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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Juüurtha, ein König in Numidien , der Romer feind,war des Masinissa enckel von dein Manastabal, welchen er miteiner concubine erzeuget hatte. Er wurde an seines vetternMicipsa Hofe erzogen , der ihn zwar anfangs sehr lieb hatte,aber auch bald, wegen der bey ihm verspürenden fahigkcit zufvrchten, und sonderlich für seine söhne gefährlich zu achten«nfieng. Aus dieser Ursache schickte er ihn mit den hülfs-troup-pen , welche er den Römern zum Numantinischen kriege gab, inHoffnung, sein muth wurde ihn allda bald aufreiben. Alsaber diese Hoffnung fehl schlug, und Iugurtha zwar vor Nu-mantia grosse ehre einlegte, und von Scipione, so allda cvm-mandrrte, gar ungemeine Zeugnisse seiner tapferkeit davon trug,aber dennoch frisch und unbeschädigt nach Hause kam; än-derte Micipsa sein vorhaben, und weil ers einmal nicht überdas hertze bringen konnte, solchem wegen einer ungewissen ge-fahr heimlich oder öffentlich das leben nehmen zu lassen ; wollteer nun suchen, denselben durch gutrhaten dergestalt zu gewinnen,daß sein Hans vielmehr eine stütze an ihm haben möchte.Er nahmihn deswegen an kindes-statt an,setzte denselben auch im testamentneben seinen zweyen söhnen Adherbal und Hiempsal zum erbenein, und befahl ihm diese bestekmassen vor seinem ende.Allein, wie viel auch Iugurtha versprach, so war er dochfinnes, das wenigste zu halten. Zwar ward ihm anfangs eini-ger anlas zur feindschafft vom Hiempsal gegeben, der stch aufalle weise mißvergnügt wegen der vätterlrchen Verordnung infavor des Jugurthä erzeigte, und diesem solches bey allen ge-legenheiten nicht ohne vorwurf dessen unehrlicher gedurt zuverstehen gab. Jener nun eben sowol von ehrgeitz als raach-gier brennend, säumte sich nicht , und wußte seine fache sowohl anzustellen, daß Hiempsal, ehe er stch einiges aufsatzesbesorgte, überfallen und ermordet rvard. Wie nun Adherbalhieraus bald schlösse, was auch er zu gewarten hätte, kam eszum kriege zwischen ihm und Iugurtha , worinn dieser letztere,als der sich schon vor langem heimlich dazu gerüstet , undsonderlich die besten kriegs-leuthe des landes an sich gehängethatte, gleich im ersten treffen einen völligen sieg erhielte. Ad,herbal flöhe nach Rom , und bat um hulffe. Allein als Ju-gurthä Gesandten brav geld unter die Römischen Rathsherrenausfliegen liessen, ward jenem der tod Hiempsalis bald ver-ziehen , und im übrigen io. Deputirte in Numidien geschickt,das Reich zwischen ihm und dem Adherbal zu theilen. Dieseliessen sich ebenfalls arösten theils bestechen , und erkanntenhierauf dem Iugurtha dasjenige stück von Numidien zu, wel-ches an Mauritanicn grentzet, und wegen kriegerischer art dereinwohner, ihn, wo er von neuem krieg wider Adherbalemanzufangen, und denselben gantz aus dem wege zu räumen imsinne hatte, am meisten bewafnen und verstärcken konnte. In derthat säumte sich derselbe nicht, und liesse seine kriegs-leuthe inAdherbalis land beute machen , der Hoffnung , selbiger würdesogleich mit heeres-krafft ausziehen, und also dem kriege selbsteinen ansang geben. Da aber dieser sich stille hielt, und sichentschloß, weil er doch an kräfften zu schwach, seine kläqdenschlechter dingen an den Römischen Rath gelangen zu lassen,welcher beyden ernstlich befohlen hatte, friede zu halten; woll-te Iugurtha in verlassung auf seine in Rom erworbene freundeendlich es wagen , für den Urheber der Händel angesehen znwerden, wo er nur ftinen nachbarn übern Haussen iverffen,und sich allein meisier von beyden Reichen machen möchte. Erfiel also mit einer starcken armee dem Adherbali ins land , daßdieser sich auch wider seinen ivillen, wo er nicht in wenig ta-gen all /ein land und lerithe verlieren