h e r
her ioi
Mademoiselle I'Heritier nach ihrer liebe zur gelchrsamkeit fastganzer zwölf iahre lang a» ihrem Hofe behalten halte, hinter-ließ «,e ihr einige geschriebene Nachrichten, die sie bey ihrem lebennicht wollte bekannt werden lassen. Im jähr 1709. befördertesie diese Nachrichten: Memoires de M. la D. de N. mit einemvorberichl von den guten eigenschafften dieser Fürstin , und ei-nigen historischen noten, die sie darzu verfertigt hatte, zum dru-cke. Einige iahre vorher hatte sie die sogenannten fabeln des Kö-nigs Richards übersetzt, und solche beym druck an. 1705. an erst.gedachte Hertzogin dediciret. An. 1711. schrieb sie la PompeDaupoine , ein gemischtes stück aus gebundener und ungebun-dener rede auf den lod des ersten Printzen Ludovici XIV. undkurtz darauf le Tombeau de Mr. le Dauphin , Duc de Bourgo-gne. In verschiedenen theilen des stlercure Galant stehen aus-arbeitungen von ihr, die noch nicht gesammelt worden sind.Sie trug auf dem Französifche» Pamasso den nahmm Thelesilleaus gleiche» gründen, als die Mademoifelle de Scudery dennahmen Sappho . Bayle gedenckct der neuen Thelesille mitrühm. Der Herr de Sacy, dessen redliches Hertz so viel Hoch-achtung , als feine schrcib-art in prosa rühm verdient, hat nie-mals verse gcniacht, als wenn er an Thelesille schrieb. Manhielt sie vor eine gute kennerin der Französischen spräche, daßman in dem Dictionnaire de Trevoux viele redcns-artcn aus ih-re» schriften als muster der wahren und eigentlichen bedeutungder Worte angeführet hat. Im jähr 1710. errichtete sich beyihr eine gesellschaffl gelehrter freunde. Man las ihr oft sinnrei-che schriften vor, und sie wußte sie sehr wohl zu beurtheilen.Sie tadelte mit verstand «ind gelinde. Verschiedene verständigeund gelehrte frauenzimmer versammelten sich wöchentlich zweymal bey ihr, worunter einige von sehr vornehmen stände wa-ren. Ihre wissenschafft in den geschichtcn und angebohrne Mun-terkeit, die weder von den kranckheiten , mit denen siesich zehenjähre vor ihrem ende immer schleppen muste, unterdrückt wer-den konnte, wußte diese gcsellfchafften immer auf eine angeneh-me art zu unterhalten. An. 1718. ließ sie les Caprices du Des-tin, Recueil d’Histoires Galantes, ausgehen , die in Holland bald nachgedruckt wurden; an. 1729. aber l’Avare puni, Nou-velle en vers. Während ihrer kranckheit fuhr sie fort Ovidiiheroische briefe in verse zu übersetzen. Diese arbeit ist gar flüßiggerathen, und geht nirgends vom original ab, als wo solches dieehrbarkctt haben wollte. Vor dieses einzige werck hat sie ihrennahmen gantz setzen lassen, da sie ihn vorher immer nur mit denanfangs-buchstaben ausgedruckt hatte. Sie starb den 24. febr.an. 17j4. ihres alters 69. jähr und drey monate. Sie hat soviel ausgearbeitete schriften hinterlassen , daß sie im druck so viel,als die schon gedruckten betragen würden. Journal des Savam.Gelehrte Zeitungen.
