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Weil aber dre übrigen solches als eine fache von gefährlicher fol-ge hielten, und Heinrich «ich auf des Böhme» hülffe nicht rechtverlassen konnte, ob ihn schon dieser bey feinem besuch als einenKönig empfangen halte, so gab er den bedrohimgen feinerfeinde so viel nach, daß er den jungen Ottonem »md die Prin-tzeßin der mutier wieder einzuhändigen , und fülle zu sitzen ver-sprach , wenn man ihm fein Hertzogkhum Bayern wieder gebenwürde. Solches verwilligte man ihm , und muffe HenricusjMinor , welcher nach dein tode feines vatters Ottönis dasHertzogthum regierte, Heinrichen weichen, wiewol einige sagen,daß er ihm selbst alles gutwillig abgetreten. Durch diese viel-fältige ungli'icks-fälle halte nun Heinrich mit seinem schadenerlernet, daß es zu zelten besser gelvan » inan geniesse einweniges in ruhe, als daß man selbiges in Hoffnung eines grös-sten m gcfahr setze, daher er seinem söhn Heinrich auf seinemtod-bethe den gehorsam gegen dem Kaystr vor andern ein-schärfte, und an. 99;. verstarb. Adle. P. I. lib. XIV. p. 341.Brumm, in annal. ßoic. Lamb. Scbafnab. ad an. 974.c. 976. Hermcmnus Contr. ad an. 976. Annal. Hildesb. apudLeibn. p. 719.
Henricus, der fchwarye, item Latulus, das ist, der Welsebeygenannt, Hertzog in Bayern , Welfonis I V. söhn, der we-gen der genealogie wohl zu merckcn, indem feine gemahlinWulfidis, Magni oder Maginonis, des letzten Billingiichen Hcr-tzogs in Sachsen , älteste tochkcr gewesen; wiewol er nach Ma-gni absterben zu keiner erbsthaffl gelanget, sondern erst sein söhnHeinrich der ftolye von seinem schivieger-vatter Kayser Lotha-rio mit einem theil derselben belehnet worden. Er hat sich alsein Abgesandter Kayser Heinrichs IV. an. 1107. bey der confe-rentz zu Chalons mit Papst Paschali II. befunden, worinnenvon'dem investitur-rccht tractirt worden. Bey dieser conferentz,zu welcher er ohne dem mehr zum schrecken, als zur berath-schlagung abgesendet worden seyn soll, hat er dem Papst zu ver-stehen gegeben, die jache könnte nicht hier, sondern muffe zuRom mit dem degen ausgemacht werden , wiewol einige diesefache lieber seinem bruder Welfoni V. zuschreiben wollen. Infeinem alter nahm Hertzog Heinrich den Mönchs-habit an, undstarb an. >127. zu Ravenspurg. Von ihm wird anqemerckt,daß er fchwartz von haaren und bart, von breiten schultern,ansehnlicher länge, und starcker stimme gewesen, auch sich im-mer ein schwerdt vortragen lassen. Auch soll er in seinem Her-tzogthum das regale , so sich bisher Kayser und Könige vorbe-halten hatten , zuerst, oder unter den ersten gebraucht haben,allerhand diplomata mit angehängtem bildnis oder figillo aus-zufertigen. Von seiner pvsterität siehe in der Braunschweigi-schen geschlechts-.erzehlung. Ex fontibus Jaacb Frid. FeUer.in der genealogischen Historie des Braunfchweig-LüneburgifchenHauses, c. 8-
Henricus, der großmüthige, von den meisten der hoffar,tige oder ftolye, Luperbus genannt, Heinrich des schwaryen,Hertzogs in Bayern , ältester söhn und Nachfolger, welchervielleicht gedachten nahmen bekommen, weil er sich auf seinesschwieger-vatterS, Kaystrs Lolharii, macht viel verlassen , umder andern Fürsten gunst sich wenig beworben, und ohnedemder nächste zum Kavserlichen throne zu seyn verhoffte. Er heißtauch bisweilen Catulus oder der Welse, wie sein vatter, biswei-len Leo, der Löwe, wie sein söhn. Nach vorgedachter Vermäh-lung mit des Kaystrs Lotharii tochter, Gertrud , hielt er einenLand-tag zu Regenfpurg, dem damaligen Haupt-sitze der Baye-rischen Her' ^ae, und war bemühet, die Uneinigkeiten zwischenden Grössen im lande, und die raubereyen abzustellen. Daraufhielt er an. 1127. prächtig beylager, und ließ die junge gemah-lin nach Ravenspurg bringen ; er aber