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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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wendig auf Oesterreichische feite ausfallen müssen. Die Baye,rischen foldaten konnten die pfeile der Ungarischen schützen nichtvertragen. Die Böhmen , so Ludovico beystunden , warenmehr auf die flucht als auf daS streiten bedacht, gantze Haussenunter ihnen legten das gewehr freywillig nieder, und begehrtenlieber in die gefangenschafft als in tob zu gehen. Von Ludovi-co selbst glaubte man, daß er in dem treffen schon umkommenwäre. Mit einem wort, es war so lange auf Bayerischer seilealles in voller Unordnung, bis durch die kluge anführung Sig-frted Schweppermanns die fache ein anders ansehen gewann.Denn dieser verkehrte die gantze schlacht-ordnung in einem au«genblick, und machte, baß nicht allein der wind den feindenden staub in die äugen blies, sondern auch der widcrglantz dersonnen von den Waffen sie blenden muste. Er selbst gieng mitauserlesener mannfchafft den bedrängten Böhmen zu hülffe,und nachdem er diesen luft geschasst, ^muste der BurggrafFriedrich von Nürnberg mit frischen reutern von hinten zuin die ermüdeten Oesterreicher einbrechen. Der schlimm-ste betrug hierbey war, daß der Burggraf seine trouppen Oe-sterreichische sahnen führen ließ. Denn es stunde jederman inden gedancken, es wären dieses völcker von dem ankommendenHertzoge Leopolde, der ihnen zu hülffe eilen würde. Doch da siedie hierunter verborgene list merckren , und die feindlichenWaffen nicht nur sahen, sondern auch fühleten , liessen sie muthund Hände sincke». Am meisten wurde die bestürtzung der Oe-sterrcicher vermehret, als Friedrich seine Waffen weg, sich aberselbst gefangen geben muste. Denn Albrecht von Rinbsmaul,der auf diesen Kanser in der gantzeu schlacht sein meistes abse-hen gerichtet, zertrennete mit gewalt den Haussen, unter wel,chem er sich befände, und bedrängte ihn so hart, daß er an dendazu kommenden Burggrafen sich endlich ergeben muste. Manbrachte den gefangenen Kaystr alsoforl persönlich zu Ludovico,der ihn mit diesen Worten : Mein vetter, wir sehen euchgerne, empfieng, wozu der betrübte Friedrich stille schwieg,und nur froh war, daß ihm der überwinder gewisse Versiche-rung wegen erhaltung des lebens gab. (z) Es ließ Ludovicusdarauf diesen vornehmen gefangenen nach dem schloss« Traustnitz bringen, (as) Aber unterdessen währete der krieg zwischenden Oesterreichern und Bayern immerfort. Denn Leopoldusder glorwürdige verdoppelte feine macht, um den gefange-nen bruder aus dem ihm beschwerlichen aufenthalte zu er-lösen. LudovicuS hingegen belagerte die stadt Burgau , undließ öffentlich aussprengen , daß er Fridericv in dieser stadt,wenn er sie erobert haben würde, den köpf vor die füssr woll-te legen lassen. Aber da Leopoldus anrückte, muste unserPrintz, wie ungern er auch wollte, die belagerung aufhe-ben. (bb) Das bündnis, welches Leopoldus nach diesem mitPhilippo Valesio dem Könige von Franckreich und dem PapsteJohanne XXII. in der stadt Bar traf, (cc) machte Ludoviconicht wenig sorgen, deswegen drohete er beständig , dem ge-fangenen Fridericv das leben zu nehmen, wenn nicht dessenbruder Leopoldus von dieser unruhe abstehen , sich vor ihmdemüthigen, und vornemlech die Reichs-kleinodien ausantwor-ten würde. Leopoldus war für das leben seines bruders,welchen er »»gemein zärtlich liebte, besorgt. Also bedachte ersich nicht lange , alles dasjenige einzugehen, was man vonihm verlangte. Er überlieferte Ludovici Gesandten die Reichs-insignia, begehrte aber auch zugleich, daß sein bruder nun-mchro auf freyen fuß gestellet werden, und da dieses letzterenicht erfolgte, gieng er mit gröster furie auf unsern Kayservon neuen los. (dd) Nun