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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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chem eS vor dem kriege gewesen war, restituirei werden sollte.Auf diesen krieg folgte an. 1504. der Bayerische, welcher sichzwischen dem Churfürsten von der Pfaltz und dem Hertzoge vonBayern ereignet. Die fache verhielt sich folgender gestalt: Geor-gius, Hertzog in Bayern , msgcmein der reiche deygenannt,hatte eine einige tochter, Elisiwetham, die er an Pfaltzgraf Ru-pertum, Churfürst Philipps von der Pfaltz söhn, verheurathet,und in dem testamente, weil er sonst keine kinder hatte/ zur völ-ligen erbin eingesetzt, ungeachtet er sich vorher» mit Hertzog Al-drechten in Bayern,als seinem nächsten dlnts-verwandten,dahinverglichen, daß er die völlige erbschafft seiner lande haben sollte.Als nun der todes - fall des gedachten Hertzogs Georg» ausBayern sich an. 1502. ereignet, ergriff der Pfaltzgraf Ruprechtdie poffeßion,und wollte sich durchaus mir Hertzog Albrechten inkeinen vergleich einlassen, ohngcachtet ihm derKayfer auf demRerchs - tage zu Augspurg an. 1,04. den dritten theil der verlas-senen lande antragen ließ. Hierauf kam es nun in dem letztge-dachten jähre zu einem blutigen kriege. Der Pfaltzgraf Ruprecht,und fein vatter, Churfürst Philipp, welche beyde in die Reichs-acht erklärt worden, hatten zu gehülffen den König Georgium inBöhmen , und etliche Reichs - Fürsten ; hingegen stund auf Al-berlt feiten der Kayfer Maxtmilianus selbst, die Marggrafen vonBrandenburg in Francken, der Hertzog von Würtemberg , undviel andere mächtige Reichs - Fürsten. Die Bayern wurden ineinem treffen bey Regenspurg geschlagen, in welchem aber Maxi-milianus von den Pferden wurde zertreten worden seyn, wo ihmnicht der Hertzog Erich von Braunschweig wieder in den sattclgeholffen, für welche treue ihn der Kayfer zum Ritter gemacht,und die einkünfte der Grafschafft Görtz verehret. Dessen unge-achtet wurde der krieg auf der Pfältzischen feite fortgesetzet, undschiene es, als wenn selbiger sich so bald nicht endigen würde,wenn nicht zu gleicher zeit Pfaltzgraf Rnpertus nebst feiner ge-mahlin, welche, ungeachtet sie hvch-schwangern leibeS war, den-noch mit einer streit - kolbe in der Hand vor ihren trouppcn her-zureuten pfiegte,nicht ohne argwohn beygebrachten giftcs gestor-ben wäre. Denn hierauf kroch der Churfürst Philipp zum'crentz,und bat um gnade, da denn auf dem Reichs - tage zu Cöln alleSwiederum verglichen worden. Pfaltzgraf Ruperts zwey hinter-lassene söhne bekamen das Hertzogthum Neuburg , das übrigeaber von Hertzog Georgens hinterlassenen landen blieb HertzogAlbrechten und feinem bruder Wolfgango, gleichwie fowol vonHertzog Georgens als des Churfürsten Philippi eigenen landenden Lxecuwribus der acht alles muste überlassen werden, was sieiu diesem kriege erobert. Das Haus Pfaltz verlohr hierdurch ge-waltig viel. Denn ausser dem, was andere bekommen, so kaman das Haus Oesterreich die vorhin davon versetzte Landvogteyim Elsaß, das schloß und die stadt Kuffstein und Kitzdühl inTy-rol, Neuburg am Inn , nebst andern Herrschafften und gerech-tigkciten an den Oesterreichischen grentzen, wie auch dieGraf-schafft Kirchberg, Weisscnhorn und dergleichen. Doch dieserfriede war kaum geschlossen, als man wider die Venctianer sichin ftarcke kriegs - Verfassung setzte. Denn weil diese dem Kayferin dem Mayiändifchen kriege mit Franckreich vielen Verdruß ge-than hatten, suchte er sich an ihnen nachdrücklich zu rächen, rmdrichtete deswegen mit dem Könige Lndovico XU. in Franckreich,dem Könige Ferdinands in Aragonien und Neapel , und endlichdem PavstIulio II. zu Cambray an. 1509. eine aüiantz auf.Der Kayfer Marimilianus kam aus Mangel des gelbes zuletztnach Italien , und fand aufbefehl der Venetianer die städte Pa-dua 1 Vicenza, Verona , und was sie sonst der orten hatten, of-fen. Ja die Republick schickte gar