begab sich zum neuenschwieger-vatter ( der eben mit belagerung der damals Waiblin-gischcn stadt Nürnberg sich vergeblich aufhielt) und empsiengdaselbst das Hertzogthum Sachsen zu lehn, worzu er, wieoben gemeldt, ein recht wegen feiner Mutter Wulfidis hatte;es: wurde aber die würckliche abtretung des Hertzogthums bisan. uz6. verschoben. Unterdessen hielt unser Hertzog seinesschwieger-vatters parkey wider dieWarblrngifchen Hertzöge Con-radum in Francken und Fridericum II. in «Schwaben , und ob-schon der letzte Henrici leibliche schwester Judith zur ehe hatte,verheereken doch die beyden fchwäger einander das land ; Frie-drich wäre auch bey nahe heimlich aufgehoben worden, undin Heinrichs Hände gerathen. Es bekam unser Hertzog auchverdrieslichkeit mit dem Vogt des Bißthums Regenfpurg,Friedrich von Bogen , der wider dessen wissen und willen einenBischofs crwehlen half, es muffe aber derselbe samt des neuenBsschoffs Heinrichs vetter , Graf Ottone von Wolfrathshau-sen, bald zum creutze kriechen, und sich auf gnad und ungnadergeben ; der Bischoff selbst muffe auch dem Hertzöge Hochburgan dem Inn überlassen. An. nzz. erhielt unser Hertzog ge-wisser Massen, was seines vatters bruder Wclfo V. vermöge fei-ner heurath mit der Italiänischen Mathildis , nicht erhaltenkönnen, nemlich das Mathildische allodium , womit sich im ge-dachten jähre Lvtharins vom Papst Innocentio II. belehnen,und diese belchnung auf feinen fchwieger-sohn Henricum erten-diren ließ. Der lehen-brief, wie er von Baronio angeführetwird, halt in sich, daß der Kayser und nachgehends dessen eydamjährlich 100. pfund filber zur Päpstlichen Cammer liefern, unddie Cvmmendanten in den vestungen dem jeweiligen Papst hul-digen lassen , nach Lotharri und Henrici tode aber das land wie-Histor. Lexieox IV. Theil.
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der an den Päpstlichen stuhl zurück fallen sollte. An. nzs.ward unstrm Hertzöge endlich das BiUingische HertzogthumSachsen abgetreten, und fiel ihm über diß das Braunsthweigi-fche land zu, welches bisher die beyden Ecberti, varter undsöhn, Landgrafen in Thüringen , besessen; inglcichen die Graf-schasst Northeim , welche Otto der ehemalige Hertzog in- Bayern und dessen söhn Henricus Crail'us tnne gehabt hatte»; denn Ec-berti II. erb-schwcster Gertrud hatte mit ihrem gemahl, gedach,tem Henrico L'rallo, allein Nichsam, Kaystrs Lotharii gemah-lin erzeuget, deren tochter Gertrud, wie schon erinnert, an un-sern Heinrich vermählt war; das glück aber wollte ihn »ochgrösser machen 5 den» wegen seiner dem Kayser und Papst gelei-steten tapfern hulffe, wider den Sicilianischen König Rogerium,und dessen anhänger in Italien , ward er zu einem Marggrafenvon Tuscia oder Toscana vom Kayser investirt, und dadurchzu einer solchen macht erhoben, daß wol nicht leicht jemals ei»so mächtiger Reichs-Stand gewesen, sintemal Hertzog Heinrichnunmehr von dem Balthischen bis an das Tostanische meer zugebieten halte. Ais zu ende des 11,7. iahrs Krasser Lvtharinsstarb, nahm dieser sein schwieger-sohn die Reichs-insignicn zusich, und dachte jederman, vermuthlich auch er selbst, sss wür-de ihm die Kaystrliche würde nicht entgehen. Allein verschiede-ne Reichs-Fürsten , sonderlich die Bischöffe, welche seine grossegemalt, auch vielleicht sein hoher geist, die gäntzliche unter,drücknng ihrer frenheit fürchten machte, erwchlten noch vordem zu Mayntz angesetzten wahl-tage, zu Coblcntz den Wai-blingischen Hohenstauffisthen Hertzog Conradum , welcher nundie Weifen so sehr zu demüthigen suchte, als vorher Lothariusdie Waiblinger zu drücken benrühet gewesen. Man citirte Her,tzog Heinrichen crstiich an. ic>;g. nach Bamberg , ivohin sich dieverwittibte Kayferin Richsa nebst einigen Nieder-Sachsen