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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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neuen Händeln anlas gab , indem er sich weder mit den Schleusderer» noch mit dem Hofe vertragen konnte , und M)erl ermevnte, daß ihm die Regentin aufs neue nach seinem leben odernach seiner freyheit stehe, auf gcwaltthätigkeiten bedacht war,und sich deshalben mit den Spaniern einließ. Indem sichnun alles zum ausbruch der bisherigen zwtstigketten schickte,trat der Konigin sein 14. jähr, weswegen er den.7. sept. an.I 6 ;r. im Parlemente zu Paris die regierung selbst übernahm,und zum anfange derselben scharfe befehle wider die duelleund gotteslästerungen gab. Ob es nun gleich so hieß, daßder König selbst regiere, hatte doch seine mutter und der Car-dinal Mazarin , welcher auch abwesend durch brlefe noch al-les am Hofe ordnete, die meiste gewalt. Bald darauf gren-zen die feindseligreiten zwischen dem Hofe und dem Printzenöffentlich an. Beyde theile brachten völckcr auf, und der Kö-nig zog selber gegen ihn zu selbe. Das Parlement zu Paris er-klärte sich zugleich gegen den Printzen und gegen, den Mazarm.Diesen aber rüste die Regentin unter des Königs nahmenbey solcher gelegenheit als einen unentbehrlichen mann wie-der an den Hof, ließ ihn zu seiner sicherheit mit einer armeeeinholen, und der König vernichtete alle von dem Parlementewider ihn gemachte satzungen. Des Königs vetter, der Hertzogvon Orleans, schlug sich hierauf auch zum Printzen, undward zum Reichs-Verweser erklärt, der Printz rüste dre Spa-nier zu hülffe, welche den Hertzog von Lothrrngen mit etlichtausend mann nach Franckreich schickten, der aber, ohne daßer hin und wieder plünderte und verwüstete, nichts sonderli-ches that. Beyde armeen kamen endlich bey Paris zu stehen,da die Königlichen den Printz angriffen, und ihn über denHaussen geworffen hätten, wenn nicht die Pariser , so bis da-hin noch neutral gewesen, sich unter währendem hitzigsten ge-fechte, da man sich vor ihren äugen in der vorstadl St. Antoi-ne schlüge, sich sonderlich durch bemühung der Mademoiselle,des Hertzogs von Orleans tochter, plötzlich auf des Printzenfeite geschlagen, die stücke aus der Bastille auf des Königs ar-mer feuren lassen, und hingegen des Printzen sein volck in diestadt aufgenommen. Diesem streit hat der König selbst mit be.zeigung eines grossen cifers und begierde zugesehen. Die Nei-gung der Pariser vor den Printz aber hörte bald auf, weil siedes krieqs müde waren, dadurch ihre gantze gegend verwüstetward, und der König eine allgemeine Vergebung des vergan-genen kund machen ließ, auch das Parlement von Paris nachPontoise verlegte. Das vornehmste aber, was diesen Händelnein ende machte, war die abermalige entfernung des Car-dinals , welcher sich gutwillig aus dem Königreiche begab.Denn damit fiel dem Könige alles zu , und wünschte man ihnwieder zu Paris zu sehen, wodurch der von Conds genöthigtward, nach Flandern zu den Spaniern zu fliehen. Der Königaber hielt seinen einzug den 21. oct. an. i 6 ;r. wieder zu PariS .Indessen hatten sich die Spanier dieses innerlichen kriegeswohl bedienet, und den Franzosen in Catalonien Barcellona,in Italien Casal, in Flandern Grävelingen und Dünkirchen wieder abgenommen. Jedoch machte der Hof bald anstalt,sowol die reste von des Printzen seiner partey zu unterdrücken,als auch den auswärtigen feinden mit mehrerm Nachdruckzu begegnen, nachdem vorher der Cardinal Mazarin , denman niemals im ernste weggelassen hatte, wieder war zurückgeruffen worden, welchen der König selber den ;. febr. an.16;;. einholte. An. I6?4. den 6. jun. ließ sich der König zuRheims crönen, gieng hernach m