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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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welchem die übrige Geistlichkeit und die stadt Coln selbst hieng,gewaltige widerspreche,', »»nassen sie heftig auf Buceri undanderer Protestantischer Lehrer entfernling drungen , auch ge-gen abgedachtes formular ein sogenanntes ftncididagma her-aus gaben, darin» sie nebst vielen andern harten reden wi-der die Lutheraner, bekannten/ daß sie lieber unter Türckifcher,als einer solchen Obrigkeit stehen wollten, die dergleichen er-formacion einführe. Und dieses buch, zu dem sich die Capitu-laren jedoch nicht bekennen wollten, als man sich Chur-Sächsi-schcrundHeßischer feite darüber beschwerte , sondern dessen Ver-fertigung aus die Universität und die Geistlichkeit vom andernränge schoben, hatte Gropperus aufgesetzt, der jetzo gantz vondem Churfürsten abgewandt war, wie denn diesen Herrn auchsein Cantzler Bernhard von Hagen verlassen hatte. AIs aberderselbe sich durch des Capituls anhalte» , weder die gesetztePrediger zu erlassen , noch mit fernerer reformation inne zuhalten, bewegen ließ, appellirten sie endlich im vctobr. an.1544. ordentlicher weise an den Kayser und Papst in die Händeihres Dom-Probsis Hertzog Georgens von Braunschweig . Es

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würckte auch dieses so viel, daß / ungeachtet der Churfürst inschriften antwortete und sich entschuldigte, auch an. 154;- aufdem Reichs - tage zu Worms die möglichsten Vorstellungenthun ließ / der Kayser das Capital in feinen schütz nahm, alleanderungen in kirchen-sachen verbot, und den Churfürsten, mitdem er kurtz vorher zu Speyer mündlich und gar hart gespro-chen hatte, nach Brüssel citirte, welches im Reiche ein grossesaufsehen machte. Gleiche citalion ergieng auch von dem Pap-ste, der ihn endlich den 16. april an. ,646. gar in den bann that,und der Ertz-Bischöfflichen würde verlustig erklärte, wogegendieser im novembr. selbigen jahrs an ein rechtmäßiges Conci-llum appellirte. Indessen nahm der Schmalkaldische krieg be-kannter Massen für die Protestanten ein gar unglückliches ende,und da nun der Kayser, nachdem sie in dem ersten feldzugenichts ausgerichtet, freye Hände vor ihnen bekam , griff er dieCölnische fache, die ihm ohnedem von dem Papste aufgetragenwar, mit gewalt an, schickte demnach Gesandte nach Cöln,und ließ allerseits Stände vermahnen , Hermannen nichtmehr, an seine stelle aber Graf Adolphen von Schaumburg,der bis dahin Loadjutor gewesen war, für ihren Herrn zu er-kennen , welches zwar die Geistlichkeit gar bald eingienge, hin-gegen aber der Adel und die städte nicht annehmen wollen; so daßman sich auch einer öffentlichen fchde zu besorgen hatte, wennnicht an einem theile der Hertzog von Eleve die Geistlichen abge-halten , gleich zuzufahren, am andern aber einige von demhohen Adel und nahmentlich die Grafen von Neuenar undManderfcheid den Churfürsten beredet hätten, gutwillig zu wei-chen , und sich in seine angeerbte Grafschafft zu begebe», wo erhernach den i z. aug. an. i$?2. im achtzigsten jähre seines altersverstorben. Er war ein sanftmüthiger, wohlmeynender, aberetwas furchtsamer Herr, welcher immer jemand an der Handhaben muste, der ihm zuredete, wenn was von Wichtigkeit vor-

f enommen werden sollte. Kayser Carl V. hat ihm gegen demandgrafen, als ihn selbiger entschuldigte, vorgeworffen, wasder gute mann reformiren wolle, der kaum Lateinisch könne,und in seinem gantzen leben nur drey messen gelesen, davon er,der Kayser, selbst zwey gehört, und habe er kaum mit dem an-sang zurecht kommen können. Worauf aber der Landgrafgeantwortet, daß er sich in lesung Teutscher jchriften desto fleißi-ger geübt, und gar wohl wisse, warum es zu thun sey. Re-foxmat. Herrn. Colon. Mich. ab Iflelt, de bell. Colon. Sleida-nus, üb. X. XV. XVI. XVII. XVIII. XXIV. Seckendors. bist.Lutheran. lib. III. §. 107. Cbytraus , in chronico. Thuanus.