er-hub , aber er blieb aussen ; er wurde darauf nach Regenfpurggefordert, wo er auch erschiene, und die Reichs-insignien ge-gen allerhand Versprechungen von sich gab. Wie es aber mitderen erfüllung langsam hergienge, und er auf einen anderntermin nach Augspurg befchieden wurde, fand er sich daselbst miteinigen seiner trvuppen ein, die er vor die stadt lagerte, unddem Kanstr damit ein solch schrecken einjagte, daß, er, so balddie tractaten sich zerschlugen, sich heimlich nach Würtzburg rcti-rirte. Allhier nun, und bald darauf zu Goslar ward Heinrichin die acht erklärt, und Bayern seinem gewesenen Vasallen Leo.poldo von Oesterreich , des Kaystrs stiestbruder, Nieder-Sach»fen aber Marggraf Albrecht dem Bären zu Brandenbnrg zu-,gesprochen, unter dem verwand, es könnte ein Fürst niüsszwey Hertzogthümmer haben. So bald Hertzog Heinrich ver-spürte , daß die Bayern von ihm ab, und Leopoldo zufielen,ließ er diesem durch seinen bruder Welfonem VI. eine diversionmachen, er aber eilte nach Nieder-Sachsen , Albertum, der sichfchon von Lüncburg, Bardewick, Bremen und andern ortenMeister gemacht hatte, wieder zu vertreiben ; er war auch soglücklich, daß er durch hülffe seiner schwieger-mutter Albertumnicht nur aus den eingenommenen orten, sondern gar aus sei-nem eigenen lande jagte. Der Kayser suchte dieses durch eineneinfall in Sachsen zu rächen, und kanr mit einer armee bis nachCreutzburg in Thüringen . Hier wurde ein stillstand bewilliget,und tractaten angefangen, unter welchen Heinrich an beyge-brachtem gift, oder, wie andere vorgeben, an einer heftigenMelancholie gestorben. Er hinterließ einen einigen söhn, Hein.rich den Löwen , (von dessen wunderbaren fatis sogleich folget)unter der vormundfchafft seines bruders Welsonis VI. Ex fon-tibus Joach. Frid. FeL’er. in der genealogischen Historie desBraunschweig -Lüneburgischen Hauses, add. Strip. Brunsuic.
h enricus der Löwe , des vorhergehenden söhn, den er mitseiner gemahnn Geriruv , Kaystrs Lotharii tochter, erzeuget.Seinen beynahmen wollen etliche davon herführen, daß er inPalästina einen löwen mit einer schlangen kämpfend gefunden,demstlbcn geholffen, und von ihm zur danckbarkeit stets beglei-tet worden; welche fabel aber schon Krantzius widerlegt, undglaubt, es sey der nähme dem Hertzöge von kindhcit an schonbeygelegt worden, (a) Schurtzffeisch will den nahmen lieber vonseinem aus Engelland mitgebrachten wapen herleiten , ober fchon nicht läugnet, daß einige denselben auch seinem vatterbeylegen, (b) So viel ist gewiß, daß unser Heinrich diesennahmen selbst geliebt, auf seine müntzen einen löwen prägen,Lauenstätt oder Löwenstätt also nennen, uird auch zu Braun schweig auf der bürg Danckwerderoda einen meßingenen löwenüber die kirch-thür setzen lassen. Er war aber gebohren an1129, denn wenn etliche das jähr u;6. setzen, so ist solches ver'muthlich allein von der taufe zu verstehen , welche wol so vie,jähr aufgeschoben worden seyn kan. (c) Als sein vatter gedach-ter Massen an. n?9> starb, suchte Albertus von Ascanien sich desdamaligen Sachse», so der Kayser ihm zugesprochen, Heinrichder ftolfte aber ihm wieder abgenommen hatte, von neuem zubemächtigen; die Sgchstn aber stunden ihrem jungen Hertzögegetreulich bey , und verjagten Albertum auch so gar von seinemMarggrasthmn Saltzwedel, bis der Kayser Conradus lll. diefache an. H42. so verglich, daß Albertus seine Marck wiederbekam, und unser Heinrich sein Sachsen behielt. Damit auch we-gen Bayern , so Heinrich der ftolye besessen, friede werden möch,te, ward dessen wittwe Gertrud, unsers Heinrichs mutier, an denOcsterreichischen Heinrich, des unlängst verstorbenen HertzogsLeoxvldi Nachfolger, vermählet, die aber an. im. in kin-
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