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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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solche weise gemäßiget werden, daß sie sich auf das Catanesisthewerd in der Wahrheit schicken mögen. Nachdem also dieses ietztin Basel geschehen, sollte es in Per that ziemlich angenehmfallen , wann unser gelehrte Herr Gegner, oder wer sonstenden artickul Philipps Catenosa also nett aus Moreri uberse,tzct, auf gleiche weise, wie mans bey dem artickul v'Avalosgethan, mit einem hönifchen gelächter anzeigen wollte: die Ba-seler hatten den sinn der Verfasser des artickuls nicht getroffen,und sich deswegen zur unqedühr eingemenget, eine anderungdarin» zu machen. Die antwort wäre kury: Es sey genug,daß man da die fache selbst, wie sie ist, getroffen habe, und fal-le eben dieffs schlimm aus für die Herren Verfasser, wo ihr sinnanders gewesen, als die Wahrheit der fachen sich verhält, nachwelcher ictzo der Baselische artickul eingerichtet worden. Dochist hier noch zu melden, daß eben ein theil der also gar nöthigenBaselischen ausdesserung in der druckerey gleichwol ist vergessenworden einzurücken, und dahero annoch aus den Erratis herge-holet werden muß.

Nun ist endlich auf gar alle vorwürffe unsers gelehrten HerrnGegners, ohnennen einigen davon zurück zu lassen, geantwor-tet worden. Hat man dcmselbigen bey keinem aus der gantzenzahl recht geben können, ausser wo er etwan von druck-fehlern,von kleinen versehen in dem stylo, von einigen zurückgelassenenLeipziger fehler«, oder höchstens von beyfügung eines oderzweyer kleinen umstände, zu den artickuln, welche man inBasel sonsten vermehret und ausgebessert, etwas erinnert hat;so ist es lediglich desselben schuld, als der nach so grossem ge-machten aufheben, dennoch nur die wenige kleinigkeiten, undnoch diese fast durchgehends unrecht und ohne gründ auf diebahn gebracht. Wo fehler von einiger Wichtigkeit hätten kön-nen erwiesen werden; sollte es wol überbleiben , darauf zuantworten : wie denn zum eremvel unser gelehrte Herr Gegnersich gewißlich nie unterstehen wird,die in so grosser menge, theilsschon in der erstern,theils nach dem von ihm selbst gegebenen an-las , annoch in dieser gegenwärtigen Vorrede angeführte fehlerder zwey vorigen Leipziger ausgaben zu rechtfertigen. DasMerck muß nothwendig unter gar zu viele und zu scharfsichtigeäugen kommen; um nicht den schimpf des fehlenden erst rechtan den tag zu bringen, und zu verqrvssern; wo der noch grosseund offenbare verflösse zu verfechten unternähme. Die Baseli-sche arbeiter hätten auch in der that um so weniger Ursache hiezu,als von ihnen selbst bey den wegen eigener fähigkeit hegenden gargeringe» gedancken, schon in dem ersten Vorbericht die aus-drückliche bekanntnis beschehen ist: wie seidige sich dergleichenirrungen und fehlern noch gerne unterworffen erkennen würden,wann auch gleich bey dem Wercke mehrere und genügsamere zeitwäre vergönnet worden , um dasjenige durch fleiß und emsigesnachsuchen zu ersetzen, was an der geschicklichkeit abgegangenist : zu geschweige;,, daß mans jetzt nicht von freyen stücken ge-stünde, da man sich einmal, wie schon genug bekannt ist , ingantz widrigen umständen befunden hat.

