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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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übernachten , von welcher zeit an dieselbe schwanger worden.Es hatte dieser Herr, wie aus seinen geschickten erhellet, gleich-sam keine eigene seele, und muste allezeit von fremden belebtwerden , denen er blinden gehorsam leistete, daher er so klein-wüthig war, etwas vor sich anzufangen, und so furchtjam,LaS joch seiner licblinge abzuwcrffen , wenn es ihn gleichdrückte. Richelieu sonderlich hat ihn dergestalt in seiner ge-malt gehabt, daß man bey Hofe sagte: Der König habe sichvon seiner gantzen macht nichts vorbehalten, als die Heilungder kröpfe. Er war überaus abergläubisch, wie er denn inder belagerung von Montauban einen heilig gehaltenen Mönchfast anbatcte, und weil die belagerung sehr schleckt gieng,ihn um rath fragte, wie man den ort gewinnen sollte, auchdem angeben desselben, wiewol ohne nutzen, folgte; da er rieth,man sollte 400. canoncn-schüsse ins blind hinein aus die Häuserder stadt thun, so würde sich diesclbige ergeben. In kleinig-keiten und in fällen , da es einem Könige nicht anstehet, warer sehr eigennützig und geitzig. Seine schwachhcil machte,Laß er sehr mißtraute, und leicht alles böse glaubte, wasman von einem sagte, wiewol er nicht im stände war, je-mand vor sich zu schaden oder zu helffen. Sonst war seineNeigung von natur nicht böse, deswegen er auch den beynah-men des gerechten bekommen, ob er ihn gleich durch wercke zubehaupten nicht fähig war. Der unmaßigkeit und unzuchtwar er sehr feind, und wenn ihm ja zuweilen ein frauenzim-mcr ausser seiner gemahlin gefiel, blieb es bey einer philoso-phischen liebe, dabey die sinne nicht viel genossen. Er war inder jugend sehr versäumt worden < daß er nicht viel gclcrnet,ausser vogel-stcllen, darinn er ein Meister ward. Er brachtees auch bey mchrern jähren gar weit in der jagd, und hatdie nahmen seiner Hunde auswendig gekonnt, auch mit den-selben besser, als mit menschen reden können, denn es ihm zu-weilen an der spräche und Materie fehlte. In der kriegs bau-kunst und artillerie-wlssenschafft hat er es durch die feldzügc, de,nen er beygewohnt, auch weit gebracht gehabt. Seine regie-rung ist vornemltch deswegen merckwürdig, weil in derselbender gründ zu der folgenden grosse von Fcanckreich gelegt worden.

Vujjor. bernard. Grammond. Duplet x. Du bin , bist. deLouis XIII . Vittorio Siri , niemorie. Memoires de !u Re'geveede Murie de Medicis. Bajj'mipierre , memoires & negociations .Deaeeant , memoires. Ingleichen was zur Historie desRichelieu gehört, rc. *

Audovicus XIV. König in Franckreich. Er war ein söhnLudwigs XIII. und Annä von Oesterreich , welche denselbennach langwieriger Unfruchtbarkeit den 5. scpt. an.;8. grboh-ren. Den König seinen Herrn vatter vergnügte die geburt die-ses Prmtzen dergestalt, daß er ihn Dieu donne Adeodatumnennte, und durch die freude an einem schleichenden fieder ge-sund ward. Man trägt sich zwar in gewissen ländern mit ei-ner besondern erzehlung, einige Herren vom Hose hätten einenberühmten IWathematicum aus Teutschland kommen lassen, denstand des Himmels bey der geburks-stunde des Printzen wahr-zunehmen , wvrzu ihm neben der Königin ihrem zimmcr eincadinct eingeräumet worden, der aber hernach mit der sprächenicht heraus gewolt, und endlich nach langem weigern nurdie Worte gesagt: Diu, dure, feliciter. Allein wie dasmährgen gar weil von Franckreich zuerst ist ersonnen wor-den ; also verdienet es auch nicht die geringste Widerlegung.Diß ist hingegen gewiß, daß dieses Königliche kind zähne mitsich auf die weit gebracht, deswegen keine säug-amme beyihm ausdauren konnte, und daher der berühmte Grotius,der