Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

HZ6

may

Claudio Drufo tzsrmanico , des Kayser- August! stief-fohn, ek-dauet worden, wiewol vorhero an dessen stelle ein darf an diesemorte maq gestanden seyn; wie denn die Römer allhie ihre besä-tzung und Oberste gehalten haben. Unter den geistlichen grbäu-den ist das vornehmste der Dom zu St. Martin, in welchemvieler Ertz-Bifchöffe und Dom-Herren begrabnissc zu sehen.Hierin» verwahrte man ehemals einen grossen schätz, und unterandern soll man ein grosses güldenes creutz, so allein 600. pfund,oder 1200. marck goldes gewogen, wie auch den, güldenen seffelmit vielen köstlichen edelgesteinen, welche der König Johannesaus Böhmen dem Ertz-Bischoffe, so ihn gecrönet, verehret,haben zeigen können. Unter den übrigen kirchen ist des heil.Jgnatii, St. Quintim, St. Christophori und St. Heimeraml.Sonsten finden fich auch ansehnliche Mönchen-und Nonnen-klöster daselbst. Die residentz des Ertz-Bischoffs liegt gegennorden zu ende der stadt an dem Rhein . Was die geschichte derstadt anlanget, so ist fie um das jähr Christi 72. von Civili ka.tsvo, darauf von den Alemannis und andern barbarischen vol-lkern , deren Marcellinns qedenckt, und denn von den Franckenzerstöret worden. Nlcht besser machten es ihr die Vandalen undHunnen. An. 872. wurde fie durch ein erdbeben ruiniret, undan. 1163. hat fie der Kayser Fridericus Larbarolla, oder wie an-dere wollen, sein vatter aufs neue verheeret. Doch ist auch ge-wiß , daß fich diese stadt jedesmal bald wiederum erholet; wiedann insonderheit Radevicus der geschicht-fchreiber, welchereben unter Kayser Friderico I.' gelebt, deutlich versichert,Mayntz wäre zu seiner zeit eine grosse und veste stadt gewesen.An. 1389. soll allhier offenbar worden seyn, daß die einwohnerwohl 600, jähr heimlich geglaubet, es wäre umsonst, die Heili-gen anzuruffen, weil sie vor niemand bäteten ; wenn der menschgestorben , hätte er nur 2. Wege vor fich, den einen in den Him-mel, den andern zur Hölle, desgleichen, daß ein purer laye ebensowol, als ein Pfaffe, consecriren könnte; daß der Papst fichumsonst der auskheilung des «blasses anmassete, und endlich,daß alle seel-messen vergeblich wären. Das gewisseste ist, daßman um diese zeit unter dem Ertz-Bischoffe Conrado II. einemgebohrnen Grafen von Winsperg, in dieser stadt eine ziemlicheänzahl Waldenser entdeckt, und zum feuer verdammt hat. An.i4ür. bekam diese stadt einen gar empfindlichen streich, indemfie von ihrem Churfürsten Adolpho, gebohrnen Grasen vonNassau, in dem heftigen kriege, den er wegen des Ertz-Bißthumswider Diethern von Jsenburg führte, und in welchem die bür,ger dieses letztern partey hielten, den 27. oct. bey nächtlicherweile überrumpelt, und aufs härteste mitgenommen worden.An. 1332. hak MarggrafAlbert von Brandenburg