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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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bete, muste der Papst der invcstitur der Bischöffe absagen.Worauf der vergleich zwischen dem Papst und dem Kayser durchzcrtheilung einer Hostie bestätiget wurde, davon beyde ein stuck-lein nahmen, mit dem beygefügten eyd-schwure, daß derjenige,s) am ersten den vergleich brechen wurde, vom Reiche GOtlesabgeschieden seyn sollte, (g) Hierauf ließ sich Henricus von demPapst zum Kayser crönen, (b) gieng siegreich wieder nachTeutschland , und ließ seinen vattcr sogleich ehrlich zur erdenbestatten. Aber kaum war er aus Italien , so ließ der Papstden mit dem Kayser aufgerichteten tractat von dem Concilio La-teranensx, welches aus 2 ;. Cardinalei» , 140. Bischöffen, undeben so viel Aebtcn bestünde, vor null und nichtig erklären,und den Kayser durch den Ertz-Bischoff zu Vienne in Franck-reich in bann thun. (!) Doch würde dieses nichts zu bedeutengehabt haben , wenn nicht die Sachsen aufs neue wider denKayser einen aufstand erregt hätten. ES war nemlich der Grafvon Orlamünde ohne leibes-erben gestorben, daher der Kayserseine güther einzog. Weil aber die Sachsen behaupteten, daßer solche wieder einem andern zu lehen zu geben schuldig, auchder Pfaltzgraf Siegfried wegen seiner mutier darauf anspruchmachte, kam es bald zu einem aufstand. Der Kayser nahmzwar anfangs die vornehmste mißvergnügte beym köpf, esward auch Siegfried in einem schmarmützel umgebracht; alleinweil der Papst 'der Sachsen sich so eifrig annahm , und der

f 'ertzog von Sachsen, Lotharius, heimlich nach der Cronereble , ward die fache dadurch nur ärger, und kam es an.ms. bey Gerbst«» zu einer sehr blutigen schlacht, darinn derKayser 4^000. mann verlohr, und das selb räumen muste. (k)Von dieser zeit an verlosch des Kaysers ansehen in Sachsen der-gestalt , daß diese wie ein eigenes Reich waren, vor sich selbstReichs-täge hielten, und der Hcrtzoa zu Sachsen , Lotharius,dem Päpstlichen Gesandten als ein Konig audientz ertheilte. (I)Der Ertz-Bischoff von Magdeburg that den Kayser gleichfallsin bann , und der Ertz-Bischoff zu Mayntz war demselben tod-feind , indem er von geburt auch ein Sachse war. (m) Henricusließ die Sachsen hierauf unangefochten, und gieng vielmehran. 1117. unter dem vorwand die länder der verstorbenen Grä,fin Mathildis zu erben , nach Italien , und forderte bey seineronkunft von dem Papst die bestätigung der vorigen tractatcn,Und eine neue crönung, und als solcher nicht darein willigenwollte, ließ er sich von dem Ertz-Bischoff von Braga in Portu-gall, Burdino , welcher eben damals zu Rom , und des Papstseigener Gesandter an den Kayser war, cröncn , und als Pascha-lis bald hernach zu Bcnevento , im Neapolitanischen,. dahiner sich retirirt hatte, starb, machte er gedachten Bnrdinumunter dem nahmen Gregorii V])l. zum Papst , dargegen aberdie andern Cardinäle Gclasium ll. wehlten , der jedoch zu Rom nicht bleiben konnte, sondern nach Franckreich flöhe, auch,nachdem er daselbst den bann wider den Kayser publiciret, mittobe adgieng. (n) Der Kayser wurde nach diesem wegen desnoch unruhigen zustands in Tentschland wieder gcnöthigek,Italien zu verlassen, und der inzwischen an Gclasii stelle er-wehlte Papst Calixtus II. kam nicht lange hernach nach Rom ,und bekam Bnrdinum gefangen. Weil nun seine dluncii inDeutschland wider den Kayser