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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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schickt. Man rechnet, daß durch diese gelegenheit das Reichwohl um 800000. menschen gekommen, welche alle was vonMitteln mit weggenommen, zum wenigsten die manusacturenin fremde ländcr getragen haben. Es zerfiel auch LudovicusXIV. an. 1687. von neuem mit dem Papste wegen der quar-tierS-freyheit, deren unfug dieser dem Könige, nebst demexempel anderer Potentaten, so fich derselben begeben hatten,vorstellen ließ. Es ward ihm aber trotzig geantwortet: derKönig habe fich nach niemanden, wol aber andere nach sei-nem erempel zu richten. Dieser streit ward weitläuftig, daßder König, weil der Papst durchaus nicht nachgeben, nochdem Franzöfischen Gesandten gehör verstatten wollte, endlichgar Aviqnvn wegnahm. Diese Verbitterung kam wol gro-llen theils daher, weil man in Franckreich dem damaligenPapste Innocentio XI. nicht gut war, als welcher dem Kay-srr grossen Vorschub that, und in vielen stücken zu erkennengab , wie ihm selbsten vor der allzufthr anwachsenden Fran-zösischen macht heftig granete, übrigens auch Hertz und stand-hafftigkeit genug hatte, die rechte, welche er zu haben ver-meynte, bis aufs äusserste zu verfechten. Nunmehro warauch die zeit zu neuen auswärtigen kriegen gekommen, wel,che vielleicht blos durch das vorhaben, die Protestanten inFranckreich auszurotten, und durch eine gefährliche kranck-heit, die den König an. i<M. befallen, waren aufgehaltenworden. Jetzt aber musten sowol die Englischen veränderun,gen, als dasjenige, was in Teutfchland vorgieng, zum neuenkrieg anlas geben. Er hatte Iacobum II. in Engelland bis-her ziemlich geführt, und war es durch die anschläge, wel-che dieser König zwar von selbsten gefaßt, aber doch auch vonfeiten Franckreich gar sehr darinn gestärckt worden, und diealle auf Unterdrückung der Protestantischen religion und derfrenheit des volcks zielten, endlich in Enqellard so weit kom-men, daß der König mit seinen Unterthanen völlig zerfallenwar. Der zweck Franckreichs mochte wol dabey, wie unterCaroli II. reaierunq gewesen seyn, daß die Engellandcr zuHause stets was zu thun haben, und an seine Unternehmungnickt gcdencken möchten. Allein an. 1688. rüstete sich derPrintz von Oranien mit hülffe der Holländer so heimlich zurlandung aufEngelland, daß der Französische Hos nichts eherdavon erfuhr, als bis fast alles zu stände war. Bey dieserGelegenheit nun meynen viele» die volitic des Französischen Hofs wäre eben nicht die beste gewesen, indem solcher, an-statt nach ausbruch des Vorhabens auf Engelland den Hol-ländern ohne Verzug auf den leib zu gehen, oder wenigst seinegrosse macht nahe an ihre grentze rücken zu lassen, (als aufwelche beyde fälle sie sich schwerlich in daS so wichtige Eng­ lische unternehmen würden gemischet haben) gantz das Wider-spiel gethan, seine zahlreiche trouppen an den Ober - Rheingesendet, und durch anfahung eines unnöthigen kriegS widerden Kayier und Teutfchland den Holländern vollkommene lie-ftrung verschaffet, die vorhabende Unternehmung mit allenkräfften zu txiben. Wahr ist, daß man sich eines so schleu-nigen und glücklichen fortganqs, als nachmals der Printz vonOranien gehabt, auf keine weife versehen, und immer geglaubt,Iacobus würde sich wenigst einige lahre mit jenem herum-schlagen, und nur etwan mittelmäßige beyhülffen von vvlckund geld bedörfen, welche man ihm ungeachtet des Teutschenkrieqes zuzuschicken im stände wäre. Zu dem so war man bö-se , weil der Printz von Fürstenberg nicht hatte können Chur-fürst zu Cöln werden, und wollte auch des Kavsers glück inUngarn steuren, allwo die Türcken durch dessen Waffen fastzum frieden