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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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vintzm. Hingegen nahm das Parlement von Tnyenne zu Bour-beaux Henricum als König an, und Grenodle wurde auch durchTesdiguieres unter seine botmäßigkeit gebracht. Im folgendeni?yr. jähre wurde er zwar von dem neuen Pavst Gregorio XIV. in bann gethan, welches ihm aber nicht viel schaden verursachte.Vielmehr machte ihm seine eigene partey einige unruhe, indemihn die Catholischen zu Veränderung der religion anhielten, dieHugenotten aber bey der ihrigen zu erhalten suchten. So tha-ten sich auch unter einigen bey ihm befindlichen Printzen vomgeblüt einige nachtheilige anschlüge hervor , indem der Cardinalvon Bourbon lieber selbst König gewesen wäre. Nichts desto-weniger setzte er den krieg beständig fort, suchte die verschiede-nen köpfe, so gut es ihm möglich war, im zäum zu halten ,machte den Catholischen Hoffnung von seiner hekehrung, undließ ihren goflesdienst überall ungekränckt, vor die Protestantenaber erneuerte er die unter seinen vorfahren ihnen zum Vortheilgemachten pacifications - edicta , und gieng also, nachdem eraus Engelland svwol als aus Teutschland eine ziemliche verstär-ekung erhalten, noch zu ende desselben jahres vor Rouen , wur-de aber im april an. 1592. genöthiget, bey annäherung des Her-tzogs von Parma, die bclagerung aufzuheben. Hingegen hat-ten die seinigen im vorigen jähre den Hertzog von Savoyen ausProvence vertrieben, allwo er schon an unterschiedlichen ortenvesten fuß gefaßt, und er selbst brachte, nachdem die belagerung -von Rouen aufgehoben war, die Ligistische armee und den Her-tzog von Parma in selbiger gegend so in das gedränge, daß )\ c,tvie man meynt, gantz über den Haussen hätten können aeworf,fen werden, wenn es dem Marschall von Biron ein ernst gewe-sen wäre. Zum wenigsten konnte sich der Hertzog von Parmamit genauer noth nach den Niederlanden ziehen. Endlich wur-de der König an. 159;. seiner unruhen überdrüßig, zumal esihm an geld mangelte, und unmöglich war, es langer so vielwiderwärtigen köpfen recht zu machen, inmassen denn die Re-formirten ein anders Haupt zu erwehlen, die Catholischen auchihn zu verlassen, drohten. Wie nun vollends die Spanische par-tey öffentlich anstatt machte, einen neuen König zu wehten, ent,schloß sich Henricus den Catholischen glauben anzunehmen, wor-in ihn vornemlich auch die Vorstellungen des berühmten Perro-nis beredet, gieng deshalben nach vorher zum schein geschehenerUnterweisung den rz. jul. zu St. Denys in die niesse , undließ sich zugleich, ohne den Papst zu fragen, durch den Ertz-Bi-schoff von Bourges adsolviren. Nach diesem schloß er auf;.monate mit dem Hertzoge von Maine einen waffen-stillstand, derimmer nach und nach verlängert wurde, inner welchem Vitry,Meaux , Air, Lyon , Orleans , Bourges und andere vornehmestädle sich ergaben. Den 27. febr. folgenden jahrs wurde er zuChartces durch Nicolaum von Thou, Bischofffelbiger stadt, ge-crönt, indem Rheims damals noch in der Ligisten Händen war.Hierauf nahm der König durch ein heimliches Verständnis Paris «n, ließ die Spanische bejatzung abziehen, und alsdenn ergabensich nach und nach andere ansehnliche städte mehr. Um dieselbereit begab sichs, daß ein junger student, mit nahmen JohannChatel, eines tuchhandlerS söhn, den 27. dec. an. 1594. nebstandern Hoslenthen sich mit in das Königliche gemach eindrang,mit dem Vorsatz, den König umzubringen. Indem nun derKönig einige vorkommende gnädig empfieng, führte der böswichtmit einem Messer einen gefährlichen stoß auf denselben. Weilsich aber der König bey svthaner ehr - bezeigung zu gutem glückeetwas gcbücket, fuhr das Messer in den untern kinn - backen ge-gen die kehle, so jedoch keinen andern schaden, als den Verlusteines zahns, verursachte. Der mörder wurde