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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
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beim ohnweit Gotha wiederum zu einem treffen, wobey dersieg nochmals zweifelhafft war. In der dritten schlacht aberohnweit Merseburq vcrlohr der Gcgen-Kayser Rlldolphus dierechte Hand, und starb gleich darauf an. k>8°. zu Merfcburg,nachdein er bey erdlickung seiner abgehauenen Hand seinenmeineyd gegen Henricum bereuet, (stehe Budolphus.) Er be-kam ein Königlich begräbnis, und Henricus wünschte, daß alleseine feinde jo herrlich möchten begraben werden. Hieraufhielt Henricus an. 1080. einen Reichs-tag zu Mayntz, daselbstzu berathschlagen, ob der Papst macht habe, einen Kayser inbann zu thun ? und ob der Kayser den Papst Gregorium mitfug absetzen könne ? Als nun 19. Bischöffe, so daselbst erschie-nen , vor gut hielten, daß der Kayser die Bischöffe in Italien gleichfalls hierüber zu rath ziehen sollte, so stellte derselbe den;. jun. an. 1080. ein Concilium zu Brixen an, welches aus30. Bisch offen bestund , und durch allgemeinen schluß den PapstGregorium VII. ab - und an dessen statt Guibertum, den Ertz-Bischvff von Ravenna , unter dem nahmen Clemcntis III. ein-setzte , der jedoch von andern nicht erkannt, und ihm Victor III. und nach dessen tobe Urbanns II. entgegen gesetzt worden, dieauch anjetzo von den Catholischcn allein vor wahre Päpste er-kannt werden. (siehe Gregorius VII. ) Sodann gieng derKayser über die Alpen , schlug eine rebellische armee bey Par-ma , eroberte Rom den r. jun. an. 108;. mit stürmender Hand,und belagerte den Papst Gregorium in dem castell St. Angelo,welcher aber von bannen wegflohe, und bald darnach an. 108s.zu Salem» starb. Indessen da der Kayser zu Rom war, undsich daselbst von Elemente III. crönen ließ, fielen die Sachsen inFranckenland, hauseten darinnen gar übel, und erwehlten mithülffe des Hertzogs Weisst in Bavern, Hermannum, Grafenvon Luxemburg , insgemein den Rnoblauchs-Rcmig genannt,zum Kayser. Er ward aber wieder von ihnen selbst verflossen ,und an. 1088. umgebracht, (siehe Hermann.) An dessen statterwehlten sie Marggraf Egbertum von Sachsen , welcher ineiner schlacht mit dem Kayser, der indessen aus Italien wiedernach Teutschland gekommen, flüchtig werden musie, und ineiner mühle umgebracht ward. (siehe Egbert.) Als nun dieSachsen sahen, daß es mit ihnen nicht recht fort wollte, stell,ten sie sich, als wollten sie mit dein Kayser sich in gütliche lracta-ten einlassen , und brachten es dahin, daß an. 1086. ein Reichs-tag zu Speyer gehalten wurde. Allein der Papst Victor III. fieng indessen an, in Italien wieder den meister zu spielen ; ervermittelte auch eine Heurath zwischen der Gräfin Malhildisund dem jungen Welffen in Bayern , wodurch nicht allein dasWelffische Haus von der partey des Kaysers abgezogen wurde,sondern diese verführten auch des Kaysers eigenen Printzen Con-radum, den der vatter schon zu seinem Nachfolger ernennet,und zum Hertzoge von Lothringen gemacht, auch würcklich miteiner armee wider den Papst nach Italien geschickt hatte. Dennsie beredten ihn, daß sie ihn zu einem König in Italien machenwollten, und dieser ließ sich auch würcklich an. 109;. in solcherqualität crönen. Allein, obgleich dadurch Henrici fachen inItalien übel liefen, so erhielt er doch hierauf von den TeutschenStänden , daß sie seinen andern söhn, Henricum, zu seinemNachfolger ernennten, dieser aber zuvor mit einem leiblicheneyde zusagen muste, sich bey des vatters lcbzeiten keiner regie-rung anzumassen. Es trennte sich auch der junge Weiss wie-derum von seiner gemahlin Mathildis, und nahm des Kayserspartey. So starb auch der Papst Urdanus II. an. 1099. da ereben aus Franckreich zurück kam, nachdem er daselbst den erstencrcutz-zug nach dem gelobten lande veranlasset; und obgleichdessenNachfolger Paschalis II. den bann wider ihn erneuerte,so begütigte denselben doch Henricus mit dem versprechen , ei-nen creutz-zug anzutreten. Endlich starb auch Conradus, sowider, den vatter rebelliret, in eben diesem jähre plötzlich. Al-les wäre solchem nach für den Kayser