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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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iabr gehandelt, endlich den y. may an. zu Ryßwick ange-fangen Franckreich brauchte dabey allerhand l§taats-griffe,!nw da sich vorher vergeblich bemüh: hatte , zwischen den8'Uürten allerhand argwohn auszustreuen , gelung »hm dochjekv »um wenigsten so viel, daß es einige von ihnen insonder-heit gewann. Solcher gestalt gab man den Holländern, E"-aelländcrn »nid Spaniern alles nach, wie er denn den letzteminsonderheit schmeichelte, und ihnen alles, so sie in diesem krie-ge verlohren hatten, auch so gar Luxemburg , wieder einräumte.Der Kayser aber und das Reich musten das nachsehen haben,und da sie nicht mit den andern zugleich den 20. sept. den frie-den unterzeichnet hatten, musten sie ihn den ;c>. oct. auf vielschlechtere bedlngungen schlieffen, gestalt denn Franckreich jetzonur Philippsburg , Freyburq und Brisirch wiedergab , Straß-burg aber behielt, ob es gleich in den Präliminarien ein an-ders versprochen hatte. Jedoch ward der Hertzog von Lo­ thringen vermöge dieses friedens wieder in sein land eingesetzt,und »vas die reunionen vormals den Reichs-Fürsteu entrissenhatten, herausgegeben. Nunmehr »pendele Ludovicus XIV.alle seine gedancken auf die erlangung der Spanischen Monar-chie , weil deren König Carl II. allem ansehen nach nicht lan-ge mehr leben konnte. Deswegen danckte er sein kriegs-volcknicht ab, und wendete die listigsten mittet an, daß er sich dersel-ben auf entstehenden fall ohne schwerdt - streich bemächtigenkönnte. Er schickte einen Gesandten nach Madrid , der durchseine freyqebigkeit und gute arten die hertzen der Spanier ein-nahm. An die grentzen verlegte er viel volck, und die Spa­ nischen Häfen erfüllte er mit seinen schiffen, »velche untermschein aus dem Ocean in das Mittelländische meer und ansdiesem zurl'ick, in den Ocean zu segeln, oder auch das boots-volck in Übung zu erhalten, allda einliefen, theils sich von demeinlauffe der Häfen zu erkundigen, und abrisse von deren ve-siungs-werckern zu nehmen, theils auch damit sich die Spa-nier auf allen fall vor Franckreich desto mehr förchten müsten.Binnen solcher zeit »vard eben »vegen dieser Spanischen Mo-narchie mit Engelland und Holland der bekannte theilunqs-tractat geschlossen, welche sich aber noch vor erfolgtem tödedes Königs in Spanien beklagten, daß solcher gegen die ge-schehene abrede eben von den Französischen Ministern zu Wien und Madrid , obwol auf eine listige und verborgene weise, kundgemacht »vorden; nur damit man die Spanier und den Kay-ser soivol unter sich als mit ihren ordent.ichen bunds-qenos-scn verhetzte. Durch diese künste und durch den devstand desCardinal« Portocarero kam es auch endlich dahin, daß bey an.1700. erfolgtem tobe des Königs in Spanien ein lestamentzum Vorschein kam, in welchem sein enckel, Philippus, Her­ tzog von Aniou, zum erben der gantzen Monarchie eingesetztwar. (Stehe Larolus II. König in Spamen.) Der Könignahm diß testament ohne bedencken an, schickte seinen enckelnach Spanien , und stellte sich die fache gantz leichte vor, weilder Kayser nicht starck genug, Holland und Enaeliand aber inkeiner Verfassung waren. Über dem hatte er die Churfürstenvon Bayern und Cöln, den Hertzog von Savoyen und Man-tua, den Hertzog von Medina Cel«, Vice-König in Neapoli,den Printzen von Vaudemont , Statthalter von Mayland, aufseiner feite, durch deren hülffe er auch in der that sich derNiederlande und Italiens versicherte, und Teutschland imzäume zu halten gedachte. Jndein aber ungeachlet solcher sei-ner Vortheile der Kayser, das Reich, Engelland und Holland doch gegen ihn zusirmmen traten, zog er sich dadurch einen lang-wierigen krieg über den hals, welcher seine