eben zu selbiger zeit in Paris war, gelegenheil genom-men , in feinen briefen von ihm zu weissagen, daß er dereinstgewaltig um sich fressen werde, oder wie seine Worte lauten:Non fine omine futurae rapacitatis ; wobey doch kein zweifel,daß jeder andere in allen dergleichen fällen solche urtheile,doch mehr in schertz als ernst wurde gefallet haben; wie sichdann auch Grotius dicserwegcn sicherlich für keinen Prophetengehalten haben sollte , wenn er gleich erlebt hätte, daß die-ser König nachmals seine nachbarn noch so scharf herum ge-nommen , als von ihm geschehen ist. Der Prtntz ward kurtzvor seines vatters tobe, den 21. apr. an. 164?. getauft, da erden nahmen Ludwig empfieng, und verursachte bey dieser ge-legenheit unschuldiger weise dem alten Könige noch einen em-pfindlichen Verdruß. Denn als ihn derselbe nach der taufefragte, wie er nun heisse ? antwortete der Printz : Lud­ wig XIV. welches dem vatter sehr mißfiel, da ihn solcher ge-stalt auch diß kind als einen todten mann ansähe. Er kambald darauf zur regierunq, die aber wegen seiner jugend vonseiner Mutter und dem Cardinal Mazarin verwaltet wurde,der durch feine künste, ob ihm gleich diese stelle nach der Ver-fassung deS verstorbenen Königs nicht zugedacht gewesen,und sonderlich die verwitlibte Königin anfangs wider ihn,als eine creatur ihres Verfolgers des Richelieu einen ziemlichenWiderwillen bezeugt hatte , dennoch ehe man sichö versähe,das heft in die Hände bekam , und alle andere entfernte,die zum theil mit desserm rechte auf solche gemalt hätten an-spruch machen können , wiewol auch noch in mehrern stückendas von der verwiitweten Königin gewonnene, oder vielmehrderen zur vormundschafft ihres fohns nach den ältesten Reichs-satzungen und gewohnheiten habendes Vorrecht erkennendeParlement, Ludwigs XIII. sein testament hindansetzte. DerHistor. Ltxkm IV. Theil.

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junge König ward nach zurück gelegtem siebenden jähre mit ei-nem Hofmeister versehen , dazu man den MarquiS von Ville-roy erwehlte. Die völlige aufficht aber über seine auferzie,hung ward dem Cardinal Mazarin anvertrauet. Die unruhi-gen Jetten , welche in des Königs Minderjährigkeit einfielen ,hinderten seine zucht sehr. Denn man muste den jungenHerrn staks von einer provintz zur andern herum führen , friedezu erhalten. So hatten auch die Regentin und der Cardinaluumer mehr vor ihre eigene crhaltung zu sorgen. Dahero ge-schahe es , daß dieser Herr zwar zum kriege tust bekam, den erstets vor äugen sahe, und allerley leides. Übungen, als reuten,tantzen, schießen, ball-spiclen in grosser Vollkommenheit be-griff, in wissenschafften. hingegen nicht so fleißig geübet wur-de. Es ist eine Übersetzung von einem stücke des Cäsars unterseinem nahmen gedruckt, von welcher gewiß ist, daß er solchestückweise, als kleine Themata unter seinem Praceptor Perefireerkläret, und nachmals vertiret, wie dann das von des Kö-nigs Hand geschriebene exemplar sowol als andere aufsatze, dieihm abgedachter Mons. Percfixe in Französischer spräche auf-gegeben , er aber hernach Lateinisch gemacht hat, annoch inder Königlichen bibliotheck zu sehen sind; wiewol nicht verbo-ten rst zu glauben, daß an der translalion des Cäsaris, ehe siein druck kam, ein und anderer ort möge verbessert worden seyn.Einmal hat man in diesen jungen jähren des Königs schonwahrgenommen , daß er eine besondere ernsthassligkeit besitze,allermassen er an keinem kludischen zeit-vertkeibe lust hatte, sichschämte wenn er je zuweilen über dergleichen angetroffenward, und seinen bruder, der viel lebhaffter und lustigerwar, deswegen zum öftern erinnerte, der'ihn deswegen nurpetit Papa zu nennen pflegte. Der ansang von seiner regierungwar glücklich , weil