einen Gesandten zu ihm indas lastet ab, welcher mit sußfälliger bitte alles, was sie von demRömischen Reiche btshero an sich gezogen, demselben zu restitui,ren, und nochbarzu einen jährlichen lribut vvn 500. vfund gol-des zu bezahlen versprechen muste, wenn nur der Kayfer die stadtin feine prolection nehmen, und nicht in die Hände des Königsin Franckreich liefern würde. Einige sagen gar, der gedachte Ab-gesandte hätte dem Kayfer frey gesteüet, die sriedens - conditio-nes, wie er nur selbsten wollte, vorzuschreiben. Allein des Kay-sers zorn war noch allzu heftig,und der Abgesandte muste «»ver-richteter strche wieder zurück gehen. Doch eben dadurch wurdendie Venetianer auf das äusserste gebracht, und hatten das glück,daß sie den Papst Julium, ingleichen den König von Aragonien von der grossen alltantz trenneten, und hierauf dem Kayfer wie-derum alles in der Lomdardie wegnahmen. Dieser nun ließ sichendlich gleichfalls bereden, daß er einen stillstand mit Venedig machte, traf es aber so übel, daß Franckreich, nachdem es mitden übrigen frieden geschlossen, sich wider den Kayfer undden Hertzog von Mavland erklärte, und den ersten nöthigte, denbisher getroffenen stillstand mit der Republick Venedig in einennachlheiiigen frieden zu verwandeln, auch wegen aller aufgewen-deten kriegs - kosten sich blos mit 200000. ducaten zu vergnügen.Mittlerzeit da der Venetianifche krieg währte, stiftete der Kay-ser eine Vermählung zwischen feiner altern enckelin Maria unddem Cron - Printzen Ludovico in Ungarn , desgleichen zwischender Ungarischen Printzeßin Anna und des Kaystrs zweytem en.ckel Ferdinande, wodurch nach der Hand das Königreich Ungarnan das Haus Oesterreich gelanget. Nachdem er also der weitgenügsame proben von feiner klugheit und tapferkrit dargeleget,wurde er den 12. jan. an. 1519. zu Wels in Ober-Oesterreichderfelvigen durch den lod entnommen. Er war ein Herr, wel-cher fowol wegen seiner leibs-als gemüths - gaaben den berühm-testen Helden des alkerthums gleich geschätzt werden konnte.

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Seine leides«stärcke war «»gemein, und konnte er ein starckesmahl - schloß mit blossen Händen von einander reiffcn. Ebendiese brachte ihm in den Ritterlichen Übungen und turnterengrossen rühm zuwege. Er hatte sich auch darinn so grosse ge»schicklichkeit zuwege gebracht, daß er mit einem Französischen Ritter, welcher die gantze Teutsche nation heraus gefedert, an-gebunden, und ihn ritterlich besieget. Seine tapferkeit und groß-muth fchcuete niemals an der spitze zu stehen, und wenn er ruhevon dem kriege halte, war dieses ferne freude, sich mit der jagd zuüben. Doch kam er hierüber in gar grosse gefahr, sonderlichals er einmalö den gemfcn fo hitzig aufden Tyrolifchen qebürgennachstieg, daß jederman und er felbsten sich feines tebens verzie-he. Die nalur hatte ihn auch mit einem vorcresiichen verständebegäbet, welchen er durch eigene erfahrung sehr vollkommen ge-macht , ob es ihm gleich an geschickten lehrern in der rügend er-mangelt. Er verfertigte selbsten verschiedene bücher, darinn erunter andern auS liebe zur Wahrheit die thaten feines valtersund feine eigene beschrieben. Es befinden sich selbige in der Wie-nerischen biblrotheck, und führen folgende titul: der weife-nig ; der Tewrdanck; Ehren - Pforten ; Freydanck;Triumph-wagen; Stamm-chronick; der Stamm; diesieben Lust-gezirck; wapen-buch; Stahl-buch; platne-rey; Iagerey; Falcknerey; Rucherey; ReUnerey; Fische-rey ; Garrnerey ; Baumeisterex; rc. davon auch der Teivr-danck, darinn er seine Unglücks - falle, so ihm zugeflossen, be-schreibet, und die figuren darzu selbst angegeben,alsdenn gedrucktworden, nachdem Melchior Pfintzing die Teutschen verse darinnverändert. Richardus «sbrolius hat ihn in Latelmicbe verseübersetzt. Sowol in kriegs - als Sraats-facben sahe er darauf,wie alles in guter ordnung möchte eingerichtet werden. Ebendahero hat ihm die heutiges lages gewöhnliche einthcllung derarmeen in regimenter und comvagnien, wie auch die Verfassungdes Römischen Reichs in zehen Kreise, den Ursprung zu danckcn.Unter andern dingen , die sonst unter ihm pasiirct, ist wohl dasmerckwürdigste, baß 2. jähr vor seinem rode D. Martin Luther sich zuerst wider die Römische kirche hervor gethan. So verdie-net auch bemerckl zu werden , daß bereits lange vorher, »emlichan. 