glücklich gegangen , wannnicht seine feinde auch seinen andern lohn Henricum wider ihnerregt hätten. Dann dieser ließ sich (durch die Vorstellung,daß sein vatter im bann der kirchen, und dafern er in solchembann verstürbe, zu besorgen wäre, der Papst möchte die Für­ sten zur wähl eines andern Kaysers bewegen ) bereden, daß eran. 1106. eine Reichs - Versammlung nach Nordhausen aus-schrieb , und daselbst den Fürsten und Bischöffen vortrug, wieer der regierung sich zu unterziehen beschlossen, welches dannmit sonderbarer freude angenommen wurde. Er brachte auchgantz Schwaden und Bayern auf seine feite, und als ihm dervatter mit einer armee, die jedoch der seinrgen nicht gleich war,bey Regenspurg auf den hals kam, stellte er sich an, als ob ersich ihm unterwerffen wollte, und zu Coblentz bat er ihn auchwürcklich fußfällig um Vergebung, und versprach ihm mit ei-nem dreyfachen eyde, ihn auf einem nach Mayntz ausgeschrie-benen Reichs-tage mit dem Papst und den Teutschen Standenzu versöhnen; als er aber mit dem söhn hierauf nach Bingengieng, ward er daselbst auf dessen befehl gefangen genommen,und mir bedrohung des todes gezwungen, die Reichs - infigniavon sich zu gehen, worauf er von den Päpstlichen Gestindtenund Tmtschen Ständen auf dem Reichs-tage zu Mayntz desReichs förmlich entsetzt, und Henricus V. sein söhn, zum Kay-ser bestätiget wurde. Der alte Henricus war nach diesem soverlassen, daß er fast Hungers starb, und wegen des dannesnicht einmal eine präbende von dem Stifte Speyer , so er sichausgebatcn , erhalten konnte. Dieses verursachte, daß er seingluck noch einmal versuchte, und heimlich nach Cöln und von

dar nach Luttich entwischte , da ihm der Hcrtzog von Lothrin­ gen , der Bischoff zu Lüttich , und andere alle hülffe leisteten,auch den jungen Henricum bey Maas anS dem selbe schlugen.Es hielten es auch alle Reichs-städte mit Henrico IV. undwehrten stch insonderheit Cöln und Nürnberg sehr tapfer. Hcn-ricus IV. aber starb bey diesem anscheinenden glücke den i. oderwie andere schreiben, den 7. aug. an. iiqö. tin 46. jähre seinerregierung, und z6. seines alters. Der Bischoff zu Lüttich ließden entjeelten corper in dem Münster zu St. Lamprecht ehrlichbestatten. Allein der Papst und junge Kayser nöthigten ihn ,solchen ivleder auszugraben , und an einen ungeweyhien ort zuletzen. Jedoch wurde er von bannen nach Speyer geführet,und in St. Afra capelle gestellet, woselbst er 5. jähr unbcgra-ben stunde , bis er an. mi. von dem Papst Paschali des ban-nes befreyet, und sodann mit grosser pracht in die Kayscrlichegruft eingesencket wurde. Er war sonst ein Herr von majestä-tischem ansehen, von treflichem verstände und grosser tapfer,kett , indem er in 62. feld-schlachten meistentheils vbgesieget.Gegen arme leuthe hat er sich sehr mitleidig bezeuget, indemer jvlche zum öftern sechsten gesperset und geträncket, auch zutheurer zeit viel unterhalten. Mit seiner ersten gemahlin Ber-tha, davon oben gedacht worden, hat er zwey Printzen, Corr-radmn, so an. noi. an gift sein leben beschlossen, und mitJolanta, Rogerii Grafen in Sicilien tochter, vermählt gewe,sei,, und Henricum, so nach ihm Kayser worden,' wie' aucheinige töchter, als Agnetem, Friedrichs von Hohenstauffen ,Hertzogs in Schwaben , und hernach Leopoldt IV. Marggrafenin Oesterreich ; Bertham, Marquardi, Hertzogs in Kärndten;Sophiam, Godofredi, Hertzogs in Brabant, und Adelheiden,Uladislai, Hertzogs in Polen und Schlesien gemahlin, gezeu-get; mit der andern aber, die eine Rußische Printzeßin, Udo«nis , Marggrafen von Brandenburg wrttlb war, und mit ih-rein eigentlichen nahineu Praxedes , auf Teutsch aber Adelheithieß , hat er gar keine kinder gezeuget. Herm. Contr. Lamtert.Scbasnab. Hitdebert. vit. S.Hugon. c.2. conf. Pagi crit. in Ba­ ron . Cbronogr. Suxon . d. a. & ad an. 106}. Albert. Stad. ad an.1036. Autor vit* Plemici ap. Urßif p. 381. Berthold. Conjtant.Chron. Stederburg. ad an. ioüz. conf. Hetneccu antiquit. Gos-lar. lib. I. p. 70-73. Eptfi. Sigfridi Mög. tom. IX. Concil, p.1200. UrJpergenf. p. 220. Marian. Scot. adan. 1073. Bruno,hist. bell. Sax. p. 105. Cbron. Magdeb. ap. Meibom. p. 293.