gezwungen waren. Solcher gestalt nahm derDauphin an. 1688. Philippsburg weg, und ward ausser derCölnifchen fache zum vonvande gebraucht, daß der neue Chur-fürst von der Pfaltz der Hertzogii, von Orleans ihre ansprüchestreitig mache, und daß sich der König in Franckreich vonfeiten des Kaysers eines anqriffs zu besorgen gehabt, wie ausdem zu Auqspurg geschlossenen bündnisse zu erkennen sey.Und also gienq der krieg an, der erst an. 1697. durch den friedenzu Rvßwick beygelegt worden. Franckreich zog sich damalszugleich viele feinde auf den hals. Die eroberung vonPhi-lippsburg machte das gantze Reich rege, und desselben ent-schliessungen wurden durch die darauf erfolgten unmenschli,che graufamkeiten und Verwüstungen in der Pfaltz beschleu-nigt , welche vom Louvois hergerührt, und mit solchem vor,satze befohlen worden, daß diejenigen Officirer, so sich einigerMassen barmhcrtzig erwiesen, ihre dienste verlohren. Nächstdem kündigte der König den krieg auch den Spaniern undHolländern an, jenen wegen deS Angfpurgischcn bündnissesund des Verständnisses mit dem Printzen von Oranien, diesen,weil sie zu der Englischen landunq Wilhelme und zu der Cöl-nischen wähl dem Printzen von Bayern so beförderlich gewe-sen. An Engelland bekam er einen gantz unvermuthendenfeind. Denn er hatte nicht gedacht, daß sich der schauplatz da-selbst so bald verändern sollte, als durch die erhebung Kö-nig Wilhelms auf den Englischen thron geschahe. Endlicherklärte sich an. 1690. auch der Hertzog von Savoyen widerFranckreich, welchen Louvois durch seine hochmüthige bezei-gung aufbrachte, daß er die vorschlage der Alliirten annahm.Franckreich mnste sich solcher gestalt ausserordentlich angreif-ten, weil es mit so vielen feinden zu fechten hatte. Nirgendsaber ward der krieg mit wenigerm nca drucke geführt, alsgegen Engelland zum bchuf des flüchtigen Jacobs, Einige

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schreiben die ursach dem zu, weil diese züge vor den Seignelakehorten; dann weil man flotten dazu brauchte, so hatte sieouvois auf alle weise zu hindern gesucht; wiewvl vielmehrzu glauben, es sey daher kommen, weil nicht nur solche mäch-tige expeditionen über see unendlich kostbarer, auch wo Manje etwas rechtschaffenes hätte ausrichten wollen, eine gar zustarcke macht zu wasser und lande erfoderk hätten ; sondernauch weil auf andern feiten den Franzosen die gcfahr viel nä-her kam. Es «st also die hülffe, die aus Franckreich nachJrrland geschickt worden, nie starck genug gewesen, und mitdem jähre 1691. hatten die Franzosen alle Hoffnung verlohren,auf dieser stire etwas auszurichten, wie man es denn hernachnie wieder mit gewalt, sondern allein durch verrätherische an,schläge wider König Wilhelms leben, aber vergeblich, versucht;woran ausser dem Hofe des entsetzten Königs Jacobi auch zuverschiedenen malen einige vornehme Französische Ministernach aussage der conspiranten sollken theil gchabk haben. Sorr-sten sind auch die Franzosen darüber an ihrer macht zur seeziemlich herunter gesetzt worden. Denn da sie an. 1690. oh-ne zweifel durch ein geheimes Verständnis mit dem Engli­ schen Admiral Herbert, welcher auch darüber das command»verlohren, über die Engel-und Holländische flotte ziemlichenVortheil erhalten halten, und an. 1692. dergleichen zu thunvermeynten, funden sie sich doch von dem Englischen AdmiralRössel gar übel angeführt, der sie nur zum schein vertraulichgemacht, ihrer aber, als es zum ernste kam, so übel wartete,daß sie geschlagen und ihre besten schiffe verbrannt wurden ,wornach diesen gantzen krieg durch die Französischen haftn vonden Engellandern mit ftuer sind heimgesucht worden. Aus-ser dem sind sie wegen der fertiqkeit ihrer anstalken in diesemkriege mehrentheils glücklich