merckte Ludovicus gar wohl, daßnicht die Oesterreicher allein , sondern auch viele andere be-nachbarte Fürsten wegen der langen ßefangenschafft, womiter Fridericum belegete, gar schwürig zu seyn schienen. Dero»halben beschloß er endlich , diesen Printzen auf freyen fuß zustellen. Er verfügte sich selbst zu ihm auf das Trausnitzischeschloß, kündigte ihm seine erledigung an, und darauf errich-teten beyde einen vergleich, welchen sie mit harten eyd-schwü-ren und empfangung des H. Abendmahls in gegenwart einesCarthäuscr-Mönchs bestätigten, (ee) Worinn aber eigentlichdie Puncten des aufgerichteten Vergleichs bestanden, ist einezweifelhaffte und noch unausgemachre fache. Folget man ei-nigen alten sowol als den neuen Bayerischen scribenten, unddem von diesen letztem herausgegebenen vertrage in allen stückennach, so hat er gewiß sehr hart gelautet. Denn es musteFriedrich allem auf das Kayserthum habenden rechte absagen,alle eingenommene Reichs-städte und länder herbey zu schaffenversprechen, mit Ludovico wider alle dessen feinde und auchso gar wider seine eigene brüder , (lk) die OesterreichischenHertzoge , ein beständiges bündnis ohne ausnahme schliessen,und den Kayserlichen titul bey Ludovici ledzeiten nimmer-mehr zu führen, zusagen, (gg) Ja einige scribenten habennoch mehr Puncte hinzu gesetzet, die aber von andern mitstillschweigen Übergängen werden. Es soll nemlich Frideri-cus sowol in seinem eigenen, als in seines Hauses nahmenhaben versprechen müssen, daß wenn lns künftige noch einmalein Bayerischer und Oesterreichischer Printz zugleich erwehletwerden sollte, so sollte der Oesterreichische allezeit zu weichenverbunden seyn, und mit Bayern niemals in einer competentzstehen, (hh) Die Oesterreichische hingegen haben einen gantzandern vergleich, und von den angeführten durchaus unter,schieden« Puncte an das licht gebracht. Es sollte nemlich dasReich künftig von beyden verwaltet werden. Fridericus von

Oesterreich sollte eben die ehre als Ludwig von Bayern, undLudwig eben den respect als jener gemessen. Alle lehcns-undwichtige fachen sollten von beyden zugleich ausgemacht, unddie hohen Gerichte des Reichs ebener Massen also bestellt wer-den. Endlich sollte unter ihnen eine beständige freundschafft,ewiges bündnis und unzertrennliche einkracht seyn. (ü) Wennman die umstände der gantzeii fache, die früchte des sie,ges , den elenden zustand Friderici, und den grossen Vortheil,welchen Ludovicus durch seine Waffen über ihn erhalten, wohlerweget, so sollte man in diesem stücke ehe den Bayerische »als Oesterreichitchen geschicht-schrcibern bevfall geben. Dennwas hatte Ludovico sein gantzer herrlicher sieg , was hätte ihmdie langwierige gefangenschafft, womit er feinen feind Fri-dericum von Oesterreich beleget, gcholffen , wenn er ihn zumReichs-gefahrten srenwlllig annehmen wollen? oder warumhatte Ludovicus auf die herausgebung der Reichs-kleinodienbey Friderici bruder, Leopolds von Oesterreich, mit solchem eifergedrungen(kk) wenn er jenem die helfte aller Kayserlichengewalt, würde und macht von selbsten hätte einräumen wollen.Dieses ist War bekannt, daß Fridericus auch nach seiner ge-fangenschafft beständig den Königs-ticul geführet, und hier-aus könnte man vielleicht schliessen, daß der von den Oestcr,retchern edirte vergleich nicht so schlechterdings verworffenwerden müste. Allein man weiß auch wohl, daß dieses mehrde facto als de jure geschehen , und Fridericus in diesem stückenicht sowol dem theur-beschwornen friedensschluffe nachqele,bet, als vielmehr feinem ehrgeitze gefolger. Deswegen bekla-gen sich viele scribenten über den von ihm hierunter begangenenmeineyd , (II) ob ihm gleich andere das lob des vest beobach,teten Vergleichs beylegen, (mm) Deswegen gab ihm auch Lu-dovicus zu