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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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hat er seinem brnderBertthardo die Hartesburg einnehmen ,und die von Schwiecheld daraus vertrcrben helffen. Von die-ses Herrn liebe zur gerechtigkeit wird folgendes zum beweisangeführt: Des Hertzogs Vogt von Zelle reisete bey unverse-hens eingefallenem rauhen Wetter von dar nach Lüncburg ,und borgte unterwegs einem bauet/ bec in bet gute nichtwollte / mit gemalt seinen Mantel ab; dieser beklagte sich des-sentwegen beydem Hertzog; derHertzvg ersähe die gelegenheit,bis er mit dem Vogt an den ort kam, wo die that geschehen,und ließ denselben nach kurtzer Untersuchung mit einer pferde-halftcr an den nächsten bäum aufhmcken. Er starb balddarauf an. 1416. den 5. dec. und ist zu Braustschweig indem Dom begraben. Bundings Braunschwcigische undLüneburgische chronick, p. 426.

Henricus der ältere, item der O.uade oder böse, Her-tzvg zu Braunschweig und-Lüncburg, aus dem mittlern HauseBraunfchweig, Hertzogs Wilhelm« des lungern söhn, warden 14. jun. an. 146;. gebohren. Noch bey seines vatterslebzeiten an. 1485. wollte er BischoffBartholdo zu Hildesheim diese stadt einnehmen helffen, und legte bey solcher gelegen-Heit unterschiedene proben seiner list und tapferkeit ab. Dochwar nichts besonders auszurichten, weil sonderlich nebst an-dern selbst die städte Braunfchweig, Lüneburg und Hannover denen von Hildesheim beystunden. Die Hildesheimische sachewurde zwar an. 1486. beygelegt, doch behielt Hertzog Henri-cus noch immer einen groll auf die stadt Hannover , undrückte an. 1490- den 24. nov. bey nacht heimlich vor derselbenan, hätte sie auch bey nahe eindekommen, wenn man nichtvon ungefehr einige seiner soldaten in den nahe gelegenen gär-ten erblicket, und die fache dadurch verrathen worden wäre.An. 1491. begab sich unsers Hertzogs vatter, Hertzog Wilhel-mus, zur ruhe, und überließ also demselben die regierung.Gleich in folgendem jähre zerfiel er mit der stadt Braunschwelgwegen vieler adelichen und Fürstlichen güther auf dem lande,die selbige nach und nach an sich gebracht hatte, und stchwe-gerte, von denselben die onera, wie andere Unterthanen, zuentrichten. Er verband sich also mit den übrigen Hertzogenseines Hauses, ingleichen dem Ertz-Bischoff Ernesto zu Mag­ deburg , und hielt über ein halb jähr die stadt belagert. Dochwlirde wenig ausgerichtet , und die sache also verglichen,daß dem Hertzog ein paar schlösser, die er gewonnen, über-lassen, und dw Asseburg bey Braunschiveig geschleift wurde.An. 1494. theilte Hertzog Heinrich mit seinem bruder Erichihres damals noch lebenden vatters lande also, daß er dasland zu Braunfchweig und Wolffenbüttel, Hertzog Erichaber Göttingen und Hannover nebst den darzu gehörigen lan-den bekam. An. izoi. nahm der Hertzog einen zug widerdie Frießländer vor, weil sie. das Stift Bremen , in welchemsein söhn Christoph Loaäjmor war, feindlich angefallen hat-ten. Er verfolgte sie auch in ihr land, und fügte ihnen nichtgeringen schaden zu. Doch die morastige gegend und Man-gel des Proviants nöthigte ihn nach ziemlichen Verlust wiederzurück zugehen. An. 1504. entstund zwischen unserm HertzogHenrico dem ältern, und seinem Vetter Hertzog Henrico demjünger» zu Lüneburg , eine heftige erbitterunq über einenvertrag , den sie mit einander gemacht hatten, die städteBraunfchweig und Lüneburg völlig unter das joch zu brin-gen , und sich darein zu theilen; welcher vertrag bey dieserUneinigkeit zu beyder bruder schaden und Verdruß offenbar wur-de. An. is'i. hat sich das gantze Haus Braunschweig undLüneburg über die Grafen von Hoya hergemacht, und denen-selben ihr land abgenommen, weil sie nicht zu rechter zeitum die bclehnung angehalten, sondern selbige vielmehr beydem Stift Münster suchen wollen. An. 1512. gieng HertzogHcnricus in Kaysers Maximiliant diensten mit einiger mann-schafft in Holland wider den Hertzog zu Geldern; in diesemjähr ist auch ein erb - vertrag zwischen unserm Hertzog undHertzog Henrico dem jünger» zu Lüneburg aufgerichtet wor-den , davon im folgenden artickul. An. 1514. zog er in ge-sellschafft unterschiedener Fürsten seines Hauses nach Fricßland,und brachte den Grafen von Embden ziemlich in die enge.Aber den 2z. jun. wurde ihm in bestürmung der vestungOrt oder Haus-Ort der kovf abgeschlagen. Büntings Braun-schweigische und Lüneburgische chronick, p. 290. seqq.