scharf agirten, dieser auch sichbesorgte, es möchte ihm wie seinem vatter gehen, so überließ erdie fache an. 1122. der Reichs-versammlung zu Worms , ummit dem Papst einen vergleich zu treffen , so daß man auf bey-den seilen etwas nachgeben sollte. Der vergleich liefda hinaus,daß der Papst die Bischöffe in Teutschland durch den ring undstab, der Kayser aber selbige wegen ihrer lande belehnen soll-te. (0) Er verglich sich auch zu Würtzburg mit den Sachsen ,wodurch denn alle unruhcn ein ende hatten. An. 112;. wurdendie einwohner zu Ruffach durch den unfug seiner leib-gardedahin gereitzet , daß sie ihn aus der stadt jagten, und derReichs-insignicn beraubten, gleichwie er es seinem vatter ge-macht hatte; weswegen er die stadt hernach mit stürm einnahmund verbrannte. In eben deinselbiqen iahrc that er einen ein-sall in Franckreich , und belagerte Rheims , um sich zu rächen,weil die Könige in Franckreich immer der Päpste partey gehal-ten , und der dann wider ihn zu Rheims publiciret worden, (p)Als er von dar nach den Niederlanden gieng , starb er an. 112;.zu Utrecht , und wurde zu Speycr begraben, (q) Seine ge,mahlin war Mechtild, des Königs in Engelland Henrici I. toch-ter, von welcher er keine linder hinterließ, (r) Und also warer der letzte von den Hertzoge» in Francken , welches land nachihm an Friedrich I. von Hvhenstauffen , Hertzog in Schwaben ,gefallen, weil solcher seine schwester zur ehe hatte, und also dernächste unverwandte war; die Kayserliche würde aber erhielteLotharius, Hertzog zu Sachsen , (a) Ckromgr. Sax. ad an.1081. p. 264. (b) Urjperg. ad an. 1109. (c) Gobelin. Persona,tetat. VI. c. 58. (d) Sugerii vit. Ludov. VI. c. 9. p. 102. Urjperg.ad an. 1107. (e) Urjperg. ad an. uog. seq. Otto Frißng. Üb.VII. c. iz. Cbron. Sax. ad an. 1109. (f) Urjperg. d. I.Jianckius , de reb. Silcs. (g) Cbron. Hildesh. ad an. 1109. seq.p.757. Otto Frißng. lib. VII. c. 14. p.146. Urjperg. ad an.uu.». 2$$. Dodechin. d. a. Petr. Diac. cbron. Caflin. lib. IV.c. 42.Pandulpbus Pijan. in vita Paschal. II. conf. Baron. tom. XII.ad an.uu. §.2;. seq. (h) Urjperg. ad an.uu. Ma/mesb. lib.V.p.167. (i) ürsperg. ad an. 1112. p. 256. Anon. histor. Pontif. &Com. Engolism. c.ap. Labbeum, bibl. MSC. tom.II. p.249.Pesr.Blejenßs , in contin. Ingulphi p. 128. Cbron. Maüeac. ad an.1112. Suger. vit. Lud. Crasli c. (k) Urjperg, ad an. 111;.

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p. 2 ZZ. Otto Frißng. lib. VII. c. 14- * 47 - Cbron . Sax. »dan. in?, p. 28j. seq. Hehnold. chron. Slav . 41. Cbron. Bo.tbtyis, p. ;is. ap. Leibnit. tom. III. ( 1 ) Urjperg. ad an. inü.(m) Idem ad an. 111z. (n) Urjperg. ad an. uq, seq. Pan.diilpb. vit. Paschal. II. Petr. Diac. chron. Caflin. lib. IV. c. 6z.seq. Vita Burdini ap. Baiuz. tom. III. misccil. p. 471 Falco,Beneventan. in chron. ad an. 1118. Orderic. Vital. üb. XII.p. 846. Pandulpb. vit. Gelasii II. (o) Ujperg. ad an. 1122.Anje/m. Gemblac. d. a. Falco , in chron. ad an. 1121. seq.v. tabulas ap. Baronium , tom. XII. ad an. 1122. Schiller. in-ftit. Jur. publ. tom. II. tit. i}. p. 102. Leibnit. cod. 1. g. d>.plom. P. 1 . n. 2. p. 2. ( p ) Suger. vit. Lud. Crafli. Robert, deManie, adan. 1124. Urjperg. d. an. (q) Urjperg. ad. an. 1125.Robert, de Monte. Dodecbinus. Anjelm. Gemblac. d. a. OttoFrij. lib. VII. c. 17. conf. Pagi crit. in Baron . tom. IV. ad an.1125. n. 6 . 7. (r) Cbron. Hildesh. ad an. 1110. Ujperg, adan. 1114. Duneltn. hist. Reg. Angl.