Jnfpruck persönlich eine visite, welche auf beydentheilen nicht zum besten abgelauffen seyn mag. Ja deswegenmuste auch Johannes, der König in Böhmen , auf des Kayfersausdrücklichen befehl in das Hertzogthnm Oesterreich einfallen,um Fridericum zur ablegung deS wider angenommenen Kay-serlichen tituls zu zwingen, (nn) Und obgleich Fridericus nach-hero bald eines elenden todes starb, (oo) so horeten doch seinebrüder nicht auf, Ludovico sein leben sowol als seine regierungsauer zu machen. Der Hertzog von Oesterreich, Otto, belager-te auf des Papsts anstiften Colmar , dem Kayser zum Verdruß,und vertrug sich erst an. i;;r. mit ihm, als der König vonBöhmen , Johannes, von Luxemburg , sich ins mittet legte.(r>p.)Leopoldus der glorwürdige aber legte die feindfchafft, so erwider ben Kayser hegte, nicht eher als mit dem leben ab. Erhielte es vielmehr mit dem Papst Johanne XXII. und Philipp»Valcüo dem Könige von Franckreich offenbar, daher er auchmit dem letztern gar fleißige zukammenkänfte, sonderlich zuBar , hielte, (qq) und wider den Kayser gefährliche anschlügeschmiedete. Doch da die Unruhen in Teutschland einiger Mas-sen beygelegt waren, wendete sich unser Printz nach Italien ,um die rechte und Hoheiten der Kayser mit macht daselbst her-vor zu suchen. Galeacius Visconti, der Mayländische Gou-verneur , scheinet ihm wol die erste gelegenhcit zu diesem zugegegeben zu haben. Denn es wollte Galeacius den beschien,welche Papst Johannes XXII . gar häufig an ihn ergehen ließ,keine weitere folge leisten, sondern empfieng vielmehr von Ln-dovico IV. die lehn, und begab sich unter seinen schütz, (rr)Die übrigen Stände des Longobardischen Reichs , sonderlichdie besitzer von Mantua , von Verona , von Lucca , und über-haupt alle diejenigen , welche man Gibellinen nenncte, sehntensich gleichfalls nicht wenig nach diesem ihrem erlöscr, weil sievon den Cardmälen und bedienten Johannis XXII. dir er inItalien gesetzt, (denn der Papst selbst residirte damals zu Avi-gnon in Franckreich) (ss) viel drangsal ausstehen müssen, (re)In Mayland ließ sich Ludovicus nebst seiner gemahlin Mar-garelha von Johanne dem Ertz-Bischoffe mit der obwol fälsch-lich sogenannten eisernen crone des Longobardischen Reichscrönen, und eben daselbst nahm er auch eine nicht geringe Ver-änderung in regiments -sachen vor. Denn er entsetzte Galea-cium Visconti, der ihm die ersten anschlüge nach Italien zukommen gegeben hatte, seines bisher geführten amts < führteihn mit sich gefangen hinweg nach Rom , und verordnete anfeine statt Henricum , Grafen von Montfort , einen Teutschenvon geburt, in Mayland zuin Gouverneur, (uu) Man gabdiesem letztern schuld , daß er viele intriguen und grosses geldgemacht, auch nicht sowol auf den Vortheil seines Herrn undKayfers, als fein eigenes intercsse gesehen. Doch kan es seyn,daß Ludovicus nachher die Unschuld Galeacit erkannt. Denner fetzte ihn auf vorbitte des Hertzvgs von Lucca , Castrucci,nicht nur wieder auf freyen fuß , sondern befahl ihm auch ,daß er persönlich zu ihm kommen , und seine Verantwortungführen sollte. Aber es starb Galeacius, als er eben auf demWege nach dem Kanser begriffe» war, ohne zweifel aus kummerwegen des durch seine gesangenschafft erlittenen schimpfs. (ww)Und also blieb Heinrich von Montfort Statthalter des May-ländischen districts, aber auf eine gar kurtze zeit. Denn es wa-ren die Mayländer eines Teutschen regiments ungewohnt.Dahero jagten sie Henricum, so bald der Kayser den rücken ge-wendet halte, fort, und ob dieser gleich nachhcro Maylandbelagerte, richtete er dennoch wenig aus. (xx) Ais Ludovicusnach Rom kam, sahe man unterschiedene bcwcgungen dergemüther. Einige waren fthr froh, als die Gibellinen, sonder,lich aber die von dem Hause Cvlumna, welche Ludovicum nach