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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Carola l. zu Nrbridge begriffen war, und es einigen schein ei-nes guten Vergleichs hatte, trat Lovc, welcher mit den Parle-Menks-Gvmmissarils von Londen dahin kam, auf, und redete sohart und ungebunden, daß sich die lractaten wieder zerschlu.gen; und ob man wol den Prediger wegen seinen invectivenzur strafe aufsuchte, konnte man doch nichts von den Oommis-sariis erlangen, als daß sie verhieffen, denselben mit einem der-ben verweis aus dem platze zu weifen. Nachdem Croinweldie regierunq an sich gerissen, und ansieng die Presdyterianerbeyseit zu setze», gefiel solches Love eben so wenig , als vorherdes Könlgs thaten und regierung ihm anstunden; nahm der-halben die partey der Schottlander für die restitntivn desKönigs an, in Hoffnung, dadurch der fast darnieder liegendenPrevbytcriamschcn partey wieder aufzuhclffen; allein, Crom-wel sicng ihm etliche briefe auf, so er an die SchotlländischePresdyterianer geschrieben, und schickte darauf so starcke infor-malionen wider denselben ein , daß, ohngcachtel der kläglichenfürditte seines eheweibs, welche darum anhielt, daß seine Hin-richtung m eine Verweisung, wäre es auch in Ncu-Engelland,möchte verwandelt werde», und ohngeachiet die Presdyterianersich starck für ihn bearbeiteten, er zu dem schwerdt verdam«Niet, und darauf den 22. aug. a». iüzr. am gewöhnlichenricht-platz zu Londen öffentlich eregniret wurde. Er erschienauf dieser stelle mit unerschrockenem hertzcn, und wollte durcheine lange rede alle seine vorige thaten völlig tustificircn. Sehrbeweglich sind die schreiben, welche er und sein eheweib Mariawährender seiner gefangenschafft mit einander gewechselt, undläßt sich sonderlich an des wcids schreiben ein üngemein heroi-scher Christlicher geist blicke». Seine heraus gegebenen pra-ctischen schriften sind in ziemlicher anzahl, und theils sonder-bar, theils zusammen gedruckt zu finden; sie sind auch insHolländische übersetzt, und in einem foliante» heraus gegebenworden ; die berühmtesten davon sind: Heavens Glory &Heils Terrour ; Himmels-Herrlichkeit und Höllen-Schreckcn.C.de Clarendom, hist. de la rebell. dAnglet. tom. IV. & VI.Wood , antiq. Oxon. Misceüan. Tigur. vol. I. 2 . 0 UCschriften. *

Lovelace, (Lords) in Engelland. Der Ritter Richard Lo-velace, ein söhn Richard! Lovelace von Hurley in Berkshire,ward an. 1627. zum Pair in Engelland , mit dem titul einesLords Lovelace von Hurley, erhoben. Er heurathete anfangsCatharinam, eine tochter Georg« Hill, und nach deren todeMargaretham, die einzige tochter und erbin Wilhelm Dods-wvrthS von Londen . Diese letztere gebahr ihm Johannem undFranciscum.

Johannes succedirte ih>n, und zeugte mit Anna, einer tochterund nachmals einzigen erbin Thomä Wenlworthü, Grafenvon Clevcland, Johannem. Dieser, nachdem er an. 1670.seines vatters erde worden, war an. 1688. einer von den er-sten, welche vor den Pnntzen von Oranien sich erklärten, undwiewol ihn die widrige partey, da er mit 60. bis 70. mannzu demselben sroffcn wollte, gefangen »ahm, so ward er dochbald wieder auf freyen fuß gestellt, auch von Wilyelmo 111.zum Hauptmann der Gentlemen - Pensioncrs erklärt. MitMartha, einer tochter des Baronets Edmund Pve von Braden-ham, bekam er einen söhn, Johannem, und ;. löchler, Annam,Martham und Catharinam. Doch alle diese kinder starbennoch bey des vatrerö leben, bis aus Martham, welche an denRitter Heinrich Johnson verheuralhet, und in ansehung obge»dachter ihrer groß-mutler, an. 170;. von dem Parlemente zurBaroncßin Wentworlh und Netrelsted erklärt ward. Weilnun der letzt-erwchnte Johannes Lord Lovelace keine männli-che leibcs-crden hinterließ, so fiel dessen würde auf die nach-kommenfchafft von seines vatters lüngern bruder, Francisco.