Anjetzo scheinet denn nichts mehr übrig, als daß auch diesezweyte Vorrede beschlossen werde. Allein weil unser gelehrteHerr Gegner mitte! gefunden hat, durch seine vorwürffe zu ver-anlassen, daß neuerdings viele nahmhaffte Muster von den feh-jern der vorigen ausgaben auch aus den gegenwärtigen zweyletzten bänden haben vorgebracht werden müssen, eben auf dieweise, wie in dem ersten Vorbericht in ansehung der zwey vo-rigen theile geschehen ist; und aber gleichwol noch einige ar-ten oder classen von solchen verstössen bisher zurück geblieben,als auf welche nemlich die gemachte vorwürffe uns gar nichtgeleitet haben: So soll man sich nun am ende nicht einbre-chen , auch von selbiger wenigst einige klare proben abzule-gen, damit einerseits die eine Vorrede der andern hierin« gäntz-lich gleich werde ; und andertheils kein stück der Leipziger aufläge vor den übrigen etwas besonders habe. Welche Le-ser dabey einiges belieben oder nutzen finden, wie sich dennaus den fehlern und irrungen grosser leuthe, wo die nurklar gezeiget und verbessert werden , noch immer etwas lernenläßt: die werden solches hauptsächlich dem Herrn Gegner zuverdancken haben; als ohne dessen gethanen angriff man es le-diglich bey dem ersten Vorbericht würde haben bewenden lassen.Die uns also noch übrige fehler werden jetzt am bequemsten indrey classen oder gattungen eingetheilet. Die erste gattung be-greift die fehler Widers Latein ; die zweyte wider die antiquitär;und die dritte wider die neue und mittlere Historie, in welchersonsten die gröste stärcke, wenigst der zweyten Leipziger aufläge,bestehen solle.

Aus den fehlern Widers Latein will man sich mit folgendenproben begnügen. Im artickul Ladienus (Titus) werdenuns die Worte Voßii, gui Cssaris in Galliis Legatus , überse-tzet : welchen Cäsar in Gallien oder Frankreich schickte.Und doch ist nichts bekannterS unter denen, so nur wenig La-tein verstehen , als daß zu Eäsaris zeiten, die eines RömischenOber-Feldherrn Legat, hiessen , immerzu desselben General,Lieutenants gewesen sind; auch gedencken absonderlich die Com-mentarii Cadäris de bello Gallico an allen orten von Labieiwals von einem der vornehmsten Kriegs-Obersten, welche Cäsarallda unter sich gehabt, und der gleichsam dessen rechter arm inallen Gallischen kriegen gewesen ist.

Im artickul tTt. Licinius Crassua Mucianus wird ge-sagt : dieser wäre von vcspasiano zum Mit-Rayser an-genommen worden. Wer hak doch jemals von einem Mit-

Kayser Muciano gehöret? Man kan zwar nicht läugnen, daßdie Worte Vößii de Historicis Latinis einen Leser oder Übersetzer,welcher der Römischen geschichle noch gantz unerfahren,endlich wol auf solche gedancken bringen mögen: proprer meri.ta ilktiXc a Vespafiano consors Imperii vocatus fuit. Die aus»tnmcfung ist in der that schier zu starck von einem manne, demVejpasianus wol zu Rom und im Reiche grosse gewalt gelassen,aber im übrigen nur keinen schatten der Kayscrl. würde ver-stattet hat. Doch mochte Voßius noch sicher also schreiben,weil sein werck für solche Leser gewiedmet war , die wemgstfoviel von der alten Historie verstunden , daß sie unter die zwölfersten Röm. Kayser keinen falschen oder Affter-Kayscr einbrin-gen sollten. Das unglück ist nur , daß der gelehrte mann indiejer seiner gemachten rechnung bey dem Herrn Verfasser t-esjetztgcmeldten artickuls Liqinius noch zu kurtz kommen ist.

Im artickul Macrobius wird gedacht eines rescriptsvon Rayjer Theodosto, an die stadt Floreny gerichtet,worinnen des Macrobtt Meldung beschehe. Nun ist dasbesagte rescript annoch in Codice Theodosiano üb. VI. tit. 8.de PraepoE sacri Cubic. vorhanden, und gerichtet an Floren-tium P. U. das ist, Praefectum Urbis, feil. UomX. Hier mußman den nahmen des manns irgendwo abgekürtzt angetroffen ,auch anbey die buchstaden P. ü. unglücklicher weise nicht ver-standen haben. Und also ist uns nach den so vielen schon dro-ben angeführten metamorphosirungen abermal aus einem man-ne eine stadt gemachet worden; auch da solches schon in der er.sten aufläge geschehen war , hat man dennoch in der zweytendarauf standhaffk gehalten.

