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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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her 117

* Aertmstein, (Ioh. Heinrich) J. D. v. und Professor derMathematic, war zu Straßbnrg den z. dcc. au. 1676. geboh-ren. Er wurde an. 1682. in das Gymnasium aufgenommen ,und icr. jähr darnach zu den öffentlichen Vorlesungen der Profes-soren zugelassen. Nach der Philosophie und Historie legte ersich auf die Rechtsgelehrtheit , und difputirte an. 169z. äsOrigine Juris Civilis. Zu ende des 1700. jahrs unterwarf ersich dem Dddor-examen , lind difputirte de Refutatione Feu-dorum. Er rcifcte noch in eben diesem jähre nach Paris , all«wo er sich 7. monate aufhielte, und bey Mr. dc )a Hire sichin der Mathematic übte. Von hier gieng er durch die Nie­ derlande nach Londe». Als er in Teutschland zurück gekom-men , begab er sich nach Wetzlar . Hierauf gieng er nach Ber­ lin , woselbst er an. 170z. zum Professor Juri^ bey der Königl.Academie ernannt wurde. An. 1711. kehrte er wieder nachStraßburg zurück, und erhielt an. 1719. die Profession derMathematic. An. 1721. ward er ein mitglied der Königlich-Preußischen Societät der wissenschafften. In dem folgendenjähre nahm er den vodor-grad beyder Rechten an, ward auchCanonicus bey dem Stifte zu St. Thomas. Er starb den 16.mery an. 1741. nachdem er eine abhandlung von der gantzenMathematic in Französischer spräche unter dem titul: Galliersde Mathematique in 4. heraus gegeben. Gelehrte Zeitun-gen, 1742.0.14.

Hertha, nxw eine göttin bey den alten Teutschen auf derinsul Heüigland. Tacttus meldet, daß sich daselbst mitten ineinem walde ein sogenannter heiliger und mit tüchern bedeckterwagen nebst einem Priester befunden. Wie nun selbiger die zeitgewußt habe, wenn die göttin anzukommen gewohnt gewesen,also sey alsdenn der wagen von wilden ochsen gezogen worden,welchem der Priester mit tiefster ehrerbietigkeit nachgefolget, biser endlich gesehen , daß die göttin genug unter den menschengewandelt, und er sie wieder in den tempel bringen könne,worauf denn der wagen, die tücher und die göttin selbst in demsee abgewaschcn, die bey dieser ceremonie gewesenen diener aberdurch die see verschlungen worden. Es ist auf dieser insul nochbis dato ein dicker wald zu sehen, wobey eine see voller fische ist,worinnen man aber nicht fische» darf. Man erzehlet, daß, alsvor etlichen jähren die fischer einen kahn dahin gebracht, umdarinnen zu fischen, sie denselbigen am nächstfolgenden morgennicht finden können. Dem sey nun wie ihm wolle, so wirdimmittelst von vielen lcribenten bekräfftiget, daß man nicht nurauf der insul Rügen, sondern auch fast ingantz Teutschlandvor Seiten der göttin Herthä opfcr zu bringen pflegte. Gewißist es, daß die Teutschen unter diesem nahmen die erde verehret,und daß bey ihnen Hertha eben das gewesen sey, was bey denEgyptiern die Isis,bey den Griechen die Rhea und Diana Fphe-fia, bey den Phrygiern die Cybcle, bey den Römern die Vestakrikca und Mater Deüm. Einige stehen in den qedancken, daßStonehenge in der ebene den Salisbury ein dieser göttin ge-wiedmeter tempel gewesen; ferner daß man sie deswegen wieein weib, welches ein schloß oder eine stadt auf dem köpfe traget,abgebildet, weil die erde dergleichen trage; daß sie aber in einemwagen von wilden ochsen oder löwen gezogen worden, bedeutedieses , daß die erde eine mutier von dergleichen thieren sey.Weil man auch ihre feste insgemein bey der nacht zu haltenpflegte, so sty daher die Engelländische gewohnheit entstanden ,die zeit nach der nacht zu rechnen, als in den Wörtern Sevea-night, 7. »ächte oder 8- tage, Fortnight , 14. »ächte oder 14. ta-ge , rc. iacitus , de mor. Germ. c. 40. Augußin. de civ. Deip. rz. Adamus , de fitu Dan. & Reg. septentr. p. 152. VnJUus ,lib. II. Idol. c. s'2. Cluverius , üb. I. Germ. ant. c. 27. Pontcumus , de Chronograph. Dan. p. 717. Ärnkiel, Eimdr. Heyden«religion, P. I. c. 12. & 2?. *

