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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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-reit, indem sich der Hertzog gutwillig nichts nehmen ließ.Bifthoff Ulrich zu Halberstadt hatte die achts-erklarung nichterwarten können, und schon an. n??. zugegriffen, musteaber darüber Halberstadt verbrannt, und sich gefangen sehen;Ertz-Bischoffs Philippi zu Mayntz armee wurde in Westphalengeschlagen; Graf Abolphus von Holstein aus seinem lande ge-jagt ; die städreNordhausen und Muhlhausen abgebrannt; derLandgraf in Thüringen , Ludwig, nebst leinen, söhn Hermanngefangen. Aber an. n 8 *. kam der Kayser selbst mit z. ar-mecn in des Hcrtzogs lande, eroberte gantz Bayern , und dievornehmsten städte m Nieder-Sachsen , worunter Lübeck war,welche bey dieser gelcgenheit zur Relchs-stadt gemacht, undmit vielen privilegicn versehen worden; Braünsthweig aberwurde damals nicht eingenommen; Bardewick hatte dem Her­ tzog die thore verschlossen, welches derselbe, wie wir bald sa-

S 'i werde», entsetzlich gerochen. Vor dieseömal aber musteder Hertzvg ergeben, nach allerhand vergebens gepflogenentractaten an. n 8 r. auf dem Reichs-tage zu Erfurt erscheinen,und dem Kayser fußfällig werden, welcher ihn zwar mit thrä-«enden äugen aufhub, aber doch den Reichs-schluß nicht hin-dern konnte, oder wollte, welcher darinnen bestund, daß Hen-ricus von allem , was er besessen, nichts als die Braunschwei-aifch-linb Lüneburgischen lande (welche nemlich damals nochkeine ReichS-lehen waren) behalten , und in den nächst-kom-mmden jähren, von Martini an. n 8 *. an gerechnet, denTeutschen boden nicht betreten sollte. Er gieng darauf mitseiner gemahlin und kindern zu seinem schwieger-vatter demKönig in Engelland Henrico II. hielte sich theils in der Norman-die, theils in Engeüand auf, und kam »och vor verflossener zeitan. i i 8 e. zurück , indem er durch seines schwieger-valters unddes Papsts Vermittelung von seinem eyd losgesprochen wurde;brachte auch ein neues wapen, nemlich die Leoparden, mit,und hielte sich zu Braunschweig gantz stille. Er fand abersein land nicht in solchem zustande, wie ihm versprochen wor-den , indem, bey adwesenheit des Kaysers in Italien , jederauch von des Hertzogs allodial-landen zu sich genommen, wasihn gut dünckte. Er beschwerte sich zwar dessentwegen bey.demKayser; aber an statt der/atisfaction wurden ihm an.1189. zu Goslar drey vorschlage gethan, daß er entwedermit dem, was er letzt hätte, zufrieden seyn , oder dem zugin das gelobte land auf des Kaysers Unkosten beywohnen,oder noch;. jähr ausser Teulschland sich aufhalten, und inbeyden letzter» fällen nachqehends der restitution gewärtigseyn sollte. Er erivehlte das letztere, und gieng wieder nachEngelland. Unterdessen ließ des Kaysers söhn und Statthal-1 er Heinrich geschehen, daß in unstrs Hertzogs landen jederthun mochte, was er wollte. Dahero derselbe nicht längerzusehen konnte, zumal da er erfuhr, daß auch seine gemahlin,die er zu Braunschweig gelassen hatte, verstorben ; sondernerstlich seinen söhn Heinrich nach Braunschweig sendete, balddarauf aber selbst folgte, und zwar um so viel mehr, weilihn die Könige von Engelland, als sein schwäher und schwa,ger, immer darzu vermahnten. Bey dieser seiner andernWiederkunft setzte er sich erstlich an der Elbe wieder etwasveste, nahm Lübeck , Lauenburg , und fast gantz Holsteinein, und zerstörte Bardewick , um vorgedachter schimpfli-chen auöschliessung, und neuen spotts willen, auf den gründ,wovon , und wie die Zerstörung dieser stadt zur aufnähmeder stadt Lüneburg gelcgenheit gegeben, unter dem artickulDardewick nachzulesen. Der Römische König oder Reichs-Vicsrius Heinrich, des Kaysers söhn, gieng darauf an. I l yo.mit einer armee in des Hertzogs lande, verheerte dieselben«nf das ärgste , Hannover verbrannte er, konnte aber vorBraunschweig selbst nichts ausrichten. Der Hertzog befandsich also genothiget, aufs neue um friede zu bitten, undmuste seine beyden söhne , Heinrichen und Luderum oderLotharium, dem König zu geisseln geben. Der jüngere starbbald darauf zu Augspurg, der ältere aber muste mit dem Rö-mischen König in Apulien gehen. Dieser, als er sahe, daß«r nicht so tractirt wurde, wie ihm versprochen worden, auchohne dem gefährliche kranckheiten bey der armee einrissen,und wenig ausgerichtet wurde, machte sich heimlich davon,und kam nach einer beschwerlichen, und wegen des KönigsNachstellung höchst-gefährlichen reise zu Braunschweig an.Unterdessen wurde der bisherige König Henricus nach dembald darauf erfolgten tobe seines vatters Kayser, und suchtedie flucht des jungen Hertzog Heinrichs zu rächen; schicktederowegen, ohngeachtet der alte Hertzog ihn durch Gesand-te zu besänftigen suchte, eine armee in das land, welchedasselbe «dermal sehr ruinirte. Es kam noch die untreueeiniger Unterthanen darzu, sonderlich Ludolphi von Wenden,welcher des Hertzogs Vogt zu Braunschweig war , und Ec-bertum zu Wolffendüttel auch auf seine feite gebracht hatte.Allein der junge Hertzog Heinrich gieng ihnen zu leibe, ero-bere und schleifte die vestung Wolffendüttel, welche dieselbenbesetzt hatten, durch hülffe der bürger zu Braunschweig , der-gleichen er auch mit Voigtsdalem, Wenden und Pein«, wo-hl" sich die rebellen relirirr hatten, gethan. Darauf wurdedurch Gerhard, Probst zu Slederburg, zu Tülleda einemdorf, zu dem nunmehro Schwartzburgischen Amt Kelbra inThurmgen gehörig, eine Versöhnung zwischen dem KayserHenrico VI. und unsern, Hertzoge gestiftet, wobey auch des»Hjstor. Lexietn IV. Theil.