selbe wider die Spanier,und eroberte Stenai, eine dem Printzen von Conds gehörigevestung an der Maas , worauf von den Franzosen auch ArraS mit grossem schaden der Spanier entsetzt ward. Der Könighielt sich auch in den folgenden jähren öfters bey oder unweitvon den armeen auf, da er in allen gelegenheiten viel muthund eine grosse begierde, die kriegs-wlssenschafft recht zu begreif-fen, gewiesen. Es sind auch die feldzüge bis auf den Pyrenäi«scheu frieden vor Franckreich meistens glücklich gewesen, son-derlich in den Niederlanden. An. 16^7. nahm LudovicuS XlV.grossen theil an der Kayser-wahl zu Franckfurt, dahin er eineansehnliche Gesandtschassl schickte, und durch dieselbe zu erhal-tung seines zwecks reichlich geld austheilen ließ, auch, sei-nem verlangen desto grösser» Nachdruck zu geben, in personnach Metz reisete. Er suchte aber entweder die KayserlichcCrone vor sich selbst zu erlangen , oder doch zum wenigstendas, Haus Oesterreich auszuschliessen, weshalben der Chur ,furn von Bayern vorgeschlagen ward, der sich aber nicht wolltebewegen lassen , auf diese würde anspruch zu machen, ob ihmgleich der Französische Hof zu künftiger behauptung solcher ho,heu mit volck und gelbe beyzustehen versprach. Ob nun wolder König in Franckreich Leopolden solchergestalt von dem Kay-serthum nicht ausschliessen konnte, erlangte er doch so viel,daß er die Churfürsten vermochte , dem neuen Kayscr durch diewahl-cap»tulalion die Hände zu binden, daß er den Spaniernforthin keme hulffe leisten konnte, zu welchem ende Franckreichauch bald nach der wähl den sogenannten Rheinischen bundveranlaßte , und >olchcr gestalt sowol zwischen Haupt undgliedern in Teutschland Widerwillen ausstreuete, als auchden gründ zu dem folgenden Mißverständnis zwischen den bey.den Ocsterretchlschen Häusern in Teutschland und Spamenleg e. Zu folge eines mit dem Englischen Protector, Crom-wcllcn, geschlossenen bundnisses, ward an.16,8. Dünkirchen be-lagert, und nach der ervbcrung den Engelländern eingeräumet,

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worauf sich die Franzosen vieler andern besten M, tttib mgantzen sirichs zwischen der Lls, Yper und Scheide bemdtfctia-ten. Bey dem ende des feldzugs, dem der König personbeygewohnet hatte, fiel er in eine gefährliche kranckheit, dat«man ihn schon verlohren gab, bis ihn ein fremder AMdur»eine brech-artzney zurecht brachte, welches damals was am!war, und vor ein verzweifelt Mittel gehalten ward. Bryhk,ser gelegenheit ward Mazarin nicht geringer unvorffchliMbeschuldiget, daß er den König 311 Mardyck so lange «usw«lassen, welcher anch ungesunde ort damals mit krancken mverwundeten joldaten sehr überlegt, und also noch gefährlich«gewesen. Die jetzt-bemeldte eroberung von Dünkirchen Mdas dabey durch die Franzosen gewonnene treffen, nebst bmbey der Kayser-wahl geschlossenen Rheinischen bunde, bestr.derten endlich den frieden zwischen ihm und den Spanim,Der Französische Hof hatte denselben bereits an. iszü. mit ittbedingung, daß die.Spanische Infantin an den itoaiaverheurathet werden mochte, antragen lassen, und denquiS dc Lionne deswegen mit einer eigenhändigen volimchivon seinem Könige nach Madrid geschickt. Weil «der taKönig in Spanien damals noch keinen Printzen hatte, Malso besorgte, sein Reich möchte durch die vorgeschlagene he»>rath an Franckreich fallen, zerschlug sich diese Handlung unterdem verwände, daß man wegen des Printzen von Continicht einig werden könnte. Nunmehr aber hatten die suchenein ander aussehen gewonnen , theils wegen der obgeinelbienentkräfftung der Spanier , theils weil ihnen indessen einPrintz gebohren worden, da sie denn keine so grossen schwierig,leiten mehr über der Vermählung