kräffte schtvächte,die er nun ungewöhnlich ausdehnen, und auch zu Spaniens bedeckung brauchen muste, und sein land und finanzen-ivesen,welche die vorigen reiten noch nicht verschmertzt hatten, völligherunter brachte, wobey denn der rühm der Französischen Waffen durch viele unglückliche haupt-streiche, deren sie bishernicht gewohnt waren, grossen abbruch litte. Die Kayferlichendrungen zuerst wider alles vermuthen in Italien ein , und er-hielten sich darinn, so sch»ver es auch war, dennoch, erwecktenalso denFranzosen einen neuen überaus kostbaren krieg,indem sieihnen denHertzog von Savoyen abspenstig machten, und endlichgelung es dem Printzen Eugenio, daß er sie vor Turin in eniemhaupt-treffen erlegte, und damit nöthigte, durch einen vertraggantz Italien zu räumen. Aus Landau und den Cölnischenvestungen wurden sie in den ersten zwey feldzügen getrieben,und da sie mit hülffe des Churfürsten von Bayern wieder tiefins Reich eingedrungen waren, bey Höchstädt an. 1704. so em-pfindlich geschlagen, daß sie ihrem eigenen geständnis nach der-gleichen Niederlage fast niemals gelitten hatten, worauf sieBayern völlig verlassen musten. In ten Niederlanden hattensie von anfange des kriegs alle jähr »vas eingebüßt,und an. 170s.ward ihre armee bey Ramellics völlig geschlagen , worauf siealle Spanische Plätze in Brabant und Flandern verlassen mu,sten. An. 1708. erlitten sie abermals eine Niederlage bey Oude-narde, und an. >709. wurden sie bey Mons aus einem dreyfachverichantztcn lagcr geschlagen. Es gieng eine vestung nach derandern an die Alllirten über, die Picardie »vgrd in contributiongejetzt, Champagne durchjtreift, gegen Dauphins brach der Her,tzog von Savoyen ein, und Franckreich fühlte in der that daSmelier schon an der kehle, als Landrcci von den Alliirten bela-gert war. Zur ,ee durften sich die Franzosen mit flotten nicht se-hen lassen, und dae dereinst vorhatten, eine landunq aufSchottland zu thun, wurden sie doch von den Engelländern un-

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verrichteter fachen nach hause gejagt. In Spanien haltn,«,mühe genug, Philippum auf dem throne zu erhallen,sich die Portugiesen vor die Alliirten erklärt, und KönigVCatalonien eingenommen hatte. Sie litten auch hier !uwM°ziemliche einbuß, gestalt sie bey wegnchmung der stlbcrMtev°iVigos einen grossen theil ihrer schiffe verlohren, und au» »lande etliche mal geschlagen wurden. Doch führten sie den kn -hier meistentheils mit mehren, vertheil, als die Alliirten,«er diesen zuiveit entlegen war. Aber die Vortheile auf dickseile hielten dem Unglücke das geivichte nicht,das an andern i'ratnFranckreich selbst so nahe war. Daher bemühete sich der Mschon an. 1707. und aberinals an. 1709. um einen Wenaber vergeblich, weil man bey seinen enlbielungen nicht ßchcr,heil genug fand, und er absonderlich keine zulängliche nutlelzeigen wollte ober konnte, wie Philippus aus Spanien zu dün-gen sey. Endlich half ihm die untreu des an. 1711. neu-euiae-sctzten Englischen Staals-Raths aus solcher Verwirrung, dis,scn vornehmste glieder Franckreich mit vielen Millionen aufsii.ne feite gebracht haben soll; wiewol, da dieses nicht allzugewiß ist, vielmehr zu glauben stehet, daß jene wegen ihrer eige,nen absichten, und weil sie ihre neu-erworbenegewallt!