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den ietzt-gedachter söhn gleiches nahmens die bisher verwe-gerte Investitur über die Pfaltz am Rhein erhielt. Daß aberdamals die mauren der stadt Braunschweig eingerissen wer-den muffen , ist falsch, (h) Nun ließ Hertzog Heinrich dieHoffnung , das vertohrne wieder zu erlangen, fahren, undwendete im alter seine zeit auf alte gefchtchte, die er stchvorlejen ließ , that auch den kirchen und klöstern, sonder-lich zu Braunschweig , gutes. Er hatte durch einen fall vompftrde an dem einen fuß schaden genommen, und wurde nochvon einem durchbruch überfallen, wider welchen er (viel-leicht aus beylvrge vor gift) keine artzney brauchen wollte.Er schickte sich demnach zum tvde, ließ seinen söhn den Pfaltz,«rasen, wie auch seinen Beicht-vattcr, Bifchoff Isfricd vonRatzeburg , ju sich fordern, und starb mit standhafftem qe,mülye, und andächtiger Vorbereitung, den 5. oder 1;. aüg.an. 119;. im ügsten jähre seines alters, nachdem etwan 14.tage vorher der donner in die kirche St. Blasii zu Bralm-schweig geichlagen, wodurch der Hertzog in die äusserste ge-fahr zu verbrennen kam, und daraus nicht durch menfth-lichc hülffe, sondern durch einen heftigen platz-regen errettetworden. Es war dieser Hertzog im übrigen von mittclmäf-siger statnr, gefetztem leibe , starckem und weiffem angestchte,grosse» schwartzen äugen, und dunckcln haaren. (£r ist inseiner jugend den Ritterlichen exercilien mit fleiß obgelegen,hat es auch in selbigen zu einer ziemlichen Vollkommenheitgebracht. Von seiner großmuth , tapferkeit und beständig,keil hat uns sein leben beyfpiele genug gegeben. Von feinengemahlinnen und kindern ist unter dem artickul Lraun-schweigtsch geschlecht Nachricht zu finden, (a) s \axon. lib.VI. c. ; ich) 1 . c. p.4-.(c) 1. c. p. 19 -. (d) & (e) Pfes-

fing. ad Vitriar. lib. II. tit. 5. p. 989. (f) 1 . c. p. (g)