-Hcnricus der jüngere, Hertzog zu Braunfchweig undLüneburg , aus dem mittlern Hause Lüneburg , Hertzog Ot-tonis des großmüthigen, und Anna von Nassau söhn, ge-dohren an. 1468. Er verlohr seinen vatter schon an. 1471. undals an. 1478. auch der groß-vatter Hertzog Fridencus der an-dächtige starb , stund er unter seiner Mutter vormundschafft,bis an. 1487. An. 1439. zerfiel er mit der stadt Bortehude,und that dessentwegen in dem alten lande grossen schaden.An. isoi. kam es zu einiger weitläuftigkeit mit dem Ertz-Bischoff Ernesto zu Magdeburg , dessen schwester Hertzog Hen-ricus zur ehe hatte, weil er der Hertzog einigen StistischenEdelleuthen hülffe wider ihre feinde, die auch Stifts-Junckernwaren, zugesendet, wodurch sonderlich auch dem Fürsten zuAnhalt schaden geschehen war. Die sache ward aber zuQuedlinburg durch Vermittelung des Ertz-BifchossS brüder,Churfürst Fridericum und Hertzog Johannen«, also vergli,chen , daß unser Hertzog sich zu erlegung einer gewissen sum-me gelbes verstehen muste. An. 1502. gerieth unser Hertzog

mit seinem Vetter, Hertzog Henrico dem altern zu Braun­ schweig , in unrimgkeit über dem vertrag, den sie miteinan-der wider die freyheit der städte Braunschweig und Lüneburg gemacht halten, so gar , daß bey einer zufammenkunfc zuBraunschwcig Henricus der altere den gantzcn vertrag gsVerdruß offenbarte , wodurch beyde städte erfahren, waswider sie auf dem lapet gewesen, und alle anschlage der Her-tzoge zu nichte worden. <oie selbst haben mit mühe ohne bluc-vergieffen aus einander gesetzt werden können. An. i;oj.half unser Hertzog nebst jetzt. gedachtem seinem vetter dieReichs-acht wider PfaltzgrafRuprechten aufÄayftrs Marimi-liani befehl exequiren. An. 1512. hak er zu Minden einenvergleich mit diesem seinem vetter gemacht, in welchem ersein theil, so er an dem Fürstenthiim Göttingen einmal ha,ben möchte, Hertzog Heinrich dem ältern und dessen bruderErich abgetreten, und dagegen alle gerechtigkeit , so dasHaus Wolfenbültel etwan am Lüneburgische« gehabt, bekom-men. An. 1^9. entstund die sogenannte Stistische sthdemitdem Bischoff zu HUdesheim, Johanne, dem unser Hertzogwider seine vettern zu Braunschweig Hertzog Erich und HertzogWilhelm beystund, auch den erster» gefangen bekam, wovonin Hertzog Erich des ältern leben nachzusehen. Er starb zuWtnhansen an.tz;2. Lünigs Reichs-Archiv. psrc. fpec. s.lv.c. 4. n. 19. scq. p.j4· scq· Büntings Braunschweigifche undLüneburgische chronick, p. 4? seq·

Henricus der jüng ere^ aus dem mittlern Braunschwei.zischen Haust zu Wolffenbüttel, hat sich durch seinen unruhi-gen köpf und unfertige Händel in der Historie sonderlich bekanntgemacht. Er war Henrtci des altern söhn, den 10. nov. an.1489. gebohren, und folgte dem vatter, als derselbe im Frieß-ländischen kriege erschossen war , welchem er auch selbst mitbeywohnte, an. iz«4. itt der regierung, und ließ das seinerstes seyn, daß er seines vatters tod zu rächen in der ero-berten stadt Dam mit den bürgern und kriegs-leuthen grau.sam umgieng. Hernach hatte er mit dem Bischoff von Hil­ desheim allerhand verdricöiichkeitcn, und nachdem die Verbit-terung etliche jähr gewähret, und auch mehrere ungelegen»heilen anderer Fürsten und Herren