1495. Würtemberg zu einem Hertzogthum erhoben worden.Nicht weniger ist merckwürdig , daß dreier glorwürdige Kayferbey empfangener Nachricht von der gefährlichen kranckheit desPapsts Jnlli 11 . sich selbst um die Päpstliche crone beworben ,und an die Cardinäle in die ; 00000. ducaten, seinen endzweck de-sto eher zu erreichen , austheilen lassen , wiewol ihin dieser an-fchlag durch die wiedergenesung des Papstes zunichte worden.Und sind dißfalls sonderlich merckwürdig die zwey bricfe, welcheer dieserwegen an den Baron Paulum von Lichkenstein und seinetochter Margarelham geschrieben hat. Der erste datirt zu Bre-fciade» 16.ftpt. 1511. allwo sich damals derKayfer wegen desVenelianischen kriegs befände, giebt zu erkennen, daß der Kayferdamals der meynung war, das Papstthum nebst dem Kayser-thum zugleich zu behaupten, auch sich zu diesen beyden höchstenwürden zugleich crönen zu lassen, worinn er sich auf die exempelder alten, auch zum theil Christlichen Kayfer, obwol etwasdunckel zu gründen scheinet, als welche bis auf Gratianum zu-gleich stugusti und Loncilics« Maxim, gewesen sind, oder sichdoch also genennet haben ; obwol dieses letztere im geringstennicht zur Christlichen religion gehöret hat. Im übrigen zeigetda der Kayfer ziemliche Hoffnung, im fall damals der Papststürbe, zu seinem zweck zu gelangen, und redete schon von der si-chcrheit, fo er den Fugqern, welche die dreymal hundert taustndducaten vorschießen sollten, im stände wäre zu geben, nemlich 4.kistlein mit edelgesteinen samt dem kostbaren, ohne zweifel auchmit dergleichen steinen oder perlen versetzten mantel, den er beyinvestlturen zu tragen gewohnt wäre, und dann noch über dißalles den dritten theil der Päpstlichen einkünfte, welche die dar-lehner durch ihre dazu bestellte leuthe jeweilen selbst einziehenkönnten. Der andere brief, so den >8. fept. und zwar, wie grosseurfach ist zu muthmassen, im folgenden > ? 12. jähre geschrieben ,zeiget nicht allem, daß derKayfer ungeachtet desPapstes wiederge-nefung in feinem vorhaben beharret, sondern sich nun gar dem-selbigen als einen Coadjutorem wollte zugeben machen, wobeyer wredermalen von zwey - oder dreymal hundert tausend duca-ten spricht, welche die fache leicht machen sollten. Nur hatte erdarinn fein absehen ändern müssen , daß er, um sich des Ferdi-nandi Catholid hülffe gewiß zu versichern, welche ihm auch dar-auf hin versprochen worden, nunmehr das Kayferthum seinemgroß - söhn Carolo V. der auch zugleich Ferdinandi enckel war,wollte abtreten. Monita Polit. ad S. Roman. Imp. Principe' deimmenfa Curia Rom. potentia moder. p. zz. Lettres du RoiLouis XIT. aiec plußeurs autres. Re'ponßs aux quefibn* dunVrovmcial , tom. II. p. 598- Das einige, so die paßionirtestenHistorie, an ihm tadeln können , ist, daß er allzu freygebig ge-wesen, darüber aber oft selbst grossen Mangel am gelbe gehabt,und elwan auch, daß er in seinen rathsthlägen und Unterneh-mungen nicht die allergröste standhafftiqkeit erzeigt, noch die fa-chen mit dem eifer zu ende gebracht, mit welchem er sie angefan-gen. Er hatte zwey gemahlinnen , davon die erstere Maria,Hertzogin in Burgund , ihm, wie bereits oben gedacht, Philip,pum 1. König in Spanien , und Margarctham, Johannis, Jn-fantcn von Spanien , gemahlin, gcbvhren. Nach deren tobevermählte er sich an. 1494. mit Bianca Maria, Galeacii MariäSforkiä, Hertzogs zu Mayland, tochter, die aber an. 1511. oh-ne leides-erben gestorben. Mutius , ia chron, Germanor.

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