Hertingshauftn, Hactingshausen, eine alte und an-sehnliche adeliche familie im Rheinlande, und insonderheit inHessen , allwo sie das Erb - Küchenmeister-amt besitzet. Ihrsiamm-schlvß Hcrtingshausen ist an. 102;. an das Stift Pader-born verkauft worden. Friedrich von Hertingshausen wird be-schuldigt , daß er an. 1400. den neu-erwehlten Kayser Friedrichvon Braunschweig ermorden hclffen. Er ist vermuthlich der,jenigc, von welchem Spangenberg meldet, daß er in einer ren-contre an. 14;°. in ein bein dermassen gehauen worden, daß eres ablösen lassen müssen. An. 1570, starb Burckhard, Fürstl .Hessischer Amtmann zu Lichtenberg . Dessen enckel Johannes,Fürstl . Heßischer Stallmeister zu Cassel , hinterließ z. söhne, diewaren : 1.) Joh.Philipp,Fürstl . Holsiein-Gottorpischer Frauen-znnmer-Hosmeister, dessen nachkommen abgegangen; 2.) GeorgBernhard, Fürstl . Heßischer Ober-Gommissarius und Jägermei-ster , der keine männliche erben gezeuget; 5.) Friedrich Baltha-sar, Fürstl . Heßischer geheimer Rath und Hof - Marschall zuCassel , dessen söhn Moritz Fürstl. Heßischer geheimer Rath,Ober - Marschall und Ober - Amtmann zu Darmstadt , seinenstamm mit Gedrg Adam fortgepflantzet. Humbr. vom Rhein .Adel, tab. 260.

Hertius, (Ioh. Nicolaus) ein berühmter Rcchtsgelehrter,wurde zu Oderklee vhnweit Giessen gebohren, allwo sein vaktecIoh. David Hertius Prediger gewesen. Er promovirte nachgeendiglen studien zu Giessen, und war anfangs Advocatus re-giminis Ordinarius, nnebbem Professor Politices & Juris extra-Ordinarius , bald aber Ordinarius. An. 1702. ward er P.tofeG·sor Juris primarius, an. 1707. aber bey dem Jubilxo Acädemise

nebst den andern Professoribus Juris Hessen; Darmstadtische«Rath, und bald darauf Academise Ganceüarius , in welcherwürde er an. 1710. den 18. ftpr. im $9- jähre seines alters ver-storben. Man hat ihn an verschiedene orte, als nach Straß­ burg , nach Schweden und Leipzig verlanget, und hat er sogar wenig stunde vor seinem tobe von dem König in Preusseneine vocation zur würcklichen geheimen Raths-und Cantzler-stel-le erhalten. Seine schriften sind: Tabulse Foliticae; ElementePrudentise Civilis ; lchnographia Inilitutionum jultinianea-»rum z Series Digeftorum in Tabelüs; Gonimentationes atquöOpuicula de selectis in Jurisprudentia nec non Historia Ger -man. Rebus; Notitia veteris Germania ;; Notitia veteris Frau-corum Regni &c.

