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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Französischen stribenten derselbigen zeit sonderlich den MartinduBellay und Blaise deMonluc, zwey sehr erfahrene kriegs-leuthe, welche beyde der schlacht deygewohnet, und uns diesel-hjge, jeder in seinen dlemolres, nach allen ihren umstanden,aufs wcitläustigste beschrieben haben ; ohne jetzt noch von Bel-cario, Serres , Mczerai und vielen andern zu gedencken, alsderen lesung jedem klar genug anzeigen kan, daß sie ihre berichtelediglich auS den zwey vörerwehnten entlehnt haben. Nun aberkommen alle diese scribenten, ohne ausnahme, über folgendeumstände übcrem. Ais nach langem scharmuziren endlich dasHaupt-treffen angegangen, ward erstlich die Italiänische reute-rey des d'Avalos, so unter Ridolfo Baglione stunde, von denFranzose» in die flucht gejagt: und bald hernach zertrennetendieser ihre Schweitzer und Gascons den groffen hauffen Teut-schen fuß-volcks, der über loooo. mann ausmachte, und aufwelchen ll'Avalos seine meiste Hoffnung gesetzet; so daß der bestetheil davon auf dem platze blieb. In erseyung dessen aber be-gimtcn auch die Italiänische fuß-voicker des Marchese, welcheden Teutschen zur feite stunden, ehe noch der feind sie angegrif-fen halte , mit schnellen schritten zurück zu weichen, obwol siedabev noch ihre ordnnng behielten. Diese theils in völlige fluchtgeschlagene, theils sonst zertrennte und niedergehauene, theilsendlich ohne schwerdt-streich zurück weichende machten ohnstreitigdrey quart der Kayserlichen armer aus. Und doch ist nach allenvorgemeldten geschicht-fchreibern gantz gewiß und ohnstreitig,daßbiß alles geschehen , ehe noch d'Avalos an einige flucht gedachte,oder vielmehr, daß dieser ererst die flucht genommen, nachdemer allen den erzchlten unstern und flucht der seinigen mit äugengesehen. Dadurch hat sich bey dem manne freylich auf einmaleine allzugrosse bestürtzung ereignet, so daß man in der thatnicht mehr den vorigen Marchese del Vasto bey ihm fand , wiesichs jetzt bald ausführlich zeigen wird. Indessen hatte er bisdahin nicht nur alles wohl veranstaltet, sondern auch ftlbst vorder faust tapfer gefochten; wie er denn würckltch, laut demzeugnis des Monlnc, durch einen schenckel geschossen worden,

«ant au lit hiesse dune arquebusade ä la cuisse. AJoutu ., me-moires p. rzi. gleich nach erzehlung von der schlacht. Wel-cher umstand uns denn auch an dem nicht zweifeln läßt, >vasJovius noch ferner hinzu setzet: er hätte einige streiche von ei-nem streit-kolden auf den Helm empfangen °. aliquot clavatumictibus coliisa casside. Pau'. Jovius, lib. XL1V.

Nun da diß alles also beschaffen , woher mag uns denn derschöne Leipziger bericht herkommen : Er selbst nahm Zuerstdie stuckt ? Der genetgre Leser wirds jetzt bald vernehmen, undda soll erst die annchmlichkeit, so sich in dieser gantzen crzeh-liiiig befinden mag, auf den Herrn Gegner, oder seine gelehr-ten Mitarbeiter, zurück fallen. Man hat da nemlich schlechter-dings den Morcri übersetzen wollen. Weil nun dieser nichteben der Wahrheit gar gemäß z aber jedoch durch eine viel ge-lindere und erträglichere hyperbolam, wo nur dessen Leser oderÜbersetzer die rechte krafft der Französischen ausdrückungenWohl innc haben, gesetzet bcttte vLe Marquis du Guast y pritla fuite des premiers ; so musten wir in Teutsch mit diesem an-genehmen bericht regalirt werden: Er selbst nahm zuerstdie flucht.

4 .) Bisher ist genug erwiesen, wie die alte Leipziger redens-art keineswegs habe sollen stehen bleiben, wo man nicht dasHistorische Lexieon mir groffen und recht lachenswürdigen auf-schnitten angefüllt sehen will. Doch bleibet noch übrig das Ba-stlifche wort tapfer zu rechtfertigen, wo man nicht den HerrnGegner sich mit der angenehmen Veränderung immer willherum tragen lassen. Das kan nun aber gar leicht geschehen.Damit ja unserm Gelehrten nicht die geringste Ursache sich zurühmen überbleibe; null mans thun, erstlich zwar was denverstand des Worts, und denn auch was das Wort für sich selb-sten betrift.

