig muß man gefunden haben zu tadeln , wo man mit der-gleichen zeug aufgezogen kömmt? Ohne jetzt noch von dem zumelden , daß so gar aus der blossen zeit-rechnung, so in dem ar-ticknl stehet, wenigst gar wahrscheinlich, möge geschlossenwerden, welcher unter den beyden Cardinälen Accolti zu ver-stehen sey.

17. ) In der folgenden klage hat der Herr Gegner gleichfallsrecht. Allein das schlimmste für denselbigen ist, daß eben dieklage selbst von gar geringer Wichtigkeit muß befunden wer.den. In Achämcnes n. i. hätte man zu Bafel geschrieben :schickte er Achämenem wider ihn (den Inarum.) Da so»

er auf Artaxerxem deuten, den man bey anlas des todes TerriS,der vorher berühret worden, und welchem Artaxerres im Rei-che gefolget ist, vermcynte genennet zu haben; aber in der thatzu nennen vergessen. Wenn also nur für die zwey wvrte:schickteer, gelesen wird: schickte Artarerxes, der nachfol-ger Lerxis, wie mans auch ohne die von Leipzig aus beschehe-ne so wichtige erinnerung sicher genug in den druck- fehlemwürde demercket haben; so hat schon alles seine richtigkeit.

Wegen gleichhcit der klage, und damit ,a der Herr Gegnerfür dißmal nicht ursach bekomme zu rühmen, als ob auch derallergeringste seiner vorwürffe unterschlagen worden, ziehet mangleichfalls hieher die construction aus dem artickul Arma-gnac : Er, ( der König in Franckreich , Carolus VII.)schickte den Dauphin wider den Heryog, der ihm sei-nen General debauschtrte. Da siehet zwar jeberman ausdem verstände und Zusammenhangder erzehlung, wie das rela.tivum der nothwendig auf den Dauphin ziele. Doch hindertfreylich dieses nicht, daß, wo man recht ordentlich schreibet,dergleichen pronomen sich auf das nächste stibstantivum bezie-hen soll. Nun, alles ist wahr. Aber mag wol unser gelehrteHerr Gegner in ernst vermeynen, daß man diese grosse geheim-nisse der Teutschen spräche ohne seine so wichtige erinnerungennie würde verstanden haben ? Oder erkennet er nicht aus so vie-len andern Baselischen zugaben, daß die Verfasser derselbiqenwenigst diese kleine anfange der Grammatic noch wohl inne ha-ben , und wo sie nur zeit gehabt, diejenige artickul, in welchensolche geringe versehen des styli mögen anzutreffen seyn , mit ei.nigem bedacht wieder durchzulesen, den Mangel leicht sollten er-sehen und gehoben haben ? Die Leipziger Herren arbeiter habenohne zweifel bessere zeit und weile gehabt; und doch ist denselbeneine gar nahmhaffre anzahl dergleichen kleiner grammaticali-schen fehler aus der feber geflossen, von welchen man sichs zuBasel für eine schände geachtet hätte, nur ein wort zu melden.Weil aber der Herr Gegner allhier so grossen anlas dazu giebet,und immer die Baselische neue zugaben durch das von derschreib-art hergenommene vorurtheil vermeynet zu unterdrücken,obschon er auch zuletzt wider diese nichts als solche gar geringeversehen anzudringen gewußt; so wird es erlaubt seyn, einigeklare proben und muster von gantz gleichen Leipziger verstössenin dem stylo anzuführen.

Wie lautet es doch im artickul willeborst, wann von die-sem berühmten mahler gesagt wird : Seine eitern thaten ihnzu einem mahler zu Sergen op Zoom. Nachgehend-kam er zu dem Gerhard Segers von Antwerpen , beywelchem er sich vollends perfectionirte. Als der prinyFriedrich Heinrich von Gramen an. 164». durch fel-dtgen ort zog, rc. Sollen nicht hier die werte durch sel-bigen ort, auf die zuletzt gemeldte stadt, und hicmit, aufAntwerpen beuten ? und doch wäre diß falsch ; Massen Ant,werpen damals gegen den besagten Printzen feindlich war, erauch sicherlich weder hinzugehen begehret, noch auch in derthat hingekommen ist. Man hat aber Bergen op Zoom an-deuten wollen , dessen noch vor Antwerpen "war gedacht wor-den. Dieser kleine sprach-fehler mag je noch wol dem Baseli-schen aus dem artickul Accolti an die feite zu setzen seyn.Im artickul Ferdinandus II. Römischer Kayser, lin. 18.stehet es: als sie in feine lander eingefallen. Sie soll daauf die Türcken deuten; und gleichwol waren diese in demartickul noch nie genennet worden ; wie denn auch nachge-hends die rede gleich von andern Materien ist. Diesen verstoßwird jederman dem Baselischen in Achämenes gantz gleich ach-ten. Will jetzt der Herr Gegner, daß man ihm auch einen ortzeige, wo ein pronomen also zweydentig gefetzt sey, wie derim artickul Armagnac; so kan er selbiges im artickul Philip-pus 11. König in Spanien , antreffen, wann da fast ge-gen dem ende stehet: Er (Philippus) ließ sich sehr angele-gen seyn , die partcy der Ligue in Franckreich zu unter-halten. AIs Henricus IV. zur Lrone kam, kündigte erdemselben an. 159$. einen krieg an. Wer diese zwey pe-riodos also nach einander liefet, wird der jetzt so gar leicht unddeutlich verstehen, welcher unter beyden Königen dem andernden krieg angckündct habe? Man hat gar verständige Personen,selbst aus Sachsen , gesehen, welche daraus schloffen , Philip-pus müste den krieg dem Franzosen angekündet haben. Nochein anders nicht uiialeiches muster könnte man vorstellen auSdem artickul Lenoncourt (Robert) da von zweyen diestSnahmens , welche beyde Ertz- Bischöffe zu Rheims in Franck.reich gewesen, also undeutlich geredet, und die von selbigen ge-bende berichte dergestalt vermenget werden, daß wanns' rulctztheißt: dieser salbte den König Franciscum l. und starban. i;6i. schwerlich zu verstehen ist, welcher unter den bev.den angedeutet werde, wo mans nicht schon zuvor weiß, odchaus andern umständen schlicsscn kan. Jedoch sind biß lauterkleinigkeiten, und solche versehen, welche einem jeden, dermit etwas eil schreibet, und seine gedancken vornemlich aufdie fache selbst wendet , gar leicht begegnen können: so daßderen ungeachtet das Leipziger Historische Lcricon allezeit garein unvergleichliches Merck von seiner gattung sollte acdliebcnseyn , wann je dessen schwachheit und fehler nur hicriuncnbestünden.

Sonsten , wo man sich bey diesem streite länger aufhaltenwollte , ließ sichs wohl auch ein Wort sagen, von einer vielwichtigern gattung fehler, so dennoch auch zu der schreib-art

qehö-