ihrer Infantin mit Lud«co XlV. machten. Dieser muste sich indessen, auf vermal,tung des Cardinals stellen, als wenn er die Printzeßin vonLa-voyen heuralhen wollte. Der Savoyische Hofward zutunende nach Lyon verschrieben , und der König, der sich IMüberall verlieben konnte, fand die Printzeßin von Savoym skhrangenehm, daß jedwedes diese Vermählung vor geschlossen hielt.Aber ehe man sichs versähe, langte ins geheim der SpanischeGesandte Pimentel an, mit vollmacht , die prälimiuarien,und sonderlich des Königs heuraih mit der Infantin, zu schliss.sen. Der König änderte darauf gleich, nach des CartinalSVorschrift, seine Minen gegen die Savvyer, und ließ sie mitgrosser beschämung wieder heim reisen. Nachdem alles so weitmit Spanien richtig war, begab sich der Cardinal im jun.an. 1659. nach dem orte der friedens-handlung, die auf tnso-genannten fasanen - insul gehalten wurde. Einer vou tenhauptsächlichsten Puncten war die Vermählung des Königs mitder Infantin. Ob nun gleich dieselbe vorher schon gsschlossenwar, entstunden doch darüber noch einige schwierigkeinn,wegen der liebe, bieder König zu Annm Marien Maucini,einer von des Cardinals schwester töchtern, trug, die n jucgemahlin zu nehmen beschlossen hatte. Sie halle sich lmgevorher durch den öftern einspruch des Königs in dem MM'Nischen Hause angesponnen, und weil in der chat diese Aa«lianerin von keiner besondern sthönheit war, so sageu einige,ihr verstand habe ihn bezaubert, wiewol doch deuselden terCardinal selbst, besage seiner briefe, in gar geringem masse beyihr angetroffen haben will. Indessen war diese neigung desKönigs so gewaltsam , daß , obgleich Mazarin. per stinerabreise die Manclni von Paris weggeschasst, bersciblgc pneliebe doch durch schreiben unterhielt, und zuweilen si>"i »ne.fe auf einmal an sie schickte. Der Cardinal mahnte den Sfcnlg einmal über das andere schriftlich von diesem Handel av,und konnte doch endlich kaum durch errcgung des chrgeitz»so viel erhalten, daß derselbe nachgab. Solcher gestalt warbder sogenannte Pyrenäische friede zu ausgang dck lahrs1659. geschlossen , vermöge dessen der König die W#Infantin heurakhete, welche jedoch auf die erb-folge m ihmvatters Reichen verzicht leisten muste. Sonst gewann MFranckreich auch dabey das gantze Artois nebst verichledcnenplatzen in den andern Niederländischen provintzcn, mgleilyc»Perpignan , und die Grafschafft Roußillon. Gleich mdem frieden that der König eine reise nach Languetoc,er sich des Fürstenthums Orange bey der minderiahrigkciimPrintzen umer dem vorwand bemächtigte, daß.zwilcha1beyden verwittweten Fürstinnen streitigkeiten waren, wvermitteln wolle. An. i6üo. holte er seine braut Mgrentzen von Spanien selbst ab, und unterredete sich bevbn^legenheit mit seinem schwieger-vatter. Nach der zuruammdes Hofes ward der Cardinal Mazarin kranck. Der KE «-suchte ihn sehr oft , und weil sie sich beyde mit einanberM-ftentheils allein und lange unterredeten, meynt man, es ?'be Mazarin dem Könige regierungs-reguln gegeben' kie ci»»»seinem tode in acht nehmen sollte. Zum wenigsten hat erTellier zu diesem ende viel dictirt, welches dem Könige «ewjbe« worden. AIs nun dieser durch Mazarins an.ten tode eine neue «nrichtung in den geschäfften zu mawcn

kam, nahm er sich vor, und that es auch öffentlich kunv , «

er forthin allein regieren, und keinen Premicr-Miniltcr iw 1tzen, sondern die Reichs-qeschäffte versciliedenen auskyeiicmüber sie insgesamt die aufsicht selbst haben wolle. kmvoisatze stärckle ihn der Staats-äecremrius Tellier, autweise selber mehr bedeutete, und auch seinen söhn den bccanLouvois anbrachte. Weil aber zu bicftr emrichlung ein umeinsehe» der fachen gehörte, als der König bey >o J»«