gewesen. Sie verlohren zwar gleichin dem ersten feldzuae die Cölnischen und Mayntzischen Plätze,welcher sie sich bemächtigt hatten. Sie brachten aber diesenVerlust an. 1690. durch den gewinn des treffens bey Fleurywieder ein, schlugen auch den Hertzog von Savoyen bey Staf-farde. An. 1691. nahm der König in Person Mons ein, wel-che eroberung, weil sie sehr frühe im lahre geschahe, er den gu-ten und richtigen anstalten des Louvois zu daueren hatte. An.1692. führte Ludovicus XI V. auch die belagerung von Namur selbst aus, welches ftme letzte kriegs-verrichtung gewesen. Nachfeiner rückkehr gieng das treffen bey Steenkercken vor , in wel-chem die Alliirten viel einbusse litten. Der Hertzog von Sa-voyen erschreckte ihn zwar durch einen einbruch in Dauphin«.Der zug ward aber zu nichte, weil der Hertzog die pocken krieg-te. An. 169z. schlug der Hertzog von Luxemburg die Alliirtenbey Landen aus dem selbe, wiewol der Verlust an Französi-scher feiten unstreitig grösser war, als bey den Alliirten, welcheein sehr starckes retranchement und selbiges bey einer viel ge-ringern anzahl volcks, als die Franzosen hallen, mit ungemei«ncr tapferkeil beschützet, bis es ihnen zuletzt, bey einigen batte-rien und tronppcn an Munition zu mangeln anfieng. Auchwaren die fruchte dieses sieges eben nicht sonderlich groß, alsnur daß die Franzosen noch in selbigem jähre Cbarleroi weg-nahmen. In der Pfaltz ward Heidelberg eingenommen, unddaselbst erbärmlich gehauftt. In Catalomen ergab sich Roses ,und in Italien wurden die Alliirten bey Marfal geschlagen.An. 1694. wurden insonderheit die Spanier in Catalonien hartbedrängt, aufs Haupt geschlagen, und verschiedener Plätze be,raubt. An. 1699. verlohren die Franzosen zwar in den Nie-derlanden Namur, und in Italien Casal, hingegen hatten sieden Hertzog von Savoyen unter der Hand auf ihre feite ge-bracht, daß er ibnen weiter nicht mit Nachdruck zusetzte, undbald darauf kund machte, das er einen besondern frieden mitihnen geschlossen, in welchem der König ihm alles abgenom-mene wiedergab, und die Heurath zwischen einer SavoyjfchenPrintzeßin und dem Hertzoge von Burgund abredete. Un.geachtet aller Vortheile aber, und ob ihm wol das ende deskrieges in Italien die Hände freyer machte, suchte der Königdoch den frieden mit eiftr. Denn sein Reich empfand dielast des krieqes ungemcin, weil er ausserordentliche kraffte hat-te anwenden, und dasselbe von volck, geld und lcbens-mit-teln entdlösscn müssen, darüber schon zuweilen hungers-nvthentstanden war. Am meisten aber hatte er den bcvorftehententod des Königs von Spanien vor äugen, den er gern erbenwollte, aber eben deswegen sein feind nicht seyn, noch auchsich mit andern Staaten in krieg verwickelt befinden durfte, dieihm die ergreiffung solcher erbschafft hätten wehren können.Um dieser letzten belrachtung willen hatte er schon an. 1690.und 169;. dem Könige in Schweden geld über geld geboten,wen» er ihm zum stieben helffen würde, so aber damals nichtangehen wollen. Jctzo ließ er abermal den Holländern dieeröfnung von seinen friedens-gedancken thun, durch welche dieandern bundes-verwandtcn auch bewogen wurden, sich in Hand-lung einzulassen, wobey man der Crvn Schweden die Vermit-telung auftrug. Indessen waren die kriegs-verrichtungen vonan. 1696. und 1697. nicht sonderlich, ausser daß in dem letztenjähre die Franzosen Ath in den Niederlanden , und Barcellona in Catalonien wegnahmen. In dem Niederländischen feld-zuge unterredeten sich der Marjchall von Bouflers auf Fran-zösischer, und der Graf von Pvrtland auf Englischer feite miteinander, und wurden da die vornehmsten Puncte, die En-gellanv angiengen, ausgemacht. Die allgemeine friedens-tzandlung ward , nachdem man vorläufiger weift fast. emDk>pd 4 rabr