wollte, mnste zur wehrstellen. Allein er ward bald geschlagen, und von seinem feindein der stadt Cirtha belagert. Da thaten zwar anfangs die sichdaselbst meistens wegen der Handlung aufhaltende Römi­ sche bürger tapfern widerstand; es kamen auch zum zweytenmal Römische Gesandte an , den Jugurtham von allen feind-seligkeiten abzumahnen. Doch wiese er diese bald zurück,und die Römische bürger, welche bis dahin Cirtha vornem-iich beschützet hatten, als sie alle Hoffnung des entsatzes ver-rohren sahen , vermochten Adherbalem, daß er sich nur mitandingunq eines sichern abzugs ergab. Iugurtha versprachzwar alles; hielt aber nichts. Adherbal ward unter harterPeinigung getödtet. Und was sonst in der stadt war, auch dieRömer nicht ausgenommen, von dem Numidischen kriegs-volck niedergemacht. Diese that nun war zu grob , undtvurde sonderlich das Römische volck so sehr darüber entrüstet,daß der Rath fast gezwungen, den krieg beschliessen muste.Der Bürgermeister L. Calpurnius Bestia qieng schleunig miteiner armee in Africa über, und setzte anfangs dem Iugurtha scharf genug zu. Bald aber ließ er sich neben ÄemilioScauro, der als sein General-Lieutenant mitgezogen, abersonsien zu Rom bis dahin in dem Rath grosse gemalt gehabt,mit gelbe bestechen, und machten einen betrieglichen vergleich,da sich Iugurtha zum schein ergab, einige elephanten, pferde, rc.an Calpurnium auslieferte; aber im übrigen in seinem sowolals in des Adherbals lande alle herrscbafft, so, wie zuvor, be-hielte. Es mangelte auch im Römischen Rath nicht an solchenleuthen, welche entweder von Iugurtha durch bestechung ge-wonnen , oder sonsten an des Scauri und Calpurnii parteyhangend, das geschehene bestätigen wollten. Allein das Rö-mische volck und insonderheit dessen vorständer, die Tribuni Plebis , stiessens endlich um ; wie man dann selbigen Tribunsdas lob geben muß, daß ihnen zu dieser zeit, da die Raths-

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Herren sich durch geschencke und factivnen gar zu sehr blende»liessen, die ehre und den nutzen des vattcrlandes immer ammeisten angelegen geweftn, und durch solchen ihren eifer, odernur , weil der Rath sie fvrchten muste, viele dem Stande sehrfchimpfliche und schädliche beginnen sind gehindert und unter-drücket worden. Wie man nun die fache mit ernst treibenwollte , wurde Iugurtha unter versprochenem sichern geleitenach Rom qeruffcn, da er vielleicht noch leidentliche bebing-nisse vom Römischen volck hätte erhalten mögen, wo er seinemit gewissen Römischen Rathsherren gemachte practickcn anden tag geben wollen. Allein dieser, an statt solches zu thun,suchte vielmehr seine partey durch austheilung grosser geld-sum-men noch mehr zn verstärcken. Und als ihm inzwischen nochein anderer Numidier, nahmens Maßiva, in den weg kam,welcher als ein würcklicher enckel des Masinissä von dessen söhndem Gulussa, bey dem Römischen Rath um das Reich Numi-dien anhielte; war Iugurtha noch so kühn, daß er ihn durchden Bomilcar, einen seiner vornehmsten diener, in Rom um-bringen liesse. Allein hierdurch verderbte er seine fache beymvolcke vollends , daß er sich bald gemüßiget fand, unverrichte-tersache davon zu ziehen; wiewol er sich noch immer Hoffnungmachte, durch sein geld endlich bey den Römern durchzudrin.gen; soll auch bey seinem weggehen aus Rom , da er sich oftwieder gegen der stadt umsähe, gesprochen haben: die stadtsey feil, und werde ihre herrfchafft und freyheit bald verlieren,wo nur einer käme, der reich genug wäre, um sie zu kausscn.Es gcricth ihm auch in fernerer fortsetzung des krieges einigezeit ziemlich wohl; Massen der an statt Calpurnii wider ihngesandte Römische Feldherr Sv. Posthumius Aldinus sich,wie gemeiniglich dafür gehalten ward, auf gleiche weise, wiesein