ergriffen, und,weil er der Jesuiten schüler gewesen war, auch in seiner aussageihre lehr - sätze einiger Massen verdächtig gemacht, wurde ernicht allein durch das Parlement verurtheilt, daß er mit Pferdenzerrissen werden muste, sondern man vertrieb auch die Jesuiten aus dem gebieth des Parlements zu Paris , welchem sich hernachdie von Rouen und Äijon gleich stellten. Im folgenden jährewurde endlich dem Könige vom Papst die absolution ertheilt, dieer bereits vor einem jähr durch den Hertzog von Revers verge-bens gesucht hatte. Denn als der Papst von einem Patriarchenin Franckreich reden hörte, und sich besorgte, er möchte umdiests Königreich gar kommen, gab er selbst anlas, daß der Kö-nig nachmals um die absolution anhielt, da denn Arnaud d'Oj-sat und du Perron die fache so geschickt abhandelten , daß, obgleich der Papst anfänglich wollte, daß der König auch seine Cronaufs neue von ihm empfangen sollte, die Spanier auch alle mög-liche Hindernisse in den weg streuten, selbige doch ohne sonderli-chen Nachtheil der Königlichen maiestat zu staube gebracht wur-de, und war wol das beschwerlichste, so sie eingehen musten,daß bey der ceremonie, welche den 16. sept. an. iw. vor sichgieng, der Papst die durch den Ertz - Bifchoff von Bourges ehe-mals ertheilte lvszehlung vernichtete, und unter absingung desLI. Psalms die Gesandten bey jedem Vers mit einer langen ru-the ausdie schultern schlug. Nachdem dieses geschehen, fiel dieTigue vollends gantz. Denn wie sich der Hertzog von Guiseschon seit 2. jähren zum zwecke gelegt, so verglichen sich die Her-oge von Maine und Joyeuse nunmehro auch. Der Hertzog on Espernvn, der in Provence unruhe gemacht, kam auch aufbessere gedancken, und so gelangte der König zum ruhigen besitzseines Reichs. Jedoch lag ihm einige jähre nach einander derSpanische krieg hart auf dem halse, den er an. iw- angefan-gen. Er hatte zwar anfänglich einigen Vortheil in der Franche-Comtc, und wurden die Spanier in der Picardie geschlagen,

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hingegen eroberten stlbtge Durlms und Cambray, und an.1596. Calais und Ardrcs; insonderheit eroberten sie den 10.mark. an. 1597. durch listAmiens, welches den Franzosen her-nach viel blut und geld kostete. Als aber nun endlich Henricusgleichwol diesen ihm so nöthigen ort wieder erobert hatte, wurdean dem frieden zwischen beyden Cronen um so viel mehr gearbei,tet, weil der König in Spanien sich erschöpft hatte, und seineslebens ende merckte. Es kam auch selbiger an. 1598. zu Ver-vins zum stände, dergestalt, daß die Franzosen und Spanierwieder gaben, was sie einander seit an. 1 $s9- abgenommen. Ineben diesem iahre nöthigte der König den Hertzog von Mercöur,der noch der einige rest von der l.igue war, und bisher in Bre­ tagne krieg geführt, sich zu bequemen, Und machte zum Vortheilder Hugenotten , die sich bis daher sehr schwürig erwiesen hat-ten , das berühmte edict von Nantes , darinn denselben weitmehr freyheit, als jemals vorher zugestanden wurde, daher» esauch erst im folgenden jähre, nachdem der Päpstliche Legat ausFranckreich abgezogen, publicirt werden konnte. Nach diesemfrieden nahm sich Henricus vor, den Hektzog Carolum Ema-nuclem von Savoyen zu demüthigen, weil selbiger zu des vori-gen Königs Jetten die Marggrafschafft Saluzzo weggenommen,auch in dem Spanischen kriege in Dauphins und Provence vielHändel gemacht. Der Hertzog kam zwar deshalben selbst zu demKönige, in meynunq, mit ihm zu tractirenallein weil er hoff,te, Spanien sollte sich seiner annehmen, oder sich aufden Mar«schall von Biron, mit welchem er in einem geheimen vcrneh.men stund, zu viel verließ , weigerte er sich, als er wieder nachHause gekommen war, den gemachten vergleich zu halten. DerKönig gieng ihm deswegen aufden leib , und nahm in kuryerzeit alles ein, was der Hertzog disseit der Alpen hatte. Endlichwurde an. 