sich an diesestadt gemacht, und verschiedene kirchen gar übel zugerichtet. An.iü,i. nahm sie der König Gustav Adolph mit accord ein, undließ sie noch mehr bevestigen, auch an dem orte, wo der Maynin den Rhein kömmt, die neue vestung Gustavsburg anlegen,da man viel Römische antiquitäten unter der erde gefunden.An. 1633. musten die Schweden sieden Kayserlichcn übergeben,welche sie dem Churfürsten wieder eingeräumet. An. 1644.«der wurde die stadt von den Franzosen mit accord eingenom,wen, welche sie nach dem, Münsterischen frieden wieder quitki-ret. In den letzten Französischen kriegen gieng es abermal die-ser stadt sehr nahe. Denn da die Franzosen an. 1688. Philipps,burg erobert, und sonsten in Schwaben und Francken gar weitum sich gegriffen, ließ sich der Churfürst von Mayntz überre-den, daß er diese Haupt-stadt ihnen einränmete. Zwar wurdein dem folgenden jähre von dem Hertzoge von Lothringen ,und den Churfürsten von Bayern und Sachsen die stadt mit60000. mann angegriffen , auch eine baldige Übergabe vermu-thet ; allein der Marquis ä'Uxelles that mit 10000. mann, wel-che er zur besatzung darinn hatte, grossen widerstand, muste sichaber doch, nachdem durch eine bombe die pulver-mühle und einmagazin ruiniret worden, auch die contrescarpe endlich durcheinen blutigen stürm Übergängen, ergeben. An. 1691. stundeder stadt ein neues Unglück vor, indem der Kayserliche Ober-Kriegs-Lommillsrius Consbrück mit den Franzosen correspon»lnrte, und ihnen gedachte stadt zu übergeben versprach ; allein eswurde noch bey zeiten diese verrätherey entdecket, und Consbrückzu Mayntz enthauptet. Die Universität allhier ist an. 1477.von dem Ertz-Bischoffe Diethero gestiftet worden. Es streitetauch diese stadt mit Straßburg und Harlem wegen ersindungder buchdruckcrey; doch so, daß sie von unparteyifchen bey wei-tem die mehreste stimmen, und in der that die stärckste gründeund deweisthümmer für sich hat.ssiehe Buchdruckerey.) Sonstfind allhier verschiedene Concilia gehalten worden. Das erstezwar an. 813. darinnen von dem glauben, liebe und Hoffnung ,wie auch von dem leben der Geistlichen und andern kirchen-sachenist gehandelt worden, wovon man noch 56. Canones hat. DerErtz-Bischoff Rabanus Maurus versammelte gleichfalls daselbstin der mitte dieses feculi verschiedene Concilia , in deren einemdes Godeschalci lehre von der gnadenwahl verdammet worden.Um das jähr 1049. kamen 42. Bischöffe hier zusammen, undverdammten die simonie, ingleichen den ehestand der Geistlichen.An. 107;. wurde unter dem Ertz-Bischoffe Sigfrido gleichfallsein Concilium allhier gehalten, in welchem auf befehl desPapsts alle Geistlichen darzu angehalten worden, daß sie entwe-der der weider oder des altars sich begeben sollten. Allein eSgelung ihm übel. D-e grosse geistliche zufammenkunft von an.

