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bringen wohl hoffen konnte. Er würde auch vielleicht durchhülffe der wohl - gesinnten die stadt einbekommen haben, unge-achtet sie, und sonderlich ihre Prediger sich viel muhe machten,das volck gegen ihn zu erbittern, wenn er nicht eben zu dersel-ben reit von einem Dominicaner-Monch, nahmens Jacob Ele-ment , der vermuthlich hiezu von den Ligisten angestiftet war,bey einer zum schein gesuchten geheimen verhör dergestalt wäreverwundet worden, daß er den tag darauf, nemlich den aug.an. i ;8y. verstorben. Er war der letzte König aus dem HauseValois, und hat mit seiner gemahlin keine kiiider gezeuget, wel-ches erstlich durch den Widerwillen? der in den ersten jähren zwi-schen ihm und der Königin aus bosheit einiger Grossen gestiftet,hernach aber, da er sehr wohl mit ihr lebte, durch das Unver-mögen , so er sich durch fremde liebe zugezogen, mag seyn verur-sacht worden. Er war ein Herr, den die natur mit vorrcesti-chcn leides - und gemüths - gaaben versehen , war zeitlich inStaats-aeschäffte gekommen, hatte viel guten willen , eine ziem-liche tapferkeit, durchdringende beredtsiunkeit, und grossen eifervor die religion. Aber alles dieses gute verderbte, als er zur re-gierung kam, ein wollüstiges, fahrläßiges leben, worzu ihmdie meisten, so um ihn waren, wegen ihres eigennutzcs anlasgaben; und als er zu gleicher zeit durch anstcllung geistlicher drü-dersehassten, Proceßionen, geissclungen, wallfahrten und andersdergleichen äusserliches gcpräng die fachen gut zu machen ver-meynte, verdarb er es völlig bey allen vernünftigen und ehrlich-gesinnten leuthen, als die solche beständige abwechslungen derschändlichen dedauschen und angemaßter scheinbarer büß - bezeu-gungen, nicht änderst ansehen konntet!, als für eine offenbareverssottung GOttes und der menschen; weswegen auch sein an-sehen bey den besten und am meiste» unpartcytschen leuthen sei-nes Königreichs durch nichts mehr gefallen ist, als durch diesehenctieleyen und Verstellungen. Es entstund auch aus dem allenaniioch dieses übel, daß er sich um das gemeine beste wenig be-kümmerte, mit unglaublichen devenscn seine einkünfte erschöpf-te , seinen lieblingen zuviel anhieng, und unfähig ward, inden dringenden umständen seiner regicrung einen beständigenentschluß zu fassen, sich mit vielen niederträchtigen beschäffrigun-gen verächtlich, und durch die mißbräuche (die er unbedachtsii«mer weise einreissen ließ, zum theil auch aus unvermeidlichernothdurft selbst befördern meiste) verhaßt machte, wodurch esendlich so weit kam, daß er die Verwirrungen seines Reichs nichtmehr übersehen konnte. Tbuanui. Jo. Sert. invenc. hüt. Gall.Memray. hrantome , Cap. ill. & Dames galantes. Muttbitu ,hilt. des dern. troufales. Buyie , &c.