1601. durch Vermittelung des Papsts, und weil derHertzog zu sehr ins gedränge gerathen war, zu Lyon friede ge.schloffen, trafst dessen der König dem Hertzoge die Marggraf.schafft überließ, davor aber la Treffe, Bugey , Valromay undGex bekam. In diesem kriege hatte der König gemerckt, baßder Marsthall von Biron einige gefährliche anschlüge wider daSReich und feine perfon mit dem Hertzoge von Savoyen schmie-de , und Biron hatte es ihm zu Lyon selbst gestanden, woraufihm der König das verbrechen völlig verziehen. Aber er setzteseine verratherey dennoch fort, und würde grosse unruhe ange-richtet haben, wofem nicht durch einen seiner vertrauten demKönige alles verrathen worden, welcher den Biron mir gutermanier nach Hofkriegte, und weil er die von dem Könige selbstangebotene Verzeihung nicht annehmen,-noch daS geringste ge-stehen wollte, ihm »räch urtheil und recht den köpf abschlagenließ. Nach endigung des Savoyischeu kriegs ist Franckreichgantz ruhig gewesen bis an des Königs tod, binnen welcher zeitsich Henricus die aufnähme seines Reichs treflich angelegen seynließ , und absonderlich die Handlung nebst den manufacluren inguten stand zu setzen suchte, wie er denn auch vornemlich diestadt Paris mir treflichen gebälchen herrlich machte, der unter-schiedenen lust - schlöffer zu geschweigen, die er hin und wiedererbauet. Obwol die innerlichen kriege völlig durch ihn ge-dämpft waren, so blieben doch noch immer fchwürige gemü-ther im Reiche, indem theils die Grossen vom hohen Adel, unddie von dem kriege proftßion machten , nicht leiden konnten,daß in friedens - Jetten andere von niedrigem stände, und diemit der feder wohl umzugehen wußten, hoch an das brett kamen,theils die gütigkeit, die er öfters unverdienten und seinen ge-wesenen feinden erwies, bey andern eifersucht erweckten, theilsdie verschiedenen religions - verwandtm immer nicht genugvon ihm versichert zu seyn meynten, theils auch die Spanierden Ligistische» sauerteig noch stets unter den Franzosen erhiel-ten , daher denn von zeit zu zeit anschlage wider des Königs le-ben gemacht wurden, und hatte sich cinsmals gar eine von sei-nen liebsten maitreffen , die Mademoiselle de Verneuil, so erzur Marquisin diests nahmens gemacht, in dergleichen verräthe,rey gemengt. So machte ihm auch die eifersucht seiner anderngemahlin und der öffentliche Widerwillen, der stetig zwischen ihrund den maitreffen war, grossen Verdruß. Nichts destoweui,ger war er bey allen andern Staaten in sonderbarem ansehen ,und halfteren streitigkeiten beylegen. Absonderlich aber hat ersich der vereinigten Niederlande kräfftig angenommen, und denzwölfjährigen stillstand befördern helffen. Sein Haupt - wcrck,welches ihm so lange, als er friede gehabt, im köpfe gelegen,um deswillen er grosse gelb - summen gesammelt, sich überallbundsgenossen und alle anstalten zu einem gewaltigen kriegegemacht, war, daß er erstlich die macht des Hauses Oestcrreichbeschneiden, sodann das Ottomannische Reich über den Haussenwerffen , und in der gantzen Christenheit eine neue Verfassungmachen wollte. Die geiegenheit loszubrechen , sollte die streiti-ge Iülichische erb - fache geben , die armee stunde schon an dengrentzen, und er war im begriff, in wenig tagen nach vollen-deten crönungs - solennitäten der Konigin nach derselben auszu,brechen, als erden 14. may an. 1610. in seiner kutsche, die zuParis wegen einiges gedrängs auf der gaffe stille halten muste,von FranciscoNavaillac erstochen wurde. Er hatte sich kurtzvorher zu verschiedenen malen vernehmen lassen , daß er seinlebens - ende nahe zu seyn glaubte, man redete auch von vielenanschlagen wider ihn, die aber niemals recht zu ergründen ge.Wesen. Es wollen einige vorgeben, daß die Spanier, auch viel-leicht die Königin selbst dawon wiffenschafft gehabt. Von seinerersten gemahlin Margarrlha von Valvis, deS Königs Hrnrjci II.

tochter,