Derlicius, ( David) ein zu feiner zeit berühmter Medicus,Astronomus, Hiitoricus und Pvet, kam den 28. dec. an. 1557.zu Zeit; auf die weit. Sein valler war ein Rathsherr, hatteaber wegen vielen kindern nicht allzuviel zum besten, dahero die-ser sein söhn , da er etwas erwachsen, von feinen freunden zuSchläitz im Voigtlande anferzogen worden. Da legte er sich in-sonderheit auf die Poesie und Music, womit er sich nachmalsaufder Acadcmie bey seiner armuth oft grossen nutzen geschafft.Erstlich gieng er nach Wittenberg ; weil aber Caspar Peucer , anden er stch addreßiret, allda in arrest genommen wurde, ver-fügte er sich bald darauf nach Leipzig , und nachgehends nachRostock . Indem er nun daselbst in der Philosophie sich hervorchat, wurde er von dem Hertzoge in Mecklenburg an. i;8o.zum Conrector zu Güstrau, zwey jähr aber darauf zum Physicozu Preslan in der Ucker-Marck , und an. 19 8 j. zum Physiconach Anklam beruffen. Doch konnte er auch hier über zwey iahrnicht bleiben, sondern bekam an. i;8;. die Profeffionem Mathe-seos in GreypHswalde, wurde auch an. i?97. Doölot Medicin«daselbst. An. I?98. berief man ihn nach Stargard in Pom-mern , und an. 1606. wurde er Stadt-Phylicus in Lübeck , da erso viel zu thun bekam, daß er oft gantze tage von dem morgenbis auf den abend zubringen müssen, seine krancken zu besuchen,ohne einmal unterdessen nach Hause zu gehen. Damit er aberwiederum ein wenig ruhe haben möchte, kehrte er an. 1614. wie-derum nach «stargard , r>nd halte daselbst im sinn, sein grosseswerck de triplici Calendario zu cbiren, welches aber nebst st'inergantzen bibliolhcck in der Stargardischen feuers-brunst den 7. oct.an. iüzy. im rauch aufgegangen ist. Ob er gleich selbst viel na-tivitäten gestellt hat, so hielt er doch von denselben nicht gar viel,und nennete diese und dergleichen andere künste nur schlacken derwahren Mathematic. Er starb den iz. aug. an. i6;ö. Nebstvielen kleinen physicalischen und mathematischen tractaten sindfolgende büchtt von ihm bekannt: de Distantiis Locorum Arith-lnctieg supplendis; Operis Mirabilium tomus primus ; Exer-cit. Philosoph. ; de Academiis totius Mundi; Carminum va-riotum voiumen; Libri VII. Poematum ; de Decoro Poetico ;Commentarius in Horatium de Arte Poetica ; IV. Tomi Histo-rici & Prognostici von des Türckifchen Reichs Untergang;Hermetischer Rosen-Krantz auserlesener ehymischer tractätlein.
\Vdte, vit. Medic. Bayle.
-Zerlies , ein kleiner ort in Flandern , ohnweit der stadt la Bassee , welchen König Philippus II. in Spanien zu einerGrafschafft vormals erhöhet hat. *
Herling öder Cost-Herling, ein Engelländischer marck-sse-ckeu in Gileros-Huudred in der südlichen gegend von Norfolk.
Hlstor. Lexicon IV. Theil.
Herlingsberg, war ehedem ein vestes schloß in dem Braun«fchwelgischen lande, nahe bey Goslar , an dem Ocker-.fluffe aufeinem hohen berge gegen den fchlössern Widela und Fineburg,welche noch in dem HUdesheimischen vorhanden. Kayser Otto IV. soll es wider die stadt Goslar , die es mit seinem WidersacherPhilippo hielte, erbauet haben. Er ineommodirte auch ausdiesem schlösse gedachte stadt dermassen, daß fast niemand sicherauS-.und eingehen konnte, daher sie auch die reichsten und an-sehnlichsten bürger verliessen. Wer bald nach Oltonis zeitendas schloß besessen, ist unausgemacht, so viel aber bekannt, daßeme adeilche familie, die sich von demselben genennet, imXIII. und XIV. Ikcuio flonrel, und daß Henrieus der wun-derliche, Hertzog von Äraunschweig, um Pas jähr 1-84. sichdes schlosses bemächtiget, und den nachbarn, sonderlich demBischoffe zu Hildesheim , viel Verdruß daraus gemacht. Daherendlich die Sächsischen «stände, besonders Bischoff Stgfriedzu Hildesheim , mit aller macht Henrieo sich widersetzt,' auchan. 1291. das schloß eingenommen und geschleifet, und den platzgedachtem Bischoffe zu Hildesheim übergeben , welcher daraufnicht weit davon das schloß Leuenbnrg oder Löwenburg erbauet.In dem tom. I. rer. German. Meibom. stehet p. 775.1'q. Hen-rici Roslas Nienborgensis Saxonis Herlingsberga , weiches einaus 477. Lateinischen hexametris bestehendes carmen ist, worin*neu die jetzt-gedachte unruhe Henriei MirabiLis , und die Zerstö-rung des schlosses erzehlet wird; wie denn auch diese gantzeNachricht aus Meibomii noten über dieses carmen genommen.Letzner aber in der Dasselischen ehronick üb. III. c. 1;. erzehletdie fache mit etwas veränderten umständen : Heinrich der wun-derliche hätte die Sächsischen Stände, deren anführer derErb-Bischoff zu Magdeburg und der Bischoff zu Halberstadt ge-wesen , von dem schlöffe hinweg geschlagen , die uvey Bischoffegefangen, und das schloß leer stehen lassen ; als sich aber daraufallerhand räuberisch gesinde hinein gesetzt, hätte er mit zuthunseiner beyden brüder und der benachbarten Äischöffe und städtedas schloß selbst auf den gründ geschleift.