Im artickul Musculus (Wolfgangus) welcher fdnsten garausführlich und ßetßig aufgesetzt scheinet, muß es jetzt heissen :die Spanier hätten die stadt Costnitz eingenommen,alldieweil Musculus darinn gewesen; so daß er küm-merlich ihren Handen entgangen. Das hat man vermcyntaus den Worten Melchioris Adami herzuholen, welcher gesetzt:Hispani urbem invaserunt & oppugnarunt. Wann man je all»hier wegen eilfertigkeit oppugnarunt hat mit expugnarunc ver-mischen können ; so sollte ja die gute erkänntnis von den ge-schichten der zwey letzten iahrhunderten, sonderlich Teutschlan«des, welche die Herren Verfasser besessen , den fehler verhütethaben. Denn wie klar ist es doch, daß die Spanier damalsCostnitz wol haben unversehens überrumpeln wollen, auch fastwürcklrch in die stadt eingedrungen sind ; aber doch zuletzt mitblutigen köpfen, und verlust ihres Obersten, Alphonsi Divis,durch die bürger sind zurück geschlagen worden ? Die stadt er-gab sich zwar hernach freywillig an Ferdiuandum, den dama-ligen Römischen König. Allein das war keine gewaltsame ein-nehmung; vielweniger von Spaniern; und sonderlich fandsich Musculus in dieser letzten zeit schon längst nicht mehr allda;Massen er in der that bey dem vorhergegangenen Überfall oderversuch des Spanischen kriegs-volcks, alldieweil man an demthore gegen der Schwäbischen feite mit dem feinde föchte, ohneden ausgang zu erwarten, durchs andere thor und übernRhein in das Schweitzerische gebieth entwichen ist.

Im artickul Pentapolis hatte Hvfmann die fünf Dorischestädte, so vor zeiten unter diesem Griechischen nahmen begrif-fen waren, mit folgenden Worten ausgedruckt: PentapolisAsiae minoris regio, in qua quinque urbes Doridis,Camiros,Cni.dos, Cos, Jalissus & Lindus . Da hat nur das Wort, so dielandschafft andeutet, nicht mögen verstanden, ja so gar diestädte nicht gezehlet werden; daher es denn kommen ist, daßman Doris ebenfalls in eine stadt verwandelt, und folglich diePentapolin auf eine recht angenehme weife aus sechs städten hatbestehen gemacht. Denn also stehet es im Teutschen Lexico,einige druck-fehler beyseit gesetzt, um welche es allhicr nicht zuthun ist: In Rlein-Asien war gleichfalls eine Pentapo-lis , worinnen die städte Doris, Camira, Eos, Cni.do, Lindo und Ialyssus. Doch findet sichs erst jetzt imnachschlagen , daß würcklich schon Moreri den fehler begangen,und Hofmannum zuerst so unrecht ausgeschrieben; die Leipzigerauflagen aber die sechsstädtige Pentapolis demselben nur abge»borgel haben. Allein wird in der that das versehen hiedurchverringert?

Im art. Perte-skissmius wird jetzo gemeldet : wo einer diesentitul mit der anhangenden würde in dem Römischen Reiche nachConstanlini M. zeiten, der selbige zuerst aufgebracht , getragenhätte ; demselben sey das privilegium vergönnet worden ,daß weder er, noch seine kinder bis auf die Pronepoteswegen einer Missethat gepeiniget oder zur strafe gezogenwerden könnten. Hier wäre ja das letztere eine gar ausseror-dentliche und für das gantze Reich höchstschädliche vergünsti.gung. Jedoch es hat damit nie keine noth gehabt, und bey Pi.tisco stund es nur : nee plebeiorurn poenis fubjici.

Der artickul Sarmatisch meerist aus Hofmanno genom-men ; aber man hat diesen über alle Massen übel verstanden.Die Worte des lctztern waren folgende : 8armar>eum mare Ovi-dius lib. IV. ep. io. ex Ponto, v. ;8. idem cum Euxino , quaSarmatiam alluit. Ferrar. Baudrando pars est Oceani Septen-trionalis versus Mare Album, & oram Borealem Moscovioe in-ter ostia Obii & DuinEe fluviorum, hodie Mer de Moscovie,seu Ocean Septentrional Gallis , Murmanfcoi More Mofcis.Wer siehet nicht, daß da gezeiget werde, wie der bedeutetenähme von Ovidio zwar dem Pomo Euxino sey gegeben , vo»iBaudrand aber und mehrern heutigen Geographis einem ge-

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