swegen merckwurdtg , weil der Kayser Henricus IV.daselbst des Reichs enkjetzct worden. In den folgenden zeiten

may

hat man gleichfalls verschiedene Concilia allhier gehalten, alleines ist keines sonderlich merckwürdig.

-s Mayntz, das Ertz-Bißthum, liegt grösten theils von derGrafschafft Sponheim an, bis an das Hertzogthum Würtem-berg, fast in der figur eines halben circkels beysammen, wiewoldie Grafschafft Hanau und das Franckfurtische gebiethe etwasdazwischen liegt. Gegen abend liegt das fruchtbare Rhein -undMayngau, worinn Mayntz die Haupt-stadt felbsten zu finden.Ferner Bingen, Elfelb, Höchst , Rüdesheim . Gegen morgenliegen Aschaffenburg , Seligenstadt , Klingenberq und andereörter. Zu dem Stift gehöret ferner die Berg-strasse, darinnendie Aemter und städte Weinheim , Bensheim und Heppenheim .In der Pfaltz gehören dem Ertz-Bischoff Gernsheim und So-dernheim , in Hessen Amelburg, Fritzlar und Numdurg;ferner das sogenannte Eichsfeld, oder das kleine ländlein zwi.sehen Thüringen , Hessen und Braunschweig , worinnen Heili­ genstadt , nebst den schlössern Birckenstein, Gleichenstein undScharffenstein, Gebelhausen, Words und Duderstadt , wie-wol ihm wegen dieses letztern der Churfürst Ernst August zuHannover einige prätension gemacht. Die stadt Erfurt in Thü. ringen ist an. 1663. dem Stifte durch kriegs-macht unterwürfigworden, da im übrigen dieses schon von alters her darauf an.spruch gemacht hatte; wovon in folgendem ein mehrers. Fer.ner ist das Amt Oberlohenstein an dem Rhein , Krauta oderKrautheim an der Jaxt, und Bischoffsheim an der Tauberdem (Stifte gehörig. Von flüssen find darinnen der Rhein undMayn, ingleichen die Nidda , Nabe, Aschoff, Lohre, Tauber,Unstrut, Gern, Gernsprintz und Roda. In den gebürgenhat es den Odenwald , Spessert und Thüringer-wald. Wennman die gegend an dem Spessert ausnimmt, so ist das landsowol am getreyde als guten weinwachs durchgehends sehrfruchtbar. Allhier sind auch die berühmten saltz-quellen. Imübrigen hat dieses Ertz-Stift vormals 12. Suffraganeos gehabt,als den zu Würtzburg, Worms , Eichstädt, Speyer , Straß,bürg, Costnitz, Augspurg, Hildesheim , Chur , Paderborn ,Halberstadt und Verben, davon aber die zwey letztem an. 1048.secularisirel worden. Ja es gehörten auch zu alten zeitenPrag und Olmütz darzu , welche aber der Kayser Carl IV.erimirel, und dagegen diesem Ertz-Stifte die stadt Höchst amMayn nebst dem zoll gegeben. Der Canonicorum des Ertz.Stifts sind 42. darunter der Probst, Decanus, Custos , Scho-lalfer und Cantor die fürnehmsten, welche insgesamt ihren Adelmit 16. ahnen beweisen müssen. Der Churfürst selbsten hatvor allen andern Chur -und Fürsten des Reichs grosse präroga.tiven, die ihm sonderlich wegen des Ertz-Cantzler-amts in Ger­ manien zukommen, wie davon unter dem wort Cantzler einmehrers zu finden. Was seine ansprüche betrift, so gehen solche(l.)auf das Chur -Pfältzische Amt, und das schloß Beckelheim,nebst den zugehörigen städten Sobernheim und Montzingen,als welche hiebevor nur pfands-weise an Chur -Pfaltz sollen ab-

S etreten worden seyn; (2.) auf die Harschoff über den Mavn-rom ; (3.) aufdie Francksurter messe; (4.) auf das an Franck.fürt gelegene Sachsenhausen; und (;.) will der Ertz-Bischoff vondem wildfangs-recht befreyet seyn. Auf Erfurt hat dieses (Stiftgleichfalls von langen zeiten her prätension gemacht, weil Kay-ser Otto der grosse feinem söhn Wilhelm, Ertz-Bischoff zuMayntz, die Land-Fürstliche Hoheit in der stadt und derselbengebiethe auf dem lande geschenckt haben soll. Ja man gehetnoch weiter, und will behaupten, daß gantz Thüringen unterdes heiligen Martini , und also unter' des stuhls zu Mayntzbotmäßigkeit stünde. Wie es mit Erfurt ergangen, davon istmit mehrern an seinem orte gedacht worden. Die erb-beam-len dieses Otifts sind (i.) der Landgraf von Hessen -Caffel, Erd.Marschall; (2.) die Pfaltzgrafen von Veldentz, Erb-Truchfts;(3.) die Grafen von Schönborn , Erb-Schenck; (4.) Die Gra-fen von Stollberg , Erb-Cämmerer; fie haben aber insgesamtihre Vicarios ; als (l.) die von Heissenstein; (2.) von Greiffen.klau; (3.) von Cronberg; (4.) von Melternich in Wunneberzund Beilstein . *

Catalogus aller Mayntzischen Bischöffe, Ertz-Bischoffe und Churfürsten: ·

*. St. Crescenz oder Crescentius, von an. 8°. bis ior. &soll ein discipnl des Apostels Pauli gewesen seyn.

». Marinus oder Martinus, bis an. 107.

,. Crescentius, bis an. 123.

4. Cyriacus , war Bischoff 14. jähr.

St. Hilarius, 20. jähr.

6 . Martinus, 14. jähr.

7. Celsus , 22. jähr.

8. Lucius, 10 . jähr.

9. Gotthard, 13. jähr.

10. Sophronius , 8. jähr.u. St. Heriger, 4. jähr.

12. St. Rntherus, ir. jähr»

13. Avitus , 32. jähr.

14. St. Jgnatius, 13. jähr.

13. Dionysius, 20. jähr.

16. Ruthbertus, 12. jähr.

17. Adelhardus, 10. jähr.

18 . St. Lucius Annäus, 18. jähr.

19. St. Ms-