Herluinus oder Erluinus, Bischoff und erster Graf vonCambray. Er wurde zu selbiger würbe durch Rogerum, Bi«fchoffvon Lüttich , erwehlet, und zwar durch Vermittelung derMathildts , so Kaysers Ottonis III. muhme war. An. 99 z.wurde er zu Rom eingeweyhet, und ließ den Bifchöfflichen pal-last, wie er anjetzoist, erbauen. An. 1001. verehrte KayserHenrieus II. die gantze Grafschafft Cambray zu diesem Biß-thum , und von der zeit an nahm Herluinus den titul einesGrasen an. Gazey, hist. eccles. du Pais-bas.
Aerma oder Erma, vor zelten Germa oder Therma, an-jetzo aber bisweilen Germasle genannt, eine stadt in Grie chenland in der landschafft Albanien , liegt am stusse Saerio, zweyTeutsche Meilen ostwärts von Scutari , und hat einen Ertz-Bischoff. Es ist auch eine stadt dieses nahmens in Spanien ,wie auch in Iudäa.
* -«^ermachus, gebürtig von Mitylene , war em fohn Age-marem, und Epicuri Nachfolger. Dmg. \.mms, X. 10. 1;.Evicurns vermachte ihm im testamente ausser seinem Haine undallen büchern, auch einen garten zu Athen , daß er nebst «einenanhängen, daselbst die Philosophie treiben sollte. Er hat ge,schrieben ’E^Trec/W »«; r»^V·
rixar«** ; ’Apjs-oTiXw. Sein Nachfolger istgewesen Polystratus. Dbg. Laertius , 1 . c. 17. seq.
HERMiE, von e« Mercurius , waren gewisse statuendes Mercurii , welche keine Hände und füsse hatten, die wurdenan d,e scheid-weqe gesetzt, und daran geschrieben , wo jederwea bin meng. Zu Athen war es auch etwas sehr gemeines,daß man sie zu einer zierde für die hau,er setzte. ( Siehe Alci-biades.) Giraldus , synt. deor. Everb. Otio , de dns vialibus.PitiJ'cus. *
HERMjEA , von eV« , Mercurius , war ein fest , wel-ches ihm zu ehren in den Palaestris von der tilgend gehaltenward. Weil aber viel Üppigkeit dabey vorgienge, so hatte manru Athen ein gesetz , daß die Gymnasiarcha: keinen erwachsenenmenschen hinein lassen borsten. Sonst ward es auch in Arca-dien, Achaia , Elide, Creta , Bootien, und andern ländernund orten gefeyert. Viel aus diese,» bildeten den Mercuriumsolcher gestalt ab, und fcyertcn ihre Hermxa also, daß manleicht merckcn kan, sie haben denselben ftir eins mit dem Priapogehalten. Meur/ms, Graec. fer. Fafildtts, de festis Grax. *
Hcrmagoras, von gcburt ein Teutscher, soll von demEvangelisten Marco zu seinem nachfolget in dem BißthumAquileja ernennet, nachgehends aber zu Rom von dem Apo-stel Petro zum Bischoff gcwevhct, auch zu solchem ende mit ei-nem Bischoffs-stabe beschenckt worden seyn, welchen man nochheutiges tages zu Aquileja zeiget. Es ist aber solches «ehr unae-wiß, und gründet sich schlechter dii.ge auf solche scribentcn,deren die ältesten erst im IX. und X. feculo gelebt haben» esscheinet auch etwas seit,am, was hier gemeldet wird , daß schonzur zeit Petri ein so vollkommen bekehrter Teutscher einen gantzGriechifthen nahmen, und der noch von einem Heydni,chen ab-gott hergeholet war, getragen habe. Baron, annal. an. 46.num. 2. Hißoriu di Triefle del P. Ireneo della Croce ,pag. }7*· *
2 j Hermann,