der Printz von Engüicn die Spanier beyRocroi dergestalt schlug, daß sie es den gantzen kneg über ge»fühlet, weil daselbst ihr alte und bis dahin fast unüberwind-lich gewesene infanteric völlig umringet und niedergehauen wor-den. So erlangten auch die Französischen Waffen in diesemund den folgenden jähren anderwärts wichtige Vortheile, wel-che durch den Wcstphälischen frieden an. 1648. zum theil be-hauptet wurden. Denn in demselben ward den Franzosen El,faß von dem Kayser abgetreten, und sonst vieles eingeräumet,so sie vor ihre bunds-gen offen suchten. Mit Spanien aberkonnten sie damals noch zu keinem frieden gelangen, worauf,der krieg zwischen beyden Cronen bis an. 1649. fortgesetzt ward.Indessen hatten sich mit dem jähr 1647. gefährliche innerlicheunruhen in Franckreich angesponnen. Das Parlement warmtt dem Hofe öffentlich zerfallen, wegen einiger befehle, diedasselbe als schädlich nicht registriren wollte; daher die parteyder krondeurs oder Schleuderer entstund, welchen nahmensich diejenigen gaben, die der gemalt des Cardinals zuwiderwaren, die denn zu ihrem zeichen schleudern auf den hütenführten. Cs kam an. 1648. zum öffentlichen auflauf, weilder Hof etliche Parlcn-cnrs-Herren hatte lassen in arrest neh,men. Die Regentin und der Cardinal machten sich mit demjungen Könige aus der stadt, gaben aber bald daraufdem Par-lemente nach, in Hoffnung, solcher gestalt die mißvergnügtevor dißmal zu besänftigen. Allein da das Parlement dadurchnur ungestümer ward , verließ der Hof, der indessen den Prin,tzen von Conde auf seine feite gebracht, Paris abermals den 6.jan. an. 1649. und beschloß diese stadt mit gemalt zum gehör,sam zu bringen. Es entstund darüber eine gräuliche spaltung ,indem sich die Printzen vom gcblüte und andere Grossen durch-gehends theilten, und ihrer viele den Paristrn beytraten.Der ort ward gleich nach dem abzuge des Hofes durch denPrintzen von Conde eingeschlossen, und da die bloquade fast einviertel jähr gewährt, friede gemacht, wiewol die Spanier diefachen gern in der Unordnung erhalten hätten, üimasscn siedem Parlemmte ihre hülffe anbieten liessen. Jedoch gieng derKönig nicht gleich wieder nach Paris , sondern erst nach Cvm»piegnc, unter dem vorwande, dem feldzuge in Flandern nä-her zu senn, nach dessen endignng der Printz von Conde dengantzen Hof und auch den Cardinal wieder nach Paris führte.Das folgende jähr gerieth schon alles wieder in neue Verwir-rung , indem die Königin und der Cardinal die Printzenvon Conde , Conty und Longucville gefangen nehmen liesssen, weil Conde ihnen zu gebieterisch zu werden anfieng.Die freunde der Printzen ergriffen darauf auf allen feitendie Waffen , und da muste der König noch in demselbenjähre nach Burgund und der Normanbie reisen , diese län-der durch seine gegenwart im zäum zu halten, und end,lich auch Bourdeaux belagern, welche stadt sich vor die Prin-tzen erklärt hatte. Am andern theile fiengen die Schleudererwieder an über den Cardinal zu schreyen, der durch den fall derPrintzen zu mächtig zu werden schien. Sie thaten dieses mitsolchem Nachdruck, daß der Cardinal auf seine sicherheit zu den,cken anfieng, sich den 6. febr. an. 1651. heimlich aus Paris wegbegab, und die Regierung muste sich darauf erklären , daß diePrintzen in freyheil gesetzt werden, und der Cardinal auf ewigvon dem Königlichen Rathe ausgeschlossen seyn sollte. AusVerdruß über diesen Händeln war die Regentin entschlossen, denKönig ebenfalls Heimlich aus Paris zu führen. Aber ob gleichschon alles dazu fertig war, ward sie doch durch die Schleude-rer, die es erfahre», und dagegen anstaltcn gemacht hatten, vcr,hindert. Die Printzen waren wieder auf freyen fuß ge-setzt, und Conde kam nach Paris , welches unvermuthet znD d d d a neuen