Vorfahr, bestechen ließ, und den krieg sehr schläferig führ-te , bis er wegen regnnents-geschäfften zurück nach Rom muste;da dann sein brudcr Aulus Posth. Albinus, dem er indessendas commanbo übertragen, die fache noch ärger machte, sichvon dem Könige, so aus list vor ihm wiche, in unwegsameörter ziehen liesse, an welchen selbiger bey ersehenem Vortheil,und nachdem er vorher viele Römische soldaten und befehlsha,der durch geld heimlich gewonnen, die Römische trouppenunversehens überfiel, und nachdem er sie mit vertust aus ihremlager gejagt, den rest gezwungen, sich unters joch bringen,oder darunter durchführen zu lassen ( siehe gleich vorherJUGUM) und sodann mit schliessung eines friedens aus Numi-dien ihren abzug zu nehmen. Hierdurch wuchs die verbitte-terunq des Römischen voicks nur mehr an; wie dann der ge-schlossene schimpstiche bund alsobald verworffen, und der kriegwider Jugurtham Quinta Cäcilio Metello anbefohlen ward.Durch diesen mann nahm nun des Jugurthä Untergang seinenersten ansang. Dann neben dem, daß er wider sein vatter-land und Pflicht auf keine weife zu gewinnen oder zu bestechenwar, so verstund er auch den krieg fürtreflich wohl, und man-gelte es ihm noch über diß nicht an list und verstände, demfeinde durch dessen eigene künste, adführung feiner diener undbefchlshaber, stiftung allerhand verräthereyen, rc. zuzusetzen.Nachdem er-also zuvorderst die vorhcro sehr zerfallene kriegs-zucht unter der Römischen armee in Africa hergestellet, gienger mit der armee in Numidien , besetzte die stadt'Vacca; schlugJugurtham am flusse Muthul, wo dieser gehoffet hatte, dieRömer an einem unbequemen orte durch Hinterhalt zu schla-gen ; verwüstete nachdem das land, und zwang einen grossentheil von deS Jugurthä Unterthanen, sich an ' die Römer zuergeben. Zwar mochte er die stadt Zama, eine der besten, soIugurtha hatte, nicht erobern, da ych dieser hart neben ihnan sichern ort postiret, und so oft die Römer stürmten, ihrlager von der andern feite angriff. Auch hatte noch Ju-gurthachas glück, eine durch Metellum wider ihn angespon-nene höchst-gefährliche verrätherey, als worinncn vornemlichauch Bomilcar , sein vornehmster Kriegs - Oberster, verwi-ckelt war, zu entdecken, und den letzten zu tödten. Allein erhatte sich schon zuvor zu seinem grossen Nachtheil eben von demBomilcar bereden lasse», unterm schein den Metellum zu einemfrieden zu bewegen, selbigem alle feine elephanten, auch einegute anzahl pferde und Waffen, beneben den Römischen übcr-läuffern auszuliefern ; da indessen , weil Mcttllns über diesesihn zu sich rüste, um noch mehrere befehle zu empfangen,und er hingegen nach allem vorgegangenen nicht wagen wolltezu erscheinen , der krieg nichts destowenigcr fortgieng; zu wel-chem aber Iugurtha von dieftr zeit an bey weitem nicht mehr,wie vorher, gerüstet war. Es qieng ihm auch von dem analles zurück. - Die stadt Vacca, so init erschlagnng der Römi-schen bey sich gehabten besatzunq wiederum Jugurthä parteynehmen wollen, wurde nach vrrflieffung wenig tagen von Me-tello wieder erobert, und die bürger wegen ihrer treulosigkeitniedergemetzelt ; Thal« , auf welche» ort er sich insonderheitverliesse, gieng auch über , und kam allda ein theil seinerschätze in des feindeS gemalt. Inqurtha music endlich feineznflucht zu den Getuliern, und sonderlich ;» Boccho, dem Kö-nige von Mauritanicn, nehmen, welche er auch anfangs glück-lich auf seine feite brachte. Jedoch auch dieses mochte ihm zu-letzt wenig helffen. Marius , welcher indessen Metello z»mNachfolger in der proviutz war bestimmet worden, setzte ihm nichtminder zu, verwüstete das land, so es »och mit ihm hielte»schlug Jugurtham selbst bey der stadt Cirtha, eroverte balddarauf den wichtigen platz Capsa durch pivtztlchcn übcr,au,