Henricus IV. der grosse zugenannt, ivurde zu Pau am ta-ge Luciä den iz. dec. an. izzz. gebohren. Dein vatlcr war An-tonius von Bourbon, Hertzog von Vendome, damals Gouver-neur der Picardie, und nachmals König zr, Navarra , seine Mut-ter aber Johanna von Aldret. Sein groß - vatter, Henricus II.König von Navarra , nahm ihn zu sich, und ließ ihn ohne einzi-ge zärtlichkeit erziehen, indem er sagte: daß die zärtliche erzie-hung keine großmüthige, sondern nur hartnäckige kinder machte.Er muste oft mit blossen füssen und Haupte gehen, mit schwar-8cm brodt, käse unb anderer geringen kost vorlieb nehmen, undwurde überall gar hart gehalten. AIs aber der groß-vatter balddarauf verstarb, führten ihn seine eltern, da er kaum ;. jähr altwar, mit sich an den Französischen Hof, hielten sich aber nurwenige monate darbcy auf, und kehrten bald wieder zurück inBearn. Jedoch, als nach Francisci II. tode sein vatter Antoniuswieder an den Hof kam, berief er auch seine gemahlin und Prin-tzen zu sich, da denn dieser, ungeachtet seine mutter an. i z6r.wieder nach Bearn kehrte, unter der aufsichl einesklugen Ichr-meisters, mit nahmen la Gaucherie, bis an. i z66. zu Paris blieb,da ihn die Königin Johanna nach Pau kommen ließ, und weil1 a Gaucherie gestorben war, Florenti Christian» unkergab, wel-cher ihn in der Protestantischen lehre auferzog. An. izüy. er-wehlten ihn , nach dem tobe des Printzen von Eonde, die Prote-stanten zu ihrem Haupte. Er wohnte der schlacht bey Moncon-tour bey, rn welcher er gern persönlich gefochten hätte, wenn esder Admiral zulasten wollen, und gieng bis zu geschlossenem frie-de den n. aug. an. 1570. mit zu selbe, hernach aber kehrte erzurück nach Bearn. Nach seiner mutter tode nahm er an. 15 72.den titul eines Königs von Navarra an, da er sich bis anheronur Printzvon Bearn gcnennct, und vollzog das beylager mitder Französischen Printzeßin Margaretha, bey dessen gelegenheitdas blut - bad angestellt war , in welchem so viel Hugenotten umkamen. Zu gleicher zeit ward auch der König von Navarra aus furcht des todes und durch zurede eines umgetretencn Geist-lichen bewogen, sich zur Cathvlischen religion zu bekennen, undzu deren Wiedereinführung in feinen landen befehle zu geben, dieaber nicht erfüllt wurden. Er muste indessen zu Caroli IX. zei-ten am Hofe bleiben, und hatte keine gelegenheit nach seines her-tzcns gedancken zu handeln, ausser da er sich des Mißvergnügensbediente, m welches der Hertzog von Alengon über die Regierunggerathen war, dahero er denselben anreitzele, der Hugenottenpartey zu ergreiffen. Es ward aber der Handel entdeckt, und wie-wol sich Henricus gegen alle bcschuldigungcn heryhafft verthei,digte, ward er doch anfänglich auf dem schlösse von Vincennes und hernach «n Louvre auf gewisse Masse im arrest gehalten, bisihn Henricus III. dem er bey seiner ankunft in das Reich mit derKöniglichen mutter entgegen reisen müssen, wieder in freyheitsetzte. Er blieb aber doch noch eine gute weile am Hofe, undtick sich durch allerhand liebes - Händel aufhalten, über dre er
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auch mit dem Hertzoge von Alengon zuweilen zerfiel, da manihm indessen von feiten des Königs unterschiedene heimliche auf-seher gesetzt hatte, die auf sein thun und lassen achlung gebenmusten. Endlich sahe er, daß da seines bleidens nicht langerseyn würde, machte sich demnach an. 157;. heimlich davon, undgieng nach Alengon. Einige zeit darauf bekannte er sich zu Niort wieder zur Reformirtett religion, und ließ sich in dein kurtz her-nach erfolgenden frieden mit den Hugenotten ebenfalls beben«cken, gestalt er denn das Gouvernement von Guyenne davontrug. Er hat hierauf an den folgenden Hugenotte» - kriegen im-mer seinen theil gehabt, und auch in den friedens - zelten vonder Eatholischen parrey unterschiedenen Verdruß ausgestanden,gestalt man ihm sein Gouvernement in Guyenne nicht unge-kränckt ließ. An seinem Hofe selbst waren immer unterschiedlicheparteye», die in den rathschlägen eme und andere Unordnungmachten. Der König in Franckreich liebte ihn indessen heimlich,erklärte ihn nach dem tode seines bruders vor den rechtmäßigenCron - erben, und hätte, zumal er durch ihr» von unterschiede-nen anschlügen seiner feinde war gewarnet worden, gern gesehen,daß er sich an den Hof begeben hatte, wenn nur nicht die religionim wege gestanden wäre, welche Henricus, ungeachtet der Her tzog von Espernon deswegen an ihn