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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Rom tu kommen am allermeisten genöthlget; (jy ) andereunaemcin bestürtzt, als die Guelphen, und alle die,cnigen, soes mtt tem Papste hielten. Gleichwie aber unser Prmtz nachRom gegangen war, daselbst die Kayser-crvne zu empfangen,also erhub sich ein nicht geringer streit, wer 'hm dieselbe auf.sene» sollte. Kein Papst war vorhanden, denn Johannes XXII. hielt sich zu Avignon auf; und wenn er auch zugegen gewesenwäre, so würde er dennoch wol schwerlich ohne den äusserstenzwang sich entschlossen haben, denjenigen zu salben , welchener für keinen rechtmäßigen Kayser erkannte, und mit dem bannschon oft beleget hatte. Einige Cardinale waren zwar in Ita­ lien , doch konnten sie nicht, wie zu den reiten Henri « VII.von Luxemburg geschahe, diese ceremonie, wegen der zwie-tracht, so zwischen dem Kayser und Papste war, verrichten.Also musten einige Römische Rathsherren nebst dem Gouver-neur der stadt, und Cantzler des Römischen volcks, Lubovico,der sich vorher durch 2. Bischöffe einsegnen lassen , die Kayser-crone aufsetzen. Zwar wollte der Papst diesen cronungs,actum, well er nicht von ihm verrichtet worden, und wideralle bisherige gewohnheit lies, umstossen. Allein die Römerantworteten kurtz und gut: cs stünde dieses recht ihnen ebensowol als dem Papste zu. Uberdem hätten sie ihn ja ersucht,daß er persönlich nach Rom kommen, und sein vermeyntes amthtebey vertreten sollte. Da er aber nicht erschienen, sondernzu Avignvn sitzen blieben, könnte er auch ihnen nichts, son-dern müste sich alles selbst zurechnen. Ja es lagen die Römer,welche auf die veränderte, und in Franckreich aufgeschlageneresidentz des Papsts ungemein übel zu sprechen waren, demKavser beständig an, daß er Johannem XXII. welchen manohne dem vieler ketzereyen beschuldigte, ab , und an seine stelleeinen neuen Papst, der beständig in Italien und zu Rom rcsi-diren müste, einsetzen möchte. Es war dieses eine erwünschtegeleqenheit für Ludovicum , sich an dem Papste zu rächen.Deswegen ließ er alles, was man Johanni vorwerffeu konnte,verlesen , und öffentlich nachher ausruffew, ob jemand Jacv.dum von Cahors (denn dieses war der eigentliche nähme Jo-hannis XXIl. ehe er auf den Päpstlichen stuhl gelangete) ver-theidigen wollte. Als aber niemand auftrat, wurde Johannesab, und ein Mönch, Petrus de Corbario nemlich, welchersich nach diesem Nicolaum V. nennete, zum Papste eingese-tzet. (22) Es ist nicht auszusprechen, was dieses schisma indeyden standen für eine ungemeine Verwirrung an allen ortenverursachet hat. Johannes XXII . machte Cardinäle, Nico-laus auch. Jener setzte Bischöffe, so ihm nicht gehorchen woll-ten , nach gefallen ab, und wenn sie anders sinnes wurden,wieder ein; dieser hingegen belegte alle diejenigen mit dembann-stuche, welche es wieder ihn und den Kayser mit Jo-hanne , als seinem gegner, hielten. Italien theilte sich gleich,falls in 2. parreyen, davon die eine Johanni, die andere Ni,colao anhienge. Ob nun gleich Petrus äs Corbario bald nachdiesem in die Hände einiger ihm gehäßigen Jtaltäner gerieth,welche ihn an Johannem XXII. auslieferten, zu dessen füssener auch sofort die ihm von dem Kayser aufgetragene würdeeines Papstes niederlegte, (aaa) so setzte es in Italien dochimmer sehr viele unruhen. Es hatte Johannes XXII. nebstPhilippo Valesto von Franckreich, den König Robertum vonAvulien aufgewiegelt, daß er Ludovico entgegen gehen, unddessen bisherigen siegreichen Waffen einhalt thun sollte. HätteLubovicus diesem seinem neuen feinde so fort das Haupt gebo-ten , als sich ihm der meiste theil von Italien bereits