«fortsetzung des kriegs unmöglich gegen die widrige pariey erhal,ten oder behaupten konnten, sich so schnell auf die FranzöWfeite gewendet hätten. Der Marschall von Tallard, der in E11-gelland als ein kriegs-gefangener lebte, machte den ansang ;udieser geheimen Handlung, und Menager, der gantz verbnginnach Engelland,wie Prior vor dar aus nach Franckreich,geschchwurde, brachte sie zur richtigkeit. Die Engeüänder vaglMsich mit Franckreich auf die künftigen friedens-puucte, mitlli-rechl warb von ihnen zum orte der Handlung benennet, dahiuauch an. 1712. die Alliirten ihre Gesandten schickten. Bev ei,öfnung des ftldzugs von an. 17,2. schloffen die Engcllanckmit den Franzosen einen stillstand, und sonderten sich von taarmee ab. Ob nun gleich die übrigen bunbs-verwandten den,noch vor Landrcci giengen, so ward doch ein theil ihrer Mnbey Denain über» Haussen geworffen, und dadurch waren dieFranzosen auf einmal meister im selbe, und nahmen noch in sel-bigem jähre verschiedene von ihren verlohrnen vestungen wietnein. Sie redeten nunmehro auch zu Utrecht aus einem hvhrrnthone, schrieben gesetze vor, und wie die Engeüänder endlich mitihnen an. 171z. öffentlich einen besondern frieden schlössen, Hä-ren die Holländer genöthigt, selbigen auch anzunehmen. Der

S ud davon war die verzicht, welche Philippus in Spanien totund die seinigen auf die Cron Franckreich that. Den Engel-ländern zu gefallen ward der haftn von Dünkirchen unbrauch-bar gemacht, und der Prätendent aus Franckreich geschasst, nuc,wol nach vieler meynung nur zum schein, weil das Englische Kiniitsrium feine innerste absichten eher auf dessen mehrere an-näherung, als auf seine entsernung zu richten schiene. DeinHertzoge von Savoyen ward das Königreich ©teilte« gegeben.Die Holländer erhielten ausser einem neuen commercien-tra-ctat, daß die Spanischen Niederlande dem Hause Oclicmichnebst einigen vestungen, die den Franzosen sonst gehört, zuge-sprochen wurden. Solcher gestalt blieben der Kayser lind dasReich allein, gegen welche der krieg in Tcutschland fortgeführtward, da die Franzosen Landau und Freydurg croberteii. End-lich kam hier an. -714. auch zum frieden, den der driiitz En-genius und der Marschall von Villars zu Rastadt verabrede-ten, und zu Baden in der Schwcitz förmlich schlössen, vermögedessen Landau den Franzosen verblieb, Freydurg adrr samtBreysach wiedergegeben »vard. Diesen frieden überlebte derKönig nicht lange. Seine meiste bcschässtigimg aber bis anseinen tob machte ihin die berühmte Päpstliche bulle llniec-nicuu, welche die lehre des k. Qucsnel als Janscniiiiichverdammte. Diese bulle fand in Franckreich, sonderlich vondem Ertz - Bischoffe zu Paris , Noailles, und einigen mvgen andern Bischossen, sonderlich aber von dem sogenaunicnandern orden der Geistlichkeit, oder von den Priestern, grei-sen Widerspruch, hingegen »vard sie von den Jesuiten , tmmeisten Bischöffen, der Madame cke Maintenvn, und dnnKönige selbsten unterstützt. Der streit hatte schon etMjähre gewähret. Nun aber wollte der König , da er derkriege los geivorden, demselben mit geivalr ei» ende mMNi.Der Cardinal cle Noailles »var i» höchste ungnad« gnallm,so »vohl als er sonst bey dem Könige gestanden, und IWes darauf, daß er gar sollte in «irrest genommen wann.Der König »var auch willens , sich in person in das Par.c«ment zu begeben , und wider die »veigerer einen bcicyl regnsiriren zu lassen. Ader seine letzte kranckheit unterbrach, dia-vVorsatz. An. 171-;. langte noch ein Abgesandter aus Permv>vHofe an, »velchem der'König eine sehr prächtige audicntzdergleichen in 50. jähren nicht geschehen war. Man hal»>crc^erfahren können, »vas es vor beivandnis mit diesem Gaau"ten habe, und »st von einigen gemuchmassel »vorde», cs u?lauter dlendwerck mit ihm, und solches dazu angestellt gar--sen, daß »nan bey seiner abreise, die er nach Dänemarck nck-men sollte, clivas zuin Vortheile des Prätendenten gegen 1 "'gelland ausführe» »vollen; »vieivol doch hieben keine gm'-Wahrscheinlichkeit ist, und die vorivendendc einfeyuna aantzandere zurüsiungen »vürde erfordert haben, als die abMrung diefes einzeln Gesandten. Im angufto dieses >ahr»»vard der König, der bis dahin noch so starck gcivescn, daz er

bey Musterungen j, bi» 4. stunden zu pferde aushalten können -

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