Hermannus I. Pfaltzgraf am Rhein , mit dem zunahmender kleine, weil er Hertzvgs Adolphi Mali in Bayern jüngstersöhn war. An. y;y. machte ihn der Kayser Otto I. anstattdes in die acht erklärten Eberhards von Francken, zum Pfaltz-grafen am Rhein , und brachte ihn hierdurch dahin, daß eralle seine kräffte anwendete, um des Kaysers feinde, Pfaltz-graf Eberharden, und Hertzog Giselberten in Lothringen , übereinen Haussen zu werffen. Als nun , solches unter seiner an-führung an. yzy. bey Andernach glücklich von stakten gieng,suchte der Kayser daS Hertzogthum Lothringen seinem bruderHeinrich zuzuwenden ; weil aber die Lothringer dazu keinetust bezeugten, so wurde die aufsicht über Giselderts unmün-digen söhn, Henricum, Ottoni seinem Vetter, und nach dessenan. 944. erfolgten, tobe Conrado dem weisen, Grafen inFrancken , anvertrauet. Allein an. 948. starb dieser junge Printz,und da theilten sich, mit Kayserlicher genehmhaltung , Her-mann und Conrad, in das Hertzogthum Lothringen , wodurchdie Pfaltzgrafen zlierst eine recht förmliche provintz am Rhei-ne erblich erlangten. Diesemnach kan dieser Hermann billichder erste Pfaltzgraf am Rheine hcissen, obgleich diesen dey-nahmen seine söhne , Ezo und Heinrich , zuerst geführethaben.

-H ellnannus Billinaus , Hertzog von Sachsen. Es ste-hen enüge in den gedancken, als sey er, wo nicht gar einesbauren, jedoch eines armen Edelmanns von Stückeshorn, soim Lüneburgcr-lande gelegen, söhn gewesen. Andere hinge-gen machen einen grossen Reichs - Grafen im Lünebnrgischenaus ihm. Sicherer ist es zu sagen, daß er aus einem altenHerren - geschlechte in Sachsen gewesen , und zwar will ervon Meibomio annoch aus Wittekindi stamm hergeführet

werden. Der Kayser Otto M. machte ihn wegen seiner tapfer»keit anfänglich zum Statthalter , nachmals an. 960. zumHertzog in Sachsen . Er hatte seinen sitz zu Lüneburg , wo-selbst er auch das schloß erbauete. Nach Macgqraf Geronsabsterben bekam er an. 969. das Burggrafthum Magdeburg .Er starb den i. april an. 97;. auf dem Reichs-tage zu Qued­ linburg . Seine gemahlin war Hildegardis von Westerburg,von welcher Benno, Hertzog in Sachsen . Wittekindus , ann.lib. II. Adamus Brem. lib. II. c 4. Helmoldus, chron. Slav.üb. I. C. 10. Lebmann. chronic. Spir. lib. V. cap. $. Kran.tzius, Saxon. lib. IV. Meibomii vindic. Billing.

ÄermannuL I. Landgraf in Thüringen , war ein söhn Lu-dovici IV. des eisern, und kam zu der regierung, nachdemsein bruder Ludovicus V. auf der reise nach dem gelobten lan-de an. 1192. verstorben. In dem damaligen kriege, welchenPhilippus aus Schwaben und Otto IV. von Luneburg derKayserlichcn Crone wegen führten, hielt er es bald mit diesem,bald mit jenem , untssverurfachre dadurch, daß sein land sehrmitgenommen ward. Nach geendigtein kriege baucte er an.1214. der heiligen Catharinä zu ehren , das Cistercienser-Non-nen-kloster zu Eisenach , und zwar an dem orte, wo der gal-gen stunde. Daß er aber eben diesen platz darzu ausersehcn,soll daher gekommen seyn , weil ihm alle gehenckke als jungfernerschienen, und die heilige Catharina, so sich mit darunter be-funden , zu ihm gesprochen: Höre Hermann, wenn du »n§an diesem orte wirst ein kloster bauen, so wollen wir dich inunsere gesellschafft aufnehmen. Er war ein grosser liebhaberder Teutschen Ticht-kunst, und unterhielt deswegen an seinem.-Hofe nicht wenig meister-sänger, welche zum öfter» in seinergegenwart mit einander ceriiren musten, welchen zeit-vertreibman das spiel zu Wartburg zu nennen pflegte. Er hat zweyqemahlinnen gehabt, (i.) Svphiam , Pfaltzgraf Friedrichsdes letzter,, tochter, wodurch er an. 1,82. mit der Pfaltzgraf-schafft Sachsen belehnet worden. ( 2. ) Sophiam, eine Prin-tzeßin aus Bayern . Mit der ersten zeugte er (a) Juthamoder Iuditham, vermählt an Dietrich, Marggrafen zu Meis-sen ; s b) Svphiam, vermählt an einen Grafen von Asca-nien ; (c) Ludovicum VI. de» heiligen; mit der andernaber (a) Henricum, deygenannt Raspo, (b) Conradum,Großmeister in Preussen. Paulmi annal. Iscnac. p. y. Lai»ritzens hist. Palm.