Dieser Franciscus heurathete Mariam, eine tochter WilhelmKings von Jver, und zeugte mit ihr Wilhelmum, welcher sichvoissPudhurst schrieb, und von Maria, einer tochter des Baro-nets Eduardi Nevil von Grove, Johannem hinterließ. Diesersuccedirte in der würde eines Lords Lovelace, nachdem odange»sührter müssen seines groL-vatters bruders söhn oder söhne ge-storben. Er ward als ^'uverneur nach Neu-Pvrck in Ame-ricam geschickt, wohin «hn» feine gemahlin, Charlolka, eine toch-ter des Ritters Johann Clanton, nachfolgte. Allein er starbdaselbst wenig monate nach seiner dahinkunft den 6 , may an.1709. Von seinen ;. söhnen starb der älteste, Johannes, 14.tage nach ihm, der mittelste, nahmens Wentworth, starb einenmonat vor ihm, der jüngste aber, nahmens Nevil, succedirte indem titul eines Lords Lovelace, da er ohngefehr dritthald jähralt war. Peerage of England, II. p. 69. The compleat hiß. ofEngland, vol. III. p. 469..;,;.

* J£ouet, (Gevrgius) ein Parlements-Rath zu Paris , waraus einer vornehmen fainilie in Anjou entsprossen. Nachdemer den geistlichen stand erwehlet, wurde er Abt zu Touissantin Angers , ingleichen Oecsnus an der Cathcdral-kirche da-selbst. Seine ausrichligkeit und rechtschaffenes wesen brachtenihm bey Seiten die stelle des vornehmsten Agenten der Geist-lichkeit zuwege, welche eigenschafften er auch als Parlements-Rath zur genüge verspüren ließ. Endlich wurde er zum Bi-schoff von Trcguier in Bretagne ernennet, gieng aber, ehe ernoch von dieser würde besitz nehmen konnte, an. rsog. mittvde ab. Er hinterließ ein Recueil de pluiieurs notables Ar-xets, weiches nach seinem rode ans i,cht gesiellet , und nach-

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hero von verschiedenen mit so vielen und wcitläuftjgen anmer-ckungen versehen worden , daß es nunmchro aus zwey folian-ten bestehet. Memotres du tems.