Hertoghe, (Johann de ) Herr zu Valckenburg, stammteaus einem bekannten Niederländischen gefchlechte her, und hatteWilhelm de Hertoghe zum vattcr. Er ward an Gras Moritzenvon Nassau Hof erzogen, und bekam von demselben, nachdemihm vorher nntcrjchiedene kriegs-bedienungen abgeschlagen wor-den, an. 1629. eine compagnie zu fuß, ward auch sonst in vie-len Verrichtungen gebraucht, und muste in ermeldtem jähre mitdem Printzcn Friedrich Heinrich und Printz Emanuel vonPortugall eine reise nach Orange antreten, wo man den wegenseiner nnt Spanicn geführten cvrrespvndentz verdächtigen Gou-verneur Crönser seines amts entsetzte, und dasselbe dem gemeld-ten Printz Emanuel von Portugall auftrug,. der aber nur dentitul von dieser wichtigen destallung führte, deren Verwaltungaber wegen des Printzens jugend und unersahrenheit, undvielleicht auch weil er der Cathvlischen religion zugethan war,dem de Hertoghe überlassen muste, welcher währender solcherzeit die bevestigungs-wercke in Orange besorgte, und sonst aller-hand gute anstalten hin und wieder im lande machte. Weilman ihm das Gouvernement in Niemägen und die Intendantzvom Kriegs-Rath in den vereinigten Niederlanden abgeschlagen,ließ er sich aus Mißvergnügen und ehrgeitz durch einige Franzö­ sische Minister bereden, daß er ihrem Könige bey gegenwärti-tigem zustande der fachen , da man an Unterdrückung der Refor-mirten arbeitete, ohne Nachtheil der seinem Herrn schuldigenPflicht, gute dienste leisten könnte, wobey man ihm seinen Vor-theil ohnfehlbar zu machen versprach. Er brachte es also da-durch , daß er des Printzen von Portugall unmäßige Verschwen-dung durch vorgeschossenes geld unterhielt, dahin, daß derselbedeswegen vor der zeit zurück geruffen, und ihm also nunmehrdas übrige Gouvernement anvertrauet wurde. Hierauf reiseteer, um sein ansehen durch eine nochmalige prorogation seinesamts auf z. iahr noch mehr zu bevestigen , nach Holland ,wohin ihm aber Jacob de la Bise, einer von den ältesten StaatS-bcdienten, folgte, und alle dessen geheime absichten dem Printzcnentdeckte. Gleichwol bestätigte ihn der Printz aufs neue auf;. jähr, theils weil er damals seinen tod nicht so nahe zu seynvermeynte, und also glaubte, ihn allemal nach belieben wiederzurück beruffen zu können, theils weil er sich auch nicht rechtüberreden konnte, daß de Hertoghe, der an seinem Hofe erzogenworden , so gefährliche anschlüge wider sein Haus fassen könnte.Nach des Printzen Moritz tode ward ihm an. 162;. von demPrintz Friedrich Heinrich die Verwaltung seines amts «dermalauf;, jähr gelassen, und an. 1626. vhngeachtet der von demParlement zu Orange, welches er durch eine absonderliche par-tey, deren Haupt er war, gewaltig drückte, wider ihn eingege-benen klagen aufs neue bestätigt. Ob er nun schon die vondem Hofe dißfalls an chn gesandte Deputirte nicht in das schloßeinlassen wollte, sich auch sonst durch seinen übermäßigen pracht,und durch Unterhaltung der streitigkeiten in Orange sehr ver-haßt machte, ja ob man gleich gar dem Printzen Nachricht gab,daß er bey der Cron Franckreich, Svanien und Engelland, ja si>gar bey dem Päpstlichen Legaten und andern auswärtigenHerren, schütz gesucht, auch schon würcklich mit Franckreichwegen Überlassung des castells von Orange vor iqoooo. jRtljl.und unter Versprechung des Gouvernements vor sich und seinensöhn, und überhaupt vor seine gantze familie tractirt, war derPrintz doch so gnädig gegen ihn, daß er ihn seiner treue in <r.an ihn geschriebenen driefen erinnerte, und an deren beständig-keit, vhngeachtet der dawider gegebenen Nachrichten, nicht zuzweifeln versprach. Allein alles dieses, und daß ihm der Printz,um ihn aus Orange weg zu kriegen, das Nord-HoüändischeGouvernement angetragen, konnte ihn doch nicht auf anderegedancken bringen, sondern er ließ vielmehr öffentlich einige Ur-sachen seines Mißvergnügens heraus geben, und weigerte sichden von dem Printzcn anthu, als seinen Lieutenant, gesendetendimer anzunehmen, redete von dem Printzen sehr verächtlich,und als einige in Orange wegen der eroberung von Hertzogen-busch freuden-feuer anstellen liesse» , nöthigte er sie deswegenaus der stadt zu entweichen. Dadurch nun ward der Printzbewogen, den von Knuyt nach Orange zu senden, der auchdurch Vermittelung einiger in der stadt daselbst in geheim ankam,und unter dem vorwand des Italiänischen kriegs werben ließ,sich aber hernach dem Gouverneur zu erkennen gab , und ihmnochmal 200000. pfund und das Gouvernement von Orangeauf seine ledens-zeit versprach, welches aber de Hertoghe nichtänderst als erblich bey seiner familie annehmen, und wenn sel-bige es verlassen müsse, die bevestigungs - wercke rasirt habenwollte, darüber der von Knuyt abreisete, nach 10. tagen aberunter dem vorwand neue bestellungen mitgebracht zu haben,

wieder