-Henricus V. der jüngere zugenannt, zum unterscheid sei-nes vatters, ward an. 1081. gekivhrcn, (a) und von seinemvatter Henrico IV. an. 1099. zum Nachfolger angenommen;belohnte aber demselben seine liebe mit solcher untreue, unduiidanckbarkeit, daß er ihn gar von dem throne stieß, wie unterdem vorigen artickul umständlich erzehlt worden. Nach seinesvatters tode an. no6, ließ er stch zu Mayntz nochmals von denTeutschen Ständen bestätigen und huldigen ; es ward aber auchalsobald eine conspiration wider ihn entdeckt, darein Henricusvon Limburg , Hcrtzog von Nieder-Lothringen und Siegfriedvon- der Pfaltz verwickelt waren, wobey er gelegcnheit nahm,den ersten, welchem er ohnedem nicht gut war, seines Her-tzogthums zu berauben, (b) Gleich im ersten jähre wurde erauch zu Goslar von einem donnerschlage gerühret, welcherihn an einem seiner grossen zehen verwundete, einen theil vonseinem degen und schilde wegnahm, welches ihn dergestalt er-schreckte, daß er die an seinem vatter begangene untreue zu be-reuen ansieng. (c) Er hielte hierauf mit dem Papst Paschali II.den er zu einem gütlichen vergleich vergeblich nach Teutschlandeingeladen , zu Chalons in Franckreich wegen dem streit, dieinvestitur der Bischöffe belangend, eine Unterredung, die aberfruchtlos war, weil jeder theil steif und vest auf seiner mevnungbeharrete ,. und nichts nachgeben wollte, (d) Der Kayserwurde aber durch die kriege, so er mit Ungarn und Polen an-gefangen , diese fache auszumachen, eine zeitlang verhindert.Dann er stunde Almo bey, welchen sein bruder Colemannus ,König in Ungarn , vertrieben, und bekam mit Boleslao III. Hertzoge in Polen , zu thun, weil dieser Colemanni parteyhielte; über dieses auch beyde sich von dem Teutschen Reicheabreissen wollten, er legte aber wenig ehre ein ; (e) doch magnachhcro ein vergleich gemacht, uüd der alte tribut, so dieseländer an Teutschland bezahlet, wieder erneuert worden seyn.( s) Das vornehmste aber , so Henricus sich nach diesem an-gelegen seyn ließ, war der streit mit dem Papst. Diesen zu en-de zu bringen , nahm er an. mo. mit einwilligung der Teut-schen Stände einen zug »ach Italien vor, schickte aber einigeGestindten vorher ab , die es bey Paschali II. dahin brachten ,daß solcher einstimmete, daß die Bischöffe ihre landcr hergeben,hingegen die investitur allein von dem Papst empfangen sollten.Als Henricus an. im. mit einer armee von 40000. mann nachRom kam, wiederholte zwar der Papst sein versprechen, weilaber Henricus den consens seiner Teutschen Bischöffe sich aus-bedungen , und diese keineswegs darein willigen wollten, kames beyderseits zu thatlichkeiten und grossen blutvergiessungen ,so gar, -daß auch der Kayser in dein tumull vom pferde her-ab gestürtzt, auf die erde geworffen und ßn gesichte verwundetwurde, welches ihn dergestalt in harnist-k) brachte, daß er denPavst mit den Cardinälen in einem vcsten castelle enge einge-schlossen hielte, seine armee verschantzte, und mit den Römerntäglich scharmutziren ließ, welches zwey gantze monate währte.Endlich als Henricus die gefangenen enthaupten zu lassen dro.