-Hermannus von Lothringen , Gilberti Grafen von Lu­ xemburg söhn. Er wurde nach Hertzvgs Rudolphi von Schwa-be» tobe an. 1081. wider Kayser Henricum IV. erwehlet,wohnte auch in solcher qualität dem Reichs-tage zu Quedlin.bürg bey. Als aber Henricus wieder zurück aus Italien kam,trieb er ihn gar bald ein. Er gieng hierauf in Lothringen , all-wo er an. 1088. umkam , und zu Metz begraben wurde. Wieer eigentlich umgekommen, ist noch unbekannt, indem ewi-ge meynen, er sty von einem soldaten erschlagen worden.Andere wollen , es sey ihm ein thor auf den hals gefallen, an-dere , er sey in belagerung einer stadt umgekommen. Auckr

de vita Henrtci IV. Bruno , de B. Saxon. Ma<ianus Scotus ,ad an. 1082. Bertholdus , in app. ad Herrn. Contractum. OttoFrißng. lib. VI. c. z 5. Conradus Ursperg. Avmtmus. KrantiiiSaxon. lib. V. c. 10.

Hermannus Contractus , war Wolfradi , Grafen vonVeringen söhn , und bekam den zunahmen, weil er von jugendaufcoi,krack gewesen. Er ward anfänglich in dem kloster St. Gallen erzogen, wurde hernach ein Mönch von Rcichenau, undverstund nicht allein die Griechische und Lateiilische, sondernauch die Arabische spräche. Er starb an. 1054. nnd hinterließein Chronicon de sex Mund! iEtatibus, welches Plstorius, Ursti-sius nnd Canisius edirct haben. Es werden ihm auch noch an-dere bncher zugeschrieben. Vita Hermanns chronico praefixa.Marianus Scotus , in chron. Honorius Augtißodun. lib. IV.C.12. Tritbemius. VoJJius, deHist. Lat. Cave, hist. litter. p.421.

* Aermannuo , ein Abt in dem kloster St. Martini zuDvrmck, lebte im XII. feculo, legte aber, als ihn der schlaggerühret, seine Abtcy nieder, und that eine wallfahrt nach Je-rusiftem. Er hinterließ : Opuseulum de Incarnatione Domini,welches Oudin drucken lassen ; Hiltoriam Abbatiai S. MartiniTornacensis, so in Dachcrii spicilegio stehet, und drey bücherde Miraculis B. Maria: Lugdunensis , welche mit GuibertiOperibus gedruckt worden. Andren bibl. Belg.

-Zermannus von Lerbccke, war ein Prediger-Mönch indem kloster St. Paul, zu Minden. Er war in dem XV. socnloberühmt, und schrieb eine Historie und chronick von dcn Grascuvon Schaumburg, welche Mcidomius drucken lassen. Cave,

hist. litter. app. p. 69.

Hermannus , (Johannes) kam an. rzgz. auf die weit zuRäuden in Schlesien, allwo ihn sein vatter, der ein kürstdncrwar, so lange zur schule gehalten, bis er nach Brcßlau, undvon dar in das Gymnasium nach Brieg gekommen. An. ,608.wurde er zu einem Poeten gecrönet, und begab sich daraus mitetlichen jungen Herren , als ihr Ephoru8, nach Lcwzig und Je­ na , und von dort wcitcrs nach Straßburg ; an. is,i. wurde erDiaconus zu Köben und hernach Baitor, er wurde aber von denkranckheiten so übel tractirt, daß tt die dreyzchen lebte jähre sei-nes ledens dem Prcdig-dienste nicht mehr abwarlcn konnte, undendlich den -7. ftbr. an. 1047. gantz krafftlos sich dem tobe erge,.

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