1 . c. p. 90. (h) Sagitearius , 1 . c. p. 9;. Gerhardt Praepo-siti Scederburg. historica narratio de Henrico Leone, cumnotis Mribomii, tom. 1 . rer. Germ. p. 450. seqq. BÜNtittgSBraunschweig und Lüneburgifche chronick a Meibomio einend,p. i;8. seqq. Sagitturius , origin. & increm. Brunfuic. p. 40-98. Schurtzfl-ifcb. disput. ad Ligurini VII. 100. de Henrico

Leone. Zieglers schaupiatz der zeit, d. 6. aug. n. Die

Genealogica'bstt accurat ausgeführt Feiler in der genealogi-schen Historie des Hauses Braunfchwelg-Lüueburg, c. n. p.

349. seqq.

-Zenricus der schöne oder lange, Hertzog zu Sachsen ,und Pfaltzgraf bey Rhein , war ein söhn Heinrichs des Lö-wen und Mcchthildis, König Heinrichs von Engelland loch,rer. In seiner jugend muste er mit seinem vatter das elendin Engelland bauen, und einige jähre darauf neben seinembruder dem Henrico von seinem vatter als geissel überliefertwerden, da ihn ernieldter Kayser mit sich in Apulien nahm.Erzog sich aber daselbst seinen haß nur mehr auf den hals,als er aus dem lager vor Neapolis weg eilte, und seine völ-cker mit sich nahm. Worzu noch kam, daß er sich in sei-ner iugend mit Agneten , Pfaltzgraf Conrads tochter, ver-sprochen hatte, welche heuralh der Kayser deswegen zu hin-tertreiben suchte, damit er nicht durch diese einzige erbinder Pfaltz zu der macht steigen möchte, seines vatters schimpfrächen zu können. Weil aber Agnes ihn lieber leiden moch-te , als König Philippum von Franckreich, welcher durch denKayser um sie freyere, so gelangte er endlich durch Vorschubihrer mutier zu seinem zweck, indem er sie ohne des Pfaltz-

S ifen wissen entführte, welcher dahero viel mühe hatte,bey dem Kayser zu entschuldigen. Indessen war es ein-mal geschehen, und der Kayser wurde durch des schwieger-vatters zureden endlich dahin gebracht, daß er Henrico nachdieses tode die Pfaltz im lehn ließ. Hierauf that er eine reisein das gelobte land , nach deren endigung er die Kasten-Vogtey über das Ertz - Stift Trier zu unwiederbrinalichemschaden der Pfaltz an Ertz-BischoffIohannem von Trier ver-kaufte. So bald aber der Kayser todt war, verfiel er wie-der in Kayser Philipps ungnade, weil er seinem bruder Ot«toni zu erlanaung des Kayserlhums wider diesen beysiund.Die rechte wurckung davon brach erst unter Philipps nach.folger Kayser Frideriro ll. aus , welcher ihn an. 1-19. in dieacht erklärte, und dir Pfaltz Hertzvg Ludwigen von Bayern auSWittelsbachischem geschlechte gab. Jedoch hat Heinrich bisan seinen an. irr?, erfolgten kod sich weder des tituls nochauch seines rechts begeben, dahero man beyde in den Urkun-den dasiger zeit als Pfaltzgrafen bey dem Rhein antrift. Mitseiner gemahlin hatte er 2. merckwürdige tochter, davon dieerste Irmengard an Margqraf Hermann IV. von Baden ver«heurathct wurde, und selbigem Durlach , Heidelsheim , Pfortz.heim und Etlingen zum heurachs - glich zubrachte; die ande-re aber bekam Otto von Wittelsbach , Hertzog Ludwigs vonBayern söhn, in ansehung deren er nach dem tode Heinrichsund seines vatters die Pfaltz im besitz behielte. Die Sächsischenlande aber, als Stäbe, und waS gegen Bremen zu liegt, welchesHeinrich in der theiluug mit seinen brüdern Ottone IV. undWilhelmo aus der vätterlichen erbschafft überkommen, benebstdem Braunschweigischen, so ihm nach abaang seines bruderSOttonis heim gefallen, muste er mit der Marggräfin von Ba-den theilen. Meihom. tom. III. II. G. p. 207. Al.n 4 er«r, in an-tiq. Brunfuic. Tnlner. H. P. C. 16. p. ;;o. & cod. dipl. -Ar ·ntidut Lubec. lib. III. chs. Slav. c. 2. p. 4 ' 8 - Monachus fVeitu

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