-Aenricus VI. der ernsthaffte zugenannt , Friderici Bar.baroilk söhn, ward gebohren zu Nimägen an. 1165. (a) undan. 1169. im fünften jähre seines alters schon von seinemvatter zum Römischen Könige ernennet, auch mit einwilligungder Stände zu Aachen von dem Ertz-Bischoff zu Eöln gecwnet.(b) Er führte bey lebzeiten seines vatters schon die regierung inItalien , desgleichen in Teutschland, als sein vatter nach demgelobten lande gereiset war, (c) und vermählte sich an. 1186.mit Constantia, des Königs in Sicilien Rogerii tochter, wel-che allbereits über ;o. jähr alt war, aber ihm dennoch einensöhn gebahr , so nach ihm unter dein nahinen Friderici II. re-giert hat, (siehe Constantia.) und mit welcher er nachgehendsSicilien erbte, (d) Als sein vatter an. 1190. im gelobten landestarb , succedirte er ihm ohne neue wähl oder crönung inTeutschland , ließ sich aber im folgenden jähre den 1?. aprilnebst seiner gemahlin zu Rom von dem Papst Eölestino III. crö-uen, (e) und zwar mit dieser ccremonie, daß der Papst mitdem fuffe die cron wieder herunter stieß, um dem Kayser zu er-kennen zu geben, daß er ihn allemal, wenn es ihm gefiele,wieder absetzen könnte; wiewol dieser umstand von keinemTeutschen noch Päpstlichen scribenten, sondern allein von einemEnglischen aufgezeichnet worden, (f) und also noch zweifel.hasst tst. Die Römer erwiesen dazumal einen grossen haß ge-gen die einwohner von Tusculo , welche sich dem Kayser beyseiner ankunft alsofort unterworffen ; denn sie schleiften diestadt, ermordeten die meisten einwohner, und schnitten denje-nigen, welche beym leben gelassen worden, die Hände und füsscab, daß sie ihr elend beweinen könnten; (g) wiewol die Jtalia-ner melden, es hätte sich diese stadt zuvor wider die Römerempöret, und wäre ihnen hernach von dem Kayser übergebenworden, um sie nach gutbcfinden zu strafen, als dieser vonden Römern mit grosser ehr-bezeugung war empfangen wor-den. (gg) Hingegen ließ sich der Kayser nach Königs Wilhcl«mi II. von Sicilien tode angelegen seyn, die Königreiche Nea-polis und Sicilien an sich zu bringen, die er wegen seiner ge-mahlin prätendirte, die aber Tancredus, des bruders der Kay-serin natürlicher söhn, durch hülffe der Unterthanen , und desPavsts, der des Kaysers nachbarschafft ungern sahe, schon inbesitz genommen halte. Der Kayser nahm auch im ansangApulien ohne sonderliche mühe weg, als er aber Neapel bela,gerte, verließ ihn Henricus, des alten Henrici Leonis söhn,wodurch er genöthiget worden, die belaaeruna aufzuheben,und sich nach Teutschland zu retiriren. Woraufdann Tancre-dus alles wieder einnahm, auch die Kayscrin, welche der Kay-ser zu Salerno hinterlassen, um in seiner abwesenheit seinepartey zu erhalten, durch verräthcrey der einwohner gefangenbekam, (h) Der Kayser machte inzwischen in Teutschland diefachen mit Henrico Leone aus, den er bereits im vorigen jährezu Dullete wieder zu gnaden aufgenommen, ihm aber die ver-sprochene restitution einiger länder noch nicht gegeben hatte, (i)Als auch an. 1192. der König in Engelland, Richardus, von dercreutzfahrt aus dem gelobten lande nach Hause gieng,ward er vondem Hertzoge in Oesterreich , Leopolde, angehalten, und wegender streitläkciten dieser beyden , desgleichen, weil er die unru,hen in Sicilien unterhalten, von dem Kayser hernach selbst solange gefangen gehalten, bis er an. 1194. versprach, 100000.marck silbcrs dem Kayser, und z0000. marck dem Hertzoge zubezahlen ; wiewol jedoch nicht alle scribenten wegen dieser summemit einander überein stimmen, (siehe Richardus l. Cor Leonis,König in Engelland, it. Ereutzfahrtrn , it. Leopold, L>er-tzog in Oesterreich .) Der Kayser schickte an. 1192. einen Grei-fen , nahmens Berthold, mit einer armee nach Italic» , undbekam noch in selbigem jähre seine gemahlin aus der gesanqcn-schafft zurück, (k) Nachdem aber an. 1194. Tancretus gestor-ben , gieng Henricus selbst mit einer grossen armee nach Sici-lien , wider dessen zurück gelassenen söhn , Wilhelmum, bekamauch Neavolis und Sicilien ohne widerstand ein, und Wil,helmum samt seinen drey schwestern , wiewol nicht ohne einigebeschuldigung des betrugs und gebrochener treue, gar gefan-gen , ließ denselben nachgehends im gefängnis elend , und wiedie Italiäner klagen , nachdem man ihn zuvor geblendet, unddamit er auf allen fall keine kinder zeugen könnte,entmannet hat,te, dahin sterben. Für sich selbst aber nahm er die crone den 2;.oct. zu Palermo an. Er verführ auch wider einige rebellen sehrgrausam, und nahn, unterschiedliche mit sich nach Teutschland

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