unler-worffen, und seine soldatcn muth zu fechten hatten, würde esihm Robertum über den Haussen zu werffen , vielleicht nichtschwer worden zu seyn. Denn dieser war bereits willens, Ita­ lien zu verlassen, und nach Provence zu fliehen, (bbb) Aberes fehlere Ludovico an geschwindiqkeit die anschläge ins werckzu setzen , welche er sonst wohl aussinnen konnte. Er zaudertein der stadt Rom bey die neun monatc» ehe er sie verließ , wel-ches ein grosser fehler war. Denn er machte die Römer durchunsägliche auflagen schwürig, seine soldaten aber , welchen erallen muthwtllen auszuüben verstattete, und eine so lange zeitmüßig gehe» ließ, fast zum fechten untüchtig, und was dasmeiste war, so gab er Roberto zeit, sich in eine solche Positurzu setzen , daß man ihm nachher nicht beykommen konnte.Uberdem bestünde die armee Ludovici aus allerhand Teutschenvölckern, welche wegen der theilung des raubes und der ge-machten beute dermaffen uneins wurden, daß Ludovicus kauinn,it allein fernem ansehen dieses glimmende feuer zu unter-drücken vermögend war. (ccc) Zu diesem allem kam endlichfast das gröste Unglück, nemlich der geld-mangel. Denn dieserwar so groß , daß Ludwig viele vornehme Teutsche Herren we-gen gemachten schulden als geisseln zurück lassen, und sich nichtnur aus Rom , sondern auch aus Italien in höchster eil zurückziehen muste. (ddd) Zwar fände sich bald nachher an. 1530.Johannes der König von Böhmen in Italien ein, und viele stäbleofnctcn ihm auch die lhore, ohne zweifel, weil sie sich, obwvlfal,chlich, überredeten, daß Johannes von dem Kayser alsElatthalter dahin gesendet wäre. Allein es war Ludovicusmu die,em unternehmen Johannis, welcher nach eigenem belie.den unterschiedene städte, sonderlich aber Lucca an das HausRosso von Parma versetzte, von welchem diese stadt nachmalsan Mastmum Scaligerum, und von diesem ferner an die Flo,rcntiner verkauft wurde, dermaffen übel zufrieden, daß er ihnauf öffentlichem Reichs-tage vor den Fürsten als einen Reichs-

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feinb anklagte. Und dieses währete so lange, bis Manneszu Regenspurg sich wegen dieses nach Italien vorgenommenenzuges mit genügsamen gründen entschuldigte, und Mtswi,um Verzeihung bat. (eee) Mit den Päpsten hat Ludwiggleichfalls viele Händel gehabt, die zu dieser zeit ein gewaü,»esaufsehen gemacht. Denn es stunden dem Apostolischendie zeit über, da Ludovicus Teutschland regierte, drey imvor , Johannes XXII . Benedictus XII . und Clemens V[.Johannes XXII. bestieg an. izi6. den Päpstlichen stuhl, Wund also zwey jähr nachher als Ludovicus zum Kayser erwchlekworden. Nun hatten die Päpste sich schon von einiger zeither dieses Vorrecht herausgenommen, daß sie bey einer jroiui;gen Kayser-wahl dieselbe mcht allein untersuche», sondern auchden ausschlag geben wollten , wer unter den erweichen dasftcpter führen sollte, (ggg) Johannes XXII. befahl deswegenFriberico, sonderlich aber Ludovico, zu Avignvn sich zu stelle»,und daselbst den Richterlichen ausspruch zu erwarten. Lvto-vico kam dieses anmuthen des Papsts nicht wenig fremdem.Deswegen unterließ er nicht allein zu erscheinen, sonder» ernahm auch Galeacium Visconti, den Mayländischen @<mueur, welche» der Papst in bann gethan, in seinen schütz. M)Er gieng ohne Johannis bewilligüng in Italien , und empstmzdie Kayferliche cronc wider seinen ausdrücklichen befehl. äMdieses nahm Johannes XXII. ungemein übel auf, mktuncte Ludovicum als einen ketzer, und verbot allen Stande»,demselben hinführo als einem Kayser gehorsam zu cntmn,Im gegentheil aber beschwerte sich der Kavser über das rot.nehmen des Papstes , berief sich von ihm aus ein allaenmesConcilium , und