Den verstand belangend, so siehet gleich ein jeder, daß eseine ironie sey, dergleichen ia noch wol zu gebrauchen erlaubtist, wo es fbnsten die Personen, von welchen man da redet,nur also verdienen , und durch ihr verhalten ziemlichen anlasdazu gegeben haben. Die Leipziger artickul, und zwar ebendie, welche ohnstreitig von den besten arbcitern sind verfertigetworden, haben sich dieser verblümten art zu reden ebenfallszum öfter» bedienet. Um nur ein muster davon anzuziehen,auf welches man in der nemlichen stunde gefallen ist , da die ge-lehrte censur einliefe ; so wird auf solche art gcschertzet, in ei-ner noch dazu sehr traurigen Materie, und welche also derglei-chen schertz viel weniger zu leiden scheinet, wann man von derentsetzlichen pein und lebens-strafe, so dem bekannten Wieder-täuferischen Könige zu Münster , Johann von Leiden , ist an-gethan worden, in dem artickul Münster , die ftadi, alsoschreibet: Dem armen Röntge wurde vor seine regierunggar schlecht gedancket.

Zweifelt jemand, ob ci'Avalos ins besondere dergleichenschertz verdienet; seist es jetzt nicht schwer, demselben genug zuthun. Erstlich halte dieser Herr vor dem treffen gar zu grosserodomvntaden gemacht; Massen er über das, so schon drobenaus der Leipziger ausgäbe ist angeführet worden , annvch unteranderm den bürgern zu Asti beym ausziehen in gröstem ernst be-fohlen : Sie möchten ihm nur ihre thore zuschlieffcn, wo ernicht sieghafft aus der schlacht zurück käme; welches jene auchzu des Marchese grosser bestürtzung hernach würcklich ms wcrckgesetzt haben. Der sich dergleichen streiche vor dem treffen aus.