darzu gekommen waren,kam es endlich an. 1519. zu einem kriege, da Hertzog Henri»cus mit seinen Allurtcn die berüh:nte schlacht in der Sol-tauer - heyde gegen die Bischöfflichen verlohren, hernach aber,zumal, als der Bischoff in die acht erkläret worden, so glück»lich war, daß er an. «;r;. da friede gemacht ward, mitgrossem Vortheil aus dem kriege kam, und das Stift Hil«desheim um seine meisten ländercyen gebracht hatte. An.i;r;. half er die aufrührischen bauren dämpfen, und bäteteThomas Münzern, da er sein recht ausstehen sollte, das Christ»liche glaubens - bekenntnis vor. An. 1; 28. gieng er dem Kay»ser zu dienstr gegen die Franzosen mit einem krtegs-heer nachItalien , kam aber mit schlechtein Vortheil und ehre zurück,indem er die Italiänischen kriege schwerer befand, als ersich eingebildet, den soldaten kein gcld geben konnte, vondem Kayserlichen General Leva nicht unterstützt ward, undalso keines wegs hindern konnte, baß sich nicht seine armee,die noch darzu von der pest angegriffen ward, in wenigerzeit verlauffen hätte; und kam der kleine rest in sehr elen-dem zustande durch die Schweitz wieder zurück. Nach diesemhat er eine geraume zeit mit den Protestanten zu thun ge-habt, wider die er grosse Verbitterung, aber zu seinem schlech-ten nutzen gehegt. Anfänglich zwar «var er der Protestanti­ schen lehre nicht zuwider, und fieng derselben bereits an.1529. an, einiger Massen gehör zu geben, billigte auch an.i?;o. auf dem Reichs-tage zu Augspurg unterschiedene stückeihres übcrgebeue» bekenntnisses , und ließ sich zu stiftung derauf das tapet gebrachten Verträglichkeit und einigkeit gedrau»chen; so hieng er auch eben so gar vefte nicht an der Kayfer»lichen partey, inmaffen er Ferdinands wähl zum Röm. Kö-nige zuwider war., Allein die zwistigkeiten, welche zwischenihm und einigen Fürsten von seinem Hause, ingleichen mitdem Churfürsten von Sachsen , der mit denselben nahe ver-bunden war, entstunden, brachten ihm andere gedancken inköpf, und machten, daß er die Catholische partey, zu er»füllung seiner privat-raache, zu brauchen gedachte. Er warbschon an. i;*4. mit des Kaysers bewilllgung einiges volckge»gen die Protestanten, so er aber damals wegen bald erfolgtenCadanlfchen fricdens - tractaten nicht gebrauchen konnte.Nichts desto weniger suchte er immerfort das feuer anzublafen,und heimliche anschlage zu schmieden. Er verhetzte HertzogGeorgen zu Sachsen immer mehr und mehr gegen seine»bruder, Henricum , so, daß man zum zeugnis feines mitdiesem Herrn geführten absehens anführt, er habe nach dessentobe sich vernehmen lassen , er wollte lieber, daß GOtt im hiin-mel, als Hertzog Georg gestorben wäre. Der ProtestantenBotschafften konnten durch seine land nicht sicher reifen, undselbst dem Churfürsten von Sachse» ward das sichere geleitversagt, als er an. i;;8. auf der Protestanten Versammlungnach Brannschweig reisen wollte. In eben diesem jähre brach-te er das Nürnbcrgische bündnis einiger Catholifchen Standegegen die Protestanten zuwege, um das er sich mit reifen undzureden viel mühe gegeben. Im folgenden jähre wurden von demLandgrafen einige gefährliche drieft, die Hertzog Henricusnach Mayntz und an Helden geschrieben, aufgefangen, barü»