bezeugte, er glaube nichts wider die Römische kirche , er wolle ihre rechte und ansehen auf das beste beschuhe»,auch ihre feinde zu dämpfen sich lassen angelegen st»». Äwolle dem Papst gehorsam erzeigen , und alle Hochachtung notihn haben , dabey aber durchaus nicht zugeben, daß des Rö-mischen Reichs gcrechtsame gcschwächet werden sollten, (m)Hierdurch aber ließ sich der Papst von seinem vornehmen nichtabwendig machen , sondern verbannete Ludovicum abermal,entsetzte ihn seines amts, und ließ ihn nochinals vor gmwtladen, auf daß er das wider ihn gefällte urtheil anhören möw-1 e. (kkk) Um dieser Ursache willen ließ Ludovicus an.einen Reichs-tag nach Regenspurg ausschreiben, auf Mandie meisten Teutschen Fürsten geistlichen und tvelllichen stwd»erschienen, und den einhelligen fchiuß machten, der Kamsollte wohl acht haben, daß die Teutsche frcyheil nicht mitdienstbarkeit beleget, hingegen die Majestät des Reichs dcmsti»-de aus dem rächen gerissen würde. Daneben wurde bcjM-sen , Papst Johannis XXII. Handlungen wären unkrastiig.Man sollte alle diejenigen, so selbige behauptelcn, für :stc>chs«feinde halten, und ihre gütber einziehen. (Ili) Demohugc-achtet versuchte Ludovicus alles, wodurch er den Papst geim-nen, und sich mit ihm versöhnen zu können glaubte. Zu diMende sendete er gewisse Gefandtschafften nach Avignon , und Mum die loszehlung von dem bann bey dem Papste demManhalten. Ader vergebens; denn es wollte der Papst lM-vicum eher nicht hören , bis er das Kayserthum abgelegn,sein darauf habendes recht fahren lassen, und als eine Mal-person sich dem Päpstlichen urtheil »nterwerffen wurde, Wdovicus war eben , da dieses vorgicnq, zu Rom , uud wcu crden unversöhnlichen haß des Papstes sattsirm abnehme» konn-te, that er ihm wieder einen tort, klagte Johannem» gegen-wart des gantzcn Römischen volcks wegen vieler cutietzlicher la-sier an , (mmm) fetzte ihn öffentlich ab, (nun) und W|an seine stelle Petrum de Corbario, welcher sich nachoiest'«Nicolaum V. nennete, und dessen oben gedacht, ein.da Nicolaus zum creutze kriechen, und vor seinem Gegen-^aMJohanne zu Avignon sich demüthigen muste, ba es auch ecm

Kayser selbst an gelde-und Mitteln dieses kcbisma wem M-

terhalten gebrach, muste er dem Papste von neuen gwe wmkgeben. Er ließ ein gar dcmüthiges schreiben an ihn ergeb» <(000) er sendete eine Gesaudtschafft nach Avignon , »ii ««fehl, einen frieden mit dem Papste zu schliesset,, ausvon ihm selbst gethane vorschlüge, wenn sie änderst o»ue,groste schände und schmälerung der Hoheit eingegangen wmkonnten. Selbst einige Churfürsten des Reichs, al,M .nes, König von Böhmen , und Balduinus, der Ertz-«»Mvon Trier, legten sich als mitleis-personen dazwiicheu'suchten durch ihr ansehen diesem so langwierige» smiicm»zu machen. Also setzten sie folgende bedingungc», wcM »meyneten, daß von deyden theilen ohne sonderliche» w>.ein friede gemacht werden könnte , auf. Ludwig >.neu, Gegen-Papst gäntzlich absagen , und ihn vcr,chw« >von der appellation, so er an ein allgemcmes >onc>ugethan , abstehen ; alles, was er wider die geheiligte rmdes Papsts und die Römische kirche vorgenommen tawkräfflig wlderruffen; erkennen, daß er unrecht gehande n 'in den dann billig verfallen; sich der gnade des Pavl» ;·geben, und seinem ausspruche «nterwerffen. ^edow 1Ludovicus dabey in seinen würden und ehren , auw 1Kayserthum lebenslang verbleiben, (ppp) So ichwcr adiese dedingungcn zu seyn schienen, so grosse lusi MN i hder Kavser aus hertzlichcr liebe zum frieden dieselbe mrn,men. Johannes XXII. verwarf hingegen auch die,en ·Vorschlag , der vor ihn dennoch so vortheilhanttg war,gab den uuterhäiwlern, als sie bey chm um annehmung ^