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öfter, und da er zuvor mit Staats-sachen noch nicht viel um,gegangen, besitzen konnte; meynten einige, daß dadurch diegemalt der Staats-bedienten eben nicht viel vermindert/ son-dem ein jeder in dem, so ihm zugetheilet worden , sich fasteben so viel freyheit angeinaffet, als vorhin Mazarin über-haupt und i» allen stücken genommen hatte. Auch mochtees hiedurch bisweilen geschehe»/ daß die regierungs - geschäffteohne die gebührende Übereinstimmung verwaltet wurden < undein ,edcr in seinem amte that, was ihm gut dünckte. Alleinwie dieses gvol so von einigen hat wollen gesagt, und in diewell hinein geschrieben werden; also ist es von andern mitviele» gründen widersprochen worden , und lässet sich inson-derheit aus dem eiset/ mit welchem dieser König den ge-schäfflen allezeit abgewartet / und der begierde / so er bezeugte /den haltenden Raths - Versammlungen richtig beyzuwohnen,ziemlicher Massen widerlegen. Das erste/ was der König vor-nahm/ war die Verbesserung des sinanzen-wesens, welches beyden langwierigen auswärtigen und innerlichen kriegen in gros-se Unordnung gerathen gewesen. Es ward ein besonder Ge-richte angestellet, die untreu der finanzcn-verweser zu unter-suchen und zu bestrafen. Der Ober - Aufseher von den finan-zen / Fouqnet, ward insonderheit zur rechenschafft gezogen ,und nach gemachtem Processe zu ewiger aefangenschaffl verur-theilel/ bey welcher gelcgenheit des Königs aufführung zuniercken ist / der sein absehen gegen diesen Minister überausheimlich hielte, dem Fouquet bis auf die letzte stunde sehrschmeichelte, und selbst eine reise nach Nantes anstellte/ weiler sich besorgte , es möchte in Bretagne , wo Fouquet vielfreunde, und sonderlich auf den dasiqen küsten d«e von ihmbevestigte insul Bellisle im besitz hatte / wegen seiner gefan-gcnnchmung Händel geben , die er durch seine gegenwarl ver-hüten wollte. (Siehe Fouquet.) Damit man aber des Kö-nigs Cammer von den vielen schulden, darein sie bisher gera-then / befrcyen möchte/ rieth Colbcrt, der nunmehr die Ver-waltung des finanz-westns bekommen hatte/ dem Könige/ daßer persönlich ins Parlemenl gehe»/ und sich daselbst von allenschulden fte»/ und hingegen vor den ersten gläubiger aller de-rer / die ihm schuldig waren, erklären sollte/ und diefts zwarin anschung der üdergroffen zinsen, welche der König sel-bigen Rentiers, wie man sie nennte/ bis dahin bezahlt hatte ,nun aber befugt zu seyn glaubte/ an dem cavital abzuziehen.Sonst hatte Franckreich damals etliche jähre nacheinanderfriede/ und ward deswegen den Unterthanen auch etwas vonden bisherigen ausiaqen abgenommen, und im übrigen diezeit zu einführung allerhand guter ordnungen in der policey/und zur Vorbereitung auf die künftigen Unternehmungen an-gewendet. Deswegen verbesserte man die ziemlich verfallenekriegs-zucht, und weil der Französische Hof sowol den Königin Engelland durch geld auf seine feite bekomme»/ als auch inHolland mit der Wiltifchen partey unter der decke spielte ,ward auch der sonst ziemlich mittelmäßige zustand der Fran zösischen flotte in ein besser geschicke gebracht, wozu dann sogar der Englische König Carolus II. der das see-wesen vortref-lich verstünde/ und sich eine schriftliche Verzeichnis des Fran zösischen see - staals hatte geben lassen , durch die mit eige-ner Hand dabey gesetzte anmerckungen und vorsthläge, wieein jedes zu ändern und zu verbessern wäre, nicht wenig bey-getragen hat; wiewol zu schlechtem nutze» seiner eigenen Un-terthanen. Die manufacturen / die bisher gantz gelegen hat-ten/ richtete man mit grossem eifer empor / wodurch Franck-reich in stand kam , sein geld im lande zu behalte»/ und dasauswärtige häufig an sich zu ziehen. In allen auswärtigenStaaten