* Louise Elisabetha, Königin von Spanien , und tochterPhmppt, Hertzogs von Orleans , und Franciscä Manä, einernatürlichen tochter Ludovici XI V. von der Madame de Mon-tejpan. Sie trat an das licht dieser weit den u. dec. an.1709. und erhielte den titul einer Mademoiselle vonMonr-penster. Da sie kaum das i r. jähr erreichet hatte, ward sieschon zu einer braut Ludovici, Printzen von Asturien , erklä,ret, und diese heurath in dein oct. an. 1721. öffentlich bekanntgemacht. Der Hertzog von Ossuna langte hieraus zu Parts an,um die feyerliche anwerbung zu thun, und den 16. nov. wardder heuraths-contract unterschrieben. Den 18. nov. brach sievon Paris auf, und soll ihr der König vor 800000. der Hcr-tzog aber, ihr vacter, vor ^ooooo, livres kleinodien geschenckethaben, anderer kostbarkeiten zn geschweige». Der König vonSpanien und der Printz von Asturien kamen ihr ausr. meilcnvon Lerma entgegen, und den 21. jan. an. 1722. giengen dietrauungs-ceremonten in der haupl-kirche zu Lcrnia vor sich.WeilKönig Philippus V. im ian. an. >724. sich der Croue begab,ward ihr gemahl von ihm zum Könige erkläret, und tratals Ludovicus I. die regierung an. Im iul. trug sich an demKöniglichen Hofe etwas zu, das ein grosses aufsehen machte.AIs nemlich die junge Königin den 14. jui. von der spatzter-fahrt zurück kehren wollte, erhielte sie von ihrem gemahl denbefehl nicht wieder nach Buenretirv zu kommen, sondern sichauf das Königliche schloß zu Madrid zu begeben. Ein solcherbefehl kam der Königin sehr seltsam vor. Die feinde des Hau-ses Orleans streueten hievon solche Ursachen aus, welche derehre der Königin sehr nachtheilig waren. Die wahrscheinlich-sten umstände aber von diestr begebenheit waren diese: Eshatte sich der junge König mit der Königin nach St. Jlde«fonso begeben, um daselbst bey seinem vatter einen besuch ab,zustatten. Da nun denselben abend die junge Königin dielust ankam, sich bey der damaligen grossen Hitze in dem gartenzu erfrischen, und sie sich deshalben an einen kühlen drunnenverfügte, an welchem sie sich schuhe und strümpfe ausziehenließ, und ihre deine bis über die knie in dem wasser badete,so wurden solches der alte und der junge König von der alta-ne des pallasts gewahr, und hielten dieses verhalten einer Spa­ nischen Königin vor so ärgerlich und unanständig, daß sie denbefehl gaben, die Königin nach Madrid zu bringen, und ihrden arreü anzukündigen. Man verfuhr anfangs ziemlich stren-ge mit ihr. Sie ward nicht nur unter genauer aufsicht ge-halten , sondern man ließ ihr auch zu ihrer bedienung mehrnicht, denn eine Hof-Dame, einen Pagen »nd zivey Camnier-diener zu. Aus ihr inständiges ansuchen bekam sie endlichnoch die erlaubnis, daß sie in den garten spatzieren gehenbörste, wobey sie doch zwey Officiers von der garde nicht ausden äugen lassen durften. Endlich wagte sie es, und schrieban ihren gemahl einen sehr demüthigen brief, darinn ste umVerzeihung alles dessen bat, was etwa,, vorgefallen seyn möch-te. Der König ward hierdurch bewogen , ihr zu erlauben,daß sie, zu erhalt,»ng ihrer gesundheit, nach belieben spatzierenfahren börste. Die Königin machte sich diese erlaubnis so zunutze, daß, da sie den 19. iul. spatzieren fuhr, sichs fügenmuste, baß ihr der König vor der stadt begegnete. Siewollte zwar sogleich aus dem wagen steigen , allein derKönig kam ihr zuvor; er umarmete sie , satzte sich zu ihrin den wagen, und nahm sie wieder nach Buenretirv, all-wo sie beyde mit einander spcifeten. Er verehrte ihr daraufeine» kostbaren ring, und erneuerte dadurch gleichsam mit ihrdas ehe-verbündnis. Den 20, aug. kriegte der König die kin-der-blattern, womit er bis den z i. zubrachte, an welchem ta-ge er starb. Die Königin, die während seiner kranckheit nichtviel von seiner feite gekommen, empfand diesen tobes-fall umsoviel schmertzlicher, weil sie hierdurch in dem 15. jähre ih-res alters zur wiltwe wurde, und keine erlaubnis hatte, sichjemals wieder zu vermählen. Nicht lange nach ihres hohen ge,mahls tode, nemlich den 11. sevt. kamen die kinder-blatternbey ihr auch zum Vorschein. Es gieng aber dcrmassen glück-lich damit ab, daß sie binnen 12. tagen gäntzlich ausser ge-fahr war. Nach der alten Spanischen gewohnheit hatte sienun in das kloster gehen, und ihren gemahl bis ins 40. jährbeweinen sollen. Allein man hat dißmal bey ihr eine aus-nahme gemacht, und ihr vergönnet, wieder nach Franckreichzu ziehen. Den iz. may an. 172;. reisete sie mit ihrer schwe-ster, der Mademoiselle von Beauiolois, die an den JnsantenDon Carlos verlobt gewesen, aber aus Verdruß über die ver-stossung der Jnfantin Maria Anna Victoria , so der Königin Franckreich sich zur gemahlin erwehlet hatte, zurück geschicktwurde, aus Spanien ab, und langte den 1. jul. aus demschlösse Vincennes an, um allda künftig zu residiren. Dochhat sie nachgehends diesen ort verlassen, und den pallast vonLuxemburg zu Paris zu ihrer Wohnung erwehlet. Sie hielteanfangs eine zahlreiche Hof-statt, schranckle selbige aberachund nach ein, und ergab fich den andachts-übungcn. Sie leb.te sehr eingezogen, und führte eine so strenge lebens-art, daßman derselben auch ihre letzte kranckheit zuschriebe. Sie ver,starb den 16. jun. an. 1742. in dem pallaste von Luxemburg ,nachdem sie ihr alter nicht höher dem, auf; r. jähr und fünf

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