thut, hat immer vielfältigen schertz zu gewarten, wo er nichtungemeink tapferkeit erzeiget. Nun hat wol d'Avalos anfäng-lich seine armee wohl gestellt, und für seine Person Hertz genugerzeiget, bis auf die oben angedeutete zeit, da er den besten theilseines volcks geschlagen und auf der flucht sahe, wie mans schonvorher klar genug erwiesen hak. Allein als er den gcmcldtcnUnfall der seinigen erblickte, verliessen ihn ruif einmal sowolalle seine vorige kriegs - künste, als der sonsten so vielfältig be-zeugte unerschrockene muth; dergleichen schwachheit in solchenfällen noch wol an andern grossen Generalen ist beobachtetworden. Eben die obcrzehlte geschieht - schreibcr, Svanier,Jtaliäner und Franzosen geben einmüthig zu verstehen: die-ser mann hätte in dem also wanckenden zustande seines kriegs«Heers bey weitem dasienige nicht geleistet, was man von ei-nem solchen Feld-Obersten sollte erwartet haben. Er that danicht den geringsten versuch, die fachen wieder herzustellen,sondern eilte mit der bey sich habenden reutercy spornstreichsnach Asti . Und gleichwol sahe er erstlich gerade neben sich dasstarcke corpo von Italiänischer infanterie unter dem Prmtzcnvon Salerno , welches sich, zwar auf ersehene flucht des-glione und Niederlage der Teutschen landö - knechte, auch schonaufs weichen begab , aber indessen noch keinen schaden vomfeinde gelitten, vielweniger seine ordnung und glichet getrennthatte. Wo man diese ohne zeit-veclust gegen die theils vom streitwider die Teutschen ermüdete, theils bevm verfolgen der fliehen-den etwas aus ihren reihen gekommenen Schweitzer und Gas-conier, zusamt dem noch sonst diesem zu hülffe gegen diese Ika,liäner geordneten kleinen Französischen hauffen angeführet, hättessich das blat, nach vieler knegs-verstandigen urtheil, noch wolwenden können. Hundert Generale», die man sonsten weit un-ter den Marchese del Vasto gesetzet hätte, würden gewißlich denfehler nimmer begangen haben. Doch ist diß noch nicht alles.Für viel rarer mögen wir halten, daß eben zu gleicher zeit, dader eine und zwar der gröste theil von der armee dieses Herrntheils in völlige flucht geschlagen war, theils sich ohne schwerdl-streich zurück zöge, daß sich ihm eben damals auf einer andernfeite der schlacht - ordnung eine gantz besondere gclegenheit dessiegcs gezeigct hat, wo ihm nur die bestürtzung, von welcher ersich einnehmen lassen, die nöthige gcgenwärtigkeit und anfmer-ckuug gelassen, daß er von den fachen bericht eingenommen,und sich deren zu seinem Vortheil bedienet hätte. Denn indemobiges sich auf der einen feite zutrüge , hatte noch ein andererHausse der Kayserlichen, vhngefehr aus fünftaustnd , so Teut-schen als Spaniern bestehend , würcklich an feinem orte die soge-nannte Gruyers oder Welsch-redende Schweitzer und Wallifer,auch nach demselbigen nicht weniger die für Franckreich fechten,de Italiänische fuß-völcker völlig in die flucht gejagt. Wobeydenn dieses nicht die geringste merckwürdigkeit der ohnedem be-rühmten schlacht den Cetisvles ist, daß sich der Französische Feld,Herr, Hertzog von Anguien, eben zur feite dieser auf die fluchtgebrachten Gruyers und Jtaliäner befunden, und nicht minderdas treffen seiner seits für verlohren geachtet hat, als an demandern orte d'Avalos; und dieses um so mehr, als keiner vonbeyden wegen einem dazwischen liegenden Hügel mit äugen sehenmochte, was sonsten in der schlacht vorgienge. Wo nun derMarchese, als der ohnedem an volck um den dritten theil stär,cker war, als seine feinde, mit oben angedeuteten zehen tau-send mann unterm Salerno einen hertzhafften angriff gethan,oder sonsten mit der bey sich habenden reuterey dem ictztgedach»ten siegenden hauffen zugeeilet, und nur anbey die Französische Schweißer und Gascons durch das letztgemeldte Italiänischecorpo hatte aufhalten lassen »«wäre wiederum nach der Französt-fchcn Generalen eigenem ausspruch der sieg für sie gar sehr zwei-felhaffng gemachet worden. Allein d'Avalos hat einmal nichtsvon diesem allen gethan , und zu einer stunde bey fast gleichenumständen sich gar sehr anders aufgeführet, als sein gegner,der besagte Angüien. Denn dieser versuchte mit dem troupp reu-tcr, welchen er bey sich hatte, das äusserste, durchrennte zuverschiedenen malen das gedachte feindliche fuß - volck, bis ihmletztlich kaum hundert Gens d'armes überblieben. ' Und da wollteer lieber den tod wehlen, und trachtete deswegen zum zweytenmal sich durch das gorgerin oder den Hals-Harnisch die gurgcl ab-zustechen , als nach solcher Niederlage länger leben ; deux fois 11fe donna de la pointe de lepee dans fön gorgerin, fe voulantoffenser soi-meme. Mor.luc, wem. welches bezeigen, wie esfür sich selbst wenig zu billichen war, also gab es wenigst an demmanne ein gantz anderes Hertz zu erkennen, als damals d'Avalosbewiese, der ohne den geringsten wettern versuch zu thun mitdem bey sich habenden troupp renter spornstreichs gegen Asti forteilte. Aus diesem ist nun der entscheid leicht, ob dieser Herrnicht die gebrauchte kleine ironie noch wohl verdienet habe ?

Also ist denn der verstand der Worte selbst richtig genug, wannman zu Basel an statt der Leipziger hyperbole : Er selbst nahmzuerst die flucht, gut befunden hat zu setzen: Er selbst nahmtapfer die flucht. Über den Worten sclbsten darf man sichjetzt iu keinen langen streit einlassen. Man hats dem HerrnGegner schon im anfange dieses Vorberichts deutlich gesagt:wie man nicht begehrt habe Sächsisch zu schreiben. In Ober-Teutschland ist diese schertzhasste redens-art qar nicht ungoivöhn-lich. Die Franzosen sprechen in gleichem schertz: 11 s'ett enfui,il sest sauve vaillamment , oder valeureusement ; wie auchgleichermassen die Jtaliäner : fuggi valorosa mente. Daßin solchem fall in Sachsen mehr beliebet wird: Er ist brav

e geflohen,