wurden die Französischen angeiegenheiten dergestaltunterbauet/ daß Franckreich in ausführung seiner vorhaben ,sich entweder ihres bevstandes versichern konnte/ oder dochihre Hinderung nicht sonderlich zu fürchten hatte. Es gescha-hen auch in diesen ruhe - jähren allerhand dinge / welche dasansehen deS Königs um ein grosses vermehrten. Dergleichenwar der rang-streit, der zwischen den Svaniern und Fran-zosen an. 1661. zu Londen in öffentlich'-! thätlichkeiten cwsbrach,in welchem damals die letzter» den Ätzern zogen. Allem Lu-dovicus XIV. brachte eS dahin, daß lein fchwiegcr.vatier durchseinen Gesandten zu Paris das vorgegangene entschuldigen ,und eine erklärung thun ließ / daß seine Gesandten forthinsich enthalten sollten, mit den Französischen zugleich bey öf-fentlichen gelegenhciten zu erscheinen. Hernach zerfiel er an.iSSr. mit dem Papste / weil dic Corsische wache zu Rom sichan dem Französischen Gesandten vergriffen. Da zwang derKönig den anfangs ziemlich eigensinnigen Papst zum vergleiche,indem er ihm Avignon einzog / und eine armee an die Italiä-nischen grentzen rücken ließ. Das Hertzogthum Lothringen er-langte er um eben dieselbe zeit durch eine befondere capricedes damals regierenden Hertzogs Caroli lV. welcher aus ei-nem gefaßten ungegründeleN neid und argwohn gegen seinesbruders söhn und langst bestimmten Nachfolger , den unver-gleichlichen Carolum V. von Lothringen , Franckreich sein gan-tzes Hertzogthum freywillig anbot/ und deswegen zu Paris ei-nen sractat aufrichtete, der jedoch wegen verschiedener darinnenthaltener und nicht recht erfüllter bedingnisse nie zur voll,kommenhcit gediehen, wol aber so viel gcwürcket hat, daßder Konig unter solchem vorwande an. 1670. ihn des gantzenlandes noch bey seinem leben beraubte. Endlich brachte esLudovicusXlV. auch so weit, daß ihm der Königin EngeüandHtstor. Ltxicon IV. Theil.
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den wichtigen Hasen Dünkirchen vor Millionen verkaufte,da doch daS blosse allda vorhandene geschütz und kriegS - ge-rälhe ein mehrcrs werth gewesen seyn soll; wodurch dannFranckreich sich den Spaniern und Holländern sehr furchtbarmachte. Bey allem dem ward in diesen ruhe-jahrcn der prachlund lustbarkeiten nicht vergessen. Der König legte damalsmit unglaublichen kosten das berühmte Versailles an , allwoer hernach seine beständige Wohnung nahin, weil ihm Paris in ansehung deS aufruhrs verdneslich war, daß man ihn inseiner jugend von da zu entweichen genöthlget. So stellteman auch allerhand prächtige lustbarkeiten an , welche vonden Ministern mit flciß unterhalten wurden, damit der Adelaus dem Reiche nach Hofe gelocl-, sein geld daselbst zu verthunveranlaßt/ und also genöthlget würde , des Königs seinergnade zu leben. Um eben dieselbe zeit fieng sich auch seineliebe gegen die Valicre an , die er, ungeachtet des Verdrussesseiner gemahlin und vieler Hossleuthe, eifrig und mit solcherZärtlichkeit fortsetzte, daß er sie einst in person aus einem klo-ster wieder abholte, dahin sie wegen ihrer Verfolgungen entwi-chen war, sie zur Hertzogin machte, und die Königin selbst ih-renlhalben zuweilen hart anließ. («Liehe valiere.) An. 166z.hetzte Ludov. XIV. die Engelländcr und Holländer in einander,und versprach zwar den Holländern, ihnen beyzustchen, ließ aberseine flotte nichts thun, und die hülffe zu lande war so schwach,daß sie denselben beschwerlich war, ohne nutzen zu bringen.Gleichwol wollte dcrKönig durchausMastricht davor haben,undwegen der subsidien, die er zu geben versprochen , ward ihneneine rechnung gemacht, vermöge welcher der Staat dem Kö-nige noch eine grosse summe schuldig blieb. Sein zweck wargewesen, daß sich beyde unter einander schwächen möchten,damit er in seinen adsichten auf die