geschickt ward, nicht ändernwollte. An. 1583. wollte der König in Spanien zu Unterhaltungder innerlichen unruhen in Franckreich, ein bündnis mit ihmmachen, welches auch vielleicht zu stände gekommen wäre, wennsich nicht Henricus eben damals vorgenommen gehabt, sich znbeschirmung des Churfürsten zu Cöln, Gebhardi, mit den Teut-schen Protestanten zu verbinden, weswegen er auch, wiewolvergeblich , eine Gesandtschafft au dieselbe abschickte. Als an.1585. die anschlüge der Gigue je mehr und mehr ausbrachen,wollte zwar Henricus nicht bald zu den Waffen greiffen, damitman ihn nicht beschuldigen möchte, ob habe er den frieden ge-brochen , suchte aber indessen den König in Franckreich zu einemhertzhafftcn entschluffe zu bewegen, und vertheidigte sich anfäng-lich blos in schriften, in deren einer er dem Hcrtzoge von Gusseein duell anbot. Endlich, da das edict vom monat julio widerdie Hugenotten heraus kam, wurde er auch zu einem kriege ge-nöthigel. Er wurde zu anfange desselben von dem Papste inbann gethan, so er aber wenig achtete, seine protestation darge-gen selbst in Rom anschlagen ließ, und im übrigen den gefaßtenentschluß mit gewaffneter Hand verfolgte. Er bewies in diesemkriege seine tapferkeit bey verschiedenen gelegenheiten, sonderlichan. 1587. in der schlacht bey Coutras , da er die feindliche armerauf das Haupt erlegte, den sieg jedoch nicht verfolgte, weil erentweder wegen einigen liebes - Händeln nach Hause eilte, oder,weil seine völcker nicht im stände waren, so bald weiter was wich-tiges zu unternehmen. Nach des Printzen von Eonde tode fieldie Verwaltung der Hugenottischen angelegenhciten allein aufihn, bey deren übernehmung er sich zwar zu Rochelle seine lc-bens - arl und kalksinnigkeit in der religion hart muste vorrückenlassen, so er aber alles mit gedull überwand, und fortfuhr diefachen seiner partey in guten stand zu setzen, bis endlich der Kö-nig in Franckreich selbst ihn wider die Gigue zu hülffe rüstenmuste, mit dem er sich auch an. i;8y. vereinigte, und «hin Paris belagern half. Als aber Henricus III. ermordet war, folgte erihm mit annchmung des titulö eines Königs von Franckreichund Navarra . Nun war zwar sein recht zur Crone wohl ge-gründet , indem selbige nach abgang der Valesischen linie aufdas Haus Bourbon kommen muste, wie ihn denn der verstor-bene König noch auf dem lod - bethe vor seinen rechtmäßigenNachfolger erkennet, jedoch hinderte ihn die Hugenottische rcli-gion , welcher er zugethan war, nicht wenig. Die meisten beyder armce befindliche Grossen erklärten sich zwar bald anfangs,sie wollten Henricum vor ihren König erkennen , wofern er in-nerhalb 6. monaten die Catholische religion annehmen würde,worzll er ihnen auch Hoffnung machte; hingegen waren die Ligi-stcn ihm auf das heftigste zuwider, weiche sich auch bemühetcii,den Cardinal von Bourbon zu ihrem Könige zu machen. (SieheGIGUE.) Es hielt demnach anfänglich ziemlich hart mit Hcn-rico, indem er den gröstcn lheil^cs Reichs, unb die meiste» Ca»tholischen Staaten, ausser den Schwcitzern, Venedig und Flo-rentz, gegen sich hatte, sein Adel, der es zwar mit ihm zu hallenschien , Haussen - weise nach Hause gieng , und die Hugenoltc»selbst ihm nicht trauten, welches alles er durch seine tapferkeitund geschickte aufführung überwände. Anfänglich wurde er ge-zwungen , die dclagerung von Paris aufzuheben, und sieb mdas äusserste der Normandie zu retiriren, und mevnte der Her-tzog von Maine, er hätte ihn dahin gebracht, daß er entwederin die see springen, oder sich ihm ergeben müste; ja, es soll dasfrauenzimmer in Paris schon fenster gemiethet haben , daß sieden gefangenen König könnten vorbey dringen sehen; allein derKönig trieb die LiPsten bey Arques mit Verlust und schände zu-rück , bemächtigte i>ch darauf, nachdem er aus Engclland einigehülffe erhalten, vieler örter, so die Gigue besetzt gehabt, undschlug an. 1590. bey Zvry den Hertzog von Maine, der doch nocheinmal so starck als er war. Hierauf bloquirte er Paris , wel-che eine unglaubliche Hungers - noth ausstund, bis der Hertzog von Parma die stadt, als sie auf das äusserste gckoinmen war,entsetzte. Woran der König einigermassen selbst schuld war,indem er, in Hoffnung durch Hunger des ortö meister zu wer.den, allzusehr verzogen hatte, gcwalt zu gebrauchen. Er ließhierauf vcrfchiedcne postcn um Paris besetzt, und verschickte dieübrige armee tn unterjchicdenen theilen hin und wieder in die pro-
pintzcn.