Spanischen Niederlandedesto weniger Hinderung fände. Ob nun wol der friede zwi,schen ihnen zeitiger als es Franckreich wünschte, zu Breda ge.schlössen ward, unterließ er doch nicht, an. 1667. den langevorgehabten einfaü in die Spanischen Niederlande unter demvorwande zu thun, daß dieselben zu folge dem in den Nie-derlanden üblichen jure devolutionis nunmehro nach seinesschwieger-vatters tobe seiner gemahlin zukämen, und ließ er sichdavon um so viel weniger abhalten, weil seine Mutter gestor-ben war, die bisher den friebens-bruch mit Spanien nochimmer gehindert hatte. Er gieng stlbst zu felde, und traf dieSpanier gantz undereitet an, weil er den Hof bis dahin be-ständig versichert hatte, baß er währender Minderjährigkeitihres Königs keine fcindseligkeiten vornehmen wollte. Diebesten Flanderischen Plätze giengen im ersten feldzuge an denKönig über, und an. i6ü8. ward auch die gantze Franche .Comte weggenommen. Man meynt , daß diese geschwindeneroberungcn schon vorher durch das Französische geld ziemlicherleichtert gewesen. Weil aber gantz Europa grosse äugen dar-über machte, Engelland, Schweden und Holland die bekann-te triple-alliantz deswegen schloß, und Lubovicus XIV. nochnicht alles gegen sich in Harnisch bringen wollte, machte er mAachen frieden, in welchem er die Francbe-Onmcs wieder-gab, dasjenige aber, waö er in Flandern eingenommen, be-hielte. Damals war der König mit der neuen liebe der Mar-quise äe Montespan beschäffttgt, welche ihn seit an. 1666. derValiere abspenstig gemacht hatte. Er war ihr zu gefallen r.mal aus dem felde nach Hause gereistt, und nach dem friedenwar die fache keine Heimlichkeit mehr. (Siehe Momesvan)Er sann aber auch bald nach dem Aachischen frieden auf ei-nen neuen krieg, und beschloß die Holländer anzugreissen,worzu er etliche jähre nacheinander anstalt machte, und zu-vörderst die triple-alliantz trennte, indem er durch seine heim-liche practlcken in Engclland, die er mit entsetzlichen gew-fum«men unterstützte, den Englischen Hof bewog, heimlich eindündnis wider die vereinigten Niederlande zu fchliessen. Ebendergleichen künste giengen ihm auch in Schweden an, undward diese Crone dahin gebracht, daß sie seine Unternehmun-gen zu befördern versprach. In Teutschland hatte er einengrossen theil der Fürsten entweder völlig auf seine feite zu tre-ten , oder doch neutral zu bleiben bewogen, und zu dem letz,lern war selbst der Kayseriiche Hof nicht ungcncigt. In Hol land selber fehlte es ihm, vermöge der sogenannten Löwenstei-ntsthen partey nicht an Verständnis, dem man es auch zu-schreibt , daß er die Holländer so unbercilet angetroffen, alser endlich losgeschlagen. Zum vorwande des kriegs brauchteman neben der überhaupt gethanen klage, daß der König mitder Holländer aufführung nicht zufrieden, und ihm seine ehrenicht zuliesse, selbige mehr ungestraft zu lassen, auch gewis-se müntzen samt andern satnrischen fchriften, die von privat,leuthen auf den Aachischen frieden und die triple-alliantz wa-ren gemacht worden, welche der gantzen Republick schuld ge,geben wurden. In der that aber war der König auf sie er-zürnt , weil sie durch die triple-alliantz sein glück wider Spa,nicn geheinmt, und Lonvois, den er zum Kriegs-L>ecrerariogemacht, wußte ihn in diesen gedancken meisterlich zu erhalten,weil er in seiner bediennng nicht müßig seyn, dem Colbcrtgern Verdruß machen, und dessen sorgen durch Verursachunggrosser kriegs-kosten häuffen wollte. Im iahr 167a. brachalso der König in person mit einer starcken armee in die Nie derlande ein, und nahm in kurtzer zeit wegen ihrer schlechtenVerfassung 3. provintzen weg. Wie groß und schnell auch die-ser fortgang der Französischen Massen, so ist sich doch darüber
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